|M-1| A.) Einleitung.
I.) Production, Consumtion, Distribution, Austausch. (Circulation.) 1) Production.α) Der vorliegende Gegenstand zunächst die materielle Production.
In Gesellschaft producirende Individuen – daher gesellschaftlich bestimmte Production der Individuen ist natürlich der Ausgangspunkt. Der einzelne und vereinzelte Jäger und Fischer, womit Smith und Ricardo beginnen, gehört zu den phantasielosen Einbildungen des 18t Jhh. Robinsonaden, die keineswegs, wie Kulturhistoriker sich einbilden, blos einen Rückschlag gegen Ueberverfeinerung und Rückkehr zu einem mißverstandnen Naturleben ausdrücken. So wenig wie Rousseau's Contract social, der die von Natur independenten Subjecte durch Vertrag in Verhältniß und Verbindung bringt, auf solchem Naturalismus beruht. Dieß Schein und nur der ästhetische Schein der kleinen und grossen Robinsonaden. Es ist vielmehr die Vorwegnahme der „bürgerlichen Gesellschaft“, die seit dem 16t Jhh. sich vorbereitete und im 18t Riesenschritte zu ihrer Reife machte. In dieser Gesellschaft der freien Concurrenz erscheint der einzelne losgelöst von den Naturbanden u.s.w., die ihn in frühren Geschichtsepochen zum Zubehör eines bestimmten, begrenzten menschlichen Conglomerats machen. Den Propheten des 18t Jhh., auf deren Schultern Smith und Ricardo noch ganz stehn, schwebt dieses Individuum des 18t Jhh. – das Product, einerseits der Auflösung der feudalen Gesellschaftsformen, andrerseits der seit dem 16t Jhh. neu entwickelten Productivkräfte – als Ideal vor, dessen Existenz eine vergangne sei. Nicht als ein historisches Resultat, sondern als Ausgangspunkt der Geschichte. Weil als das Naturgemässe Individuum, angemessen ihrer Vorstellung von der menschlichen Natur, nicht als ein geschichtlich entstehendes, sondern von der Natur geseztes. Diese Täuschung ist jeder neuen Epoche bisher eigen gewesen. Steuart, der in mancher Hinsicht im Gegensatz zum 18t Jhh. und als Aristokrat mehr auf historischem Boden steht, hat diese Einfältigkeit vermieden.
Je tiefer wir in der Geschichte zurückgehen, je mehr erscheint das Individuum, daher auch das producirende Individuum als unselbstständig, einem grössern Ganzen angehörig: erst noch in ganz natürlicher Weise in der Familie und der zum Stamm erweiterten Familie; später in dem aus dem Gegensatz und Verschmelzung der Stämme hervorgehnden Gemeinwesen in seinen verschiednen Formen. Erst in dem 18t Jhh., in der „bürgerlichen Gesellschaft“ treten die verschiednen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhangs dem Einzelnen als bloses Mittel für seine Privatzwecke entgegen, als äusserliche Nothwendigkeit. Aber die Epoche, die diesen Standpunkt erzeugt, den des vereinzelten Einzelnen, ist grade die der bisher entwickelsten gesellschaftlichen (allgemeinen von diesem Standpunkt aus) Verhältnisse. Der Mensch ist im wörtlichsten Sinn ein ζω̃ον πολιτιϰόν, nicht nur ein geselliges Thier, sondern ein Thier, das nur in der Gesellschaft| |2| sich vereinzeln kann. Die Production des vereinzelten Einzelnen ausserhalb der Gesellschaft – eine Rarität, die einem durch Zufall in die Wildniß verschlagnen Civilisirten wohl vorkommen kann, der in sich dynamisch schon die Gesellschaftskräfte besitzt – ist ein eben solches Unding als Sprachentwicklung ohne zusammen lebende und zusammen sprechende Individuen. Es ist sich dabei nicht länger aufzuhalten. Der Punkt wäre gar nicht zu berühren, wenn die Fadaise, die bei den Leuten des 18t Jhh. Sinn und Verstand hatte, von Bastiat, Carey, Proudhon etc nicht wieder ernsthaft mitten in die modernste Oekonomie hereingezogen würde. Für Proudhon u.a. ist es natürlich angenehm den Ursprung eines ökonomischen Verhältnisses, dessen geschichtliche Entstehung er nicht kennt, dadurch geschichtsphilosophisch zu entwickeln, daß er mythologisirt, Adam oder Prometheus sei auf die Idee fix und fertig gefallen, dann sei sie eingeführt worden etc. Nichts ist langweilig trockener als der phantasirende locus communis.
Wenn also von Production die Rede ist, ist immer die Rede von Production auf einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungsstufe – von der Production gesellschaftlicher Individuen. Es könnte daher scheinen, daß, um überhaupt von der Production zu sprechen, wir entweder den geschichtlichen Entwicklungsprozeß in seinen verschiednen Phasen verfolgen müssen, oder von vorn herein erklären, daß wir es mit einer bestimmten historischen Epoche zu thun haben, also z. B. mit der modernen bürgerlichen Production, die in der That unser eigentliches Thema ist. Allein alle Epochen der Production haben gewisse Merkmale gemein, gemeinsame Bestimmungen. Die Production im Allgemeinen ist eine Abstraktion, aber eine verständige Abstraction, sofern sie wirklich das Gemeinsame hervorhebt, fixirt, und uns daher die Wiederholung erspart. Indeß dieß Allgemeine, oder das durch Vergleichung herausgesonderte Gemeinsame, ist selbst ein vielfach Gegliedertes, in verschiedne Bestimmungen auseinanderfahrendes. Einiges davon gehört allen Epochen; andres einigen gemeinsam. [Einige] Bestimmungen werden der modernsten Epoche mit der ältesten gemeinsam sein. Es wird sich keine Production ohne sie denken lassen; allein, wenn die entwickelsten Sprachen Gesetze und Bestimmungen mit den unentwickelsten gemein haben, so ist grade das, was ihre Entwicklung ausmacht, der Unterschied von diesem Allgemeinen und Gemeinsamen. Die Bestimmungen, die für die Production überhaupt gelten, müssen grade gesondert werden, um über der Einheit – die schon daraus hervorgeht, daß das Subjekt die Menschheit und das Objekt, die Natur dieselben – die wesentliche Verschiedenheit nicht vergessen wird. In diesem Vergessen liegt z. B. die ganze Weisheit der modernen Oekonomen, die die Ewigkeit und Harmonie der bestehenden socialen Verhältnisse beweisen. Z. B. Keine Produktion möglich ohne ein Productionsinstrument, wäre dieß Instrument auch nur die Hand. Keine möglich ohne vergangne, aufgehäufte Arbeit, wäre diese Arbeit auch nur die Fertigkeit, die in der Hand des Wilden durch wiederholte | |3| Uebung angesammelt und concentrirt ist. Das Capital ist unter andrem auch Productionsinstrument, auch vergangne, objektivirte Arbeit. Also ist das Capital ein allgemeines, ewiges Naturverhältniß; d.h. wenn ich grade das Spezifische weglasse, was „Productionsinstrument“, „aufgehäufte Arbeit“ erst zum Capital macht. Die ganze Geschichte der Productionsverhältnisse erscheint daher z. B. bei Carey als eine durch die Regierungen böswillig veranlaßte Verfälschung.
Wenn es keine Production im Allgemeinen giebt, so giebt es auch keine allgemeine Production. Die Production ist immer ein besondrer Productionszweig – z. B. Agricultur, Viehzucht, Manufactur etc – oder sie ist Totalität. Allein die politische Oekonomie ist nicht Technologie. Das Verhältniß der allgemeinen Bestimmungen der Production auf einer gegebnen gesellschaftlichen Stufe zu den besondren Productionsformen anderswo zu entwickeln. (später.) Endlich ist die Production auch nicht nur besondre. Sondern es ist stets ein gewisser Gesellschaftskörper, ein gesellschaftliches Subject, das in einer grössren oder dürftigren Totalität von Productionszweigen thätig ist. Das Verhältniß, das die wissenschaftliche Darstellung zur reellen Bewegung hat, gehört ebenfalls noch nicht hierher. Production im Allgemeinen. Besondre Productionszweige. Totalität der Production.
