|76|VIERTES KAPITEL.
Die drei Figuren des Kreislaufsprocesses.
Die drei Figuren können dargestellt werden, wenn Ck für den Gesammtcirkulationsproceßsteht:
I) G–W … P … W′–G′
II) P … Ck … P
III) Ck … P (W′).
Fassen wir alle drei Formen zusammen, so erscheinen alle Voraussetzungen des Processes als sein Resultat, als von ihm selbst producirte Voraussetzung. Jedes Moment erscheint als Ausgangspunkt, Durchgangspunkt und Punkt der Rückkehr. Der Gesammtproceß stellt sich dar als Einheit von Produktionsproceß und Cirkulationsproceß; der Produktionsproceß wird Vermittler des Cirkulationsprocesses und umgekehrt.
Allen drei Kreisläufen ist gemeinsam: Verwerthung des Werths als bestimmender Zweck, als treibendes Motiv . In I ist das in der Form ausgedrückt. Form II beginnt mit P, dem Verwerthungsproceß selbst. In III beginnt der Kreislauf mit dem verwertheten Werth und schließt mit neu verwerthetem Werth, selbst wenn die Bewegung auf gleichbleibender Stufe wiederholt wird.
Soweit W–G für den Käufer G–W, und G–W für den Verkäufer W–G, stellt die Cirkulation des Kapitals nur die gewöhnliche Waarenmetamorphose dar, und gelten die bei derselben (Buch I, Kap. III, 2) entwickelten Gesetze über die Masse des cirkulirenden Geldes . Wirdaber nicht an dieser formellen Seite festgehalten, sondern der reale Zusammenhang der Metamorphosen der verschiednen individuellen Kapitale betrachtet, also in der That der Zusammenhang der Kreisläufe der individuellen Kapitale als der Theilbewegungen des Reproduktionsprocesses des gesellschaftlichen Gesammtkapitals, so kann dieser nicht aus dem bloßen Formwechsel von Geld und Waare erklärt werden.
In einem beständig rotirenden Kreis ist jeder Punkt zugleich Ausgangspunkt und Punkt der Rückkehr. Unterbrechen wir die Rotation, so ist nicht jeder Ausgangspunkt Punkt der Rückkehr. So haben wir gesehn, daß nicht nur jeder besondre Kreislauf den andern (implicite) voraussetzt, sondern auch, daß die Wiederholung des Kreislaufs in einer ||77| Form die Beschreibung des Kreislaufs in den andren Formen einbegreift. So stellt sich der ganze Unterschied als ein bloß formaler dar, oder auch als ein bloß subjektiver, nur für den Betrachter bestehender Unterschied.
Sofern jeder dieser Kreisläufe als besondre Form der Bewegung betrachtet wird, worin sich verschiedne individuelle industrielle Kapitale befinden, so existirt auch diese Verschiedenheit immer nur als eine individuelle. In Wirklichkeit aber befindet sich jedes individuelle industrielle Kapital in allen dreien zugleich. Die drei Kreisläufe, die Reproduktionsformen der drei Gestalten des Kapitals, vollziehn sich kontinuirlich neben einander. Ein Theil des Kapitalwerths z. B., der jetzt als Waarenkapital fungirt, verwandelt sich in Geldkapital, aber gleichzeitig tritt ein andrer Theil aus dem Produktionsproceß in die Cirkulation als neues Waarenkapital. So wird die Kreisform W′ … W′ beständig beschrieben; ebenso die beiden andren Formen. Die Reproduktion des Kapitals in jeder seiner Formen und jedem seiner Stadien ist ebenso kontinuirlich, wie die Metamorphose dieser Formen und der successive Verlauf durch die drei Stadien. Hier ist also der gesammte Kreislauf wirkliche Einheit seiner drei Formen.
