MEGA/II/13/MEGA2-II-13-0027.html

ERSTER ABSCHNITT.
Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf.

ERSTES KAPITEL.
Der Kreislauf des Geldkapitals.

Der Kreislaufsprozeß1) des Kapitals geht vor sich in drei Stadien, welche, nach der Darstellung des ersten Bandes, folgende Reihe bilden:

Erstes Stadium: Der Kapitalist erscheint auf dem Waarenmarkt und Arbeitsmarkt als Käufer; sein Geld wird in Waare umgesetzt oder macht den Cirkulationsakt G–W durch.

Zweites Stadium: Produktive Konsumtion der gekauften Waaren durch den Kapitalisten. Er wirkt als kapitalistischer Waarenproducent; sein Kapital macht den Produktionsproceß durch. DasResultat ist: Waare von mehr Werth als dem ihrer Produktionselemente.

Drittes Stadium: Der Kapitalist kehrt zum Markt zurück als Verkäufer; seine Waare wird in Geld umgesetzt oder macht den Cirkulationsakt W–G durch.

Die Formel für den Kreislauf des Geldkapitals ist also: G–W … P … W′–G′, wo die Punkte andeuten, daß der Cirkulationsproceß unterbrochen ist, und W′ wie G′ ein durch Mehrwerth vermehrtes W und G bezeichnen. |

|2| Das erste und dritte Stadium wurden im ersten Buch nur erörtert, soweit dies nöthig für das Verständniß des zweiten Stadiums, den Produktionsproceß des Kapitals. Die verschiednen Formen, worin das Kapital in seinen verschiednen Stadien sich kleidet, und die es bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift, blieben daher unberücksichtigt. Sie bilden jetzt den nächsten Gegenstand der Untersuchung.

Um die Formen rein aufzufassen, ist zunächst von allen Momenten zu abstrahiren, die mit dem Formwechsel und der Formbildung als solchen nichts zu thun haben. Daher wird hier angenommen, nicht nur, daß die Waaren zu ihren Werthen verkauft werden, sondern auch, daß dies unter gleichbleibenden Umständen geschieht. Es wird also auch abgesehn von den Werthveränderungen, die während des Kreislaufsprocesses eintreten können.

I. Erstes Stadium. G–W.2)

G–W stellt den Umsatz einer Geldsumme in eine Summe von Waaren dar; für den Käufer Verwandlung seines Geldes in Waare, für die Verkäufer Verwandlung ihrer Waaren in Geld. Was aus diesem Vorgang der allgemeinen Waarencirkulation zugleich einen funktionell bestimmten Abschnitt im selbständigen Kreislauf eines individuellen Kapitals macht, ist zunächst nicht die Form des Vorgangs, sondern sein stofflicher Gehalt, der specifische Gebrauchscharakter der Waaren, welche den Platz mit dem Gelde wechseln. Es sind einerseits Produktionsmittel, andrerseits Arbeitskraft, sachliche und persönliche Faktoren der Waarenproduktion, deren besondre Art natürlich der Sorte des herzustellenden Artikels entsprechen muß. Nennen wir die Arbeitskraft A, die Produktionsmittel Pm, so ist die zu kaufende Waarensumme W = A + Pm, oder kürzer W A Pm . G–W, seinem Inhalt nach betrachtet, stellt sich also dar als W A Pm ; d. h. G–W zerfällt in G–A und G–Pm; die Geldsumme G spaltet sich in zwei Theile, wovon der eine Arbeitskraft, der andre Produktionsmittel kauft. Diese beiden Reihen von Käufen gehören ganz und gar verschiednen Märkten an, die eine dem eigentlichen Waarenmarkt, die andre dem Arbeitsmarkt. |

|3| Außer dieser qualitativen Spaltung der Waarensumme, worin G umgesetzt wird, stellt G–W A Pm aber noch ein höchst charakteristisches quantitatives Verhältniß dar.

Wir wissen, daß der Werth, resp. Preis der Arbeitskraft ihrem Inhaber, der sie als Waare feilhält, in der Form von Arbeitslohn bezahlt wird, d. h. als Preis einer Arbeitssumme, die Mehrarbeit enthält; sodaß, wenn z. B. der Tageswerth der Arbeitskraft = 3 Mark, dem Produkt fünfstündiger Arbeit, diese Summe in dem Kontrakt zwischen Käufer und Verkäufer figurirt als der Preis oder Lohn, sage für zehnstündige Arbeit. Wurde ein solcher Kontrakt z. B. mit 50 Arbeitern geschlossen, so haben sie zusammen dem Käufer während eines Tages 500 Arbeitsstunden zu liefern, wovon die Hälfte, 250 Arbeitsstunden = 25 zehnstündigen Arbeitstagen, bloß aus Mehrarbeit besteht . Quantum wie Umfang der zu kaufenden Produktionsmittel müssen hinreichen zur Anwendung dieser Arbeitsmasse.

G–W A Pm drückt also nicht nur das qualitative Verhältniß aus, daß eine bestimmte Geldsumme, z. B. 422 Pfd. St. in einander entsprechende Produktionsmittel und Arbeitskraft umgesetzt wird, sondern auch ein quantitatives Verhältniß zwischen dem in Arbeitskraft A und dem in Produktionsmitteln Pm ausgelegten Theilen des Geldes, ein Verhältniß, von vornherein bestimmt durch die Summe der von einer bestimmten Arbeiterzahl zu verausgabenden überschüssigen Mehrarbeit.

Wenn also z. B. in einer Spinnerei der Wochenlohn der 50 Arbeiter 50 Pfd. St. beträgt, müssen 372 Pfd. St. in Produktionsmitteln verausgabt werden, falls dies der Werth der Produktionsmittel, welche die Wochenarbeit von 3000 Stunden, wovon 1500 Stunden Mehrarbeit, in Garn verwandelt.

Wie weit in verschiednen Industriezweigen die Anwendung zuschüssiger Arbeit einen Werthzuschuß in der Form von Produktionsmitteln bedingt, ist hier ganz gleichgültig. Es handelt sich nur darum, daß unter allen Umständen der in Produktionsmitteln verausgabte Theil des Geldes – die in G–Pm gekauften Produktionsmittel – hinreichen, also von vornherein darauf berechnet, in entsprechender Proportion beschafft sein müssen. Oder die Masse der Produktionsmittel muß hinreichen um die Arbeitsmasse zu absorbiren, um durch sie in Produkt verwandelt zu werden. Wären nicht hinreichend Produktions||4|mittel vorhanden, so wäre die überschüssige Arbeit, über die der Käufer verfügt, nicht verwendbar; sein Verfügungsrecht darüber führte zu nichts. Wären mehr Produktionsmittel vorhanden als verfügbare Arbeit, so blieben sie ungesättigt mit Arbeit, würden nicht in Produkt verwandelt .

Sobald G–W A Pm vollzogen, verfügt der Käufer nicht nur über die zur Produktion eines nützlichen Artikels nöthigen Produktionsmittel und Arbeitskraft. Er verfügt über eine größere Flüssigmachung der Arbeitskraft, oder größeres Quantum Arbeit, als zum Ersatz des Werths der Arbeitskraft nöthig, und zugleich über die Produktionsmittel, erheischt zur Verwirklichung oder Vergegenständlichung dieser Arbeitssumme: er verfügt also über die Faktoren der Produktion von Artikeln von größerem Werth als dem ihrer Produktionselemente, oder einer Mehrwerth enthaltenden Waarenmasse. Der von ihm in Geldform vorgeschoßne Werth befindet sich also jetzt in einer Naturalform, worin er als Mehrwerth (in Gestalt von Waaren) heckender Werth verwirklicht werden kann. In andern Worten: er befindet sich in dem Zustand oder der Form von produktivemKapital, welches die Fähigkeit hat, als Werth und Mehrwerth schaffend zu fungiren. Kapital in dieser Form heiße P.

Der Werth von P ist aber = Werth von A + Pm, = dem in A und Pm umgesetzten G. G ist derselbe Kapitalwerth wie P, nur in verschiedner Existenzweise, nämlich Kapitalwerth in Geldzustand oder Geldform – Geldkapital.

G–W A Pm , oder seiner allgemeinen Form nach G–W, Summe von Waarenkäufen, dieser Vorgang der allgemeinen Waarencirkulation ist daher zugleich, als Stadium im selbständigen Kreislaufsproceß des Kapitals, Verwandlung des Kapitalwerths aus seiner Geldform in seine produktive Form, oder kürzer Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital. In der hier zunächst betrachteten Figur des Kreislaufs erscheint also Geld als der erste Träger des Kapitalwerths, daher Geldkapital als die Form, worin das Kapital vorgeschossen wird.

Als Geldkapital befindet es sich in einem Zustand, worin es Geldfunktionen vollziehen kann, wie im vorliegenden Fall die Funktionen des allgemeinen Kaufmittels und des allgemeinen Zahlungsmittels. (Letztres, sofern die Arbeitskraft zwar zuerst gekauft, aber erst gezahlt wird nachdem sie gewirkt hat. Soweit die Produktionsmittel nicht fertig auf dem Markt vorhanden, sondern erst zu bestellen sind, wirkt das Geld bei | |5| G–Pm ebenfalls als Zahlungsmittel.) Diese Fähigkeit entspringt nicht daraus, daß das Geldkapital Kapital, sondern daraus, daß es Geld ist.

Andrerseits kann der Kapitalwerth im Geldzustand auch nur Geldfunktionen, und keine andern, verrichten. Was diese letztren zu Kapitalfunktionen macht, ist ihre bestimmte Rolle in der Bewegung des Kapitals, daher auch der Zusammenhang des Stadiums, worin sie erscheinen, mit den andern Stadien seines Kreislaufs. Z. B. im Fall, der uns zunächst vorliegt, wird Geld umgesetzt in Waaren, deren Verbindung die Naturalform des produktiven Kapitals bildet, die also latent, der Möglichkeit nach, bereits das Resultat des kapitalistischen Produktionsprocesses in sich birgt.

Ein Theil des Geldes, welches in G–W A Pm die Funktion von Geldkapital verrichtet, geht durch die Vollziehung dieser Cirkulation selbst in eine Funktion über, worin sein Kapitalcharakter verschwindet und sein Geldcharakter bleibt. Die Cirkulation des Geldkapitals G zerfällt in G–Pm und G–A, Kauf von Produktionsmitteln und Kauf von Arbeitskraft. Betrachten wir den letztern Vorgang für sich. G–A ist Kauf von Arbeitskraft seitens des Kapitalisten; es ist Verkauf der Arbeitskraft – wir können hier sagen der Arbeit, da die Form des Arbeitslohns vorausgesetzt – von Seiten des Arbeiters, des Inhabers der Arbeitskraft. Was für den Käufer G–W (= G–A), ist hier, wie bei jedem Kauf, für den Verkäufer (den Arbeiter) A–G (= W–G), Verkauf seiner Arbeitskraft. Dies ist das erste Cirkulationsstadium oder die erste Metamorphose der Waare (Buch I, Kap. III, 2a); es ist, seitens des Verkäufers der Arbeit, Verwandlung seiner Waare in ihre Geldform. Das so erhaltne Geld verausgabt der Arbeiter nach und nach in einer Summe von Waaren, die seine Bedürfnissebefriedigen, in Konsumtionsartikeln. Die Gesammtcirkulation seiner Waare stellt sich also dar als A–G–W, d. h. erstens A–G (= W–G) und zweitens G–W, also in der allgemeinen Form der einfachen WaarencirkulationW–G–W, wo das Geld als bloßes verschwindendes Cirkulationsmittel, als bloßer Vermittler des Umsatzes von Waare gegen Waare figurirt.

G–Aist das charakteristische Moment der Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, weil es die wesentliche Bedingung, damit der in Geldform vorgeschoßne Werth sich wirklich in Kapital, in Mehrwerth producirenden Werth verwandle. G–Pm ist nur noth||6|wendig, um die durch G–A gekaufte Arbeitsmasse zu realisiren. G–A wurde daher von diesem Gesichtspunkt aus dargestellt in Buch I, Abschn. II, Verwandlung von Geld in Kapital. Die Sache ist hier noch von einem andern Gesichtspunkt aus zu betrachten, mit speciellem Bezug auf das Geldkapital als Erscheinungsform des Kapitals.