Es ist Mode der Oekonomie einen allgemeinen Theil vorherzuschicken – und es ist grade der, der unter dem Titel „Production“ figurirt – (siehe z. B. J. St. Mill), worin die allgemeinen Bedingungen aller Production abgehandelt werden. Dieser allgemeine Theil besteht oder soll angeblich bestehn: 1) aus den Bedingungen, ohne welche Production nicht möglich ist. D. h. also in der That nichts als die wesentlichen Momente aller Production angeben. Es reducirt sich dieß in der That aber, wie wir sehn werden, auf einige sehr einfache Bestimmungen, die in flachen Tautologien breitgeschlagen werden; 2) den Bedingungen, die mehr oder weniger die Production fördern, wie z. B. Adam Smith's fortschreitender und stagnanter Gesellschaftszustand. Um dieß, was als Aperçu bei ihm seinen Werth hat, zu wissenschaftlicher Bedeutung zu erheben, wären Untersuchungen nöthig über die Perioden der Grade der Productivität in der Entwicklung einzelner Völker – eine Untersuchung, die ausserhalb der eigentlichen Grenzen des Themas liegt, so weit sie aber in dasselbe gehört bei der Entwicklung der Concurrenz, Accumulation etc anzubringen ist. In der allgemeinen Fassung läuft die Antwort auf das Allgemeine hinaus, daß ein industrielles Volk die Höhe seiner Production in dem Moment besizt, worin es überhaupt seine geschichtliche Höhe einnimmt. In fact. Industrielle Höhe eines Volks, solange noch nicht der Gewinn, sondern das Gewinnen ihm Hauptsache ist. Sofern die Yankees über den Engländern. Oder aber: daß z. B. gewisse Racenanlagen, Climate, Naturverhältnisse wie Seelage, Fruchtbarkeit des Bodens etc der Production günstiger sind als andre. Läuft auch wieder auf die Tautologie hinaus, daß der Reichthum in dem Grade leichter geschaffen wird, als subjektiv und objektiv seine Elemente in höherm Grad vorhanden sind.|
|4| Das ist es aber alles nicht, worum es den Oekonomen wirklich in diesem allgemeinen Theil sich handelt. Die Production soll vielmehr – siehe z. B. Mill, im Unterschied von der Distribution etc als eingefaßt in von der Geschichte unabhängigen ewigen Naturgesetzen dargestellt werden, bei welcher Gelegenheit dann ganz unter der Hand bürgerliche Verhältnisse als unumstößliche Naturgesetze der Gesellschaft in abstracto untergeschoben werden. Dieß ist der mehr oder minder bewußte Zweck des ganzen Verfahrens. Bei der Distribution dagegen sollen die Menschen in der That allerlei Willkühr sich erlaubt haben. Ganz abgesehn von dem rohen Auseinanderreissen von Production und Distribution und ihrem wirklichen Verhältniß, muß so viel von vornherein einleuchten, daß, wie verschiedenartig die Distribution auf verschiednen Gesellschaftsstufen sein mag, es ebenso möglich sein muß, ebenso gut wie in der Production gemeinsame Bestimmungen herauszuheben und ebenso möglich alle historischen Unterschiede zu confundiren oder auszulöschen in allgemein menschlichen Gesetzen. Z. B. der Sklave, der Leibeigne, der Lohnarbeiter erhalten alle ein Quantum Nahrung, das ihnen möglich macht als Sklave, als Leibeigner, als Lohnarbeiter zu existiren. Der Eroberer, der vom Tribut, oder der Beamte, der von der Steuer, oder der Grundeigenthümer der von der Rente, oder der Mönch, der vom Almosen, oder der Levit, der vom Zehnten lebt, erhalten alle ein Quotum der gesellschaftlichen Production, das nach andren Gesetzen bestimmt ist als das des Sklaven etc. Die beiden Hauptpunkte, die alle Oekonomen unter diese Rubrik stellen, sind: 1) Eigenthum; 2) Sicherung desselben durch Justiz, Polizei etc. Es ist darauf sehr kurz zu antworten:
ad 1. Alle Production ist Aneignung der Natur von Seiten des Individuums innerhalb und vermittelst einer bestimmten Gesellschaftsform. In diesem Sinn ist es Tautologie zu sagen, daß Eigenthum (Aneignen) eine Bedingung der Production sei. Lächerlich aber ist es hiervon einen Sprung auf eine bestimmte Form des Eigenthums, z. B. das Privateigenthum zu machen. (Was dazu noch eine gegensätzliche Form, die Nichteigenthum ebensowohl als Bedingung unterstelle.) Die Geschichte zeigt vielmehr Gemeineigenthum (z. B. bei den Indern, Slaven, alten Celten etc) als die ursprünglichere Form, eine Form, die unter der Gestalt des Gemeindeeigenthums noch lange eine bedeutende Rolle spielt. Von der Frage, ob der Reichthum sich besser unter dieser oder jener Form des Eigenthums entwickle, ist hier noch gar nicht die Rede. Daß aber von keiner Production, also auch von keiner Gesellschaft die Rede sein kann, wo keine Form des Eigenthums existirt, ist eine Tautologie. Eine Aneignung, die sich nichts zu eigen macht, ist contradictio in subjecto.
ad 2. Sicherstellung des Erworbnen etc. Wenn diese Trivialitäten auf ihren wirklichen Gehalt reducirt werden, so sprechen sie mehr aus, als ihre Prediger wissen. Nämlich daß jede Form der Production ihre eignen Rechtsverhältnisse, Regierungsform etc erzeugt. Die Rohheit und Begriffslosigkeit liegt eben darin, das organisch ||5| Zusammengehörende zufällig auf einander zu beziehn, in einen blosen Reflectionszusammenhang zu bringen. Den bürgerlichen Oekonomen schwebt nur vor, daß sich mit der modernen Polizei besser produciren lasse als z. B. im Faustrecht. Sie vergessen nur, daß auch das Faustrecht ein Recht ist, und daß das Recht des Stärkeren unter andrer Form auch in ihrem „Rechtsstaat“ fortlebt.
Wenn die einer bestimmten Stufe der Production entsprechenden gesellschaftlichen Zustände erst entstehn, oder wenn sie schon vergehn, treten natürlich Störungen der Production ein, obgleich in verschiednem Grad und von verschiedner Wirkung.
Zu resümiren: Es giebt allen Productionsstufen gemeinsame Bestimmungen, die vom Denken als allgemeine fixirt werden; aber die s.g. allgemeinen Bedingungen aller Production sind nichts als diese abstrakten Momente, mit denen keine wirkliche geschichtliche Productionsstufe begriffen ist.
2) Das allgemeine Verhältniß der Production zu Distribution, Austausch, Consumtion.
Ehe in eine weitre Analyse der Production eingegangen wird, ist es nöthig, die verschiednen Rubriken, die die Oekonomen neben sie stellen, ins Aug zu fassen.
Die flach auf der Hand liegende Vorstellung: In der Production eignen (bringen hervor, gestalten) die Gesellschaftsglieder die Naturprodukte menschlichen Bedürfnissen an; die Distribution bestimmt das Verhältniß, worin der Einzelne theilnimmt an diesen Producten; der Austausch führt ihm die besondren Producte zu, in die er das ihm durch die Distribution zugefallne Quotum umsetzen will; endlich in der Consumtion werden die Producte Gegenstände des Genusses, der individuellen Aneignung. Die Production bringt die den Bedürfnissen entsprechenden Gegenstände hervor; die Distribution vertheilt sie nach gesellschaftlichen Gesetzen; der Austausch vertheilt wieder das schon Vertheilte nach dem einzelnen Bedürfniß; endlich in der Consumtion tritt das Product aus dieser gesellschaftlichen Bewegung heraus, wird direkt Gegenstand und Diener des einzelnen Bedürfnisses und befriedigt es im Genuß. Production erscheint so als der Ausgangspunkt, Consumtion als der Endpunkt, Distribution und Austausch als die Mitte, die selbst wieder doppelt ist, indem die Distribution als das von der Gesellschaft, der Austausch als das von den Individuen ausgehende Moment bestimmt ist. In der Production objectivirt sich die Person, in der Person subjektivirt sich die Sache; in der Distribution übernimmt die Gesellschaft in der Form allgemeiner, herrschender Bestimmungen die Vermittlung zwischen der Production und Consumtion; in dem Austausch sind sie vermittelt durch die zufällige Bestimmtheit des Individuums.
Die Distribution bestimmt das Verhältniß (das Quantum), worin die Producte an die Individuen fallen; der Austausch bestimmt die Producte, worin das Individuum den ihm durch die Distribution zugewiesnen | |6| Antheil verlangt.
Production, Distribution, Austausch, Consumtion bilden so einen regelrechten Schluß; Production die Allgemeinheit, Distribution und Austausch die Besonderheit, Consumtion die Einzelnheit, worin sich das ganze zusammenschließt. Dieß ist allerdings ein Zusammenhang, aber ein flacher. Die Production ist durch allgemeine Naturgesetze bestimmt; die Distribution durch gesellschaftlichen Zufall, und sie kann daher mehr oder weniger befördernd auf die Production wirken; der Austausch liegt zwischen beiden als formalgesellschaftliche Bewegung, und der schliessende Akt der Consumtion, der nicht nur als Endziel, sondern auch als Endzweck gefaßt wird, liegt eigentlich ausserhalb der Oekonomie, ausser soweit er wieder zurückwirkt auf den Ausgangspunkt, und den ganzen Vorgang von neuem einleitet.