In unsrer Betrachtung wurde unterstellt, daß der Kapitalwerth seiner gesammten Werthgröße nach, ganz als Geldkapital, oder als produktives Kapital, oder als Waarenkapital auftritt. So hatten wir z. B. die 422 £ zuerst ganz als Geldkapital, dann ebenso ihrem ganzen Umfang nach in produktives Kapital verwandelt, endlich als Waarenkapital: Garn zum Werth von 500 £ (worin 78 £ Mehrwerth). Hier bilden die verschiednen Stadien ebensoviele Unterbrechungen. So lange z. B. die 422 £ in Geldform verharren, d. h. bis die Käufe G–W(A + Pm) vollzogen, existirt und fungirt das gesammte Kapital nur als Geldkapital. Sobald es in produktives Kapital verwandelt, fungirt es weder als Geldkapital noch als Waarenkapital. Sein gesammter Cirkulationsproceß ist unterbrochen, wie andrerseits sein gesammter Produktionsproceß unterbrochen ist, sobald es in einem der beiden Cirkulationsstadien fungirt, sei es als G oder W′. So würde sich also der Kreislauf P … P nicht nur als periodische Erneuerung des produktiven Kapitals darstellen, sondern ebensosehr als Unterbrechung seiner Funktion, des Produktionsprocesses, bis der Cirkulationsproceß zurückgelegt; statt kontinuirlich erfolgte die Produktion ruckweise und erneuerte sich nur nach Zeit||78|abschnitten von zufälliger Dauer, je nachdem die beiden Stadien des Cirkulationsprocesses rascher oder langsamer absolvirt werden. So z. B. bei einem chinesischen Handwerker , der bloß für Privatkunden arbeitet und dessen Produktionsproceß aufhört, bis die Bestellung erneuert wird.
In der That gilt dies für jeden einzelnen, in Bewegung befindlichen Kapitaltheil, und alle Theile des Kapitals machen der Reihe nach diese Bewegung durch. Z. B. die 10 000 lb Garn sind das Wochenprodukt eines Spinners. Diese 10 000 lb Garn treten ganz aus der Produktionssphäre hinaus in die Cirkulationssphäre; der in ihm enthaltne Kapitalwerth muß ganz in Geldkapital verwandelt werden, und so lange er in der Form von Geldkapital verharrt, kann er nicht von neuem in den Produktionsproceß eingehn; er muß vorher in die Cirkulation eintreten und in die Elemente des produktiven Kapitals A + Pm rückverwandelt werden. Der Kreislaufsproceß des Kapitals ist beständige Unterbrechung, Verlassen eines Stadiums, Eintreten in das nächste; Abstreifen einer Form, Dasein in einer andren; jedes dieser Stadien bedingt nicht nur das andre, sondern schließt es zugleich aus.
Kontinuität ist aber das charakteristische Merkmal der kapitalistischen Produktion und durch ihre technische Grundlage bedingt, wenn auch nicht immer unbedingt erreichbar. Sehn wir also wie die Sache in der Wirklichkeit zugeht. Während z. B. die 10 000 lb Garn als Waarenkapital auf den Markt treten und ihre Verwandlung in Geld (sei dies nun Zahlungsmittel, Kaufmittel oder gar nur Rechengeld) vollziehn, tritt neue Baumwolle, Kohle etc. im Produktionsproceß an ihre Stelle, hat also schon aus Geldform und Waarenform sich wieder in die Form des produktiven Kapitals rückverwandelt und beginnt ihre Funktion als solches; während zur selben Zeit, wo die ersten 10 000 lb Garn in Geld umgesetzt werden, frühere 10 000 lb Garn schon das zweite Stadium ihrer Cirkulation beschreiben und sich aus Geld in die Elemente des produktiven Kapitals rückverwandeln. Alle Theile des Kapitals machen den Kreislaufsproceß der Reihe nach durch, befinden sich gleichzeitig in verschiednen Stadien desselben. So befindet sich das industrielle Kapital in der Kontinuität seines Kreislaufs gleichzeitig in allen seinen Stadien und den ihnen entsprechenden verschiednen Funktionsformen. Für den Theil, der zum ersten Mal aus Waarenkapital sich in Geld verwandelt, ist der Kreislauf W′ … W′ eröffnet, während für das industrielle Kapital, als | |79| sich bewegendes Ganze, der Kreislauf W′ … W′ durchlaufen ist. Mit der einen Hand wird Geld vorgeschossen, mit der andren eingenommen; die Eröffnung des Kreislaufs G … G′ auf einen Punkt ist zugleich seine Rückkehr auf einem andren. Das Gleiche gilt für das produktive Kapital.
