MEGA/II/10/MEGA2-II-10-0191.html

SIEBENTES KAPITEL.
Die Rate des Mehrwerths.

1. Der Exploitationsgrad der Arbeitskraft.

Der Mehrwerth, den das vorgeschoßne Kapital C im Produktionsproceß erzeugt hat, oder die Verwerthung des vorgeschoßnen Kapitalwerths C stellt sich zunächst dar als Ueberschuß des Werths des Produkts über die Werthsumme seiner Produktionselemente.

Das Kapital C zerfällt in zwei Theile, eine Geldsumme c, die für Produktionsmittel, und eine andre Geldsumme v, die für Arbeitskraft verausgabt wird; c stellt den in konstantes, v den in variables Kapital verwandelten Werththeil vor. Ursprünglich ist also C = c + v, z. B. das vorgeschoßne Kapital von 500 Pfd. St. = 410 c Pfd. St. + 90 v Pfd. St. Am Ende des Produktionsprocesses kommt Waare heraus, deren Werth = c + v + m, wo m der Mehrwerth, z. B. 410 c   l . + 90 l. v  +  90 l. m Das ursprüng||174|liche Kapital C hat sich in C′ verwandelt, aus 500 Pfd. St. in 590 Pfd. St. Die Differenz zwischen beiden ist = m, einem Mehrwerth von 90. Da der Werth der Produktionselemente gleich dem Werth des vorgeschoßnen Kapitals, so ist es in der That eine Tautologie, daß der Ueberschuß des Produktenwerths über den Werth seiner Produktionselemente gleich der Verwerthung des vorgeschoßnen Kapitals oder gleich dem producirten Mehrwerth.

Indeß erfordert diese Tautologie eine nähere Bestimmung. Was mit dem Produktenwerth verglichen wird, ist der Werth der in seiner Bildung aufgezehrten Produktionselemente. Nun haben wir aber gesehn, daß der aus Arbeitsmitteln bestehende Theil des angewandten konstanten Kapitals nur ein Stück seines Werths an das Produkt abgibt, während ein andres Stück in seiner alten Existenzform fortdauert. Da das letztre keine Rolle in der Werthbildung spielt, ist hier davon zu abstrahiren. Sein Hineinziehen in die Rechnung würde nichts ändern. Nimm an, c = 410 l. bestehe aus Rohmaterial zu 312 l., Hülfsstoffen zu 44 l. und im Proceß verschleißender Maschinerie von 54 l., der Werth der wirklich angewandten Maschinerie betrage aber 1054 l. Als vorgeschossen zur Erzeugung des Produktenwerths berechnen wir nur den Werth von 54 l., den die Maschinerie durch ihre Funktion verliert und daher dem Produkt abgibt. Rechneten wir die 1000 Pfd. St. mit, die in ihrer alten Form fortexistiren als Dampfmaschine u. s. w., so müßten wir sie auf beiden Seiten mitrechnen, auf Seite des vorgeschoßnen Werths und auf Seite des Produktenwerths26a), und erhielten so resp. 1500 Pfd. St. und 1590 Pfd. St. Die Differenz oder der Mehrwerth wäre nach wie vor 90 Pfd. St. Unter dem zur Werthproduktion vorgeschoßnen konstanten Kapital verstehn wir daher, wo das Gegentheil nicht aus dem Zusammenhang erhellt, stets nur den Werth der in der Produktion verzehrten Produktionsmittel.

Dieß vorausgesetzt, kehren wir zurück zur Formel C = c + v, die sich in C′ = c + v + m und eben dadurch C in C′ verwandelt. Man weiß, daß der Werth des konstanten Kapitals im Produkt nur wieder erscheint. Das im Proceß wirklich neu er||175|zeugte Werthprodukt ist also verschieden von dem aus dem Proceß erhaltnen Produktenwerth, daher nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, c + v  + m oder 410 c   l . + 90 l. v  +  90 m , sondern v + m oder 90 v l . + 90 l. m , nicht 590 l., sondern 180 l. Wäre c, das konstante Kapital, = 0, in andren Worten, gäbe es Industriezweige, worin der Kapitalist keine producirten Produktionsmittel, weder Rohmaterial, noch Hülfsstoffe, noch Arbeitsinstrumente, sondern nur von Natur vorhandne Stoffe und Arbeitskraft anzuwenden hätte, so wäre kein konstanter Werththeil auf das Produkt zu übertragen. Dieß Element des Produktenwerths, in unsrem Beispiel 410 Pfd. St., fiele fort, aber das Werthprodukt von 180 Pfd. St., welches 90 Pfd. St. Mehrwerth enthält, bliebe ganz ebenso groß als ob c die größte Werthsumme darstellte. Wir hätten C = 0 + v = v, und C′, das verwerthete Kapital, = v + m, C′ – C nach wie vor = m. Wäre umgekehrt m = 0, in andren Worten, hätte die Arbeitskraft, deren Werth im variablen Kapital vorgeschossen wird, nur ein Aequivalent producirt, so C = c + v und C′ (der Produktenwerth) = c + v + 0, daher C = C′. Das vorgeschoßne Kapital hätte sich nicht verwerthet.