Die Gegner der politischen Oekonomen – seien es Gegner innerhalb oder ausserhalb ihres Berings, die ihnen barbarische Auseinanderreissung des zusammengehörigen vorwerfen, stehn entweder mit ihnen auf demselben Boden oder unter ihnen. Nichts gewöhnlicher als der Vorwurf, die politischen Oekonomen faßten die Production zu ausschließlich als Selbstzweck ins Auge. Es komme ebensosehr auf die Distribution an. Diesem Vorwurf liegt grade die ökonomische Vorstellung zu Grunde, daß die Distribution als selbstständige, unabhängige Sphäre neben der Production haust. Oder die Momente würden nicht in ihrer Einheit gefaßt. Als wenn das Auseinanderreissen nicht aus der Wirklichkeit in die Lehrbücher, sondern umgekehrt aus den Lehrbüchern in die Wirklichkeit gedrungen sei, und es sich hier um eine dialektische Ausgleichung von Begriffen handele, und nicht um die Auffassung realer Verhältnisse!
a1) Die Production ist unmittelbar auch Consumtion. Doppelte Consumtion, subjektive und objektive: das Individuum, das im Produciren seine Fähigkeiten entwickelt, giebt sie auch aus, verzehrt sie im Akt der Production, ganz wie das natürliche Zeugen eine Consumtion von Lebenskräften ist. Zweitens: Consumtion der Productionsmittel, die gebraucht und abgenuzt werden und zum Theil (wie z. B. bei der Feurung) in die allgemeinen Elemente wieder aufgelöst werden. Ebenso Consumtion des Rohstoffs, der nicht in seiner natürlichen Gestalt und Beschaffenheit bleibt, die vielmehr aufgezehrt wird. Der Akt der Production selbst ist daher in allen seinen Momenten auch ein Akt der Consumtion. Aber dieß geben die Oekonomen zu. Die Production als unmittelbar identisch mit der Consumtion, die Consumtion als unmittelbar zusammenfallend mit der Production, nennen sie productive Consumtion. Diese Identität von Production und Consumtion kömmt hinaus auf Spinoza's Satz: determinatio est negatio. |
|7| Aber diese Bestimmung der productiven Consumtion wird eben nur aufgestellt, um die mit der Production identische Consumtion zu trennen von der eigentlichen Consumtion, die vielmehr als vernichtender Gegensatz der Production gefaßt wird. Betrachten wir also die eigentliche Consumtion.
Die Consumtion ist unmittelbar auch Production, wie in der Natur die Consumtion der Elemente und der chemischen Stoffe Production der Pflanze ist. Daß in der Nahrung z. B., einer Form der Consumtion, der Mensch seinen eignen Leib producirt, ist klar. Es gilt dieß aber von jeder andren Art der Consumtion, die in einer oder der andren Art den Menschen nach einer Seite hin producirt. Consumptive Production. Allein, sagt die Oekonomie, diese mit der Consumtion identische Production ist eine zweite aus der Vernichtung des ersten Products hervorgehende. In der ersten versachlichte sich der Producent, in der zweiten personificirt sich die von ihm geschaffne Sache. Also ist diese consumptive Production – obgleich sie eine unmittelbare Einheit zwischen Production und Consumtion ist – wesentlich verschieden von der eigentlichen Production. Die unmittelbare Einheit, worin die Production mit der Consumtion und die Consumtion mit der Production zusammenfällt, läßt ihre unmittelbare Zweiheit bestehn.
Die Production ist also unmittelbar Consumtion, die Consumtion ist unmittelbar Production. Jede ist unmittelbar ihr Gegentheil. Zugleich aber findet eine vermittelnde Bewegung zwischen beiden statt. Die Production vermittelt die Consumtion, deren Material sie schafft, der ohne sie der Gegenstand fehlte. Aber die Consumtion vermittelt auch die Production, indem sie den Producten erst das Subject schafft, für das sie Producte sind. Das Product erhält erst den lezten finish in der Consumtion. Eine Eisenbahn, auf der nicht gefahren wird, die also nicht abgenuzt, nicht consumirt wird, ist nur eine Eisenbahn δυνάμει, nicht der Wirklichkeit nach. Ohne Production keine Consumtion; aber auch ohne Consumtion keine Production, da die Production so zwecklos wäre. Die Consumtion producirt die Production doppelt, 1) indem erst in der Consumtion das Product wirkliches Product wird. Z. B. ein Kleid wird erst wirklich Kleid durch den Akt des Tragens; ein Haus, das nicht bewohnt wird, ist in fact kein wirkliches Haus; also als Product, im Unterschied von blosem Naturgegenstand, bewährt sich, wird das Product erst in der Consumtion. Die Consumtion giebt, indem sie das Product auflöst, ihm erst den finishing stroke; denn Product ist die Production nicht nur als versachlichte Thätigkeit, sondern auch nur als Gegenstand für das thätige Subjekt. 2) Indem die Consumtion das Bedürfniß neuer Production schafft, also den idealen, innerlich treibenden Grund der Production, der ihre Voraussetzung ist. Die Consumtion schafft den Trieb der Production; sie schafft auch den Gegenstand, der als Zweckbestimmend in der Production thätig ist. Wenn es klar ist, daß die Production den Gegenstand der Consumtion äusserlich darbietet, so ist ||8| daher ebenso klar, daß die Consumtion den Gegenstand der Production ideal sezt, als innerliches Bild, als Bedürfniß, als Trieb und als Zweck. Sie schafft die Gegenstände der Production in noch subjektiver Form. Ohne Bedürfniß keine Production. Aber die Consumtion reproducirt das Bedürfniß.
Dem entspricht von Seiten der Production, daß sie 1) der Consumtion das Material, den Gegenstand liefert. Eine Consumption ohne Gegenstand ist keine Consumtion; also schafft nach dieser Seite, producirt die Production die Consumtion. 2) Aber es ist nicht nur der Gegenstand den die Production der Consumtion schafft. Sie giebt auch der Consumtion ihre Bestimmtheit, ihren Charakter, ihren finish. Ebenso wie die Consumtion dem Product seinen finish als Product gab, giebt die Production den finish der Consumtion. Einmal ist der Gegenstand kein Gegenstand überhaupt, sondern ein bestimmter Gegenstand, der in einer bestimmten, durch die Production selbst wieder vermittelten Art consumirt werden muß. Hunger ist Hunger, aber Hunger, der sich durch gekochtes, mit Gabeln und Messer gegeßnes Fleisch befriedigt, ist ein andrer Hunger als der rohes Fleisch mit Hilfe von Hand, Nagel und Zahn verschlingt. Nicht nur der Gegenstand der Consumtion, sondern auch die Weise der Consumtion wird daher durch die Production producirt, nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv. Die Production schafft also den Consumenten. 3) Die Production liefert dem Bedürfniß nicht nur ein Material, sondern sie liefert dem Material auch ein Bedürfniß. Wenn die Consumtion aus ihrer ersten Naturroheit und Unmittelbarkeit heraustritt – und das Verweilen in derselben wäre selbst noch das Resultat einer in der Naturroheit steckenden Production – so ist sie selbst als Trieb vermittelt durch den Gegenstand. Das Bedürfniß, das sie nach ihm fühlt, ist durch die Wahrnehmung desselben geschaffen. Der Kunstgegenstand – ebenso jedes andre Product – schafft ein Kunstsinniges und Schönheitsgenußfähiges Publicum. Die Production producirt daher nicht nur einen Gegenstand für das Subject, sondern auch ein Subject für den Gegenstand. Die Production producirt die Consumtion daher 1) indem sie ihr das Material schafft; 2) indem sie die Weise der Consumtion bestimmt; 3) indem sie die erst von ihr als Gegenstand gesezten Producte als Bedürfniß im Consumenten erzeugt. Sie producirt daher Gegenstand der Consumtion, Weise der Consumtion, Trieb der Consumtion. Ebenso producirt die Consumtion die Anlage des Producenten, indem sie ihn als Zweckbestimmendes Bedürfniß sollicitirt.
Die Identitäten zwischen Consumtion und Production erscheinen also 3fach:
1) Unmittelbare Identität: Die Production ist Consumtion; die Consumtion ist Production. Consumtive Production. Productive Consumtion. Die Nationalökonomen nennen beides ||9| productive Consumtion. Machen aber noch einen Unterschied. Die erste figurirt als Reproduction; die 2te als productive Consumtion. Alle Untersuchungen über die erste sind die über productive oder unproductive Arbeit; die über die 2te über productive oder nicht productive Consumtion.
2) Daß jede als Mittel der andren erscheint; von ihr vermittelt wird; was als ihre wechselseitige Abhängigkeit ausgedrückt wird; eine Bewegung, wodurch sie auf einander bezogen werden und sich wechselseitig unentbehrlich erscheinen, aber sich doch noch äusserlich bleiben. Die Production schafft das Material als äusserlichen Gegenstand für die Consumtion; die Consumtion schafft das Bedürfniß als innern Gegenstand, als Zweck für die Production. Ohne Production keine Consumtion; ohne Consumtion keine Production. Figurirt in der Oekonomie in vielen Formen.
3) Die Production ist nicht nur unmittelbar Consumtion und die Consumtion unmittelbar Production; noch ist die Production nur Mittel für die Consumtion und die Consumtion Zweck für die Production, d. h. daß jede der andren ihren Gegenstand liefert, die Production äusserlichen der Consumtion, die Consumtion vorgestellten der Production; sondern jede derselben ist nicht nur unmittelbar die andre, noch die andere nur vermittelnd, sondern jede der beiden schafft, indem sie sich vollzieht, die andre; sich als die andre. Die Consumtion vollzieht erst den Akt der Production, indem sie das Product als Product vollendet, indem sie es auflöst, die selbstständig sachliche Form an ihm verzehrt; indem sie die in dem ersten Akt der Production entwickelte Anlage durch das Bedürfniß der Wiederholung zur Fertigkeit steigert; sie ist also nicht nur der abschliessende Akt, wodurch das Product Product, sondern auch, wodurch der Producent Producent wird. Andrerseits producirt die Production die Consumtion, indem sie die bestimmte Weise der Consumtion schafft, und dann indem sie den Reiz der Consumtion, die Consumtionsfähigkeit selbst schafft als Bedürfniß. Diese leztre unter 3) bestimmte Identität in der Oekonomie vielfach erläutert in dem Verhältniß von Nachfrage und Zufuhr, von Gegenständen und Bedürfnissen, von durch die Societät geschaffnen und natürlichen Bedürfnissen.