Der wirkliche Kreislauf des industriellen Kapitals in seiner Kontinuität ist daher nicht nur Einheit von Cirkulations- und Produktionsproceß, sondern Einheit aller seiner drei Kreisläufe. Solche Einheit kann er aber nur sein, sofern jeder verschiedne Theil des Kapitals successive die einander folgenden Phasen des Kreislaufs durchmessen, aus einer Phase, einer Funktionsform in die andre übergehn kann, das industrielle Kapital, als Ganzes dieser Theile, sich also gleichzeitig in den verschiednen Phasen und Funktionen befindet, und so alle drei Kreisläufe gleichzeitig beschreibt. Das Nacheinander jedes Theils ist hier bedingt durch das Nebeneinander der Theile, d. h. durch die Theilung des Kapitals. So befindet sich in dem gegliederten Fabriksystem das Produkt ebenso fortwährend auf den verschiednen Stufen seines Bildungsprocesses, wie im Uebergang aus einer Produktionsphase in die andre. Da das individuelle industrielle Kapitaleine bestimmte Größe darstellt, die abhängig ist von den Mitteln des Kapitalisten und die für jeden Industriezweig eine bestimmte Minimalgröße hat, so müssen bestimmte Verhältnißzahlen bei seiner Theilung bestehn. Die Größe des vorhandnen Kapitals bedingt den Umfang des Produktionsprocesses, dieser den Umfang von Waarenkapital und Geldkapital, soweit sie neben dem Produktionsproceß fungiren. Das Nebeneinander, wodurch die Kontinuität der Produktion bedingt wird, existirt aber nur durch die Bewegungen der Theile des Kapitals, worin sie nach einander die verschiednen Stadien des Kreislaufs beschreiben. Das Nebeneinander ist selbst nur Resultat des Nacheinander. Stockt z. B. W′ … G′ für einen Theil, ist die Waare unverkäuflich, so ist der Kreislauf dieses Theils unterbrochen und der Ersatz durch seine Produktionsmittel wird nicht vollzogen; die nachfolgenden Theile, die als W′ aus dem Produktionsproceß hervorgehn, finden ihren Funktionswechsel durch ihre Vorgänger gesperrt. Dauert dies einige Zeit fort, so wird die Produktion eingeschränkt und der ganze Proceß zum Stillstand gebracht. Jede Stockung des Nacheinander bringt das Nebeneinander in Unordnung, jede Stockung in einem Stadium bewirkt größre oder geringreStockung im ||80| gesammten Kreislauf, nicht nur des stockenden Kapitaltheils, sondern auch des gesammten individuellen Kapitals .