Wir wissen in der That bereits, daß der Mehrwerth bloß Folge der Werthveränderung ist, die mit v, dem in Arbeitskraft umgesetzten Kapitaltheil vorgeht, daß also v + m = v + Δv (v plus Inkrement von v) ist. Aber die wirkliche Werthveränderung und das Verhältniß, worin sich der Werth ändert, werden dadurch verdunkelt, daß in Folge des Wachsthums seines variirenden Bestandtheils auch das vorgeschoßne Gesammtkapital wächst. Es war 500 und es wird 590. Die reine Analyse des Processes erheischt also von dem Theil des Produktenwerths, worin nur konstanter Kapitalwerth wieder erscheint, ganz zu abstrahiren, also das konstante Kapital c = 0 zu setzen, und damit ein Gesetz der Mathematik anzuwenden, wo sie mit variablen und konstanten Größen operirt, und die konstante Größe nur durch Addition oder Substraktion mit der variablen verbunden ist.

Eine andre Schwierigkeit entspringt aus der ursprünglichen Form des variablen Kapitals. So im obigen Beispiel ist C′ = 410 £ konstantes Kapital + 90 £ variables Kapital + 90 £ Mehrwerth. Neunzig Pfd. St. sind aber eine gegebne, also konstante Größe und ||176| es scheint daher ungereimt sie als variable Größe zu behandeln. Aber 90 v £ oder 90 £ variables Kapital ist hier in der That nur Symbol für den Proceß, den dieser Werth durchläuft. Der im Ankauf der Arbeitskraft vorgeschoßne Kapitaltheil ist ein bestimmtes Quantum vergegenständlichter Arbeit, also konstante Werthgröße, wie der Werth der gekauften Arbeitskraft. Im Produktionsproceß selbst aber tritt an die Stelle der vorgeschoßnen 90 Pfd. St. die sich bethätigende Arbeitskraft, an die Stelle todter, lebendige Arbeit, an die Stelle einer ruhenden eine fließende Größe, an die Stelle einer konstanten eine variable. Das Resultat ist die Reproduktion von v plus Inkrement von v. Vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion ist dieser ganze Verlauf Selbstbewegung des in Arbeitskraft umgesetzten, ursprünglich konstanten Werths. Ihm wird der Proceß und sein Resultat zu gut geschrieben. Erscheint die Formel 90 £ variables Kapital oder sich verwerthender Werth daher widerspruchsvoll, so drückt sie nur einen der kapitalistischen Produktion immanenten Widerspruch aus.

Die Gleichsetzung des konstanten Kapitals mit 0 befremdet auf den ersten Blick. Indeß vollzieht man sie beständig im Alltagsleben. Will Jemand z. B. Englands Gewinn an der Baumwollindustrie berechnen, so zieht er vor allem den an die Vereinigten Staaten, Indien, Aegypten u. s. w. gezahlten Baumwollpreis ab; d. h. er setzt im Produktenwerth nur wiedererscheinenden Kapitalwerth = 0.

Allerdings hat das Verhältniß des Mehrwerths, nicht nur zum Kapitaltheil, woraus er unmittelbar entspringt und dessen Werthverändrung er darstellt, sondern auch zum vorgeschoßnen Gesammtkapital seine große ökonomische Bedeutung. Wir behandeln dieß Verhältniß daher ausführlich im dritten Buch. Um einen Theil des Kapitals durch seinen Umsatz in Arbeitskraft zu verwerthen, muß ein andrer Theil des Kapitals in Produktionsmittel verwandelt werden. Damit das variable Kapital funktionire, muß konstantes Kapital in entsprechenden Proportionen, je nach dem bestimmten technischen Charakter des Arbeitsprocesses, vorgeschossen werden. Der Umstand jedoch, daß man zu einem chemischen Proceß Retorten und andre Gefäße braucht, verhindert nicht bei der Analyse von der Retorte selbst zu abstrahiren. Sofern Werthschöpfung und Werthverändrung für sich selbst, d. h. rein betrachtet werden, liefern die Produktionsmittel, diese stofflichen Gestalten ||177| des konstanten Kapitals, nur den Stoff, worin sich die flüssige, werthbildende Kraft fixiren soll. Die Natur dieses Stoffes ist daher auch gleichgültig, ob Baumwolle oder Eisen. Auch der Werth dieses Stoffes ist gleichgültig. Er muß nur in hinreichender Masse vorhanden sein, um das während des Produktionsprocesses zu verausgabende Arbeitsquantum einsaugen zu können. Diese Masse gegeben, mag ihr Werth steigen, oder fallen, oder sie mag werthlos sein, wie Erde und Meer, der Proceß der Werthschöpfung und Werthverändrung wird nicht davon berührt27).

Wir setzen also zunächst den konstanten Kapitaltheil gleich Null. Das vorgeschoßne Kapital reducirt sich daher von c + v auf v, und der Produktenwerth c + v + m auf das Werthprodukt v + m . Gegeben das Werthprodukt = 180 Pfd. St., worin sich die während der ganzen Dauer des Produktionsprocesses fließende Arbeit darstellt, so haben wir den Werth des variablen Kapitals = 90 Pfd. St. abzuziehn, um den Mehrwerth = 90 Pfd. St. zu erhalten. Die Zahl 90 Pfd. St. = m drückt hier die absolute Größe des producirten Mehrwerths aus. Seine proportionelle Größe aber, also das Verhältniß, worin das variable Kapital sich verwerthet hat, ist offenbar bestimmt durch das Verhältniß des Mehrwerths zum variablen Kapital, oder ist ausgedrückt in m v . Im obigen Beispiel also in 90 90 = 100 %. Diese verhältnißmäßige Verwerthung des variablen Kapitals, oder die verhältnißmäßige Größe des Mehrwerths, nenne ich Rate des Mehrwerths28).