Hiernach für einen Hegelianer nichts einfacher als Production und Consumtion identisch zu setzen. Und das ist geschehn nicht nur von socialistischen Belletristen, sondern von prosaischen Oekonomen selbst, z. B. Say; in der Form, daß wenn man ein Volk betrachte seine Production seine Consumtion sei. Oder auch die Menschheit in abstracto. Storch hat dem Say das Falsche nachgewiesen, indem ein Volk z. B. nicht rein sein Product consumirt, sondern auch Productionsmittel schafft etc, fixes Capital etc. Die Gesellschaft als Ein einziges Subject betrachten, ist sie überdem falsch betrachten; spekulativ. Bei einem Subject erscheinen Production und Consumtion als Momente eines Akts. Das Wichtige ist hier nur ||9'| hervorzuheben, daß betrachte man Production und Consumtion als Thätigkeiten eines Subjects oder vieler Individuen, sie jedenfalls als Momente eines Processes erscheinen, worin die Production der wirkliche Ausgangspunkt und darum auch das übergreifende Moment ist. Die Consumtion als Nothdurft, als Bedürfniß ist selbst ein innres Moment der Productiven Thätigkeit. Aber die leztre ist der Ausgangspunkt der Realisirung und daher auch ihr übergreifendes Moment, der Akt, worin der ganze Process sich wieder verläuft. Das Individuum producirt einen Gegenstand und kehrt durch dessen Consumtion wieder in sich zurück, aber als productives Individuum und sich selbst reproducirendes. Die Consumtion erscheint so als Moment der Production.
In der Gesellschaft aber ist die Beziehung des Producenten auf das Product, sobald es fertig ist, eine äusserliche und die Rückkehr desselben zu dem Subjekt hängt ab von seinen Beziehungen zu andren Individuen. Es wird desselben nicht unmittelbar habhaft. Auch ist die unmittelbare Aneignung desselben nicht sein Zweck, wenn es in der Gesellschaft producirt. Zwischen den Producenten und die Producte tritt die Distribution, die durch gesellschaftliche Gesetze seinen Antheil an der Welt der Producte bestimmt, also zwischen die Production und Consumtion tritt.
Steht nun die Distribution als selbstständige Sphäre neben und ausserhalb der Production?
b1) Wenn man die gewöhnlichen Oekonomien betrachtet, muß zunächst auffallen, daß alles in ihnen doppelt gesezt wird. Z. B. in der Distribution figuriren Grundrente, Arbeitslohn, Zins und Profit, während in der Production Erde, Arbeit, Capital figuriren als Agenten der Production. Mit dem Capital nun ist von vorn herein einleuchtend, daß es doppelt gesezt ist, 1) als Productionsagent; 2) als Einnahmequelle; als bestimmend bestimmte Distributionsformen. Zins und Profit figuriren daher auch als solche in der Production, insofern sie Formen sind, in denen das Capital sich vermehrt, anwächst, also Momente seiner Production selbst. Zins und Profit als Distributionsformen unterstellen das Capital als Agenten der Production. Sie sind Distributionsweisen, die zur Voraussetzung das Capital als Productionsagenten haben. Sie sind ebenso Reproductionsweisen des Capitals.
Arbeitslohn ist ebenso die unter einer andren Rubrik betrachtete Lohnarbeit: die Bestimmtheit, die die Arbeit hier als Productionsagent hat, erscheint als Distributionsbestimmung. Wäre die Arbeit nicht als Lohnarbeit bestimmt, so erschiene die Art, worin sie an den Producten theilnimmt, nicht als Arbeitslohn, wie z. B. in der Sklaverei. Endlich die Grundrente, um gleich die entwickelste Form der Distribution zu nehmen, worin das Grundeigenthum an den Producten ||10| theilnimmt, unterstellt das grosse Grundeigenthum (eigentlich die grosse Agricultur) als Productionsagenten, nicht die Erde schlechthin, so wenig wie das Salair die Arbeit schlechthin. Die Distributionsverhältnisse und -weisen erscheinen daher nur als Kehrseite der Productionsagenten. Ein Individuum, das in der Form der Lohnarbeit an der Production theilnimmt, nimmt in der Form des Arbeitslohns an den Producten, den Resultaten der Production theil. Die Gliederung der Distribution ist vollständig bestimmt durch die Gliederung der Production. Die Distribution ist selbst ein Product der Production, nicht nur dem Gegenstand nach, daß nur die Resultate der Production distribuirt werden können, sondern auch der Form nach, daß die bestimmte Art der Theilnahme an der Production die besondren Formen der Distribution, die Form, worin an der Distribution theilgenommen wird, bestimmt. Es ist durchaus eine Illusion in der Production Erde, in der Distribution Grundrente zu setzen etc.
Oekonomen wie Ricardo, denen am meisten vorgeworfen wird, sie hätten nur die Production im Auge, haben daher ausschließlich die Distribution als Gegenstand der Oekonomie bestimmt, weil sie instinctiv die Distributionsformen als den bestimmtesten Ausdruck faßten, worin die Productionsagenten in einer gegebnen Gesellschaft sich fixiren.
Dem einzelnen Individuum gegenüber erscheint natürlich die Distribution als ein gesellschaftliches Gesetz, das seine Stellung innerhalb der Production bedingt, innerhalb deren es producirt, die also der Production vorausgeht. Das Individuum hat von Haus aus kein Capital, kein Grundeigenthum. Es ist von Geburt auf die Lohnarbeit angewiesen durch die gesellschaftliche Distribution. Aber dieß Angewiesensein selbst ist das Resultat, daß Capital, Grundeigenthum als selbstständige Productionsagenten existiren.
Ganze Gesellschaften betrachtet scheint die Distribution noch nach einer Seite hin der Production vorherzugehn und sie zu bestimmen; gleichsam als anteökonomisches fact. Ein eroberndes Volk vertheilt das Land unter die Eroberer und imponirt so eine bestimmte Vertheilung und Form des Grundeigenthums; bestimmt daher die Production. Oder es macht die Eroberten zu Sklaven und macht so Sklavenarbeit zur Grundlage der Production. Oder ein Volk durch Revolution zerschlägt das grosse Grundeigenthum in Parcellen; giebt also durch diese neue Distribution der Production einen neuen Charakter. Oder die Gesetzgebung verewigt das Grundeigenthum in gewissen Familien, oder vertheilt die Arbeit [als] erbliches Privileg und fixirt sie so kastenmässig. In allen diesen Fällen, und sie sind alle historisch, scheint die Distribution nicht durch die Production, sondern umgekehrt die Production durch die Distribution gegliedert und bestimmt.|
|11| Die Distribution in der flachsten Auffassung erscheint als Distribution der Producte, und so weiter entfernt von und quasi selbstständig gegen die Production. Aber ehe die Distribution Distribution der Producte ist, ist sie: 1) Distribution der Productionsinstrumente, und 2), was eine weitere Bestimmung desselben Verhältnisses ist, Distribution der Mitglieder der Gesellschaft unter die verschiednen Arten der Production. (Subsumtion der Individuen unter bestimmte Productionsverhältnisse.) Die Distribution der Producte ist offenbar nur Resultat dieser Distribution, die innerhalb des Productionsprocesses selbst einbegriffen ist und die Gliederung der Production bestimmt. Die Production abgesehn von dieser in ihr eingeschloßnen Distribution betrachten, ist offenbar leere Abstraktion, während umgekehrt die Distribution der Producte von selbst gegeben ist mit dieser ursprünglich ein Moment der Production bildenden Distribution. Ricardo, dem es darum zu thun war die moderne Production in ihrer bestimmten socialen Gliederung aufzufassen, und der der Oekonom der Production par excellence ist, erklärt eben deßwegen nicht die Production sondern die Distribution für das eigentliche Thema der modernen Oekonomie. Es folgt hieraus wieder die Abgeschmacktheit der Oekonomen, die die Production als ewige Wahrheit entwickeln, während sie die Geschichte in den Bereich der Distribution bannen.
Welches Verhältniß diese die Production selbst bestimmende Distribution zu ihr einnimmt, ist offenbar eine Frage, die innerhalb der Production selbst fällt. Sollte gesagt werden, daß dann wenigstens, da die Production von einer gewissen Distribution der Productionsinstrumente ausgehn muß, die Distribution in dieser Bedeutung der Production vorhergeht, ihre Voraussetzung bildet, so ist darauf zu antworten, daß die Production in der That ihre Bedingungen und Voraussetzungen hat, die Momente derselben bilden. Diese mögen im ersten Beginn als naturwüchsig erscheinen. Durch den Process der Production selbst werden sie aus naturwüchsigen in geschichtliche verwandelt und wenn sie für eine Periode als natürliche Voraussetzung der Production erscheinen, waren sie für eine andre ihr geschichtliches Resultat. Innerhalb der Production selbst werden sie beständig verändert. Z. B. die Anwendung der Maschinerie veränderte die Distribution sowohl der Productionsinstrumente als der Producte. Das moderne grosse Grundeigenthum selbst ist das Resultat sowohl des modernen Handels und der modernen Industrie, wie der Anwendung der lezteren auf die Agricultur.