Die nächste Form, worin sich der Proceß darstellt, ist die einer Succession von Phasen, sodaß der Uebergang des Kapitals in eine neue Phase durch sein Verlassen der andren bedingt ist. Jeder besondre Kreislauf hat daher auch eine der Funktionsformen des Kapitals zum Ausgangspunkt und Rückkehrpunkt. Andrerseits ist der Gesammtproceß in der That die Einheit der drei Kreisläufe, die die verschiednen Formen sind, in denen die Kontinuität des Processes sich ausdrückt. Der Gesammtkreislauf stellt sich für jede Funktionsform des Kapitals als ihr specifischer Kreislauf dar, und zwar bedingt jeder dieser Kreisläufe die Kontinuität des Gesammtprocesses; der Zirkellauf der einen funktionellen Form bedingtden der andren. Es ist eine nothwendige Bedingung für den Gesammtproduktionsproceß, besonders für das gesellschaftliche Kapital, daß er zugleich Reproduktionsproceß, und daher Kreislauf jedes seiner Momente ist. VerschiedneBruchtheile des Kapitals durchlaufen successiv die verschiednen Stadien und Funktionsformen. Jede Funktionsform, obgleich sich stets ein andrer Theil des Kapitals darin darstellt, durchläuft dadurch gleichzeitig mit den andren ihren eignen Kreislauf. Ein Theil des Kapitals, aber ein stets wechselnder, stets reproducirt, existirt als Waarenkapital, das sich in Geld verwandelt; ein andrer als Geldkapital, das sich in produktives verwandelt; ein dritter als produktives Kapital, das sich in Waarenkapital verwandelt. Das beständige Vorhandensein aller drei Formen ist vermittelt durch den Kreislauf des Gesammtkapitals durch eben diese drei Phasen.
Als Ganzes befindet sich das Kapital dann gleichzeitig, räumlich nebeneinander, in seinen verschiednen Phasen. Aber jeder Theil geht beständig der Reihe nach aus der einen Phase, aus der einen Funktionsform in die andre über, fungirt so der Reihe nach in allen. Die Formen sind so fließende Formen, deren Gleichzeitigkeit durch ihr Nacheinander vermittelt ist. Jede Form folgt der andren nach und geht ihr vorher, sodaß die Rückkehr des einen Kapitaltheils zu einer Form durch die Rückkehr des andren zu einer andren Form bedingt ist. Jeder Theil beschreibt fortwährend seinen eignen Umlauf, aber es ist stets ein andrer Theil des Kapitals, der sich in dieser Form befindet, und diese besondren Umläufe bilden nur gleichzeitige und successive Momente des Gesammtverlaufs. |
|81| Der processirende Kapitalwerth durchläuft immer in einer zeitlichen Reihenfolge seine verschiednen Phasen, ob er nun jedesmal ganz nur in einer Form fungire und sich in einem bestimmten Stadium aufhalte, um dann ganz in das nächstfolgende Stadium und die ihr entsprechende Form überzutreten, oder ob durch Vertheilung des Kapitalwerths in die verschiednen Formen und Phasen Gleichzeitigkeit und räumliches Nebeneinander seiner verschiednen Formen und Processe stattfinde. Im letzren Fall ist es nur die zeitliche Aufeinanderfolge der Phasen, wodurch ihre Gleichzeitigkeit oder ihr räumliches Nebeneinander möglich wird. Bestimmte Werththeile des Kapitals machen hier successive, nicht zur selben Zeit, die Reihenfolge durch, so daß während ein Theil ein Stadium verläßt, der andre darin eintritt; und also erstens der gesammte Kapitalwerth, wenn auch stückweis, die ganze Reihenfolge zeitlich durchläuft; und zweitens die gleichzeitigen oder räumlich nebeneinander vorhandnen Processe der verschiednen Theile des Kapitalwerths durch die Succession der Processe des Gesammtkapitals und die jedes seiner Theile vermittelt werden und eine gleichzeitige proccessirende Einheit bilden.
Nur in der Einheit der drei Kreisläufe ist die Kontinuität des Gesammtprocessesverwirklicht statt der oben geschilderten Unterbrechung. Das gesellschaftliche Gesammtkapital besitzt stets diese Kontinuität und besitzt sein Proceß stets die Einheit der drei Kreisläufe.