G–A wird allgemein als charakteristisch angesehn für die kapitalistische Produktionsweise. Aber keineswegs aus dem angegebnen Grund, weil der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist, worin die Lieferung eines größern Quantums Arbeit bedungen wird als zum Ersatz des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohns, nöthig ist; alsoLieferung von Mehrarbeit – die Grundbedingung für die Kapitalisation des vorgeschoßnen Werths, oder was dasselbe, für Produktion von Mehrwerth. Sondern vielmehr seiner Form halber, weil in der Form des Arbeitslohns mit Geld Arbeit gekauft wird, und dies gilt als Merkmal der Geldwirthschaft.

Hierist es wieder nicht das Irrationelle der Form, welches für charakteristisch gilt. Dies Irrationelle wird vielmehr übersehn. Das Irrationelle besteht darin, daß die Arbeit als werthbildendes Element selbst keinen Werth besitzen, also auch ein bestimmtes Quantum Arbeit keinen Werth haben kann, der sich in ihrem Preise ausdrückt, in ihrer Aequivalenz mit einem bestimmten Quantum Geld. Aber wir wissen, daß der Arbeitslohn bloß eine verkleidete Form ist, eine Form, worin z. B. der Tagespreis der Arbeitskraft sich als Preis der während eines Tages von dieser Arbeitskraft flüssig gemachten Arbeit darstellt, sodaß also etwa der in 6 Stunden Arbeit von dieser Arbeitskraft producirte Werth als Werth ihrer zwölfstündigen Funktion oder Arbeit ausgedrückt wird.

G–A gilt als das Charakteristische, als die Signatur der sogen. Geldwirthschaft, weil die Arbeit hier als Waare ihres Besitzers erscheint, das Geld daher als Käufer – also wegen des Geldverhältnisses (d. h. Kauf und Verkauf von menschlicher Thätigkeit). Nun aber erscheint das Geld schon sehr früh als Käufer sogenannter Dienste, ohne daß G sich in Geldkapital verwandelte oder der allgemeine Charakter der Wirthschaft umgewälzt würde.

Dem Geld ist es durchaus gleichgültig, in welche Sorte von Waaren es verwandelt wird. Es ist die allgemeine Aequivalentform aller Waaren, die in ihren Preisen schon zeigen, daß sie ideell eine bestimmte Geld||7|summe darstellen, ihre Verwandlung in Geld erwarten, und nur durch ihren Stellenwechsel mit Geld die Form erhalten, worin sie in Gebrauchswerthe für ihre Besitzer umsetzbar sind. Findet sich also auf dem Markt die Arbeitskraft einmal als Waare ihres Besitzers vor, deren Verkauf unter der Form der Zahlung für Arbeit geschieht, in Gestalt des Arbeitslohns, so stellt ihr Kauf und Verkauf nichts Auffallenderes dar als der Kauf und Verkauf jeder andern Waare. Nicht, daß die Waare Arbeitskraft käuflich ist, sondern daß die Arbeitskraft als Waare erscheint, ist das Charakteristische.

Durch G–W A Pm , die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, bewirkt der Kapitalist die Verbindung der gegenständlichen und persönlichen Faktoren der Produktion, soweit diese Faktoren aus Waaren bestehn. Wird Geld zum ersten Mal in produktives Kapital verwandelt, oder fungirt es für seinen Besitzer zum ersten Mal als Geldkapital, so muß er erst die Produktionsmittel kaufen, Arbeitsgebäude, Maschinen etc., ehe er die Arbeitskraft kauft; denn sobald letztre in seine Botmäßigkeit übergeht, müssen die Produktionsmittel da sein, um sie als Arbeitskraft anwenden zu können.

So stellt sich die Sache von Seiten des Kapitalisten dar.

Von Seiten des Arbeiters: Die produktive Bethätigung seiner Arbeitskraft wird erst möglich von dem Augenblick, wo sie in Folge ihres Verkaufs in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt wird. Sieexistirt also vor dem Verkauf getrennt von den Produktionsmitteln, von den gegenständlichen Bedingungen ihrer Bethätigung. In diesem Zustand der Trennung kann sie weder direkt verwandt werden zur Produktion von Gebrauchswerthen für ihren Besitzer, noch zur Produktion von Waaren, von deren Verkauf dieser leben könnte. Sobald sie aber durch ihren Verkauf in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt ist, bildet sie einen Bestandtheil des produktiven Kapitals ihres Käufers, ebensogut wie die Produktionsmittel.

Obgleich daher in dem Akt G–A Geldbesitzer und Arbeitskraft-Besitzer sich nur als Käufer und Verkäufer zu einander verhalten, als Geldbesitzer und Waarenbesitzer einander gegenübertreten, sich also nach dieser Seite hin in bloßem Geldverhältniß zu einander befinden, – so tritt doch der Käufer von vornherein zugleich als Besitzer der Produktionsmittel auf, welche die gegenständlichen Bedingungen der produktiven | |8| Verausgabung der Arbeitskraft durch ihren Besitzer bilden. Mit andern Worten: diese Produktionsmittel treten dem Besitzer der Arbeitskraft gegenüber als fremdes Eigenthum. Andrerseits steht der Verkäufer der Arbeit ihrem Käufer gegenüber als fremde Arbeitskraft, die in seine Botmäßigkeit übergehn, seinem Kapital einverleibt werden muß, damit dies wirklich als produktives Kapital sich bethätige. Das Klassenverhältniß zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter ist also schon vorhanden, schon vorausgesetzt, in dem Augenblick, wo beide in dem Akt G–A (A–G von Seiten des Arbeiters) sich gegenübertreten. Es ist Kauf und Verkauf, Geldverhältniß, aber ein Kauf und Verkauf, wo der Käufer als Kapitalist und der Verkäufer als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird, und dies Verhältniß ist damit gegeben, daß die Bedingungen zur Verwirklichung der Arbeitskraft – Lebensmittel und Produktionsmittel – getrennt sind als fremdes Eigenthum von dem Besitzer der Arbeitskraft.

Wie diese Trennung entsteht, beschäftigt uns hier nicht. Sie existirt, sobald G–A vollzogen wird. Was uns hier interessirt, ist: Wenn G–A als eine Funktion des Geldkapitals erscheint, oder Geld hier als Existenzformdes Kapitals, so keineswegs bloß, weil das Geld hier auftritt als Zahlungsmittel für eine menschliche Thätigkeit, die einen Nutzeffekt hat, für einen Dienst; also keineswegs durch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Das Geld kann nur in dieser Form verausgabt werden, weil die Arbeitskraft im Zustand der Trennung von ihren Produktionsmitteln (einschließlich der Lebensmittel als Produktionsmittel der Arbeitskraft selbst) sich befindet; und weil diese Trennung nur dadurch aufgehoben wird, daß die Arbeitskraft an den Inhaber der Produktionsmittel verkauft wird; daß also auch die Flüssigmachung der Arbeitskraft, deren Grenzen keineswegs mit den Grenzen der zur Reproduktion ihres eignen Preises nöthigen Arbeitsmasse zusammenfallen, dem Käufer gehört. Das Kapitalverhältnißwährend des Produktionsprocesses kommt nur heraus, weil es an sich schon im Cirkulationsakt existirt, in den unterschiednen ökonomischen Grundbedingungen, worin Käufer und Verkäufer sich gegenüber treten, in ihrem Klassenverhältniß. Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur das Verhältniß gegeben ist; es ist vielmehr das Dasein dieses Verhältnisses, das eine bloße Geldfunktion in eine Kapitalfunktion verwandeln kann . |

|9| Bei Auffassung des Geldkapitals (wir haben mit diesem einstweilen nur zu thun innerhalb der bestimmten Funktion, in der es uns hier gegenübertritt) laufen gewöhnlich zwei Irrthümer neben- oder durcheinander. Erstens: Die Funktionen, die der Kapitalwerth als Geldkapital verrichtet, und die er eben verrichten kann, weil er sich in Geldform befindet, werden irrthümlich aus seinem Kapitalcharakter abgeleitet, während sie nur dem Geldzustand des Kapitalwerths geschuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld. Und zweitens umgekehrt: Der specifische Gehalt der Geldfunktion, der sie zugleich zu einer Kapitalfunktion macht, wird aus der Natur des Geldes hergeleitet (Geld daher mit Kapital verwechselt), während sie gesellschaftliche Bedingungen voraussetzt, wie hier in Vollziehung von G–A, die in bloßer Waaren-, und entsprechender Geldcirkulation keineswegs gegeben sind.

Auch der Kauf und Verkauf von Sklaven ist seiner Form nach Waaren-Kauf und Verkauf. Ohne Existenz der Sklaverei kann Geld aber nicht diese Funktion vollziehn. Ist Sklaverei da, so kann Geld im Ankauf von Sklaven ausgelegt werden. Umgekehrt reicht Geld in der Hand des Käufers keineswegs hin, um Sklaverei zu ermöglichen.

Daß der Verkauf der eignen Arbeitskraft (inder Form des Verkaufs der eignen Arbeit oder des Arbeitslohns) nicht als isolirte Erscheinung, sondern als gesellschaftlich maßgebende Voraussetzung der Produktion von Waaren sich darstelle, daß also das Geldkapital auf gesellschaftlicher Stufenleiter die hier betrachtete Funktion G–W A Pm vollziehe, – dies unterstellt historische Processe, durch welche die ursprüngliche Verbindung der Produktionsmittel mit der Arbeitskraft aufgelöst wurde; Processe, in Folge deren die Masse des Volks, die Arbeiter, als Nichteigenthümer und die Nichtarbeiter als Eigenthümer dieser Produktionsmittel sich gegenüberstehn.Wobei es nichts zur Sache thut, ob die Verbindung, vor ihrer Zersetzung, die Form besaß, daß der Arbeiter selbst als Produktionsmittel zu den andern Produktionsmitteln gehörte, oder ob er deren Eigner war.

Der Thatbestand, der hier also dem Akt G–W A Pm zu Grunde liegt, ist die Vertheilung; nicht die Vertheilung im gewöhnlichen Sinn als Vertheilung der Konsumtionsmittel, sondern die Vertheilung der Elemente der Produktion selbst, von denen die gegenständlichen Faktoren auf der einen Seite koncentrirt sind, die Arbeitskraft davon isolirt auf der andern. |

|10| Die Produktionsmittel, der gegenständliche Theil des produktiven Kapitals, müssen also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital gegenüberstehn, bevor der Akt G–A ein allgemein gesellschaftlicher Akt werden kann.

Wir haben früher gesehn, daß die kapitalistische Produktion, einmal etablirt, in ihrer Entwicklung nicht nur diese Trennung reproducirt, sondern sie auf stets grössern Umfang erweitert, bis sie der allgemein herrschende gesellschaftliche Zustand geworden. Die Sache bietet aber noch eine andre Seite dar. Damitdas Kapital sich bilden und sich der Produktion bemächtigen kann, ist eine gewisse Entwicklungsstufe des Handelsvorausgesetzt, also auch der Waarencirkulation und damit der Waarenproduktion; denn es können nicht Artikel als Waaren in die Cirkulation eingehn, sofern sie nicht für den Verkauf, also als Waaren, producirt werden. Als normaler, herrschender Charakter der Produktion erscheint die Waarenproduktion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen Produktion.

Die russischen Grundeigenthümer, die in Folge der sogen. Bauernemancipationihre Landwirthschaft jetzt mit Lohnarbeitern statt mit leibeignenZwangsarbeiternbetreiben, klagen über zweierlei: Erstens über Mangel an Geldkapital. So heißt es z. B.: Bevor man die Ernte verkauft, habe man Lohnarbeitern in größerem Umfang zu zahlen, und da fehle es an der ersten Bedingung, an Baarem. Kapital in der Form von Geld muß gerade zur Zahlung des Arbeitslohns beständig vorhanden sein, um die Produktion kapitalistisch zu betreiben. Doch darüber mögen sich die Grundbesitzer trösten. Mit der Zeit pflückt man Rosen, und verfügt der industrielle Kapitalist nicht nur über sein eignes Geld, sondern auch über l'argent des autres.