Die oben aufgeworfnen Fragen lösen sich alle in lezter Instanz dahin auf, wie allgemein geschichtliche Verhältnisse in die Production hineinspielen, und ihr Verhältniß zur geschichtlichen Bewegung überhaupt. Die Frage gehört offenbar in die Erörterung und Entwicklung der Production selbst.|
|12| Indeß in der trivialen Form, worin sie oben aufgeworfen sind, können sie ebenso kurz abgefertigt werden. Bei allen Eroberungen ist dreierlei möglich. Das erobernde Volk unterwirft das Eroberte seiner eignen Productionsweise (z. B. die Engländer in Irland in diesem Jahrhundert, zum Theil in Indien); oder es läßt die alte bestehn und begnügt sich mit Tribut (z. B. Türken und Römer); oder es tritt eine Wechselwirkung ein, wodurch ein Neues entsteht, eine Synthese. (zum Theil in den germanischen Eroberungen.) In allen Fällen ist die Productionsweise, sei es des erobernden Volks, sei es des eroberten, sei es die aus der Verschmelzung beider hervorgehende, bestimmend für die neue Distribution, die eintritt. Obgleich diese als Voraussetzung für die neue Productionsperiode erscheint, ist sie so selbst wieder ein Product der Production, nicht nur der geschichtlichen im Allgemeinen, sondern bestimmt der geschichtlichen Production.
Die Mongolen mit ihren Verwüstungen in Rußland z. B. handelten ihrer Production, der Viehweide gemäß, für die grosse unbewohnte Strecken eine Hauptbedingung. Die germanischen Barbaren, für die Ackerbau mit Leibeignen hergebrachte Production war und isolirtes Leben auf dem Land, konnten die römischen Provinzen um so leichter diesen Bedingungen unterwerfen, als die dort stattgehabte Concentration des Grundeigenthums die älteren Agriculturverhältnisse schon ganz umgeworfen hatte.
Es ist eine hergebrachte Vorstellung, daß in gewissen Perioden nur vom Raub gelebt ward. Um aber Rauben zu können muß etwas zu rauben da sein, also Production. Und die Art des Raubs ist selbst wieder durch die Art der Production bestimmt. Eine stockjobbing nation z. B. kann nicht beraubt werden, wie eine Nation von Kuhhirten.
In dem Sklaven wird das Productionsinstrument direkt geraubt. Dann aber muß die Production des Landes, für das er geraubt wird, so gegliedert sein als Sklavenarbeit zuzulassen, oder (wie in Südamerica etc) es muß eine dem Sklaven entsprechende Productionsweise geschaffen werden.
Gesetze können ein Productionsinstrument z. B. Land in gewissen Familien verewigen. Diese Gesetze bekommen nur ökonomische Bedeutung, wenn das grosse Grundeigenthum in Harmonie mit der gesellschaftlichen Production ist, wie z. B. in England. In Frankreich wurde kleine Agricultur getrieben trotz des grossen Grundeigenthums, leztres daher auch von der Revolution zerschlagen. Aber die Verewigung der Parcellirung z. B. durch Gesetze? Trotz dieser Gesetze concentrirt sich das Eigenthum wieder. Der Einfluß der Gesetze zur Festhaltung von Distributionsverhältnissen, und dadurch ihre Einwirkung auf die Production besonders zu bestimmen.|
|13| c1) Austausch endlich und Circulation.
Die Circulation selbst nur ein bestimmtes Moment des Austauschs oder auch der Austausch in seiner Totalität betrachtet.
Insofern der Austausch nur ein vermittelndes Moment zwischen der Production, und der durch sie bestimmten Distribution mit der Consumtion ist; insofern leztre aber selbst als ein Moment der Production erscheint, ist der Austausch offenbar auch in leztrer einbegriffen als Moment.
Es ist erstens klar, daß der Austausch von Thätigkeiten und Fähigkeiten, der in der Production selbst geschieht, direct zu ihr gehört und sie wesentlich ausmacht. Dasselbe gilt zweitens vom Austausch der Producte, so weit er zur Herstellung des fertigen, für die unmittelbare Consumtion bestimmten Products Mittel ist. So weit ist der Austausch selbst in der Production einbegriffner Akt. Drittens, der sogenannte Exchange zwischen dealers und dealers ist sowohl seiner Organisation nach ganz durch die Production bestimmt, als selbst producirende Thätigkeit. Der Austausch erscheint nur unabhängig neben, indifferent gegen die Production in dem lezten Stadium, wo das Product unmittelbar für die Consumtion ausgetauscht wird. Aber 1) kein Austausch ohne Theilung der Arbeit, sei diese nun naturwüchsig oder selbst schon geschichtliches Resultat. 2) Privataustausch sezt Privatproduction voraus; 3) die Intensivität des Austauschs, wie seine Extension, wie seine Art, durch die Entwicklung und Gliederung der Production bestimmt. Z. B. Austausch zwischen Stadt und Land; Austausch auf dem Land, in der Stadt etc. Der Austausch erscheint so in allen seinen Momenten in der Production entweder direkt einbegriffen oder durch sie bestimmt.
Das Resultat, wozu wir gelangen, ist nicht, daß Production, Distribution, Austausch, Consumtion identisch sind, sondern daß sie alle Glieder einer Totalität bilden, Unterschiede innerhalb einer Einheit. Die Production greift über, sowohl über sich in der gegensätzlichen Bestimmung der Production, als über die andren Momente. Von ihr beginnt der Process immer wieder von neuem. Daß Austausch und Consumtion nicht das Uebergreifende sein können, ist von selbst klar. Ebenso von der Distribution als Distribution der Producte. Als Distribution der Productionsagenten aber ist sie selbst ein Moment der Production. Eine bestimmte Production bestimmt also eine bestimmte Consumtion, Distribution, Austausch und bestimmte Ver- hältnisse dieser verschiednen Momente zu einander. Allerdings wird auch die Production, in ihrer einseitigen Form, ihrerseits bestimmt durch die andren Momente. Z. B. wenn der Markt sich ausdehnt, d. h. die Sphäre des Austauschs, wächst die Production dem Umfang nach und theilt sich tiefer ab. Mit Veränderung der Distribution ändert sich die Production; z. B. mit Concentration des Capitals, verschiedner Distribution der Bevölkerung in Stadt und Land etc. Endlich bestimmen die Consumtionsbedürfnisse die Production. Es findet Wechselwirkung zwischen den verschiednen Momenten Statt. Dieß der Fall bei jedem organischen Ganzen.|
|14| 3) Die Methode der politischen Oekonomie.
Wenn wir ein gegebnes Land politisch-ökonomisch betrachten, so beginnen wir mit seiner Bevölkerung, ihrer Vertheilung in Klassen, Stadt, Land, See, den verschiednen Productionszweigen, Aus- und Einfuhr, jährlicher Production und Consumtion, Waarenpreissen etc.
Es scheint das Richtige zu sein mit dem Realen und Concreten, der wirklichen Voraussetzung zu beginnen, also z. B. in der Oekonomie mit der Bevölkerung, die die Grundlage und das Subjekt des ganzen gesellschaftlichen Productionsakts ist. Indeß zeigt sich dieß bei näherer Betrachtung falsch. Die Bevölkerung ist eine Abstraktion, wenn ich z. B. die Klassen aus denen sie besteht weglasse. Diese Klassen sind wieder ein leeres Wort, wenn ich die Elemente nicht kenne, auf denen sie beruhn. Z. B. Lohnarbeit, Capital etc. Diese unterstellen Austausch, Theilung der Arbeit, Preisse etc. Capital z. B. ohne Lohnarbeit ist nichts, ohne Werth, Geld, Preiß etc. Finge ich also mit der Bevölkerung an, so wäre das eine chaotische Vorstellung des Ganzen und durch nähere Bestimmung würde ich analytisch immer mehr auf einfachere Begriffe kommen; von dem vorgestellten Concreten auf immer dünnere Abstracta, bis ich bei den einfachsten Bestimmungen angelangt wäre. Von da wäre nun die Reise wieder rückwärts anzutreten, bis ich endlich wieder bei der Bevölkerung anlangte, dießmal aber nicht als bei einer chaotischen Vorstellung eines Ganzen, sondern als einer reichen Totalität von vielen Bestimmungen und Beziehungen. Der erste Weg ist der, den die Oekonomie in ihrer Entstehung geschichtlich genommen hat. Die Oekonomen des 17t Jhh. z. B. fangen immer mit dem lebendigen Ganzen, der Bevölkerung, der Nation, Staat, mehren Staaten etc an; sie enden aber immer damit, daß sie durch Analyse einige bestimmende abstrakte, allgemeine Beziehungen, wie Theilung der Arbeit, Geld, Werth etc herausfinden. Sobald diese einzelnen Momente mehr oder weniger fixirt und abstrahirt waren, begannen die ökonomischen Systeme, die von dem einfachen, wie Arbeit, Theilung der Arbeit, Bedürfniß, Tauschwerth aufstiegen bis zum Staat, Austausch der Nationen, und Weltmarkt. Das leztre ist offenbar die wissenschaftlich richtige Methode. Das Concrete ist concret weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen. Im Denken erscheint es daher als Prozeß der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstellung ist. Im ersten Weg wurde die volle Vorstellung zu abstrakter Bestimmung verflüchtigt; im 2t führen die abstrakten Bestimmungen zur Reproduction des Concreten im Weg des Denkens. Hegel gerieth daher auf die Illusion, das Reale als Resultat des sich in sich zusammenfassenden, in sich vertiefenden, und aus sich selbst sich bewegenden Denkens zu fassen, während die Methode vom Abstrakten zum Concreten aufzusteigen, nur die Art für das Denken ist sich das Concrete anzueignen, es als ein geistig Concretes zu reproduciren. Keineswegs aber der Entstehungsprocess des Concreten selbst. Z. B. die einfachste ökonomische Categorie, sage z. B. Tauschwerth, unterstellt Bevölkerung, Bevölkerung producirend in bestimmten Verhältnissen; auch ||15| gewisse Sorte von Familien- oder Gemeinde- oder Staatswesen etc. Er kann nie existiren ausser als abstrakte, einseitige Beziehung eines schon gegebnen concreten, lebendigen Ganzen. Als Categorie führt dagegen der Tauschwerth ein antediluvianisches Dasein. Für das Bewußtsein daher – und das philosophische Bewußtsein ist so bestimmt – dem das begreifende Denken der wirkliche Mensch und die begriffne Welt als solche erst die wirkliche ist – erscheint daher die Bewegung der Categorien als der wirkliche Productionsakt – der leider nur einen Anstoß von Aussen erhält – dessen Resultat die Welt ist; und dieß ist – dieß ist aber wieder eine Tautologie – so weit richtig, als die konkrete Totalität als Gedankentotalität, als ein Gedankenconcretum, in fact ein Product des Denkens, des Begreifens ist; keineswegs aber des ausser oder über der Anschauung und Vorstellung denkenden und sich selbst gebärenden Begriffs, sondern der Verarbeitung von Anschauung und Vorstellung in Begriffe. Das Ganze wie es im Kopf als Gedankenganzes erscheint ist ein Product des denkenden Kopfes, der sich die Welt in der ihm einzig möglichen Weise aneignet, einer Weise, die verschieden ist von der künstlerisch-, religiös-, praktisch-geistigen Aneignung dieser Welt. Das reale Subject bleibt nach wie vor ausserhalb des Kopfes in seiner Selbstständigkeit bestehn; solange sich der Kopf nämlich nur spekulativ verhält, nur theoretisch. Auch bei der theoretischen Methode daher muß das Subject, die Gesellschaft, als Voraussetzung stets der Vorstellung vorschweben.