Für individuelle Kapitale wird die Kontinuität der Reproduktion stellenweise mehr oder minder unterbrochen. Erstens sind die Werthmassen häufig zu verschiednen Epochen in ungleichen Portionen auf die verschiednen Stadien und Funktionsformen vertheilt. Zweitens können sich je nach dem Charakter der zu producirenden Waare, also je nach der besondren Produktionssphäre, worin das Kapital angelegt ist, diese Portionen verschieden vertheilen. Drittens kann die Kontinuität mehr oder weniger unterbrochen werden in Produktionszweigen, die von der Jahreszeit abhängen, sei es in Folge von Naturbedingungen (Agrikultur, Häringsfang etc.), sei es in Folge konventioneller Umstände, wie z. B. bei sogenannten Saisonarbeiten. Am regelmäßigsten und uniformsten verläuft der Proceß in der Fabrik und im Bergbau. Aber diese Verschiedenheit der Produktionszweige bewirkt keine Verschiedenheit in den allgemeinenFormen des Kreislaufsprocesses. |
|82| Das Kapital als sich verwerthender Werth umschließt nicht nur Klassenverhältnisse, einen bestimmten gesellschaftlichen Charakter, der auf dem Dasein der Arbeit als Lohnarbeit ruht. Es ist eine Bewegung, ein Kreislaufsproceß durch verschiedne Stadien, der selbst wieder drei verschiedne Formen des Kreislaufsprocesses einschließt. Es kann daher nur als Bewegung und nicht als ruhendes Ding begriffen werden. Diejenigen, die die Verselbständigung des Werths als bloße Abstraktion betrachten, vergessen, daßdie Bewegung des industriellen Kapitals diese Abstraktion in actu ist . Der Werth durchläuft hier verschiedne Formen, verschiedne Bewegungen, in denen er sich erhält und zugleich verwerthet, vergrößert. Da wir es hier zunächst mit der bloßen Bewegungsform zu thun haben, werden die Revolutionen nicht berücksichtigt, die der Kapitalwerth in seinem Kreislaufsproceß erleiden kann; aber es ist klar, daß trotz aller Werthrevolutionen die kapitalistische Produktion nur so lange existirt und fortexistiren kann, als der Kapitalwerth verwerthet wird, d. h. als verselbständigter Werth seinen Kreislaufsproceß beschreibt, so lange also die Werthrevolutionen in irgend einer Art überwältigt und ausgeglichen werden. Die Bewegungen des Kapitals erscheinen als Aktionen des einzelnen industriellen Kapitalisten in der Weise, daß er als Waaren- und Arbeitkäufer, Waarenverkäufer und produktiver Kapitalist fungirt, durch seine Thätigkeit also den Kreislauf vermittelt. Erleidet der gesellschaftliche Kapitalwerth eine Werthrevolution, so kann es vorkommen, daß sein individuelles Kapital ihr erliegt und untergeht, weil es die Bedingungen dieser Werthbewegung nicht erfüllen kann. Je akuter und häufiger die Werthrevolutionen werden, desto mehr macht sich die automatische, mit der Gewalt eines elementaren Naturprocesses wirkende Bewegung des verselbständigten Werths geltend gegenüber der Voraussicht und Berechnung des einzelnen Kapitalisten, desto mehr wird der Lauf der normalen Produktion unterthan der anormalen Spekulation, desto größer wird die Gefahr für die Existenz der Einzelkapitale. Diese periodischen Werthrevolutionen bestätigen also, was sie angeblich widerlegen sollen: die Verselbständigung, die der Werth als Kapital erfährt und durch seine Bewegung forterhält und verschärft.
Diese Reihenfolge der Metamorphosen des processirenden Kapitals schließt fortwährende Vergleichung der im Kreislauf vollbrachten Veränderung der Werthgröße des Kapitals ein mit dem ursprünglichen Werth. | |83| Wenndie Verselbständigung des Werths gegenüber der werthbildendenKraft, der Arbeitskraft, im Akt G–A (Kauf der Arbeitskraft) eingeleitet und während des Produktionsprocesses als Exploitation der Arbeitskraft verwirklicht wird, so erscheint diese Verselbständigung des Werths nicht wieder in diesem Kreislauf, worin Geld, Waare, Produktionselemente, nur abwechselnde Formen des processirenden Kapitalwerthssind, und die vergangne Werthgröße mit der gegenwärtigen veränderten des Kapitals sich vergleicht.