Wir haben gesehn, daß der Arbeiter während eines Abschnitts des Arbeitsprocesses nur den Werth seiner Arbeitskraft producirt, d. h. den Werth seiner nothwendigen Lebensmittel. Da er in einem auf gesellschaftlicher Theilung der Arbeit beruhenden Zustand producirt, producirt er seine Lebensmittel nicht direkt, sondern, in Form einer besondren Waare, des Garns z. B., einen Werth gleich dem Werth seiner Lebensmittel, oder dem Geld, womit er sie kauft. Der Theil seines Arbeitstags, den er hierzu ver-| |178|braucht, ist größer oder kleiner, je nach dem Werth seiner durchschnittlichen täglichen Lebensmittel, also je nach der zu ihrer Produktion erheischten durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit. Wenn der Werth seiner täglichen Lebensmittel im Durchschnitt 6 vergegenständlichte Arbeitsstunden darstellt, so muß der Arbeiter im Durchschnitt täglich 6 Stunden arbeiten, um ihn zu produciren. Arbeitete er nicht für den Kapitalisten, sondern für sich selbst, unabhängig, so müßte er, unter sonst gleichbleibenden Umständen, nach wie vor im Durchschnitt denselben aliquoten Theil des Tags arbeiten, um den Werth seiner Arbeitskraft zu produciren, und dadurch die zu seiner eignen Erhaltung oder beständigen Reproduktion nöthigen Lebensmittel zu gewinnen. Da er aber in dem Theil des Arbeitstags, worin er den Tageswerth der Arbeitskraft, sage 3 sh., producirt, nur ein Aequivalent für ihren vom Kapitalisten bereits gezahlten28a) Werth producirt, also durch den neu geschaffnen Werth nur den vorgeschoßnen variablen Kapitalwerth ersetzt, erscheint diese Produktion von Werth als bloße Reproduktion. Den Theil des Arbeitstags also, worin diese Reproduktion vorgeht, nenne ich nothwendige Arbeitszeit, die während derselben verausgabten Arbeit nothwendige Arbeit29) Nothwendig für den Arbeiter, weil unabhängig von der gesellschaftlichen Form seiner Arbeit. Nothwendig für das Kapital und seine Welt, weil das beständige Dasein des Arbeiters ihre Basis.

Die zweite Periode des Arbeitsprocesses, die der Arbeiter über die Grenzen der nothwendigen Arbeit hinausschanzt, kostet ihm zwar Arbeit, Verausgabung von Arbeitskraft, bildet aber keinen Werth für ihn. Sie bildet Mehrwerth, der den Kapitalisten mit allem Reiz einer Schöpfung aus Nichts anlacht. Diesen Theil des Arbeitstags nenne ich Surplusarbeitszeit, und die in ihr verausgabte Arbeit: Mehrarbeit (surplus labour). So entscheidend es für die Erkenntniß des Werths überhaupt, ihn als bloße Gerinnung ||179| von Arbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Arbeit, so entscheidend ist es für die Erkenntniß des Mehrwerths, ihn als bloße Gerinnung von Surplusarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrarbeit zu begreifen. Nur die Form, worin diese Mehrarbeit dem unmittelbaren Producenten, dem Arbeiter, abgepreßt wird, unterscheidet die ökonomischen Gesellschaftsformationen, z. B. die Gesellschaft der Sklaverei von der der Lohnarbeit30).

Da der Werth des variablen Kapitals = Werth der von ihm gekauften Arbeitskraft, da der Werth dieser Arbeitskraft den nothwendigen Theil des Arbeitstags bestimmt, der Mehrwerth seinerseits aber bestimmt ist durch den überschüssigen Theil des Arbeitstags, so folgt: Der Mehrwerth verhält sich zum variablen Kapital, wie die Mehrarbeit zur nothwendigen, oder die Rate des Mehrwerths m v = Mehrarbeit Nothwendige Arbeit . Beide Proportionen drücken dasselbe Verhältniß in verschiedner Form aus, das einemal in der Form vergegenständlichter, das andremal in der Form flüssiger Arbeit.

Die Rate des Mehrwerths ist daher der exakte Ausdruck für den Exploitationsgrad der Arbeitskraft durch das Kapital oder des Arbeiters durch den Kapitalisten30a).

Nach unsrer Annahme war der Werth des Produkts = 410 c l . + 90 v l . + 90 m , das vorgeschoßne Kapital = 500 l. Da der Mehrwerth | |180| = 90 und das vorgeschoßne Kapital = 500, würde man nach der gewöhnlichen Art der Berechnung herausbekommen, daß die Rate des Mehrwerths (die man mit der Profitrate verwechselt) = 18 %, eine Verhältnißzahl, deren Niedrigkeit Herrn Carey und andre Harmoniker rühren möchte. In der That aber ist die Rate des Mehrwerths nicht = m C oder m c + v , sondern = m v , also nicht 90 500 , sondern 90 90 = 100 %, mehr als das Fünffache des scheinbaren Exploitationsgrads. Obgleich wir nun im gegebnen Fall die absolute Größe des Arbeitstags nicht kennen, auch nicht die Periode des Arbeitsprocesses (Tag, Woche u. s. w.), endlich nicht die Anzahl der Arbeiter, die das variable Kapital von 90 l. gleichzeitig in Bewegung setzt, zeigt uns die Rate des Mehrwerths m v durch ihre Konvertibilität in Mehrarbeit Nothwendige Arbeit genau das Verhältniß der zwei Bestandtheile des Arbeitstags zueinander. Es ist 100%. Also arbeitete der Arbeiter die eine Hälfte des Tags für sich und die andre für den Kapitalisten.