Aber haben diese einfachen Categorien nicht auch eine unabhängige historische oder natürliche Existenz vor den concretern? Ça dépend. Z. B. Hegel fängt die Rechtsphilosophie richtig mit dem Besitz an, als der einfachsten rechtlichen Beziehung des Subjekts. Es existirt aber kein Besitz vor der Familie oder Herrschafts- und Knechtsverhältnissen, die viel concretre Verhältnisse sind. Dagegen wäre es richtig zu sagen, daß Familien, Stammesganze existiren, die nur noch besitzen, nicht Eigenthum haben. Die einfachere Categorie erscheint also als Verhältniß einfacher Familien- oder Stammgenossenschaften im Verhältniß zum Eigenthum. In der höhern Gesellschaft erscheint sie als das einfachere Verhältniß einer entwickelten Organisation. Das concretere Substrat, dessen Beziehung der Besitz ist, ist aber immer vorausgesezt. Man kann sich einen einzelnen Wilden besitzend vorstellen. Dann ist aber der Besitz kein Rechtsverhältniß. Es ist unrichtig, daß der Besitz sich historisch zur Familie entwickelt. Er unterstellt vielmehr immer diese „concretere Rechtscategorie“. Indeß bliebe dann immer so viel, daß die einfachen Categorien Ausdrücke von Verhältnissen sind, in denen das unentwickeltere Concrete sich realisirt haben mag, ohne noch die vielseitigre Beziehung oder Verhältniß, das in der concretern Categorie geistig ausgedrückt ist, gesezt zu haben; während das entwickeltere Concrete dieselbe Categorie als ein untergeordnetes Verhältniß beibehält. Geld kann existiren und hat historisch existirt, ehe Capital existirte, ehe Banken existirten, ehe Lohnarbeit existirte etc. Nach dieser Seite hin kann also gesagt werden, daß die einfachre Categorie herrschende Verhältnisse eines unentwickeltern Ganzen oder untergeordnete Verhältnisse eines entwickeltern Ganzen ausdrücken kann, die historisch schon Existenz hatten, eh das Ganze sich nach der Seite entwickelte, die in einer concretern Categorie ausgedrückt ist. Insofern entspräche der Gang des abstrakten Denkens, das vom Einfachsten zum Combinirten aufsteigt dem wirk||16|lichen historischen Prozeß.
Andrerseits kann gesagt werden, daß es sehr entwickelte, aber doch historisch unreifere Gesellschaftsformen giebt, in denen die höchsten Formen der Oekonomie, z. B. Cooperation, entwickelte Theilung der Arbeit etc stattfinden, ohne daß irgend ein Geld existirt, z. B. Peru. Auch bei den slavischen Gemeinwesen tritt das Geld, und der es bedingende Austausch, nicht oder wenig innerhalb der einzelnen Gemeinwesen hervor, sondern an ihrer Grenze, im Verkehr mit andren, wie es denn überhaupt falsch ist den Austausch mitten in d. Gemeinwesen zu setzen, als das ursprünglich constituirende Element. Er tritt vielmehr im Anfang eher in der Beziehung der verschiednen Gemeinwesen auf einander, als für die Mitglieder innerhalb eines und desselben hervor. Ferner: Obgleich das Geld sehr früh und allseitig eine Rolle spielt, so ist es im Alterthum doch als herrschendes Element nur einseitig bestimmten Nationen, Handelsnationen zugewiesen. Und selbst im gebildesten Alterthum, bei Griechen und Römern, erscheint seine völlige Entwicklung, die in der modernen bürgerlichen Gesellschaft vorausgesezt ist, nur in der Periode ihrer Auflösung. Also diese ganz einfache Categorie erscheint in ihrer Intensivität nicht historisch als in den entwickelsten Zuständen der Gesellschaft. Keineswegs alle ökonomischen Verhältnisse durchwadend. Z. B. im römischen Reich, in seiner größten Entwicklung, blieb Naturalsteuer und Naturallieferung Grundlage. Das Geldwesen eigentlich nur vollständig dort entwickelt in der Armee. Es ergriff auch nie das Ganze der Arbeit. So, obgleich die einfachre Categorie, historisch existirt haben mag vor der concretern, kann sie, in ihrer völligen intensiven und extensiven Entwicklung grade einer combinirten Gesellschaftsform angehören, während die concretere in einer weniger entwickelten Gesellschaftsform völliger entwickelt war.
Arbeit scheint eine ganz einfache Categorie. Auch die Vorstellung derselben in dieser Allgemeinheit – als Arbeit überhaupt – ist uralt. Dennoch, ökonomisch in dieser Einfachheit gefaßt ist „Arbeit“ eine ebenso moderne Categorie, wie die Verhältnisse, die diese einfache Abstraction erzeugen. Das Monetarsystem z. B. sezt den Reichthum noch ganz objectiv, als Sache ausser sich im Geld. Gegenüber diesem Standpunkt war es ein grosser Fortschritt, wenn das Manufactur- oder commercielle System aus dem Gegenstand in die subjektive Thätigkeit – die commercielle und Manufacturarbeit die Quelle des Reichthums sezt, aber immer noch blos diese Thätigkeit selbst in der Begrenztheit als Geldmachend auffaßt. Diesem System gegenüber das physiokratische, das eine bestimmte Form der Arbeit – die Agricultur – als die Reichthumschaffende sezt und das Objekt selbst nicht mehr in der Verkleidung des Geldes, sondern als Product überhaupt, als allgemeines Resultat der Arbeit. Dieses Product noch der Begrenztheit der Thätigkeit gemäß als immer noch Naturbestimmtes Product – Agriculturproduct, Erdproduct par excellence.|
|17| Es war ein ungeheurer Fortschritt von Ad. Smith jede Bestimmtheit der Reichthumzeugenden Thätigkeit fortzuwerfen – Arbeit schlechthin, weder Manufactur-, noch commercielle, noch Agriculturarbeit, aber sowohl die eine wie die andre. Mit der abstrakten Allgemeinheit der Reichthumschaffenden Thätigkeit nun auch die Allgemeinheit des als Reichthum bestimmten Gegenstandes, Product überhaupt oder wieder Arbeit überhaupt, aber als vergangne, vergegenständlichte Arbeit. Wie schwer und groß dieser Uebergang, geht daraus hervor, wie Ad. Smith selbst noch von Zeit zu Zeit wieder in das physiocratische System zurückfällt. Nun könnte es scheinen, als ob damit nur der abstrakte Ausdruck für die einfachste und urälteste Beziehung gefunden, worin die Menschen – sei es in welcher Gesellschaftsform immer – als producirend auftreten. Das ist nach einer Seite hin richtig. Nach der andren nicht. Die Gleichgültigkeit gegen eine bestimmte Art der Arbeit sezt eine sehr entwickelte Totalität wirklicher Arbeitsarten voraus, von denen keine mehr die alles beherrschende ist. So entstehn die allgemeinsten Abstraktionen überhaupt nur bei der reichsten concreten Entwicklung, wo Eines vielen Gemeinsam erscheint, allen gemein. Dann hört es auf nur in besondrer Form gedacht werden zu können. Andrerseits ist diese Abstraktion der Arbeit überhaupt nicht nur das geistige Resultat einer konkreten Totalität von Arbeiten. Die Gleichgültigkeit gegen die bestimmte Arbeit entspricht einer Gesellschaftsform, worin die Individuen mit Leichtigkeit aus einer Arbeit in die andre übergehn und die bestimmte Art der Arbeit ihnen zufällig, daher gleichgültig ist. Die Arbeit ist hier nicht nur in der Categorie, sondern in der Wirklichkeit als Mittel zum Schaffen des Reichthums überhaupt geworden, und hat aufgehört als Bestimmung mit den Individuen in einer Besonderheit verwachsen zu sein. Ein solcher Zustand ist am entwickelsten in der modernsten Daseinsform der bürgerlichen Gesellschaften – den Vereinigten Staaten. Hier also wird die Abstraction der Categorie „Arbeit“, „Arbeit überhaupt“, Arbeit sans phrase, der Ausgangspunkt der modernen Oekonomie, erst praktisch wahr. Die einfachste Abstraktion also, welche die moderne Oekonomie an die Spitze stellt, und die eine uralte und für alle Gesellschaftsformen gültige Beziehung ausdrückt, erscheint doch nur in dieser Abstraction praktisch wahr als Categorie der modernsten Gesellschaft. Man könnte sagen, was in den Vereinigten Staaten als historisches Product, erscheine bei den Russen z. B. – diese Gleichgültigkeit gegen die bestimmte Arbeit – als Naturwüchsige Anlage. Allein einmal verteufelter Unterschied, ob Barbaren Anlage haben zu allem verwandt zu werden, oder ob Civilisirte sich selbst zu allem verwenden. Und dann entspricht praktisch bei den Russen dieser Gleichgültigkeit gegen die Bestimmtheit der Arbeit das traditionelle Festgerittensein in eine ganz bestimmte Arbeit, woraus sie nur durch Einflüsse von aussen herausgeschleudert werden.|
|18| Dieß Beispiel der Arbeit zeigt schlagend, wie selbst die abstractesten Categorien, trotz ihrer Gültigkeit – eben wegen ihrer Abstraction – für alle Epochen, doch in der Bestimmtheit dieser Abstraction selbst ebenso sehr das Product historischer Verhältnisse sind und ihre Vollgültigkeit nur für und innerhalb dieser Verhältnisse besitzen.