„Value“, sagt Bailey gegen die Verselbständigung des Werths, welche die kapitalistische Produktionsweise charakterisirt, und die er als Illusion gewisser Oekonomen traktirt, „value is a relation between contemporary commodities, because such only admit of being exchanged with each other.“ Dies sagt er gegen den Vergleich von Waarenwerthen in verschiednen Zeitepochen, ein Vergleich, der, den Geldwerth einmal für jede Epoche fixirt, nur eine Vergleichung der in den verschiednen Epochen erforderlichen Ausgabe von Arbeit für Produktion derselben Sorte Waaren bedeutet. Es entspringt dies seinem allgemeinen Mißverständniß, wonach Tauschwerth = Werth, die Form des Werths der Werth selbst ist; Waarenwerthe also nicht mehr vergleichbar sind, sobald sie nicht aktiv als Tauschwerthe fungiren, also nicht realiter gegen einander ausgetauscht werden können. Er ahnt also nicht im geringsten, daß Werth nur als Kapitalwerth oder Kapital fungirt, sofern er in den verschiednen Phasen seines Kreislaufs, die keineswegs contemporary sind, sondern nach einander fallen, mit sich selbst identisch bleibt und mit sich selbst verglichen wird.
Umdie Formel des Kreislaufs rein zu betrachten, genügt es nicht zu unterstellen, daß die Waaren zu ihrem Werth verkauft werden, sondern daß dies unter sonst gleichbleibenden Umständen geschieht. Nehmen wir z. B. die Form P … P, abgesehn von allen technischen Revolutionen innerhalb des Produktionsprocesses, die das produktive Kapital eines bestimmten Kapitalisten entwerthen können; abgesehn ebenfalls von allem Rückschlag eines Wechsels der Werthelemente des produktiven Kapitals auf den Werth des vorhandnen Waarenkapitals, der gesteigert oder gesenkt werden kann, wenn Vorrath davon vorhanden. W′ , die 10 000 lb Garn, seien zu ihrem Werth von 500 £ verkauft; 8440 £ = 422 £ ersetzen den in W′ enthaltnen Kapitalwerth. Istaber der Werth von Baumwolle, Kohle etc. gestiegen (da wir hier von bloßen Preisschwankungen ||84|absehn) so reichen vielleicht diese 422 £ nicht hin, um die Elemente des produktiven Kapitals ganz zu ersetzen; es ist zuschüssiges Geldkapital nöthig, Geldkapital wird gebunden. Umgekehrt wenn jene Preise gefallen; Geldkapital wird freigesetzt. Ganz normal verläuft der Proceß nur, wenn die Werthverhältnisse konstant bleiben; er verläuft faktisch, so lange sich Störungen in der Wiederholung des Kreislaufs ausgleichen; je größer die Störungen, um so größres Geldkapital muß der industrielle Kapitalist besitzen, um die Ausgleichung abwarten zu können; und da im Fortgang der kapitalistischen Produktion sich die Stufenleiter jedes individuellen Produktionsprocesses, und mit ihm die Minimalgröße des vorzuschießenden Kapitals erweitert, so kommt jener Umstand zu den andren, die die Funktion des industriellen Kapitalisten mehr und mehr in ein Monopol großer Geldkapitalisten, vereinzelter oder associirter, verwandeln.
Es ist hier beiläufig zu bemerken: Tritt ein Werthwechsel der Produktionselemente ein, so zeigt sich ein Unterschied zwischen der Form G … G′ einerseits und P … P und W′ … W′ andrerseits.