Charakteristischer aber ist die zweite Klage, nämlich: daß wenn man auch Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu beliebiger Zeit die zu kaufenden Arbeitskräfte disponibel finde, indem der russische Landarbeiter in Folge des Gemeineigenthums der Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht völlig von seinen Produktionsmitteln getrennt, daher noch kein "freier Lohnarbeiter" im vollen Sinne des Worts ist. Aber das Vorhandensein des letztren auf gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerlässliche Bedingung, damit G–W, Verwandlung von Geld in Waare, als Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, darstellbar sei. |

|11| Es versteht sich daher von selbst, daß die Formel für den Kreislauf des Geldkapitals: G–W … P … W′–G′ selbstverständliche Form des Kapitalkreislaufs nur auf Grundlage schon entwickelter kapitalistischer Produktion ist, weil sie das Vorhandensein der Lohnarbeiterklasse auf gesellschaftlicher Stufe voraussetzt. Die kapitalistische Produktion, wie wir gesehn, producirt nicht nur Waare und Mehrwerth; sie reproducirt, und in stets erweitertem Umfang, die Klasse der Lohnarbeiter und verwandelt die ungeheure Majorität der unmittelbaren Producenten in Lohnarbeiter. G–W … P … W′–G′, da die erste Voraussetzung seines Verlaufs das beständige Vorhandensein der Lohnarbeiterklasse, unterstellt daher schon das Kapital in der Form des produktiven Kapitals, und daher die Form des Kreislaufs des produktiven Kapitals.

II. Zweites Stadium. Funktion des produktiven Kapitals.

Der hier betrachtete Kreislauf des Kapitals beginnt mit dem Cirkulationsakt G–W, der Verwandlung von Geld in Waare, Kauf. Die Cirkulation muß also ergänzt werden durch die entgegengesetzte Metamorphose W–G, Verwandlung von Waare in Geld, Verkauf. Aberdas unmittelbare Resultat von G–W A Pm ist die Unterbrechung der Cirkulation des in Geldform vorgeschoßnen Kapitalwerths. Durch die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital hat der Kapitalwerth eine Naturalform erhalten, worin er nicht fortcirkuliren kann, sondern in die Konsumtion, nämlich in die produktive Konsumtion, eingehn muß. Der Gebrauch der Arbeitskraft, die Arbeit, kann nur im Arbeitsproceß realisirt werden. Der Kapitalist kann den Arbeiter nicht wieder als Waare verkaufen, da dieser nicht sein Sklave ist, und jener weiter nichts gekauft hat, als die Vernutzung seiner Arbeitskraft auf bestimmte Zeit. Er kann andrerseits die Arbeitskraft nur vernutzen, indem er durch sie die Produktionsmittel als Waarenbildner vernutzen läßt. Das Resultat des ersten Stadiums ist also der Eintritt in das zweite, das produktive Stadium des Kapitals.

DieBewegung stellt sich dar als G–W A Pm  … P, wo die Punkte andeuten, daß die Cirkulation des Kapitals unterbrochen ist, sein Kreislaufsproceß aber fortdauert, indem es aus der Sphäre der Waarencirkulation in die Produktionssphäre eintritt. Das erste Stadium, die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, erscheint also nur als ||12|Vorläufer und Einleitungsphase des zweiten Stadiums, der Funktion des produktiven Kapitals.

G–W A Pm setzt voraus, daß das Individuum, welches diesen Akt vollzieht, nicht nur über Werthe in beliebiger Gebrauchsform verfügt, sondern daß es diese Werthe in Geldform besitzt, daß es Geldbesitzer ist. Der Akt besteht aber gerade in der Weggabe des Geldes, und jener kann nur Geldbesitzer bleiben, soweit ihm das Geld implicite durch den Akt der Weggabe selbst zurückströmt. Geld kann ihm aber nur zurückfließen durch den Verkauf von Waaren. Der Akt setzt ihn also voraus als Waarenproducenten .

G–A . Der Lohnarbeiter lebt nur vom Verkauf der Arbeitskraft. Ihre Erhaltung – seine Selbsterhaltung – erfordert tägliche Konsumtion. Seine Zahlung muß also beständig in kürzern Terminen wiederholt werden, damit er die zu seiner Selbsterhaltung nöthigen Einkäufe – den Akt A–G–W oder W–G–W – wiederholen kann . Der Kapitalist muß ihm daher beständig als Geldkapitalist, und sein Kapital als Geldkapital gegenüber treten. Andrerseitsaber, damit die Masse der unmittelbaren Producenten , der Lohnarbeiter, den Akt A–G–W vollziehn könne, müssen ihr die nothwendigen Lebensmittel in käuflicher, d. h. in Waarenform, beständig gegenübertreten. Dieser Zustand erheischt also schon einen hohen Grad der Cirkulation der Produkte als Waaren, also auch des Umfangs der Waarenproduktion. Sobald die Produktion vermittelst Lohnarbeit allgemein, muß die Waarenproduktion die allgemeine Form der Produktion sein. Dieseals allgemein vorausgesetzt, bedingt ihrerseits eine stetig wachsende Theilung der gesellschaftlichen Arbeit, d. h. stets größre Besondrung des Produkts, das als Waare von einem bestimmten Kapitalisten producirt wird, stets größre Spaltung sich ergänzender Produktionsprocesse in verselbständigte. In demselben Grad wie G–A, entwickelt sich daher G–Pm; d. h. in demselben Umfang trennt sich die Produktion der Produktionsmittel von der der Waare, deren Produktionsmittel sie sind, und treten diese jedem Waarenproducenten selbst als Waaren gegenüber, die er nicht producirt, sondern zum Behuf seines bestimmten Produktionsprocesses kauft. Sie kommen her aus, von dem seinen vollständig getrennten, selbständig betriebnen Produktionszweigen, und gehn ein in seinen Produktionszweig als Waaren, müssen daher gekauft werden. Die sachlichen Bedingungen der Waarenproduktion | |13| treten ihm in immer größerem Umfang als Produkte andrer Waarenproducenten, als Waaren, gegenüber. In demselben Umfang muß der Kapitalist als Geldkapitalist auftreten, oder erweitert sich der Maßstab, worauf sein Kapital als Geldkapital fungiren muß.

Andrerseits: Dieselben Umstände, welche die Grundbedingung der kapitalistischen Produktion produciren – das Dasein einer Lohnarbeiterklasse– sollicitiren den Uebergang aller Waarenproduktion in kapitalistische Waarenproduktion. Im Umfang wie diese sich entwickelt, wirkt sie zersetzend und auflösend auf jede ältre Form der Produktion, die, vorzugsweis auf unmittelbaren Selbstbedarf gerichtet, nur den Ueberschuß des Produkts in Waare verwandelt. Sie macht den Verkauf des Produkts zum Hauptinteresse, zunächst ohne scheinbar die Produktionsweise selbst anzugreifen, wie dies z. B. die erste Wirkung des kapitalistischen Welthandels auf solche Völker war, wie Chinesen, Indier, Araber etc. Zweitens aber, wo sie Wurzel gegriffen, zerstört sie alle Formen der Waarenproduktion, die entweder auf Selbstarbeitder Producenten gegründet, oder blos auf den Verkauf des überschüssigen Produkts als Waare. Sie verallgemeinert zuerst die Waarenproduktion und verwandelt dann stufenweise alle Waarenproduktion in kapitalistische. 3)

Welches immer die gesellschaftlichen Formen der Produktion, Arbeiter und Produktionsmittel bleiben stets ihre Faktoren. Aber die einen und die andern sind dies nur der Möglichkeit nach im Zustand ihrer Trennung von einander. Damit überhaupt producirt werde, müssen sie sich verbinden. Die besondere Art und Weise, worin diese Verbindung bewerkstelligt wird, unterscheidet die verschiedenen ökonomischen Epochen der Gesellschaftsstruktur. Im vorliegenden Fall ist die Trennung des freien Arbeiters von seinen Produktionsmitteln der gegebne Ausgangspunkt, und wir haben gesehn, wie und unter welchen Bedingungen beide in der Hand des Kapitalisten vereint werden – nämlich als produktive Daseinsweise seines Kapitals. Derwirkliche Proceß, den die so zusammengebrachten persönlichen und sachlichen Waarenbildner mit einander eingehn, der Produktionsproceß, wird daher selbst eine Funktion des Kapitals – kapitalistischer Produktionsproceß, dessen Natur ausführlich im ersten Buch dieser Schrift entwickelt worden. Jeder Betrieb der Waarenproduktion wird zugleich Be||14|trieb der Ausbeutung der Arbeitskraft; aber erst die kapitalistische Waarenproduktion wird zu einer epochemachenden Ausbeutungsweise, die in ihrer geschichtlichen Fortentwicklung durch die Organisation des Arbeitsprocesses und die riesenhafte Ausbildung der Technik die ganze ökonomische Struktur der Gesellschaft umwälzt und alle früheren Epochen unvergleichbar übergipfelt.

Durch die verschiednen Rollen, die sie während des Produktionsprocesses selbst bei der Werthbildung, also auch in der Erzeugung von Mehrwerth spielen, unterscheiden sich Produktionsmittel und Arbeitskraft, soweit sie Existenzformen des vorgeschoßnen Kapitalwerths, als konstantes und variables Kapital. Als verschiedne Bestandtheile des produktiven Kapitals unterscheiden sie sich ferner dadurch, daß die erstern, im Besitz des Kapitalisten, sein Kapital bleiben auch außerhalb des Produktionsprocesses, während bloß innerhalb desselben die Arbeitskraft Daseinsformeines individuellen Kapitals wird. Wenn die Arbeitskraft nur in der Hand ihres Verkäufers, des Lohnarbeiters, Waare ist, so wird sie dagegen Kapital nur in der Hand ihres Käufers, des Kapitalisten, dem ihr zeitweiser Gebrauch zufällt. DieProduktionsmittel selbst werden nur gegenständliche Gestalten des produktiven Kapitals, oder produktives Kapital, von dem Augenblick, wo ihnen die Arbeitskraft, als persönliche Daseinsformdesselben, einverleibbar geworden ist. So wenig also menschliche Arbeitskraft von Natur Kapital, so wenig sind es die Produktionsmittel. Sie erhalten diesen specifischen gesellschaftlichen Charakter nur unter bestimmten, geschichtlich entwickelten Bedingungen, wie nur unter solchen den edlen Metallen der des Geldes, oder gar dem Geld der des Geldkapitals aufgeprägt wird.

Indemes fungirt, verbraucht das produktive Kapital seine eignen Bestandtheile, um sie in eine höherwerthige Produktenmasse umzusetzen. Da die Arbeitskraft nur als eins seiner Organe wirkt, ist auch der durch ihre Mehrarbeit erzeugte Ueberschuß des Produktwerths über den Werth seiner Bildungselemente die Frucht des Kapitals. Die Mehrarbeit der Arbeitskraft ist die Gratisarbeit des Kapitals und bildet daher für den Kapitalisten Mehrwerth, einen Werth, der ihm kein Aequivalent kostet . Das Produkt ist daher nicht nur Waare, sondern mit Mehrwerth befruchtete Waare. Ihr Werth ist = P + M, gleich dem Werth des in ihrer Herstellung verzehrten produktiven Kapitals P plus dem von ihm erzeugten Mehrwerth M. Unterstellen wir, diese Waare bestehe aus 10 000 lb | |15| Garn, in deren Herstellung Produktionsmittel zum Werth von 372 Pfd. St. und Arbeitskraft zum Werth von 50 Pfd. St. verbraucht worden. Während des Spinnprocesses übertrugen die Spinner den Werth der durch ihre Arbeit verzehrten Produktionsmittel im Belauf von 372 Pfd. St. auf das Garn, wie sie zugleich, entsprechend ihrer Arbeitsausgabe, einen Neuwerth von, sage 128 Pfd. St. darstellen. Die 10 000 lb Garn sind daher Träger eines Werths von 500 Pfd. St.

III. Drittes Stadium. W′–G′.

Waare wird Waarenkapital als unmittelbar aus dem Produktionsproceß selbst entsprungene funktionelle Daseinsform des bereits verwertheten Kapitalwerths. Würde die Waarenproduktion in ihrem ganzen gesellschaftlichen Umfang kapitalistisch betrieben, so wäre alle Waare von Haus aus Element eines Waarenkapitals, bestehe sie nun aus Roheisen oder Brüsseler Spitzen, Schwefelsäure oder Cigarren. Das Problem, welche Sorten des Waarenheers durch ihre Beschaffenheit zum Kapitalrang bestimmt, welche andere zum gemeinen Waarendienst, ist eins der selbstgeschaffnen holden Drangsale der scholastischen Oekonomie.

In einer Waarenform muß das Kapital Waarenfunktion verrichten. Die Artikel, woraus es besteht, von Haus aus für den Markt producirt, müssen verkauft, in Geld verwandelt werden, also die Bewegung W–G durchlaufen.