Die bürgerliche Gesellschaft ist die entwickeltste und mannigfaltigste historische Organisation der Production. Die Categorien, die ihre Verhältnisse ausdrücken, das Verständniß ihrer Gliederung, gewähren daher zugleich Einsicht in die Gliederung und die Productionsverhältnisse aller der untergegangnen Gesellschaftsformen, mit deren Trümmern und Elementen sie sich aufgebaut, von denen theils noch unüberwundne Reste sich in ihr fortschleppen, blose Andeutungen sich zu ausgebildeten Bedeutungen entwickelt haben etc. Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen. Die Andeutungen auf Höhres in den untergeordnetren Thierarten können dagegen nur verstanden werden, wenn das Höhere selbst schon bekannt ist. Die bürgerliche Oekonomie liefert so den Schlüssel zur antiken etc. Keineswegs aber in der Art der Oekonomen, die alle historischen Unterschiede verwischen und in allen Gesellschaftsformen die bürgerlichen sehen. Man kann Tribut, Zehnten etc verstehn, wenn man die Grundrente kennt. Man muß sie aber nicht identificiren. Da ferner die bürgerliche Gesellschaft selbst nur eine gegensätzliche Form der Entwicklung, so werden Verhältnisse frührer Formen oft nur ganz verkümmert in ihr anzutreffen sein, oder gar travestirt. Z. B. Gemeindeeigenthum. Wenn daher wahr ist, daß die Categorien der bürgerlichen Oekonomie eine Wahrheit für alle andren Gesellschaftsformen besitzen, so ist das nur cum grano salis zu nehmen. Sie können dieselben entwickelt, verkümmert, karikirt etc enthalten, immer in wesentlichem Unterschied. Die s. g. historische Entwicklung beruht überhaupt darauf, daß die lezte Form die vergangnen als Stufen zu sich selbst betrachtet, und, da sie selten, und nur unter ganz bestimmten Bedingungen fähig ist, sich selbst zu kritisiren – es ist hier natürlich nicht von solchen historischen Perioden die Rede, die sich selbst als Verfallzeit vorkommen – sie immer einseitig auffaßt. Die christliche Religion war erst fähig zum objectiven Verständniß der frühern Mythologien zu verhelfen, sobald ihre Selbstkritik zu einem gewissen Grad, so zu sagen δυνάμει, fertig war. So kam die bürgerliche Oekonomie erst zum Verständniß der feudalen, antiken, orientalen, sobald die Selbstkritik der bürgerlichen Gesellschaft begonnen. Soweit die bürgerliche Oekonomie nicht mythologisirend sich rein identificirt mit den vergangnen, glich ihre Kritik der frühern, namentlich der feudalen, mit der sie noch direct zu kämpfen hatte, der Kritik, die das Christenthum am Heidenthum, oder auch der Protestantismus am Catholicismus ausübte.|
|19| Wie überhaupt bei jeder historischen, socialen Wissenschaft, ist bei dem Gang der ökonomischen Categorien immer festzuhalten, daß, wie in der Wirklichkeit, so im Kopf, das Subjekt, hier die moderne bürgerliche Gesellschaft gegeben ist, und daß die Categorien daher Daseinsformen, Existenzbestimmungen, oft nur einzelne Seiten dieser bestimmten Gesellschaft, dieses Subjekts ausdrücken, und daß sie daher auch wissenschaftlich keineswegs da erst anfängt, wo nun von ihr als solcher die Rede ist. Dieß ist festzuhalten, weil es gleich über die Eintheilung entscheidendes zur Hand giebt. Z.B. nichts scheint naturgemässer als mit der Grundrente zu beginnen, dem Grundeigenthum, da es an die Erde, die Quelle aller Production und allen Daseins, gebunden ist, und an die erste Productionsform aller einigermassen befestigten Gesellschaften – die Agricultur. Aber nichts wäre falscher. In allen Gesellschaftsformen ist es eine bestimmte Production, die allen übrigen, und deren Verhältnisse daher auch allen übrigen, Rang und Einfluß anweist. Es ist eine allgemeine Beleuchtung worin alle übrigen Farben getaucht sind und sie in ihrer Besonderheit modificirt. Es ist ein besondrer Aether, der das spezifische Gewicht alles in ihm hervorstechenden Daseins bestimmt. Z.B. bei Hirtenvölkern (blose Jäger- und Fischer-Völker liegen ausser dem Punkt, wo die wirkliche Entwicklung beginnt). Bei ihnen kömmt gewisse Form des Ackerbaus vor, sporadische. Das Grundeigenthum ist dadurch bestimmt. Es ist gemeinsames und hält diese Form mehr oder minder bei, je nachdem diese Völker mehr oder minder noch an ihrer Tradition festhalten, z. B. das Gemeindeeigenthum der Slaven. Bei Völkern von festsitzendem Ackerbau – dieß Festsetzen schon grosse Stufe – wo dieser vorherrscht wie bei den Antiken und Feudalen, hat selbst die Industrie und ihre Organisation und die Formen des Eigenthums, die ihr entsprechen, mehr oder minder Grundeigenthümlichen Charakter; ist entweder ganz von ihm abhängig wie bei den ältern Römern oder wie im Mittelalter ahmt die Organisation des Landes in der Stadt und ihren Verhältnissen nach. Das Capital selbst im Mittelalter – soweit es nicht reines Geldcapital ist – als traditionelles Handwerkszeug etc hat diesen grundeigenthümlichen Charakter. In der bürgerlichen Gesellschaft ist es umgekehrt. Die Agricultur wird mehr und mehr ein bloser Industriezweig und ist ganz vom Capital beherrscht. Ebenso die Grundrente. In allen Formen, worin das Grundeigenthum herrscht, die Naturbeziehung noch vorherrschend. In denen, wo das Capital herrscht, das gesellschaftlich, historisch geschaffne Element. Die Grundrente kann nicht verstanden werden, ohne das Capital. Das Capital aber wohl ohne die Grundrente. Das Capital ist die alles beherrschende ökonomische Macht der bürgerlichen Gesellschaft. Es muß Ausgangspunkt, wie Endpunkt bilden und vor dem Grundeigenthum entwickelt werden. Nachdem beide besonders betrachtet sind, muß ihre Wechselbeziehung betrachtet werden.|
|20| Es wäre also unthubar und falsch, die ökonomischen Categorien in der Folge auf einander folgen zu lassen, in der sie historisch die bestimmenden waren. Vielmehr ist ihre Reihenfolge bestimmt durch die Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen Gesellschaft auf einander haben, und die gerade das umgekehrte von dem ist, was als ihre naturgemässe erscheint oder der Reihe der historischen Entwicklung entspricht. Es handelt sich nicht um das Verhältniß, das die ökonomischen Verhältnisse in der Aufeinanderfolge verschiedener Gesellschaftsformen historisch einnehmen. Noch weniger um ihre Reihenfolge „in der Idee“ (Proudhon) (einer verschwimmelten Vorstellung der historischen Bewegung). Sondern um ihre Gliederung innerhalb der modernen bürgerlichen Gesellschaft.