Die Methode zur Berechnung der Rate des Mehrwerths ist also kurzgefaßt diese: Wir nehmen den ganzen Produktenwerth und setzen den darin nur wiedererscheinenden konstanten Kapitalwerth gleich Null. Die übrigbleibende Werthsumme ist das einzige im Bildungsproceß der Waare wirklich erzeugte Werthprodukt. Ist der Mehrwerth gegeben, so ziehn wir ihn von diesem Werthprodukt ab, um das variable Kapital zu finden. Umgekehrt, wenn letztres gegeben und wir den Mehrwerth suchen. Sind beide gegeben, so ist nur noch die Schlußoperation zu verrichten, das Verhältniß des Mehrwerts zum variablen Kapital, m v , zu berechnen.

So einfach die Methode, scheint es doch passend, den Leser in die ihr zu Grunde liegende und ihm ungewohnte Anschauungsweise durch einige Beispiele einzuexerciren.

Zunächst das Beispiel Spinnerei von 10,000 Mule-Spindeln, die No. 32 Garn aus amerikanischer Baumwolle spinnt und 1 lb Garn wöchentlich per Spindel producirt. Der Abfall ist 6 %. ||181| Also werden 10,600 lb Baumwolle wöchentlich in 10,000 lb Garn und 600 lb Abfall verarbeitet. Im April 1871 kostet diese Baumwolle 7¾ d. per lb, also für 10,600 lb rund 342 Pfd. St. Die 10,000 Spindeln, inklusive Vorspinnmaschinerie und Dampfmaschine kosten 1 Pfd. St. per Spindel, also 10,000 Pfd.St. Ihr Verschleiß beträgt 10% = 1000 Pfd. St. oder wöchentlich 20 Pfd. St. Die Miethe des Fabrikgebäudes ist 300 Pfd. St. oder 6 Pfd. St. per Woche. Kohlen (4 Pfd. per Stunde und Pferdekraft, auf 100 Pferdekraft ❲Indikator❳, und 60 Stunden per Woche inklusive Heizung des Gebäudes) 11 tons per Woche, zu 8 sh. 6 d. die Tonne, kosten rund 4½ Pfd.St. per Woche; Gas 1 Pfd. St. per Woche, Oel 4½ Pfd. St. per Woche, also alle Hülfsstoffe 10 Pfd. St. per Woche. Also ist der konstante Werththeil 378 Pfd. St. per Woche. Der Arbeitslohn beträgt 52 Pfd. St. per Woche. Der Garnpreis ist 12¼ d. per lb oder 10,000 lb. = 510 Pfd. St., der Mehrwerth also 510 - 430 = 80 Pfd. St. Wir setzen den konstanten Werththeil von 378 Pfd. St. = 0, da er in der wöchentlichen Werthbildung nicht mitspielt. Bleibt das wöchentliche Werthprodukt von 132   =   52 v + 80 m Pfd. St. Die Rate des Mehrwerths also = 80 52 = 153 11 13 %. Bei zehnstündigem durchschnittlichem Arbeitstag ergibt dieß: Nothwendige Arbeit = 3 31 33 Stunden und Mehrarbeit = 6 2 33 Stunden31).

Jacob gibt für das Jahr 1815, bei Annahme eines Weizenpreises von 80 sh. per Quarter, und eines Durchschnittsertrags von 22 Bushels per acre, so daß der acre 11 Pfd. St. einbringt, folgende durch vorherige Kompensation verschiedner Posten sehr mangelhafte, aber für unsren Zweck genügende Rechnung.

Werthproduktion per acre.

Samen (Weizen)1 Pfd. St.   9 sh.Zehnten, Rates, Taxes1 Pfd. St.   1 sh.
Dünger (Weizen)2 Pfd. St. 10 sh.Rente1 Pfd. St.   8 sh.
Arbeitslohn3 Pfd. St. 10 sh.Pächter’s Profit u. Zins1 Pfd. St.  2 sh.
Summa:7 Pfd. St.   9 sh.Summa:3 Pfd. St. 11 sh.

Der Mehrwerth, stets unter der Voraussetzung, daß Preis des Produkts = seinem Werth, wird hier unter die verschiednen ||182| Rubriken Profit, Zins, Zehnten u. s. w. vertheilt. Diese Rubriken sind uns gleichgültig. Wir addiren sie zusammen und erhalten einen Mehrwerth von 3 Pfd. 11 sh. Die 3 Pfd. 19 sh. für Samen und Dünger setzen wir als konstanten Kapitaltheil gleich Null. Bleibt vorgeschoßnes variables Kapital von 3 Pfd. 10 sh., an dessen Stelle ein Neuwerth von 3   Pfd.   10   sh.   +   3   Pfd.   11   sh. producirt worden ist. Also beträgt m v = 3 Pfd. 11 sh. 3 Pfd. 10 sh. mehr als 100 %. Der Arbeiter verwendet mehr als die Hälfte seines Arbeitstags zur Produktion eines Mehrwerths, den verschiedne Personen auf verschiedne Vorwände hin unter sich vertheilen31a).

in proportionellen Theilen des Produkts.

Kehren wir nun zum Beispiel zurück, das uns zeigte, wie der Kapitalist aus Geld Kapital macht. Die nothwendige Arbeit seines Spinners betrug 6 Stunden, die Mehrarbeit desgleichen, der Exploitationsgrad der Arbeitskraft daher 100 %.