Die Waare des Kapitalisten bestehe aus 10 000 lb Baumwollengarn. Wurden im Spinnproceß Produktionsmittel zum Werth von 372 Pfd. St. verzehrt und ein Neuwerth von 128 Pfd. St. geschaffen, so hat das Garn einen Werth von 500 Pfd. St., welchen es ausdrückt in seinem gleichnamigen Preise. Dieser Preis werde realisirt durch den Verkauf W–G. Was macht diesen einfachen Vorgang aller Waarencirkulation gleichzeitig zu einer Kapitalfunktion? Keine Veränderung, die sich innerhalb desselben ereignet, sei es mit Bezug auf ihren Gebrauchscharakter, denn als Gebrauchsgegenstand geht die Waare an den Käufer über, sei es mit Bezug auf ihren Werth, denn dieser erleidet keinen Größenwechsel, sondern nur einen Formwechsel. Erst existirte er in Garn, jetzt existirt er in Geld. So tritt ein wesentlicher Unterschied hervor zwischen dem ersten Stadium G–W und dem letzten Stadium W–G. Dort fungirt das vorgeschoßne Geld als Geldkapital, weil es sich vermittelst der Cirkulation in Waaren von specifischem Gebrauchswerth um||16|setzt. Hier kann die Waare nur als Kapital fungiren, sofern sie diesen Charakter schon fertig aus dem Produktionsproceß mitbringt, bevor ihre Cirkulation beginnt. Während des Spinnprocesses schufen die Spinner Garnwerth zum Belauf von 128 Pfd. St. Davon bilden, sage 50 Pfd. St., dem Kapitalisten bloß ein Aequivalent für seine Auslage in Arbeitskraft, und 78 Pfd. St. – bei einem Exploitationsgrad der Arbeitskraft von 156% – bilden Mehrwerth. Der Werth der 10 000 lb Garn enthält also erstens den Werth des aufgezehrten produktiven Kapitals P, wovon der konstante Theil = 372 Pfd. St., der variable = 50 Pfd. St., ihre Summe = 422 Pfd. St., = 8440 lb Garn. Der Werth des produktiven Kapitals P ist aber = W, dem Werth seiner Bildungselemente, die in dem Stadium G–W dem Kapitalisten als Waaren in den Händen ihrer Verkäufer gegenüberstanden. – Zweitens aber enthält der Werth des Garns einen Mehrwerth von 78 Pfd. St. = 1560 lb Garn. W als Werthausdruck der 10 000 lb Garn ist also = W + ΔW, W plus einem Inkrement von W (= 78 Pfd. St.), welches wir w nennen wollen, da es in derselben Waarenform existirt wie jetzt der ursprüngliche Werth W. Der Werth der 10 000 lb Garn = 500 Pfd. St. ist also = W + w = W′.Was W, als Werthausdruck der 10 000 lb Garn, zu W′ macht, ist nicht seine absolute Werthgröße (500 Pfd. St.), denn sie ist wie bei allen andren W als Werthausdruck irgend einer andern Waarensumme bestimmt durch die Größe der in ihr vergegenständlichten Arbeit. Es ist seine relative Werthgröße, seine Werthgröße verglichen mit dem Werth des in seiner Produktion aufgezehrten Kapitals P. Dieser Werth ist in ihr enthalten, plus dem vom produktiven Kapital gelieferten Mehrwerth. Sein Werth ist größer, überschüssig über diesen Kapitalwerth, um diesen Mehrwerth w. Die10 000 lb Garn sind Träger des verwertheten, mit einem Mehrwerth bereicherten Kapitalwerths, und sind dies als Produkt des kapitalistischen Produktionsprocesses.W′ drückt ein Werthverhältniß aus, das Verhältniß des Werths des Waarenprodukts zu dem des in seiner Produktion verausgabten Kapitals, also die Zusammensetzung seines Werths aus Kapitalwerth und Mehrwerth. Die 10 000 lb Garn sind Waarenkapital, W′, nur als verwandelte Form des produktiven Kapitals P, also in einem Zusammenhang, der zunächst nur im Kreislauf dieses individuellen Kapitals existirt, oder für den Kapitalisten, der mit seinem Kapital Garn producirt hat. Es ist sozusagen||17| nur ein inneres, kein auswärtiges Verhältniß, das die 10 000 lb Garn als Werthträger zu Waarenkapital macht; sie tragen ihr kapitalistisches Muttermal nicht in der absoluten Größe ihres Werths, sondern in seiner relativen Größe, in ihrer Werthgröße verglichen mit der, die das in ihnen enthaltne Kapital besaß, ehe es sich in Waare verwandelt hatte. Werdendaher die 10 000 lb Garn zu ihrem Werth von 500 Pfd. St. verkauft, so ist dieser Cirkulationsakt, für sich betrachtet, = W–G, bloße Verwandlung eines gleichbleibenden Werths aus Waarenform in Geldform. Aber als besondres Stadium im Kreislauf eines individuellen Kapitals ist derselbe Akt Realisirung des von der Waare getragnen Kapitalwerths von 422 Pfd. St. + dem von ihr getragnen Mehrwerth von 78 Pfd. St., also W′–G′, Verwandlung des Waarenkapitals aus seiner Waarenform in Geldform. 4)

Die Funktion von W′ ist nun die alles Waarenprodukts: sich in Geld zu verwandeln, verkauft zu werden, die Cirkulationsphase W–G durchzumachen. So lange das jetzt verwerthete Kapital in der Form des Waarenkapitals verharrt, auf dem Markt festliegt, steht der Produktionsproceß still. Es wirkt weder als Produkt- noch als Werthbildner. Jenach dem verschiednen Grad der Geschwindigkeit, womit das Kapital seine Waarenform abstößt und seine Geldform annimmt, oder je nach der Raschheit des Verkaufs, wird derselbe Kapitalwerth in sehr ungleichem Grad als 4) Bis hierher Manuskript VI. Von hier an Manuskript V. Produkt- und Werthbildner dienen und die Stufenleiter der Reproduktion sich ausdehnen oder verkürzen. Es wurde im ersten Buch gezeigt, daß der Wirkungsgrad eines gegebnen Kapitals durch Potenzen des Produktionsprocesses bedingt ist, die von seiner eignen Werthgröße in gewissem Grad unabhängig sind. Hier zeigt sich, daß der Cirkulationsproceß neue, von der Werthgröße des Kapitals unabhängige Potenzen seines Wirkungsgrads, seiner Expansion und Kontraktion, in Bewegung setzt.

Die Waarenmasse W′, als Träger des verwertheten Kapitals, muß ferner in ihrem ganzen Umfang die Metamorphose W′–G′ durchmachen. Die Quantität des Verkauften wird hier wesentliche Bestimmung. Die einzelne Waare figurirt nur noch als integrirender Theil der Gesammtmasse. Die 500 Pfd. St. Werth existiren in 10 000 lb Garn. ||18| Gelingt es dem Kapitalisten, nur 7440 lb zu ihrem Werth von 372 Pfd. St. zu verkaufen, so hat er nur den Werth seines konstanten Kapitals, den Werth der verausgabten Produktionsmittel, ersetzt; wenn 8440 lb, so nur die Werthgröße des vorgeschoßnen Gesammtkapitals. Er muß mehr verkaufen, um Mehrwerth zu realisiren, und er muß alle 10 000 lb Garn verkaufen, um den ganzen Mehrwerth von 78 Pfd. St. (= 1560 lb Garn) zu realisiren . Er erhält also in 500 Pfd. St. Geld nur einen Gleichwerth für die verkaufte Waare; seine Transaktion innerhalb der Cirkulation ist einfaches W–G. Hätte er seinen Arbeitern 64 Pfd. St. statt 50 Pfd. St. Lohn gezahlt, so wäre sein Mehrwerth nur 64 Pfd. St. statt 78 Pfd. St., und der Exploitationsgrad nur 100% statt 156%; aber nach wie vor bliebe der Werth seines Garns unverändert; nur das Verhältniß seiner verschiednen Theile wäre ein andres; der Cirkulationsakt W–G wäre nach wie vor Verkauf von 10 000 lb Garn für 500 Pfd. St., ihren Werth.

W′ = W + w (= 422 Pfd. St. + 78 Pfd. St.). – W ist gleich dem Werth von P oder dem produktiven Kapital, und dies gleich dem Werth von G, das in G–W, dem Kauf der Produktionselemente, vorgeschossen wurde; in unserm Beispiel =422 Pfd. St. Wird die Waarenmasse zu ihrem Werth verkauft, so W = 422 Pfd. St. und w = 78 Pfd. St., dem Werth des Mehrprodukts von 1560 lb Garn. Nennen wir w, in Geld ausgedrückt, g, so ist W′–G′ = (W + w)–(G + g), und der Kreislauf G–W … P … W′–G′ in seiner expliciten Form also G–W A Pm  … P … (W + w)–(G + g).

Im ersten Stadium entzieht der Kapitalist Gebrauchsartikel dem eigentlichen Waarenmarkt und dem Arbeitsmarkt; im dritten Stadium wirft er Waare zurück, aber nur in Einen Markt, den eigentlichen Waarenmarkt. Wenn er aber durch seine Waare dem Markt mehr Werth wiederentzieht, als er ursprünglich hineinwarf, so nur, weil er größern Waarenwerthhineinwirft, als er ursprünglich entzog. Er warf den Werth G hinein und entzog den Gleichwerth W; er wirft W + w hinein und entzieht den Gleichwerth G + g. – G war in unserm Beispiel gleich dem Werth von 8440 lb Garn; er wirft aber 10 000 lb in den Markt, gibt ihm also größern Werth, als er ihm nahm. Andrerseits hat er diesen gewachsnen Werth nur hineingeworfen, weil er im Produktionsproceß Mehrwerth (als aliquoter Theil des Produkts, ausgedrückt in Mehrprodukt) durch | |19| Exploitation der Arbeitskraft producirte. Nur als Produkt dieses Processes ist die Waarenmasse Waarenkapital, Träger des verwertheten Kapitalwerths.Durch Vollziehung von W′–G′ wird sowohl der vorgeschoßne Kapitalwerth realisirt wie der Mehrwerth. Die Realisation beider fällt zusammen in der Reihe von Verkäufen, oder auch in dem Verkauf auf einen Schlag, der gesammten Waarenmasse, die W′–G′ ausdrückt. Aber derselbe Cirkulationsvorgang W′–G′ ist verschieden für Kapitalwerth und Mehrwerth insofern, als er für jeden von beiden ein verschiednes Stadium ihrer Cirkulation, einen verschiednen Abschnitt in der von ihnen innerhalb der Cirkulation zu durchlaufenden Metamorphosenreihe ausdrückt. w, der Mehrwerth, kam erst zur Welt innerhalb des Produktionsprocesses. Er tritt also zum ersten Mal auf den Waarenmarkt, und zwar in Waarenform; sie ist seine erste Cirkulationsform, daher auch der Akt w–g sein erster Cirkulationsakt oder seine erste Metamorphose, die also noch zu ergänzen bleibt durch den entgegengesetzten Cirkulationsakt oder die umgekehrte Metamorphose g–w.5)

Anders verhält es sich mit der Cirkulation, die der Kapitalwerth W im selben Cirkulationsakt W′–G′ vollzieht, welches für ihn der Cirkulationsakt W–G ist, wo W = P, gleich dem ursprünglich vorgeschoßnen G. Es hat seinen ersten Cirkulationsakt als G, als Geldkapital, eröffnet und kehrt durch den Akt W–G zur selben Form zurück; es hat also die beiden entgegengesetzten Phasen der Cirkulation 1) G–W und 2) W–G durchlaufen und befindet sich wieder in der Form, in der es denselben Kreislaufsproceß von Neuem beginnen kann. Was für den Mehrwerth erste Verwandlung der Waarenform in Geldform, ist für den Kapitalwerth Rückkehr oder Rückverwandlung in seine ursprüngliche Geldform.