In G … G′, als der Formel des neu angelegten Kapitals, das zuerst als Geldkapital auftritt, wird ein Fall im Werth der Produktionsmittel, z. B. Rohmaterialien, Hülfsstoffe etc., geringre Auslage von Geldkapital erheischen, als vor dem Fall, um ein Geschäft von bestimmtem Umfang zu eröffnen, da der Umfang des Produktionsprocesses (bei gleichbleibender Entwicklung der Produktionskraft) von der Masse und dem Umfang der Produktionsmittel abhängt, die eine gegebne Menge Arbeitskraft bewältigen kann; aber weder von dem Werth dieser Produktionsmittel, noch von dem der Arbeitskraft (letztrer hat nur Einfluß auf die Größe der Verwerthung). Umgekehrt. Findet eine Wertherhöhung in allen oder einzelnen Produktionselementen der Waaren statt, welche die Elemente des produktiven Kapitals bilden, so ist mehr Geldkapital nöthig um ein Geschäft von gegebnem Umfang zu gründen. In beiden Fällen wird nur die Menge des neu anzulegenden Geldkapitals afficirt; im ersten wird Geldkapital überschüssig, im zweiten wird Geldkapital gebunden, wofern der Zuwachs neuer individueller industrieller Kapitalein gewohnter Weise in einem gegebnen Produktionszweig vorangeht.
Die Kreisläufe P … P und W′ … W′ stellen sich selbst nur soweit als G … G′ dar, als die Bewegung von P und W′ zugleich Akkumulation ist, also zuschüssiges g, Geld, in Geldkapital verwandelt ||85| wird. Abgesehn hiervon werden sie anders afficirt als G … G′ durch Werthwechsel der Elemente des produktiven Kapitals; wir sehn hier wieder ab von der Rückwirkung solches Werthwechsels auf die im Produktionsproceß begriffnen Bestandtheile des Kapitals. Es ist hier nicht die ursprüngliche Auslage, die direkt afficirt wird, sondern ein in seinem Reproduktionsproceß, nicht in seinem ersten Kreislauf, begriffnes industrielles Kapital; also W′…W A Pm , der Rückumsatz des Waarenkapitals in seine Produktionselemente, soweit diese aus Waaren bestehn. BeimWerthfall (resp. Preisfall) sind drei Fälle möglich: der Reproduktionsproceß wird auf derselben Stufenleiter fortgesetzt; dann wird ein Theil des bisherigen Geldkapitals freigesetzt und esfindet Anhäufung von Geldkapital statt, ohne daß wirkliche Akkumulation(Produktion auf erweiterter Stufenleiter) oder die sie einleitende und begleitende Verwandlung von g (Mehrwerth) in Akkumulationsfonds stattgefunden; oder der Reproduktionsproceß wird auf größrer Stufenleiter erweitert, als sonst geschehn wäre, falls die technischen Proportionen dies erlauben; oder aber es findet größre Vorrathbildung von Rohmaterialien etc. statt.
Umgekehrt bei Steigen des Werths der Ersatzelemente des Waarenkapitals. Die Reproduktion findet dann nicht mehr in ihrem normalen Umfang statt (es wird z. B. kürzre Zeit gearbeitet); oder es muß zuschüssiges Geldkapital eintreten, um sie auf ihrem alten Umfang fortzusetzen (Bindung von Geldkapital); oder der Akkumulations-Geldfonds, wenn vorhanden, dient ganz oder theilweise, statt zur Erweitrung des Reproduktionsprocesses, zu seinem Betrieb auf der alten Stufenleiter. Es ist dies auch Bindung von Geldkapital, nur daß hier das zuschüssige Geldkapital nicht von außen her, vom Geldmarkt, sondern aus den Mitteln des industriellen Kapitalisten selbst herkommt.