Das Produkt des zwölfstündigen Arbeitstags sind 20 Pfd. Garn zum Werth von 30 sh. Nicht weniger als 8 10 dieses Garnwerths (24 sh.) sind gebildet durch den nur wieder erscheinenden Werth der verzehrten Produktionsmittel (20 Pfd. Baumwolle zu 20 sh., Spindel u. s. w. zu 4 sh.) oder bestehn aus konstantem Kapital. Die übrigen 2 10 sind der während des Spinnprocesses entstandne Neuwerth von 6 sh., wovon eine Hälfte den vorgeschoßnen Tageswerth der Arbeitskraft ersetzt oder das variable Kapital, und die andre Hälfte einen Mehrwerth von 3 sh. bildet. Der Gesammtwerth der 20 Pfd. Garn ist also folgendermaßen zusammengesetzt:

Garnwerth von 30 sh. = 24 c   sh .   +   3   sh . v   +   3   sh . m

Da dieser Gesammtwerth sich in dem Gesammtprodukt von 20 Pfd. Garn darstellt, müssen auch die verschiednen Werthelemente in proportionellen Theilen des Produkts darstellbar sein.

Existirt ein Garnwerth von 30 sh. in 20 Pfd. Garn, so 8 10 dieses Werths, oder sein konstanter Theil von 24 sh., in 8 10 des ||183| Produkts, oder in 16 Pfd. Garn. Davon stellen 13⅓ Pfd. den Werth des Rohmaterials dar, der versponnenen Baumwolle zu 20 sh., und 2⅔ Pfd. den Werth der verzehrten Hülfsstoffe und Arbeitsmittel, Spindel u. s. w. zu 4 sh.

13⅓ Pfund Garn stellen also alle im Gesammtprodukt von 20 Pfd. Garn versponnene Baumwolle vor, das Rohmaterial des Gesammtprodukts, aber auch weiter nichts. In ihnen stecken zwar nur 13⅓ Pfd. Baumwolle zum Werth von 13⅓ sh., aber ihr zusätzlicher Werth von 6⅔ sh. bildet ein Aequivalent für die in den andren 6⅔ Pfd. Garn versponnene Baumwolle. Es ist als ob letztren die Wolle ausgerupft und alle Wolle des Gesammtprodukts in 13⅓ Pfd. Garn zusammengestopft wäre. Sie enthalten dagegen jetzt kein Atom des Werths der verbrauchten Hülfsstoffe und Arbeitsmittel, noch des im Spinnproceß geschaffnen Neuwerths.

Ebenso stellen weitre 2⅔ Pfd. Garn, worin der Rest des konstanten Kapitals (= 4 sh.) steckt, nichts dar außer dem Werth der im Gesammtprodukt von 20 Pfd. Garn vernutzten Hülfsstoffe und Arbeitsmittel.

Acht Zehntel des Produkts, oder 16 Pfd. Garn, obgleich leiblich, als Gebrauchswerth betrachtet, als Garn, eben so sehr Gebilde der Spinnarbeit wie die restirenden Produkttheile, enthalten daher in diesem Zusammenhang keine Spinnarbeit, keine während des Spinnprocesses selbst eingesaugte Arbeit. Es ist als ob sie sich ohne Spinnen in Garn verwandelt hätten, und als wäre ihre Garngestalt reiner Lug und Trug. In der That, wenn der Kapitalist sie verkauft zu 24 sh. und damit seine Produktionsmittel zurückkauft, zeigt sich, daß 16 Pfd. Garn – nur verkleidete Baumwolle, Spindel, Kohle u. s. w. sind.

Umgekehrt stellen die übrig bleibenden 2 10 des Produkts oder 4 Pfd. Garn jetzt nichts dar außer dem im zwölfstündigen Spinnproceß producirten Neuwerth von 6 sh. Was vom Werth der vernutzten Rohmaterialien und Arbeitsmittel in ihnen steckte, ward bereits ausgeweidet und den ersten 16 Pfd. Garn einverleibt. Die in 20 Pfd. Garn verkörperte Spinnarbeit ist koncentrirt auf 2 10 des Produkts. Es ist als ob der Spinner 4 Pfd. Garn in der Luft gewirkt oder in Baumwolle und mit Spindeln, die ohne Zuthat menschlicher Arbeit, von Natur vorhanden, dem Produkt keinen Werth zusetzen.

Von den 4 Pfd. Garn, worin so das ganze Werthprodukt des täglichen Spinnprocesses existirt, stellt die eine Hälfte nur den ||184| Ersatzwerth der vernutzten Arbeitskraft dar, also das variable Kapital von 3 sh., die andren 2 Pfd. Garn nur den Mehrwerth von 3 sh.

Da 12 Arbeitsstunden des Spinners sich in 6 sh. vergegenständlichen, sind im Garnwerth von 30 sh. 60 Arbeitsstunden vergegenständlicht. Sie existiren in 20 Pfd. Garn, wovon 8 10 oder 16 Pfd. die Materiatur von 48 vor dem Spinnproceß vergangnen Arbeitsstunden sind, nämlich der in den Produktionsmitteln des Garns vergegenständlichten Arbeit, 2 10 oder 4 Pfd. dagegen die Materiatur der im Spinnproceß selbst verausgabten 12 Arbeitsstunden.

Früher sahen wir, daß der Garnwerth gleich der Summe des in seiner Produktion erzeugten Neuwerths plus der bereits in seinen Produktionsmitteln präexistirenden Werthe ist. Jetzt hat sich gezeigt, wie die funktionell oder begrifflich verschiednen Bestandtheile des Produktenwerths in proportionellen Theilen des Produkts selbst darstellbar sind.