Durch G–W A Pm wurde das Geldkapital in eine gleichwerthige Summe Waaren, A und Pm, umgesetzt. Diese Waaren funktioniren nicht wieder als Waaren, als Verkaufsartikel. Ihr Werth existirt jetzt in der Hand ihres Käufers, des Kapitalisten, als Werth seines produktiven Kapitals P. Und in der Funktion von P, der produktiven Konsumtion, werden ||20| sie verwandelt in eine von den Produktionsmitteln stofflich verschiedne Waarensorte, in Garn, worin ihr Werth nicht nur erhalten, sondern vergrößert wird, von 422 Pfd. St. auf 500 Pfd. St. Durch diese reale Metamorphose werden die im ersten Stadium G–W dem Markt entzognen Waaren ersetzt durch stofflich und werthlich verschiedne Waare, die nun als Waare fungiren, in Geld verwandelt und verkauft werden muß. Der Produktionsproceß erscheint daher nur als Unterbrechung des Cirkulationsprocesses des Kapitalwerths, wovon bis dahin nur die erste Phase G–W durchlaufen ist. Er durchläuft die zweite und abschließende Phase W–G, nachdem W stofflich und werthlich verändert. Soweit aber der Kapitalwerth, für sich genommen, in Betracht kommt, hat er nur eine Veränderung seiner Gebrauchsform im Produktionsproceß erlitten. Er existirte als 422 Pfd. St. Werth in A und Pm, er existirt jetzt als 422 Pfd. St. Werth von 8440 lb Garn. Betrachten wir also bloß die beiden Phasen des Cirkulationsprocesses des, von seinem Mehrwerth getrennt gedachten, Kapitalwerths, so durchläuft er 1) G–W und 2) W–G, wo das zweite W eine veränderte Gebrauchsform, aber denselben Werth hat wie das erste W; also G–W–G, eine Cirkulationsform, die durch den doppelten Stellenwechsel der Waare in entgegengesetzter Richtung, Verwandlung aus Geld in Waare, Verwandlung aus Waare in Geld, nothwendig die Rückkehr des als Geld vorgeschoßnen Werths zu seiner Geldform bedingt: seine Rückverwandlung in Geld.

Derselbe Cirkulationsakt W′–G′, der für den in Geld vorgeschoßnen Kapitalwerth zweite abschließende Metamorphose, Rückkehr zur Geldform, ist für den gleichzeitig vom Waarenkapital mitgetragnen und durch seinen Umsatz in Geldform mitrealisirten Mehrwerth erste Metamorphose, Verwandlung aus Waarenform in Geldform, W–G, erste Cirkulationsphase.

Esist hier also zweierlei zu bemerken. Erstens: Die schließliche Rückverwandlung des Kapitalwerths in seine ursprüngliche Geldform ist eine Funktion des Waarenkapitals. Zweitens: Diese Funktion schließt ein die erste Formverwandlung des Mehrwerths aus seiner ursprünglichen Waarenform in Geldform. Die Geldform spielt also hier doppelte Rolle; sie ist einerseits rückkehrende Form eines ursprünglich in Geld vorgeschoßnen Werths, also Rückkehr zur Werthform, die den Proceß eröffnete; sie ist andrerseits erste verwandelte Form eines Werths, der ||21| ursprünglich in Waarenform in die Cirkulation tritt. Werden die Waaren, woraus das Waarenkapital besteht, zu ihrem Werth verkauft, wie hier vorausgesetzt, so wird W + w verwandelt in das gleichwerthige G + g; in dieser Form G + g (422 Pfd. St. + 78 Pfd. St. = 500 Pfd. St.) existirt das realisirte Waarenkapital jetzt in der Hand des Kapitalisten. Kapitalwerth und Mehrwerth sind jetzt als Geld vorhanden, also in der allgemeinen Aequivalentform.

Am Schluß des Processes befindet sich der Kapitalwerth also wieder in derselben Form, worin er in ihn eintrat, kann ihn also wieder von neuem als Geldkapital eröffnen und durchlaufen. Eben weil die Ausgangs- und Schlußform des Processes die des Geldkapitals (G) wird diese Form des Kreislaufsprocesses von uns als Kreislauf des Geldkapitals bezeichnet. Nicht die Form, sondern nur die Größe des vorgeschoßnen Werths ist am Schluß verändert.

G + g sind nichts als eine Geldsumme von einer bestimmten Größe, in unserm Fall 500 Pfd. St. Aberals Resultat des Kreislaufs des Kapitals, als realisirtes Waarenkapital, enthält diese Geldsumme den Kapitalwerth und den Mehrwerth; und zwar sind diese nun nicht mehr mit einander verwachsen, wie im Garn; sie liegen jetzt neben einander. Ihre Realisation hat jedem der beiden selbständige Geldform gegeben. 211 250 davon sind der Kapitalwerth, 422 Pfd. St., und 39 250 davon der Mehrwerth von 78 Pfd. St. Diese durch Realisation des Waarenkapitals bewirkte Trennung hat nicht nur den formellen Gehalt, wovon wir gleich sprechen werden; sie wird wichtig im Reproduktionsproceß des Kapitals, je nachdem g ganz, theilweise oder gar nicht zu G geschlagen wird, also je nachdem es als Bestandtheil des vorgeschoßnen Kapitalwerths fortfungirt oder nicht. g und G können auch ganz verschiedne Cirkulation durchlaufen.

In G′ ist das Kapital wieder zu seiner ursprünglichen Form G zurückgekehrt, zu seiner Geldform; aber in einer Form, worin es als Kapital verwirklicht ist.

Erstens ist eine quantitative Differenz da. Es war G, 422 Pfd. St.; es ist jetzt G′, 500 Pfd. St., und diese Differenz ausgedrückt in G … G′, den quantitativ verschiednen Extremen des Kreislaufs, dessen Bewegung selbst nur durch die Punkte … angedeutet ist. G′ ist > G, G′–G = M, dem Mehrwerth. – Aber als Resultat dieses Kreislaufs G … G′ existirt jetzt nur noch G′; es ist das Produkt, worin sein Bildungsproceß ||22| erloschen ist. G′ existirt jetzt selbständig für sich, unabhängig von der Bewegung, die es hervorbrachte. Sie ist vergangen, es ist da an ihrer Stelle.

AberG′ als G + g, 500 Pfd. St. als 422 Pfd. St. vorgeschoßnes Kapital plus einem Inkrement desselben von 78 Pfd. St., stellt zugleich ein qualitatives Verhältniß dar, obgleich dies qualitative Verhältniß selbst nur als Verhältniß der Theile einer gleichnamigen Summe, also als quantitatives Verhältniß existirt. G, das vorgeschoßne Kapital, das jetzt wieder in seiner ursprünglichen Form (422 Pfd. St.) vorhanden ist, existirt jetzt als realisirtes Kapital. Es hat sich nicht nur erhalten, es hat sich auch als Kapital realisirt, indem es sich als solches unterscheidet von g (78 Pfd. St.), worauf es bezogen ist als auf seinen Zuwachs, seine Frucht, auf ein durch es selbst gehecktes Inkrement. Es ist als Kapital realisirt, weil als Werth, der einen Werth geheckt hat. G′ existirt als Kapitalverhältniß; G erscheint nicht mehr als bloßes Geld, sondern es ist ausdrücklich als Geldkapital gesetzt, ausgedrückt als Werth, der sich verwerthet hat, also auch die Eigenschaft besitzt sich zu verwerthen, mehr Werth zu hecken als er selbst hat. G ist als Kapital gesetzt durch sein Verhältniß zu einem andern Theil von G′, als dem durch es Gesetzten, aus ihm als Ursache Bewirktem, als der Folge wovon es der Grund. So erscheint G′ als in sich differenzirte, sich funktionell (begrifflich) in sich selbst unterscheidende, das Kapitalverhältniß ausdrückende Werthsumme.

Aber dies ist nur ausgedrückt als Resultat, ohne die Vermittlung des Processes, dessen Resultat es ist.

Werththeile unterscheiden sich als solche qualitativ nicht von einander, außer soweit sie als Werthe verschiedner Artikel, konkreter Dinge auftreten, also in verschiednen Gebrauchsformen, daher als Werthe verschiedner Waarenkörper – ein Unterschied, der nicht aus ihnen selbst als bloßen Werththeilen entspringt. Im Geld ist alle Verschiedenheit der Waaren ausgelöscht, weil es eben die ihnen allen gemeinsame Aequivalentformist. Eine Geldsumme von 500 £ besteht aus lauter gleichnamigen Elementen von 1 £. Da in dem einfachen Dasein dieser Geldsumme die Vermittlung ihrer Herkunft ausgelöscht und von der specifischen Differenz, welche die verschiednen Kapitalbestandtheile im Produktionsproceß besitzen, jede Spur verschwunden ist, so existirt der Unterschied nur noch in der begrifflichen Form einer Hauptsumme (englisch principal) = dem vorgeschoßnen Kapital von 422 £ und einer überschüssigen Werthsumme ||23| von 78 £. G′ sei z. B. = 110 £, wovon 100 = C, Hauptsumme, und 10 = M, Mehrwerth. Es herrscht absolute Gleichartigkeit, also begriffliche Unterschiedslosigkeit, zwischen den beiden konstituirenden Theilen der Summe von 110 £. Beliebige 10 £ sind immer 1 11 der Gesammtsumme von 110 £, ob sie nun 1 10 der vorgeschoßnen Hauptsummevon 100 £ oder der Ueberschuß von 10 £ über dieselbe. Hauptsumme und Zuwachssumme, Kapital und Mehrsumme sind daher ausdrückbar als Bruchtheile der Gesammtsumme; in unserm Beispiel bilden 10 11 die Hauptsumme oder das Kapital, 1 11 die Mehrsumme. Es ist daher begriffsloser Ausdruck des Kapitalverhältnisses, worin hier am Schluß seines Processes das realisirte Kapital in seinem Geldausdruck erscheint.

Allerdingsgilt dies auch für W′ (= W + w). Aber mit dem Unterschied, daß W′, worin W und w auch nur proportionelle Werththeile derselben homogenen Waarenmasse, hinweist auf seinen Ursprung P, dessen unmittelbares Produkt es ist, während in G′, einer unmittelbar aus der Cirkulation herstammenden Form, direkte Beziehung zu P verschwunden ist.

Der begriffslose Unterschied zwischen Haupt- und Zuwachssumme, der in G′ enthalten ist, soweit es das Resultat der Bewegung G … G′ ausdrückt, verschwindet sofort, sobald es aktiv als Geldkapital wieder fungirt, also nicht umgekehrt als Geldausdruck des verwertheten industriellen Kapitals fixirt wird. Der Kreislauf des Geldkapitals kann nie mit G′ beginnen (obgleich G′ jetzt als G fungirt) sondern nur mit G; d. h. nie als Ausdruck des Kapitalverhältnisses, sondern nur als Vorschußform des Kapitalwerths. Sobald die 500 Pfd. St. von neuem als Kapital vorgeschossen werden, um sich von neuem zu verwerthen, sind sie Ausgangspunkt statt Rückkehrpunkt. Statt eines Kapitals von 422 Pfd. St. ist jetzt eins von 500 Pfd. St. vorgeschossen, mehr Geld als früher, mehr Kapitalwerth, aber das Verhältniß zwischen den zwei Bestandtheilen ist weggefallen, ganz wie ursprünglich die Summe von 500 Pfd. St. statt der von 422 Pfd. St. hätte als Kapital fungiren können.

Es ist keine aktive Funktion des Geldkapitals, sich als G′ darzustellen; seine eigne Darstellung als G′ ist vielmehr eine Funktion von W′. Schon in der einfachen Waarencirkulation, 1) W1–G, 2) G–W2, fungirt G erst aktiv im zweiten Akt G–W2; seine Darstellung als G ist nur Resultat des ersten Akts, kraft dessen es erst als verwandelte Form von W1 auftritt. Dasin G′ enthaltene Kapitalverhältniß, die Beziehung eines ||24| seiner Theile als des Kapitalwerths auf den andern als dessen Werthinkrement, bekommt allerdings funktionelle Bedeutung, soweit, bei beständiger Wiederholung des Kreislaufs G … G′, G′ sich in zwei Cirkulationen spaltet, Kapitalcirkulation und Mehrwerthcirkulation, also die beiden Theile nicht blos quantitativ, sondern auch qualitativ verschiedne Funktionen vollziehn, G andre als g. Aber an sich betrachtet, schließt die Form G … G′ die Konsumtion des Kapitalisten nicht ein, sondern ausdrücklich nur die Selbstverwerthung und die Akkumulation, soweit letztre zunächst in periodischem Anwachs des stets von neuem vorgeschoßnen Geldkapitals sich ausdrückt .