Die Reinheit (abstracte Bestimmtheit), in der die Handelsvölker – Phönizier, Carthaginienser – in der alten Welt erscheinen, ist eben durch das Vorherrschen der Agriculturvölker selbst gegeben. Das Capital als Handelsoder Geldcapital erscheint eben in dieser Abstraction, wo das Capital noch nicht das beherrschende Element der Gesellschaften ist. Lombarden, Juden nehmen dieselbe Stellung gegenüber den agriculturtreibenden mittelaltrigen Gesellschaften ein.
Als weitres Beispiel der verschiednen Stellung die dieselben Categorien in verschiednen Gesellschaftsstufen einnehmen: Eine der lezten Formen der bürgerlichen Gesellschaft: die jointstock-companies. Erscheinen aber auch im Beginn derselben in den grossen privilegirten und mit Monopol versehnen Handelscompagnien.
Der Begriff des Nationalreichthums selbst schleicht sich bei den Oekonomen des 17t Jhh. so ein – eine Vorstellung, die noch zum Theil bei denen des 18t fortgeht – daß blos für den Staat der Reichthum geschaffen wird, seine Macht aber im Verhältniß zu diesem Reichthum steht. Es war dieß noch unbewußt heuchlerische Form, worin sich der Reichthum selbst und die Production desselben als Zweck der modernen Staaten ankündigt und sie nur noch als Mittel zur Production des Reichthums betrachtet.
Die Eintheilung offenbar so zu machen, daß 1) die allgemeinen abstrakten Bestimmungen, die daher mehr oder minder allen Gesellschaftsformen zukommen, aber im oben auseinandergesezten Sinn. 2) Die Categorien, die die innre Gliederung der bürgerlichen Gesellschaft ausmachen und worauf die fundamentalen Klassen beruhn. Capital, Lohnarbeit, Grundeigenthum. Ihre Beziehung zu einander. Stadt und Land. Die 3 grossen gesellschaftlichen Klassen. Austausch zwischen denselben. Circulation. Creditwesen (private). 3) Zusammenfassung der bürgerlichen Gesellschaft in der Form des Staats. In Beziehung zu sich selbst betrachtet. Die „unproductiven“ Klassen. Steuern. Staatsschuld. Oeffentlicher Credit. Die Bevölkerung. Die Colonien. Auswanderung. 4) Internationales Verhältniß der Production. Internationale Theilung der Arbeit. Internationaler Austausch. Aus- und Einfuhr. Wechselkurs. 5) Der Weltmarkt und die Crisen.|
|21| 4) Production. Productionsmittel und Productionsverhältnisse. Productionsverhältnisse und Verkehrsverhältnisse. Staats- und Bewußtseinsformen im Verhältniß zu den Productions- und Verkehrsverhältnissen. Rechtsverhältnisse. Familienverhältnisse.
Notabene in Bezug auf Punkte, die hier zu erwähnen, und nicht vergessen werden dürfen:
1) Krieg früher ausgebildet, wie Frieden: Art wie durch den Krieg und in den Armeen etc gewisse ökonomische Verhältnisse, wie Lohnarbeit, Maschinerie etc früher entwickelt als im Innren der bürgerlichen Gesellschaft. Auch das Verhältniß von Productivkraft und Verkehrsverhältnissen besonders anschaulich in der Armee.
2) Verhältniß der bisherigen idealen Geschichtschreibung zur realen. Namentlich der s. g. Culturgeschichten, die alle Religions- und Staatengeschichte. (Bei der Gelegenheit kann auch etwas gesagt werden über die verschiednen Arten der bisherigen Geschichtschreibung. S. g. Objektive. Subjektive. (Moralische u. a.) Philosophische.)
3) Secundäres und tertiäres, überhaupt abgeleitete, übertragne, nicht ursprüngliche Productionsverhältnisse. Einspielen hier internationaler Verhältnisse.
4) Vorwürfe über Materialismus dieser Auffassung. Verhältniß zum naturalistischen Materialismus.
5) Dialektik der Begriffe Productivkraft (Productionsmittel) und Pro- ductionsverhältniß, eine Dialectic deren Grenzen zu bestimmen und die realen Unterschied nicht aufhebt.
6) Das unegale Verhältniß der Entwicklung der materiellen Production z. B. zur künstlerischen. Ueberhaupt der Begriff des Fortschritts nicht in der gewöhnlichen Abstraction zu fassen. Mit der Kunst etc diese Disproportion noch nicht so wichtig und schwierig zu fassen, als innerhalb praktischsocialer Verhältnisse selbst. Z. B. der Bildung. Verhältniss der United States zu Europa. Der eigentlich schwierige Punkt hier zu erörtern ist aber der, wie die Productionsverhältnisse als Rechtsverhältnisse in ungleiche Entwicklung treten. Also z. B. das Verhältniß des römischen Privatrechts (im Criminalrecht und öffentlichen das weniger der Fall) zur modernen Production.
7) Diese Auffassung erscheint als nothwendige Entwicklung. Aber Berechtigung des Zufalls. Wie. (Der Freiheit u. a. auch.) (Einwirkung der Communicationsmittel. Weltgeschichte existirte nicht immer; die Geschichte als Weltgeschichte Resultat.)
8) Der Ausgangspunkt natürlich von der Naturbestimmtheit; subjektiv und objektiv. Stämme, Racen etc.
1) Bei der Kunst bekannt, daß bestimmte Blüthezeiten derselben keineswegs im Verhältniß zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft, also auch der materiellen Grundlage, gleichsam des Knochenbaus ihrer Organisation stehn. Z. B. die Griechen verglichen mit den Modernen oder auch Shakespeare. Von gewissen Formen der Kunst, z. B. dem Epos sogar anerkannt, daß sie, in ihrer Weltepochemachenden, klassischen Gestalt nie producirt werden können, sobald die Kunstproduction als solche eintritt; also daß innerhalb des Berings der Kunst selbst gewisse bedeutende Gestaltungen derselben nur auf einer unentwickelten Stufe der Kunstentwicklung möglich sind. Wenn dieß im Verhältniß der verschiednen Kunstarten innerhalb des Bereichs der Kunst selbst der Fall ist, ist es schon weniger auffallend, daß es im Verhältniß des ganzen Bereichs der Kunst zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft der Fall ist. Die Schwierigkeit besteht nur in der allgemeinen Fassung dieser Widersprüche. Sobald sie spezificirt werden, sind sie schon erklärt.|
|22| Nehmen wir z. B. das Verhältniß der griechischen Kunst und dann Shakespeares zur Gegenwart. Bekannt, daß die griechische Mythologie nicht nur das Arsenal der griechischen Kunst, sondern ihr Boden. Ist die Anschauung der Natur und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die der griechischen Phantasie und daher der griechischen [Kunst] zu Grunde liegt, möglich mit selfactors und Eisenbahnen und Locomotiven und elektrischen Telegraphen? Wo bleibt Vulcan gegen Roberts et Co., Jupiter gegen den Blitzableiter, und Hermes gegen den Crédit Mobilier? Alle Mythologie überwindet und beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der Einbildung und durch die Einbildung; verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft über dieselben. Was wird aus der Fama neben Printinghouse square. Die griechische Kunst sezt die griechische Mythologie voraus, d. h. die Natur und die gesellschaftlichen Formen selbst schon in einer unbewußt künstlerischen Weise verarbeitet durch die Volksphantasie. Das ist ihr Material. Nicht jede beliebige Mythologie, d. h. nicht jede beliebige unbewußt künstlerische Verarbeitung der Natur (hier darunter alles Gegenständliche, also die Gesellschaft eingeschlossen). Aegyptische Mythologie konnte nie der Boden oder der Mutterschoß griechischer Kunst sein. Aber jedenfalls eine Mythologie. Also keinenfalls eine Gesellschaftsentwicklung, die alles mythologische Verhältniß zur Natur ausschließt, alles mythologisirende Verhältniß zu ihr; also vom Künstler eine von Mythologie unabhängige Phantasie verlangt.
Von einer andren Seite ist Achilles möglich mit Pulver und Blei? Oder überhaupt die Iliade mit der Druckerpresse, und gar Druckmaschine? Hört das Singen und Sagen und die Muse mit dem Preßbengel nicht nothwendig auf, also verschwinden nicht nothwendige Bedingungen der epischen Poesie?
Aber die Schwierigkeit liegt nicht darin zu verstehn, daß griechische Kunst und Epos an gewisse gesellschaftliche Entwicklungsformen geknüpft sind. Die Schwierigkeit ist, daß sie uns noch Kunstgenuß gewähren und in gewisser Beziehung als Norm und unerreichbare Muster gelten.
Ein Mann kann nicht wieder zum Kind werden oder er wird kindisch. Aber freut ihn die Naivetät des Kindes nicht, und muß er nicht selbst wieder auf einer höhern Stufe streben seine Wahrheit zu reproduciren? Lebt in der Kindernatur nicht in jeder Epoche ihr eigner Charakter in seiner Naturwahrheit auf? Warum sollte die geschichtliche Kindheit der Menschheit, wo sie am schönsten entfaltet, als eine nie wiederkehrende Stufe nicht ewigen Reiz ausüben? Es giebt ungezogne Kinder und altkluge Kinder. Viele der alten Völker gehören in diese Categorie. Normale Kinder waren die Griechen. Der Reiz ihrer Kunst für uns steht nicht im Widerspruch zu der unentwickelten Gesellschaftsstufe worauf sie wuchs. Ist vielmehr ihr Resultat und hängt vielmehr unzertrennlich damit zusammen, daß die unreifen gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie entstand, und allein entstehn konnte, nie wiederkehren können.|