Diese Zerfällung des Produkts – des Resultats des Produktionsprocesses – in ein Quantum Produkt, das nur die in den Produktionsmitteln enthaltne Arbeit oder den konstanten Kapitaltheil, ein andres Quantum, das nur die im Produktionsproceß zugesetzte nothwendige Arbeit oder den variablen Kapitaltheil, und ein letztes Quantum Produkt, das nur die im selben Proceß zugesetzte Mehrarbeit oder den Mehrwerth darstellt, ist ebenso einfach als wichtig, wie ihre spätre Anwendung auf verwickelte und noch ungelöste Probleme zeigen wird.

Wir betrachteten eben das Gesammtprodukt als fertiges Resultat des zwölfstündigen Arbeitstags. Wir können es aber auch in seinem Entstehungsproceß begleiten, und dennoch die Theilprodukte als funktionell unterschiedne Produktentheile darstellen.

Der Spinner producirt in 12 Stunden 20 Pfd. Garn, daher in einer Stunde 1⅔ und in 8 Stunden 13⅓ Pfd., also ein Theilprodukt vom Gesammtwerth der Baumwolle, die während des ganzen Arbeitstags versponnen wird. In derselben Art und Weise ist das Theilprodukt der folgenden Stunde und 36 Minuten = 2⅔ Pfd. Garn und stellt daher den Werth der während der 12 Arbeitsstunden vernutzten Arbeitsmittel dar. Ebenso producirt der Spinner in der folgenden Stunde und 12 Minuten 2 Pfd. Garn = 3 sh., ein Produktenwerth gleich dem ganzen Werthprodukt, das er in 6 Stunden nothwendiger Arbeit schafft. Endlich producirt er in den letzten 6 5 Stunden ebenfalls 2 Pfd. Garn, deren Werth gleich dem durch seine halbtägige Mehrarbeit erzeugten Mehrwerth. ||185| Diese Art Berechnung dient dem englischen Fabrikanten zum Hausgebrauch, und er wird z. B. sagen, daß er in den ersten 8 Stunden oder ⅔ des Arbeitstags seine Baumwolle herausschlägt u. s. w. Man sieht, die Formel ist richtig, in der That nur die erste Formel, übersetzt aus dem Raum, wo die Theile des Produkts fertig neben einander liegen, in die Zeit, wo sie auf einander folgen. Die Formel kann aber auch von sehr barbarischen Vorstellungen begleitet sein, namentlich in Köpfen, die eben so praktisch im Verwerthungsproceß interessirt sind, als sie ein Interesse haben, ihn theoretisch mißzuverstehn. So kann sich eingebildet werden, daß unser Spinner z. B. in den ersten 8 Stunden seines Arbeitstags den Werth der Baumwolle, in der folgenden Stunde und 36 Minuten den Werth der verzehrten Arbeitsmittel, in der folgenden Stunde und 12 Minuten den Werth des Arbeitslohns producirt oder ersetzt, und nur die vielberühmte „letzte Stunde“ dem Fabrikherrn, der Produktion von Mehrwerth widmet. Dem Spinner wird so das doppelte Wunder aufgebürdet, Baumwolle, Spindel, Dampfmaschine, Kohle, Oel u. s. w. in demselben Augenblick zu produciren, wo er mit ihnen spinnt, und aus Einem Arbeitstag von gegebnem Intensitätsgrad fünf solcher Tage zu machen. In unsrem Fall nämlich erfordert die Produktion des Rohmaterials und der Arbeitsmittel 24 6 = 4 zwölfstündige Arbeitstage und ihre Verwandlung in Garn einen andren zwölfstündigen Arbeitstag. Daß die Raubgier solche Wunder glaubt und nie den doktrinären Sykophanten mißt, der sie beweist, zeige nun ein Beispiel von historischer Berühmtheit.

3. Senior’s „Letzte Stunde“.

An einem schönen Morgen des Jahres 1836 wurde der wegen seiner ökonomischen Wissenschaft und seines schönen Styls berufene Nassau W. Senior, gewissermaßen der Clauren unter den englischen Oekonomen, von Oxford nach Manchester citirt, um hier politische Oekonomie zu lernen, statt sie in Oxford zu lehren. Die Fabrikanten erkoren ihn zum Preisfechter gegen den neulich erlaßnen Factory Act und die darüber noch hinausstrebende Zehnstundenagitation. Mit gewohntem praktischen Scharfsinn hatten sie erkannt, daß der Herr Professor „wanted a good deal of finishing“. Sie verschrieben ihn daher nach Manchester. Der Herr Professor seinerseits hat die zu Manchester von den Fabrikanten erhaltne Lektion stylisirt in dem Pamphlet: „Letters on ||186| the Factory Act, as it affects the cotton manufacture. London 1837“. Hier kann man u. a. folgendes Erbauliche lesen:

„Unter dem gegenwärtigen Gesetz kann keine Fabrik, die Personen unter 18 Jahren beschäftigt, länger als 11½ Stunden täglich arbeiten, d. h. 12 Stunden während der ersten 5 Tage und 9 Stunden am Sonnabend. Die folgende Analyse (!) zeigt nun, daß in einer solchen Fabrik der ganze Reingewinn von der letzten Stunde abgeleitet ist. Ein Fabrikant legt 100 000 Pfd. St. aus – 80 000 Pfd. St. in Fabrikgebäude und Maschinen, 20 000 in Rohmaterial und Arbeitslohn. Der jährliche Umsatz der Fabrik, vorausgesetzt, das Kapital schlage jährlich einmal um und der Bruttogewinn betrage 15 %, muß sich auf Waaren zum Werth von 115 000 Pfd. St. belaufen ... Von diesen 115 000 Pfd. St. producirt jede der 23 halben Arbeitsstunden täglich 5 115 oder 1 23 . Von diesen 23 23 , die das Ganze der 115 000 Pfd. St. bilden (constituting the whole 115 000 Pfd. St.), ersetzen 20 23 , d. h. 100 000 von den 115 000, nur das Kapital; 1 23 oder 5000 Pfd. St. von den 15 000 Brutto-Gewinn (!) ersetzen die Abnutzung der Fabrik und Maschinerie. Die übrigbleibenden 2 23 , d. h. die beiden letzten halben Stunden jedes Tags produciren den Reingewinn von 10 %. Wenn daher bei gleichbleibenden Preisen die Fabrik 13 Stunden statt 11½ arbeiten dürfte, so würde, mit einer Zulage von ungeführ 2600 Pfd. St. zum cirkulirenden Kapital, der Reingewinn mehr als verdoppelt werden. Andrerseits wenn die Arbeitsstunden täglich um 1 Stunde reducirt würden, würde der Reingewinn verschwinden, wenn um 1½ Stunden, auch der Bruttogewinn32).“ |

|187| Und das nennt der Herr Professor eine „Analyse“! Glaubte er den Fabrikantenjammer, daß die Arbeiter die beste Zeit des Tags in der Produktion, daher der Reproduktion oder dem Ersatz des Werths von Baulichkeiten, Maschinen, Baumwolle, Kohle u. s. w. vergeuden, so war jede Analyse überflüssig. Er hatte einfach zu antworten: Meine Herren! Wenn Ihr 10 Stunden arbeiten laßt statt 11½, wird, unter sonst gleichbleibenden Umständen, der tägliche Verzehr von Baumwolle, Maschinerie u. s. w. um 1½ Stunden abnehmen. Ihr gewinnt also grade so viel als Ihr verliert. Eure Arbeiter werden in Zukunft 1½ Stunden weniger für Reproduktion oder Ersatz des vorgeschoßnen Kapitalwerths vergeuden. Glaubte er ihnen nicht aufs Wort, sondern hielt als Sachverständiger eine Analyse für nöthig, so mußte er vor allem, in einer Frage, die sich ausschließlich um das Verhältniß des Reingewinns zur Größe des Arbeitstags dreht, die Herren Fabrikanten ersuchen, Maschinerie und Fabrikgebäude, Rohmaterial und Arbeit nicht kunterbunt durcheinander zu wirren, sondern gefälligst das in Fabrikgebäude, Maschinerie, Rohmaterial u. s. w. enthaltne konstante Kapital auf die eine, das in Arbeitslohn vorgeschoßne Kapital auf die andre Seite zu stellen. Ergab sich dann etwa, daß nach der Fabrikantenrechnung der Arbeiter in 2 2 Arbeitsstunden, oder in einer Stunde, den Arbeitslohn reproducirt oder ersetzt, so hatte der Analytiker fortzufahren:

Nach Eurer Angabe producirt der Arbeiter in der vorletzten Stunde seinen Arbeitslohn und in der letzten Euren Mehrwerth oder den Reingewinn. Da er in gleichen Zeiträumen gleiche Werthe producirt, hat das Produkt der vorletzten Stunde denselben Werth wie das der letzten. Er producirt ferner nur Werth, so weit er Arbeit verausgabt und das Quantum seiner Arbeit ist gemessen durch eine Arbeitszeit. Diese beträgt nach Eurer Angabe 11½ Stunden per Tag. Einen Theil dieser 11½ Stunden verbraucht er zur Produktion oder zum Ersatz seines Arbeitslohns, den andren zur Produktion Eures Reingewinns. Weiter thut er nichts wäh||188|rend des Arbeitstags. Da aber, nach Angabe, sein Lohn und der von ihm gelieferte Mehrwerth gleich große Werthe sind, producirt er offenbar seinen Arbeitslohn in 5¾ Stunden und Euren Reingewinn in andren 5¾ Stunden. Da ferner der Werth des zweistündigen Garnprodukts gleich der Werthsumme seines Arbeitslohns plus Eures Reingewinns ist, muß dieser Garnwerth durch 11½ Arbeitsstunden gemessen sein, das Produkt der vorletzten Stunde durch 5¾ Arbeitsstunden, das der letzten ditto. Wir kommen jetzt zu einem häklichen Punkt. Also aufgepaßt! Die vorletzte Arbeitsstunde ist eine gewöhnliche Arbeitsstunde wie die erste. Ni plus, ni moins. Wie kann der Spinner daher in Einer Arbeitsstunde einen Garnwerth produciren, der 5¾ Arbeitsstunden darstellt? Er verrichtet in der That kein solches Wunder. Was er in Einer Arbeitsstunde an Gebrauchswerth producirt, ist ein bestimmtes Quantum Garn. Der Werth dieses Garns ist gemessen durch 5¾ Arbeitsstunden, wovon 4¾ ohne sein Zuthun in den stündlich verzehrten Produktionsmitteln stecken, in Baumwolle, Maschinerie u. s. w., 4 4 oder eine Stunde von ihm selbst zugesetzt ist. Da also sein Arbeitslohn in 5¾ Stunden producirt wird und das Garnprodukt Einer Spinnstunde ebenfalls 5¾ Arbeitsstunden enthält, ist es durchaus keine Hexerei, daß das Werthprodukt seiner 5¾ Spinnstunden gleich dem Produktenwerth Einer Spinnstunde. Ihr seid aber durchaus auf dem Holzweg, wenn Ihr meint, er verliere ein einziges Zeitatom seines Arbeitstags mit der Reproduktion oder dem „Ersatz“ der Werthe von Baumwolle, Maschinerie u. s. w. Dadurch daß seine Arbeit aus Baumwolle und Spindel Garn macht, dadurch daß er spinnt, geht der Werth von Baumwolle und Spindel von selbst auf das Garn über. Es ist dieß der Qualität seiner Arbeit geschuldet, nicht ihrer Quantität. Allerdings wird er in einer Stunde mehr Baumwollwerth u. s. w. auf Garn übertragen als in ½ Stunde, aber nur weil er in 1 Stunde mehr Baumwolle verspinnt als in ½. Ihr begreift also: Euer Ausdruck, der Arbeiter producirt in der vorletzten Stunde den Werth seines Arbeitslohns und in der letzten den Reingewinn, heißt weiter nichts, als daß in dem Garnprodukt von zwei Stunden seines Arbeitstags, ob sie vorn oder hinten stehen, 11½ Arbeitsstunden verkörpert sind, grade so viel Stunden als sein ganzer Arbeitstag zählt. Und der Ausdruck, daß er in den ersten 5¾ Stunden seinen Arbeitslohn und in den letzten 5¾ Stunden Euren Reingewinn producirt, heißt wieder nichts, als daß Ihr die ersten 5¾ Stunden zahlt und die letzten 5¾ Stunden nicht ||189| zahlt. Ich spreche von Zahlung der Arbeit, statt der Arbeitskraft, um Euren slang zu reden. Vergleicht Ihr Herren nun das Verhältniß der Arbeitszeit, die Ihr zahlt, zur Arbeitszeit, die Ihr nicht zahlt, so werdet Ihr finden, daß es halber Tag zu halbem Tag ist, also 100 %, was allerdings ein artiger Procentsatz. Es unterliegt auch nicht dem geringsten Zweifel, daß wenn Ihr Eure „Hände“ statt 11½ Stunden 13 abschanzt und, was Euch so ähnlich sieht, wie ein Ei dem andren, die überschüssigen 1½ Stunden zur bloßen Mehrarbeit schlagt, letztre von 5¾ Stunden auf 7¼ Stunden wachsen wird, die Rate des Mehrwerths daher von 100 % auf 126 2 23 %. Dagegen seid Ihr gar zu tolle Sanguiniker, wenn Ihr hofft, sie werde durch den Zusatz von 1½ Stunden von 100 auf 200 % und gar mehr als 200 % steigen, d. h. sich „mehr als verdoppeln“. Andrerseits – des Menschen Herz ist ein wunderlich Ding, namentlich wenn der Mensch sein Herz im Beutel trägt, – seid Ihr gar zu verrückte Pessimisten, wenn Ihr fürchtet, mit der Reduktion des Arbeitstags von 11½ auf 10½ Stunden werde Euer ganzer Reingewinn in die Brüche gehn. Bei Leibe nicht. Alle andren Umstände als gleichbleibend vorausgesetzt, wird die Mehrarbeit von 5¾ auf 4¾ Stunden fallen, was immer noch eine ganz erkleckliche Rate des Mehrwerths giebt, nämlich 82 14 23 %. Die verhängnißvolle „letzte Stunde“ aber, von der Ihr mehr gefabelt habt als die Chiliasten vom Weltuntergang, ist „all bosh“. Ihr Verlust wird weder Euch den „Reingewinn“ noch den von Euch verarbeiteten Kindern beiderlei Geschlechts die „Seelenreinheit“ kosten32a). |

|190| Wenn einmal Euer „letztes Stündlein“ wirklich schlägt, denkt an den Professor von Oxford. Und nun: In einer beßren Welt wünsch’ ich mir mehr von Eurem werthen Umgang. Addio33)!.. Das Signal der von Senior 1836 entdeckten „letzten Stunde“ ward ||191| am 15. April 1848, polemisch gegen das Zehnstundengesetz, von James Wilson, einem der ökonomischen Hauptmandarine, im „London Economist“ von neuem geblasen.

4. Das Mehrprodukt.

Den Theil des Produkts ( 1 10 von 20 Pfd. Garn oder 2 Pfd. Garn in dem Beispiel sub 2), worin sich der Mehrwerth darstellt, nennen wir Mehrprodukt (surplus produce, produit net). Wie die Rate des Mehrwerths durch sein Verhältniß nicht zur Gesammtsumme, sondern zum variablen Bestandtheil des Kapitals bestimmt wird, so die Höhe des Mehrprodukts durch sein Verhältniß nicht zum Rest des Gesammtprodukts, sondern zum Produkttheil, worin sich die nothwendige Arbeit darstellt. Wie die Produktion von Mehrwerth der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion, so mißt nicht die absolute Größe des Produkts, sondern die relative Größe des Mehrprodukts, den Höhegrad des Reichthums34).

Die Summe der nothwendigen Arbeit und der Mehrarbeit, der Zeitabschnitte, worin der Arbeiter den Ersatzwerth seiner Arbeitskraft und den Mehrwerth producirt, bildet die absolute Größe seiner Arbeitszeit – den Arbeitstag (working day). |

Quelle: MEGA II/10: Das Kapital Kritik der Politischen Ökonomie, Erster Band Hamburg 1890, Seite 191-207