Obgleich begriffslose Form des Kapitals, ist G′ = G + g zugleich erst das Geldkapital in seiner realisirten Form, als Geld, welches Geld geheckt hat. Hier ist aber zu unterscheiden von der Funktion des Geldkapitals im ersten Stadium G–W A Pm . G in diesem ersten Stadium cirkulirt als Geld. Es fungirt als Geldkapital nur deshalb, weil es nur in seinem Geldzustand eine Geldfunktion verrichten, sich in die ihm als Waaren gegenüberstehenden Elemente von P, in A und Pm umsetzen kann. In diesem Cirkulationsakt fungirt es nur als Geld; aber weil dieser Akt das erste Stadium des processirenden Kapitalwerths, ist er zugleich Funktion des Geldkapitals, kraft der specifischen Gebrauchsform der Waaren A und Pm, die gekauft werden. G′ dagegen, zusammengesetzt aus G, dem Kapitalwerth, und g, dem durch diesen erzeugten Mehrwerth, drückt verwertheten Kapitalwerth aus, den Zweck und das Resultat, die Funktion des gesammten Kreislaufsprocesses des Kapitals . Daß es dies Resultat in Geldform, als realisirtes Geldkapital ausdrückt, entspringt nicht daraus, daß es Geldform des Kapitals, Geldkapital ist, sondern umgekehrt daraus, daß es Geldkapital, Kapital in Geldform ist, daß das Kapital in dieser Form den Proceß eröffnet hat, in Geldform vorgeschossen worden ist. Die Rückverwandlung in die Geldform ist eine Funktion des Waarenkapitals W′, wie wir gesehn, nicht des Geldkapitals. Was aber die Differenz von G′ gegenüber G betrifft, so ist sie (g) nur Geldform von w, dem Inkrement von W; G′ ist nur = G + g, weil W′ = W + w war. In W′ ist also diese Differenz und das Verhältniß des Kapitalwerths zu dem von ihm geheckten Mehrwerth vorhanden und ausgedrückt, bevor beide in G′ verwandelt, in eine Geldsumme, worin beide Werththeile selbständig einander gegenüber treten und daher auch zu ||25| selbständigen und von einander verschiednen Funktionen verwendbar sind.

G′ ist nur Resultat der Realisirung von W′. Beide, W′ wie G′, sind nur verschiedne Formen, Waarenform und Geldform, des verwertheten Kapitalwerths, beide haben dies gemein, daß sie verwertheter Kapitalwerth. Beide sind verwirklichtes Kapital, weil hier der Kapitalwerth als solcher mitsammt dem Mehrwerth als von ihm verschiedner, durch ihn erhaltner Frucht existirt, obgleich dies Verhältniß nur ausgedrückt ist in der begriffslosen Form des Verhältnisses zweier Theile einer Geldsumme oder eines Waarenwerths. Aber als Ausdrücke des Kapitals in Beziehung zu, und im Unterschied von, dem durch es erzeugten Mehrwerth, also als Ausdrücke von verwerthetem Werth, sind G′ und W′ dasselbe und drükken dasselbe aus, nur in verschiedner Form; sie unterscheiden sich nicht als Geldkapital und Waarenkapital, sondern als Geld und Waare. Sofern sie verwertheten Werth, als Kapital bethätigtes Kapital darstellen, drükken sie nur das Resultat der Funktion des produktiven Kapitals aus, der einzigen Funktion, worin der Kapitalwerth Werth heckt. Ihr Gemeinsames ist, daß sie beide, Geldkapital und Waarenkapital, Existenzweisen des Kapitals sind. Das eine ist Kapital in Geldform, das andre in Waarenform. Die sie unterscheidenden specifischen Funktionen können daher nichts andres sein, als Unterschiede zwischen Geldfunktion und Waarenfunktion. Das Waarenkapital, als direktes Produkt des kapitalistischen Produktionsprocesses, erinnert an diesen seinen Ursprung und ist daher in seiner Form rationeller, minder begriffslos als das Geldkapital, in dem jede Spur dieses Processes erloschen ist, wie überhaupt im Geld alle besondre Gebrauchsform der Waare erlischt. Es ist daher nur, wo G′ selbst als Waarenkapital fungirt, wo es unmittelbares Produkt eines Produktionsprocesses und nicht verwandelte Form dieses Produkts ist, daß seine bizarre Form verschwindet – also in der Produktion des Geldmaterials selbst. Für Goldproduktion z. B. wäre die Formel: G–W A Pm  … P … G′ (G + g), wo G′ als Waarenprodukt figurirt, weil P mehr Gold liefert als für die Produktionselemente des Goldes im ersten G, dem Geldkapital, vorgeschossen war. Hier verschwindet also das Irrationelle des Ausdrucks G … G′ (G + g), wo ein Theil einer Geldsumme als Mutter eines andern Theils derselben Geldsumme erscheint. |

|26|IV. Der Gesammt-Kreislauf.

Wir haben gesehn, daß der Cirkulationsproceß nach Ablauf seiner ersten Phase G–W A Pm unterbrochen wird durch P, wo die auf dem Markt gekauften Waaren A und Pm nun als stoffliche und werthliche Bestandtheile des produktiven Kapitals konsumirt werden; das Produkt dieser Konsumtion ist eine neue Waare, W′, stofflich und werthlich verändert. Der unterbrochene Cirkulationsproceß, G–W, muß ergänzt werden durch W–G. Aber als Träger dieser zweiten und abschließenden Phase der Cirkulation erscheint W′, eine stofflich und werthlich von dem ersten W verschiedne Waare. Die Cirkulationsreihe stellt sich also dar als 1) G–W1; 2) W′2–G′, wo in der zweiten Phase der ersten Waare W1 eine andre von höherem Werth und verschiedner Gebrauchsform, W′2, untergeschoben ist während der durch die Funktion von P verursachten Unterbrechung, der Produktion von W′ aus den Elementen von W, den Daseinsformen des produktiven Kapitals P. Die erste Erscheinungsform dagegen, worin uns das Kapital (Buch I, Kap. IV, 1) gegenübertrat, G–W–G′ (aufgelöst: 1) G–W1; 2) W1–G′) zeigt dieselbe Waare zweimal. Es ist beidemal dieselbe Waare, worin sich das Geld in der ersten Phase verwandelt, und welche sich in der zweiten Phase in mehr Geld rückverwandelt. Trotz dieser wesentlichen Verschiedenheit haben beide Cirkulationen das gemein, daß in ihrer ersten Phase Geld in Waare, und in ihrer zweiten Waare in Geld verwandelt wird, das in der ersten Phase verausgabte Geld also in der zweiten wieder zurückfließt. Einerseits haben sie diesen Rückstrom des Geldes zu seinem Ausgangspunkt gemein, andrerseits aber auch den Ueberschuß des rückströmenden Geldes über das vorgeschoßne. Insofern erscheint auch G–W … W′–G′ in der allgemeinen Formel G–W–G′ enthalten.

Es ergiebt sich hier ferner, daß in den beiden der Cirkulation angehörigen Metamorphosen G–W und W′–G′ sich jedesmal gleich große, gleichzeitig vorhandne Werthexistenzen gegenüberstehn und einander ersetzen. Die Werthveränderung gehört lediglich der Metamorphose P, dem Produktionsproceß, der so als reale Metamorphose des Kapitals, gegenüber den bloß formellen Metamorphosen der Cirkulation, erscheint .

Betrachten wir nun die Gesammtbewegung G–W … P … W′–G′, oder ihre explicite Form G–W    A Pm … P … W′(W + w)–G′(G + g). ||27| Das Kapital erscheint hier als ein Werth, der eine Reihenfolge zusammenhängender, durch einander bedingter Verwandlungen durchläuft, eine Reihe von Metamorphosen, die eben so viele Phasen oder Stadien seines Gesammtprocessesbilden. Zwei dieser Phasen gehören der Cirkulationssphäre an, eine der Produktionssphäre. In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwerth in verschiedner Gestalt, der eine verschiedne, specielle Funktion entspricht. Innerhalb dieser Bewegung erhält sich nicht nur der vorgeschoßne Werth, sondern er wächst, vermehrt seine Größe. Endlich, im Schlußstadium, kehrt er zur selben Form zurück, worin er beim Ausgang des Gesammtprocesses erschien. Dieser Gesammtproceß ist daher Kreislaufsproceß.

Die beiden Formen, die der Kapitalwerth innerhalb seiner Cirkulationsstadien annimmt, sind die von Geldkapital und Waarenkapital; seine dem Produktionsstadium angehörige Form ist die von produktivem Ka- pital. Das Kapital, welches im Verlauf seines Gesammtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist industrielles Kapital – industriell hier in dem Sinn, daß es jeden kapitalistisch betriebnen Produktionszweig umfaßt.

Geldkapital, Waarenkapital, produktives Kapital, bezeichnen hier also nicht selbständige Kapitalsorten, deren Funktionen den Inhalt gleichfalls selbständiger und von einander getrennter Geschäftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondre Funktionsformen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nach einander annimmt.

Der Kreislauf des Kapitals geht nur normal von Statten, so lange seine verschiednen Phasen ohne Stockung in einander übergehn. Stockt das Kapital in der ersten Phase G–W, so erstarrt das Geldkapital zum Schatz; wenn in der Produktionsphase, so liegen die Produktionsmittel funktionslos auf der einen Seite, während die Arbeitskraft auf der andern unbeschäftigt bleibt; wenn in der letzten Phase W′–G′, so versperren unverkäuflich aufgehäufte Waaren den Cirkulationsfluß.

Andrerseits liegt es in der Natur der Sache, daß der Kreislauf selbst die Fixirung des Kapitals, während bestimmter Fristen, in den einzelnen Kreisabschnitten bedingt. In jeder seiner Phasen ist das industrielle Kapital an eine bestimmte Form gebunden, als Geldkapital, produktives Kapital, Waarenkapital. Nur nachdem es die seiner jedesmaligen Form entsprechende Funktion vollzogen hat, erhält es die Form, worin es | |28| eine neue Verwandlungsphase eingehn kann. Um dies klar zu legen, haben wir in unserm Beispiel angenommen, daß der Kapitalwerth der im Produktionsstadium erzeugten Waarenmasse gleich sei der Gesammtsumme des ursprünglich als Geld vorgeschoßnen Werths, mit andern Worten, daß der ganze als Geld vorgeschoßne Kapitalwerth auf einmal aus dem einen Stadium in das jedesmal nächstfolgende tritt. Wir haben aber gesehn (Buch I, Kap. IV), daß ein Theil des konstanten Kapitals, die eigentlichen Arbeitsmittel (z. B. Maschinen) in einer größern oder geringern Anzahl von Wiederholungen derselben Produktionsprocesse stets von neuem dienen, ihren Werth daher auch nur stückweis an das Produkt abgeben. Wie weit dieser Umstand den Kreislaufsproceß des Kapitals modificirt, wird sich später zeigen. Hier genügt Folgendes: In unserm Beispiel enthielt der Werth des produktiven Kapitals = 422 £ nur den durchschnittlich berechneten Verschleiß der Fabrikgebäude, Maschinerie etc., also nur den Werththeil, den sie bei Verwandlung von 10 600 lb Baumwolle in 10 000 lb Garn auf letztres übertragen, auf das Produkt eines wöchentlichen Spinnprocesses von 60 Stunden. In den Produktionsmitteln, in welche sich das vorgeschoßne konstante Kapital von 372 £ verwandelt, figurirten daher auch die Arbeitsmittel, Gebäude, Maschinerie etc. so, als ob sie auf dem Markt gegen wöchentliche Ratenzahlung nur gemiethet wären. Dies ändert jedoch absolut nichts am Sachverhalt. Wir brauchen das in der Woche producirte Garnquantum von 10 000 lb nur mit der Anzahl der, auf eine gewisse Reihe von Jahren berechneten Wochen zu multipliciren, damit der ganze Werth der gekauften und in dieser Zeit aufgebrauchten Arbeitsmittel auf es übertragen wird. Es ist dann klar, daß das vorgeschoßne Geldkapital erst in diese Mittel verwandelt, also aus dem ersten Stadium G–W herausgetreten sein muß, bevor es als produktives Kapital P fungiren kann. Ebenso klar ist es in unserm Beispiel, daß die dem Garn während des Produktionsprocesses einverleibte Kapitalwerthsumme von 422 £ nicht als Werthbestandtheil der 10 000 lb Garn in die Cirkulationsphase W′–G′ eingehn kann, ehe es fertig ist. Das Garn kann nicht verkauft werden, ehe es gesponnen.

In der allgemeinen Formel wird das Produkt von P betrachtet als ein von den Elementen des produktiven Kapitals verschiednes materielles Ding, als ein Gegenstand, der eine vom Produktionsproceß abgesonderte Existenz, eine von der der Produktionselemente verschiedne Gebrauchsform||29| besitzt. Und wenn das Resultat des Produktionsprocesses als Ding auftritt, ist dies stets der Fall, selbst wo ein Theil des Produkts wieder als Element in die erneuerte Produktion eingeht. So dient Getreideals Aussaat zu seiner eignen Produktion; aber das Produkt besteht nur aus Getreide, hat also eine von den mitverwandten Elementen, der Arbeitskraft, den Instrumenten, dem Dünger, verschiedne Gestalt. Es giebt aber selbständige Industriezweige, wo das Produkt des Produktionsprocesses kein neues gegenständliches Produkt, keine Waare ist. Oekonomisch wichtig davon ist nur die Kommunikationsindustrie, sei sie eigentliche Transportindustrie für Waaren und Menschen, sei sie Uebertragung bloß von Mittheilungen, Briefen, Telegrammen etc.

A. Čuprov6) sagt darüber: „Der Fabrikant kann zuerst Artikel produciren und dann Konsumenten dafür suchen“ ❲sein Produkt, nachdem es als fertig aus dem Produktionsproceß ausgestoßen, geht als von demselben getrennte Waare in die Cirkulation über❳. „Produktion und Konsumtion erscheinen so als zwei, dem Raum und der Zeit nach getrennte Akte. In der Transportindustrie, die keine neuen Produkte schafft, sondern nur Menschen und Dinge versetzt, fallen diese beiden Akte zusammen; die Dienste“ ❲die Ortsveränderung❳ „müssen in demselben Augenblick konsumirt werden, in dem sie producirt werden. Deshalb erstreckt sich der Rayon, aus dem die Eisenbahnen Kundschaft suchen können, auf höchstens 50 Werst (53 Km.) auf beiden Seiten. “

Das Resultat – ob Menschen oder Waaren transportirt werden – ist ihr verändertes örtliches Dasein, z. B. daß das Garn sich jetzt in Indien befindet statt in England, wo es producirt worden.

Was aber die Transportindustrie verkauft, ist die Ortsveränderung selbst. Der hervorgebrachte Nutzeffekt ist untrennbar verbunden mit dem Transportproceß, d. h. dem Produktionsproceß der Transportindustrie. Menschen und Waare reisen mit dem Transportmittel, und sein Reisen, seine örtliche Bewegung, ist eben der durch es bewirkte Produktionsproceß. Der Nutzeffekt ist nur konsumirbar während des Produktionsprocesses; er existirt nicht als ein von diesem Proceß verschiednes Gebrauchsding, das erst nach seiner Produktion als Handelsartikel fungirt, als Waare cirkulirt. DerTauschwerth dieses Nutzeffekts ist aber bestimmt, ||30| wie der jeder andern Waare, durch den Werth der in ihm verbrauchten Produktionselemente (Arbeitskraft und Produktionsmittel) plus dem Mehrwerth, den die Mehrarbeitder in der Transportindustrie beschäftigten Arbeitergeschaffen hat. Auch in Beziehung auf seine Konsumtion verhält sich dieser Nutzeffekt ganz wie andre Waaren. Wird er individuell konsumirt, so verschwindet sein Werth mit der Konsumtion; wird er produktiv konsumirt, so daß er selbst ein Produktionsstadium der im Transport befindlichen Waare, so wird sein Werth als Zuschußwerth auf die Waare selbst übertragen. Die Formel für die Transportindustrie wäre also G–W A Pm  … P–G′, da der Produktionsproceß selbst, nicht ein von ihm trennbares Produkt, gezahlt und konsumirt wird. Sie hat also fast genau dieselbe Form wie die für die Produktion der edlen Metalle, nur daß G′ hier verwandelte Form des während des Produktionsprocesses hervorgebrachten Nutzeffekts, nicht Naturalform des während dieses Processes hervorgebrachten und aus ihm abgestoßnen Goldes oder Silbers ist.

Das industrielle Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapitals, worin nicht nur Aneignung von Mehrwerth, resp. Mehrprodukt, sondern zugleich dessen Schöpfung Funktion des Kapitals ist. Es bedingt daher den kapitalistischen Charakter der Produktion; sein Dasein schließt das des Klassengegensatzes von Kapitalisten und Lohnarbeitern ein. Im Maß wie es sich der gesellschaftlichen Produktion bemächtigt, werden Technik und gesellschaftliche Organisation des Arbeitsprocesses umgewälzt, und damit der ökonomisch-geschichtliche Typus der Gesellschaft. Die andern Arten von Kapital, die vor ihm inmitten vergangner oder untergehender gesellschaftlicher Produktionszustände erschienen, werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer Funktionen ihm entsprechend verändert, sondern bewegen sich nur noch auf seiner Grundlage, leben und sterben, stehen und fallen daher mit dieser ihrer Grundlage. Geldkapital und Waarenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Träger eigner Geschäftszweige neben dem industriellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftliche Theilung der Arbeit verselbständigte und einseitig ausgebildete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das industrielle Kapital innerhalb der Cirkulationssphäre bald annimmt, bald abstreift.

DerKreislauf G … G′ verschlingt sich einerseits mit der allgemeinen Waarencirkulation, geht aus ihr hervor und in sie ein, und bildet | |31| einen Theil von ihr. Andrerseits bildet er eine eigne selbständige Bewegung des Kapitalwerths für den individuellen Kapitalisten, eine Bewegung, die theils innerhalb der allgemeinen Waarencirkulation vorgeht, theils außerhalb derselben, die aber stets ihren selbständigen Charakter bewahrt. Erstens dadurch, daß ihre beiden in der Cirkulationssphäre vorgehenden Phasen G–W und W′–G′ als Phasen der Kapitalbewegung funktionell bestimmte Charaktere besitzen; in G–W ist W stofflich bestimmt als Arbeitskraft und Produktionsmittel; in W′–G′ wird der Kapitalwerth realisirt + dem Mehrwerth. Zweitens umschließt P, der Produktionsproceß, die produktive Konsumtion. Drittens macht die Rückkehr des Geldes zu ihrem Ausgangspunkt die Bewegung G … G′ zu einer sich in sich selbst abschließenden Kreislaufbewegung.

Einerseitsbildet also jedes individuelle Kapital in seinen beiden Cirkulationshälften G–W und W′–G′ ein Agens der allgemeinen Waarencirkulation, worin es entweder als Geld oder als Waare fungirt oder verkettet ist, und so selbst ein Glied bildet in der allgemeinen Metamorphosenreihe der Waarenwelt . Andrerseits beschreibt es innerhalb der allgemeinen Cirkulation seinen eignen selbständigen Kreislauf, worin die Produktionssphäre ein Durchgangsstadium bildet, und worin es zu seinem Ausgangspunkt in derselben Form zurückkehrt, in der es ihn verließ. Innerhalb seines eignen Kreislaufs, der seine reale Metamorphose im Produktionsproceß einschließt, verändert es zugleich seine Werthgröße. Es kehrt zurück, nicht nur als Geldwerth, sondern als vergrößerter, gewachsener Geldwerth.

Betrachten wir schließlich G–W … P … W′–G′ als specielle Form des Kreislaufsprocesses des Kapitals neben den andern später zu untersuchenden Formen, so zeichnet es sich durch Folgendes aus.

1) Es erscheint als Kreislauf des Geldkapitals, weil das industrielle Kapital in seiner Geldform, als Geldkapital, den Ausgangspunkt und den Rückkehrpunkt seines Gesammtprocesses bildet. DieFormel selbst drückt aus, daß das Geld hier nicht als Geld verausgabt, sondern nur vorgeschossen wird, also nur Geldform des Kapitals, Geldkapital ist. Sie drückt ferner aus, daß der Tauschwerth, nicht der Gebrauchswerth, der bestimmende Selbstzweckder Bewegung ist . Eben weil die Geldgestalt des Werths seine selbständige, handgreifliche Erscheinungsformist , | |32| drückt die Cirkulationsform G … G′, deren Ausgangspunkt und Schlußpunkt wirkliches Geld, das Geldmachen, das treibende Motiv der kapitalistischen Produktion, am handgreiflichsten aus. Der Produktion sproceß erscheint nur als unvermeidliches Mittelglied, als nothwendiges Uebel zum Behuf des Geldmachens. Alle Nationen kapitalistischer Produktionsweise werden daher periodisch vom Schwindel ergriffen, worin sie ohne Vermittlung des Produktionsprocesses das Geldmachen vollziehen wollen.

2) DasProduktionsstadium, die Funktion von P, bildet in diesem Kreislauf die Unterbrechung der zwei Phasen der Cirkulation G–W … W′–G′, die wieder nur Vermittlung der einfachen Cirkulation G–W–G′. Der Produktionsproceß erscheint inder Form des Kreislaufsprocesses selbst, formell und ausdrücklich als das, was er in der kapitalistischen Produktionsweise ist, als bloßes Mittel zur Verwerthung des vorgeschoßnen Werths, also die Bereicherung als solche als Selbstzweck der Produktion.

3) Weil die Reihenfolge der Phasen durch G–W eröffnet wird, ist das zweite Glied der Cirkulation W′–G′; also Ausgangspunkt G, das zu verwerthende Geldkapital, Schlußpunkt G′, das verwerthete Geldkapital G + g, worin G als realisirtes Kapital neben seinem Sprößling g figurirt. Dies unterscheidet den Kreislauf G von den beiden andern Kreisläufen P und W′, und zwar in doppelter Weise. Einerseits durch die Geldform der beiden Extreme; Geld ist aber die selbständige handgreifliche Existenzform des Werths, der Werth des Produkts in seiner selbständigen Werthform, worin alle Spur des Gebrauchswerths der Waaren ausgelöscht ist. Andrerseits wird die Form P … P nicht nothwendig zu P … P′ (P + p), und in der Form W′ … W′ ist überhaupt keine Werthdifferenz zwischen beiden Extremen sichtbar. – Der Formel G … G′ ist es also charakteristisch, einerseits, daß der Kapitalwerth den Ausgangspunkt und der verwerthete Kapitalwerth den Rückkehrpunkt bildet, sodaß der Vorschuß des Kapitalwerths als Mittel, der verwerthete Kapitalwerth als Zweck der ganzen Operation erscheint; andrerseits, daß dies Verhältniß in Geldform ausgedrückt ist, der selbständigen Werthform, daher das Geldkapital als Geld heckendes Geld. Die Erzeugung von Mehrwerth durch den Werth ist nicht nur als Alpha und Omega des Processes ausgedrückt, sondern ausdrücklich in der blinkenden Geldform. |

|33| 4) DaG′, das realisirte Geldkapital als Resultat von W′ –G′, der ergänzenden und abschließenden Phase von G–W, sich absolut in derselben Form befindet, worin es seinen ersten Kreislauf eröffnet hat, kann es, sowie es aus demselben hervorgeht, denselben Kreislauf wieder eröffnen als vergrößertes (akkumulirtes) Geldkapital: G′ = G + g; und es ist wenigstens nicht in der Form von G … G′ ausgedrückt, daß bei Wiederholung des Kreislaufs die Cirkulation von g sich von der von G trennt. In seiner einmaligen Gestalt betrachtet, formell, drückt der Kreislauf des Geldkapitals daher nur den Verwerthungs- und Akkumulationsproceß aus. DieKonsumtion ist darin nur als produktive Konsumtion aus gedrückt durch G–W A Pm , nur diese ist eingeschlossen in diesen Kreislauf des individuellen Kapitals. G–Aist A–G oder W–G von Seiten des Arbeiters; ist also die erste Phase der Cirkulation, die seine individuelle Konsumtion vermittelt: A–G–W (Lebensmittel). Diezweite Phase G–W fällt nicht mehr in den Kreislauf des individuellen Kapitals; aber sie ist durch ihn eingeleitet, von ihm vorausgesetzt, da der Arbeiter, um sich stets als exploitirbarer Stoff des Kapitalisten auf dem Markt zu befinden, vor allen Dingen leben, also sich durch individuelle Konsumtion erhalten muß. Aber diese Konsumtion selbst ist hier nur vorausgesetzt als Bedingung der produktiven Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital, also auch nur soweit sich der Arbeiter durch seine individuelle Konsumtion als Arbeitskraft erhält und reproducirt. Die Pm, die eigentlichen Waaren aber, die in den Kreislauf eingehn, bilden nur Speisematerial der produktiven Konsumtion. Der Akt A–G vermittelt die individuelle Konsumtion des Arbeiters, Verwandlung der Lebensmittel in sein Fleisch und Blut . Allerdingsmuß auch der Kapitalist da sein, also auch leben und konsumiren, um als Kapitalist zu fungiren. Dazu brauchte er in der That nur als Arbeiter zu konsumiren, und mehr ist daher in dieser Form des Cirkulationsprocesses nicht vorausgesetzt. Formell ausgedrückt ist selbst das nicht, da die Formel schließt mit G′, also einem Resultat, das sofort wieder als vergrößertes Geldkapital fungiren kann.

In W′–G′ ist der Verkauf von W′ direkt enthalten; aber W′–G′, Verkauf von der einen Seite, ist G–W, Kauf von der andern, und die Waare wird endgültig nur ihres Gebrauchswerths wegen gekauft, um (von Zwischenverkäufen abgesehn) in den Konsumtionsproceß einzugehn, ||34| sei dieser nun individuell oder produktiv, je nach der Natur des gekauften Artikels. Aber diese Konsumtion geht nicht ein in den Kreislauf des individuellen Kapitals, dessen Produkt W′ ist; dies Produkt wird eben als zu verkaufende Waare aus dem Kreislauf abgestoßen. Das W′ ist ausdrücklich bestimmt zu fremder Konsumtion. Wirfinden daher bei Dollmetschern des Merkantilsystems(dem die Formel G–W … P … W′–G′ zu Grunde liegt) sehr weitläufige Predigten darüber, daß der einzelne Kapitalist nur als Arbeiter konsumiren muß, wie die Kapitalistennation den andern, dümmern Nationen das Verzehren ihrer Waaren und überhaupt den Konsumtionsproceß überlassen, dagegen die produktive Konsumtionzu ihrer Lebensaufgabe machen muß. Diese Predigten erinnern oft der Form und dem Inhalt nach an analoge ascetischeErmahnungen der Kirchenväter.

Der Kreislaufsproceß des Kapitals ist also Einheit von Cirkulation und Produktion, schließt beide ein. Soferndie beiden Phasen G–W, W′–G′ Cirkulationsvorgänge, bildet die Cirkulation des Kapitals Theil der allgemeinen Waarencirkulation . Aber als funktionell bestimmte Abschnitte, Stadien im Kreislauf des Kapitals, der nicht nur der Cirkulationssphäre, sondern auch der Produktionssphäre angehört, vollzieht das Kapital innerhalb der allgemeinen Waarencirkulation seinen eignen Kreislauf. Die allgemeine Waarencirkulation dient ihm im ersten Stadium dazu, die Gestaltanzunehmen, worin es als produktives Kapital fungiren kann; im zweiten, die Waarenform abzustoßen, worin es seinen Kreislauf nicht erneuern kann; und zugleich ihm die Möglichkeit zu eröffnen, seinen eignen Kapitalkreislauf zu trennen von der Cirkulation des ihm angewachsnen Mehrwerths .

Der Kreislauf des Geldkapitals ist daher die einseitigste, darum schlagendste und charakteristischste Erscheinungsform des Kreislaufs des industriellenKapitals, dessen Ziel und treibendes Motiv: Verwerthung des Werths, Geldmachen und Akkumulation, in die Augen springend dargestellt wird (kaufen um theurer zu verkaufen ). Dadurch, daß die erste Phase G–W ist, tritt auch hervor die Herkunft der Bestandtheile des produktiven Kapitals aus dem Waarenmarkt, wie überhaupt die Bedingtheit des kapitalistischen Produktionsprocessesdurch die Cirkulation, den Handel. Der Kreislauf des Geldkapitals ist nicht nur Waaren||35|produktion; er kommt selbst nur durch die Cirkulation zu Stande, er setzt sie voraus. Es liegt dies schon darin, daß die der Cirkulation angehörige Form G als erste und reine Form des vorgeschoßnen Kapitalwerths erscheint, was in den beiden andern Kreislaufsformen nicht der Fall.

Der Kreislauf des Geldkapitals bleibt insofern stets der allgemeine Ausdruck des industriellen Kapitals, als er stets Verwerthung des vorgeschoßnen Werths einschließt. In P … P tritt der Geldausdruck des Kapitals nur als Preis der Produktionselemente hervor, also nur als in Rechengeldausgedrückter Werth, und wird in dieser Form festgehalten in der Buchhaltung.

Besondere Form des Kreislaufs des industriellen Kapitals wird G … G′ soweit neu auftretendes Kapital zuerst als Geld vorgeschossen und in derselben Form zurückgezogen wird, sei es beim Uebertritt aus einem Geschäftszweig in den andern, sei es beim Rücktritt des industriellen Kapitals aus dem Geschäft. Es schließt dies ein die Kapitalfunktion des zuerst in Geldform vorgeschoßnen Mehrwerths, und tritt am schlagendsten hervor, wenn dieser in einem andern Geschäft fungirt als dem woraus er herkommt. G … G′ kann erster Kreislauf eines Kapitals sein; es kann letzter sein; es kann als Form des gesellschaftlichen Gesammtkapitals gelten; es ist die Form von Kapital, das neu angelegt wird, sei es als in Geldform neu akkumulirtes Kapital, sei es als altes Kapital, das ganz in Geld verwandelt wird zur Uebertragung aus einem Produktionszweig in den andern.

Alsstets in allen Kreisläufen einbegriffne Form vollzieht das Geldkapital diesen Kreislauf gerade für den Theil des Kapitals, der den Mehrwerth erzeugt, das variable Kapital. Die normale Form des Vorschusses des Arbeitslohns ist Zahlung in Geld; dieser Proceß muß in kürzeren Terminen stets erneuert werden, weil der Arbeiter von der Hand in den Mund lebt. Dem Arbeiter muß der Kapitalist daher beständig als Geldkapitalist, und sein Kapital als Geldkapital gegenübertreten. Es kann hier nicht, wie beim Kauf der Produktionsmittel und Verkauf der produktiven Waaren, direkte oder indirekte Ausgleichung stattfinden (sodaß die größere Masse des Geldkapitals thatsächlich nur in Form von Waaren, das Geld nur in der Form des Rechengelds, und schließlich baar nur für Ausgleichung der Bilanzen figurirt). Andrerseits wird ein Theil des aus dem variablen Kapital entspringenden Mehrwerths vom Kapitalisten verausgabt für seine Privatkonsumtion, die dem Kleinhandel angehört und, auf welchen ||36| Umwegen immer, baar, in der Geldform des Mehrwerths verausgabt wird. Wie groß oder klein dieser Theil des Mehrwerths sei, ändert nichts an der Sache. Fortwährend erscheint von neuem das variable Kapital als im Arbeitslohn angelegtes Geldkapital (G–A) und g als Mehrwerth, der zur Bestreitung der Privatbedürfnisse des Kapitalisten verausgabt wird. Also G als vorgeschoßner variabler Kapitalwerth und g als sein Zuwachs, beide in Geldform nothwendig festgehalten, um in solcher verausgabt zu werden.

Die Formel G–W … P … W′–G′, mit dem Resultat G′ = G + g, schließt in ihrer Form eine Täuschung ein, trägt einen illusorischen Charakter, der aus dem Dasein des vorgeschoßnen und verwertheten Werths in seiner Aequivalentform, dem Geld, entspringt. Der Accent liegt nicht auf Verwerthung des Werths, sondern auf der Geldform dieses Processes, darauf, daß mehr Werth in Geldform schließlich aus der Cirkulation gezogen wird als ihr ursprünglich vorgeschossen ward, also auf Vermehrung der dem Kapitalisten gehörigen Gold- und Silbermasse. Das sogenannte Monetärsystem ist bloß Ausdruck der begriffslosen Form G–W–G′, einer Bewegung, die ausschließlich in der Cirkulation verläuft und daher die beiden Akte: 1) G–W, 2) W–G′ nur dadurch erklären kann, daß W im zweiten Akt über seinen Werth verkauft wird, daher mehr Geld der Cirkulation entzieht als durch seinen Kauf in sie hineingeworfen ward. DagegenG–W … P … W′–G′, als ausschließliche Form fixirt, liegt dem entwickelteren Merkantilsystem zu Grund, wo nicht nur Waarencirkulation, sondern auch Waarenproduktion als nothwendiges Element erscheint.

Der illusorische Charakter von G–W … P … W′–G′, und die ihr entsprechende illusorische Deutung ist da, sobald diese Form als einmalige fixirt wird, nicht als fließende, beständig sich erneuernde; sobald sie daher nicht als eine der Formen des Kreislaufs, sondern als seine ausschließliche gilt. Sie weist aber selbst auf andre Formen hin.

Erstenssetzt dieser ganze Kreislauf den kapitalistischen Charakter des Produktionsprocesses selbst voraus, und als Basis daher diesen Produktionsproceß nebst dem specifischen, durch ihn bedingten Gesellschaftszustand. G–W =  G–W A Pm ; aber G–A unterstellt den Lohnarbeiter, und daher die Produktionsmittel als Theil des produktiven Kapitals, daher||37| den Arbeits-und Verwerthungsproceß, den Produktionsproceß schon als Funktion des Kapitals.

Zweitens: Wird G … G′ wiederholt, so erscheint die Rückkehr zur Geldform ebenso verschwindend, wie die Geldform im ersten Stadium. G–W verschwindet, um P Platz zu machen. Der beständige Wiedervorschuß in Geld, ebensosehr wie seine beständige Rückkehr als Geld, erscheinen selbst als nur im Kreislauf verschwindende Momente.

Drittens:

Schon bei der zweiten Wiederholung des Kreislaufs erscheint der Kreislauf P … W′–G′. G–W … P, bevor der zweite Kreislauf von G vollendet ist, und alle ferneren Kreisläufe können so unter der Form P … W′–G–W … P betrachtet werden, sodaß G–W als erste Phase des ersten Kreislaufs nur die verschwindende Vorbereitung des sich stets wiederholenden Kreislaufs des produktiven Kapitals bildet, wie dies in der That der Fall bei zum ersten Mal in der Form von Geldkapital angelegtem, industriellem Kapital.

Andrerseits, bevor der zweite Kreislauf von P vollendet, ist der erste Kreislauf W′– G′. G–W … P … W′ (abgekürzt W′ … W) beschrieben, der Kreislauf des Waarenkapitals. So enthält die erste Form schon die beiden andern und es verschwindet so die Geldform, soweit sie nicht bloßer Werthausdruck, sondern Werthausdruck in der Aequivalentform, in Geld.

Endlich: Nehmen wir ein neu auftretendes einzelnes Kapital, welches zum ersten Mal den Kreislauf G–W … P … W′–G′ beschreibt, so ist G–W die Vorbereitungsphase, der Vorläufer des ersten Produktionsprocesses, den dies einzelne Kapital durchmacht. Diese Phase G–W ist daher nicht vorausgesetzt, sondern wird vielmehr durch den Produktionsproceß gesetzt oder bedingt. Aber dies gilt nur für dies einzelne Kapital. Allgemeine Form des Kreislaufs des industriellen Kapitals ist der Kreislauf des Geldkapitals, soweit die kapitalistische Produktionsweise vorausgesetzt ist, also innerhalb eines durch die kapitalistische Produktion bestimmten Gesellschaftszustandes. Der kapitalistische Produktionsproceß ist daher als ein prius vorausgesetzt, wenn nicht in dem ersten Kreislauf des Geldkapitals eines neu angelegten industriellen Ka||38|pitals, so außerhalb desselben; das beständige Dasein dieses Produktionsprocesses unterstellt den beständig erneuerten Kreislauf von P … P. Innerhalb des ersten Stafanchorfdiums G–W A Pm tritt diese Voraussetzung selbst schon auf, indem dies einerseits das Dasein der Lohnarbeiterklasse voraussetzt; indem andrerseits das, was erstes Stadium G–W für den Käufer der Produktionsmittel, W′–G′ für ihren Verkäufer ist, also in W′ das Waarenkapital, somitdie Waare selbst als Resultat der kapitalistischen Produktion, und damit die Funktion des produktiven Kapitals voraussetzt.

Quelle: MEGA II/13: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Zweiter Band, Seite 27-60