Eskönnen aber bei P … P, W′ … W′, modificirende Umstände stattfinden. Hat unser Baumwollspinner z. B. großen Vorrath von Baumwolle (also großen Theil seines produktiven Kapitals in Form von Baumwollvorrath), so wird ein Theil seines produktiven Kapitals entwerthet durch einen Fall der Baumwollpreise; sind letztre dagegen gestiegen, so findet Werthsteigerung dieses Theils seines produktiven Kapitals statt. Andrerseits , hat er große Massen in der Form des Waarenkapitals fixirt, z. B. in Baumwollgarn, so wird beim Fall der Baumwolle ein Theil seines Waarenkapitals, also überhaupt seines im Kreislauf befindlichen Kapitals, | |86|entwerthet; umgekehrt beim Steigen der Baumwollpreise.Endlich in dem Proceß W′– G–W A Pm : wenn W′–G, Realisirung des Waarenkapitals, stattgefunden hat vor dem Werthwechsel in den Elementen von W, so wird das Kapital nur in der im ersten Fall betrachteten Weise afficirt, nämlich im zweiten Cirkulationsakt G–W A Pm ; wenn aber vor Vollziehung von W′–G, so bewirkt bei sonst gleichbleibenden Umständen der Fall im Preis der Baumwolle entsprechenden Fall im Preis des Garns, und Preissteigerung im Preis der Baumwolle umgekehrt Preissteigerung des Garns. Die Wirkung auf die verschiednen, im selben Produktionszweig angelegten Einzelkapitale kann sehr verschieden sein nach den verschiednen Umständen worin sie sich befinden können. – Freisetzung und Bindung von Geldkapital können ebenso aus Verschiedenheiten in der Zeitdauer des Cirkulationsprocesses, also auch der Cirkulationsgeschwindigkeit, entspringen. Dies gehört jedoch in die Betrachtung des Umschlags . Hier interessirt uns nur der reale Unterschied, der sich mit Bezug auf Werthwechsel der Elemente des produktiven Kapitals zwischen G … G′ und den beiden andren Formen des Kreislaufsprocesses zeigt.
In dem Cirkulationsabschnitt G–W A Pm wird in der Epoche bereits entwickelter, daher vorherrschender kapitalistischer Produktionsweise ein großer Theil der Waaren, aus denen Pm, die Produktionsmittel, bestehn, selbst fremdes fungirendes Waarenkapital sein. Es findet also vom Standpunkt des Verkäufers W′–G′ statt, Verwandlung von Waarenkapital in Geldkapital. Aber es gilt dies nicht absolut. Umgekehrt. Innerhalb seines Cirkulationsprocesses, wo das industrielle Kapital entweder als Geld oder als Waare fungirt, durchkreuzt sich der Kreislauf des industriellenKapitals, sei es als Geldkapital oder als Waarenkapital, mit der Waarencirkulation der verschiedensten socialen Produktionsweisen, soweit letztre zugleich Waarenproduktion ist. Ob die Waare das Produkt der auf Sklaverei gegründeten Produktion, oder von Bauern (Chinesen, indische Ryots), oder Gemeinwesen (holländisch Ostindien), oder der Staatsproduktion (wie solche, auf Leibeigenschaft gegründet, in früheren Epochen der russischen Geschichte vorkommt) oder halbwilder Jägervölkeretc.: als Waaren und Geld treten sie gegenüber dem Geld und den Waaren, worin sich das industrielle Kapital darstellt, und gehn ein ebenso sehr in den Kreislauf desselben, wie in den des vom Waarenkapital getragnen Mehrwerths, sofern letztrer als Revenue verausgabt wird ; also in beide Cirku||87|lationszweige des Waarenkapitals. Der Charakter des Produktionsprocesses, aus dem sie herkommen, ist gleichgültig; als Waaren fungiren sie auf dem Markt, als Waaren gehn sie ein in den Kreislauf des industriellen Kapitals, wie in die Cirkulation des von ihm getragnen Mehrwerths. Es ist also der allseitige Charakter ihrer Herkunft, das Dasein des Markts als Weltmarkt, der den Cirkulationsproceß des industriellenKapitals auszeichnet. Was von fremden Waaren gilt, gilt von fremdem Geld; wie das Waarenkapital ihm gegenüber nur als Waare, so fungirt dies Geld ihm gegenüber nur als Geld; das Geld fungirt hier als Weltgeld.
Hier ist jedoch zweierlei zu bemerken.
Erstens. Die Waaren (Pm), sobald der Akt G–Pm vollendet, hören auf Waaren zu sein und werden eine der Daseinsweisen des industriellen Kapitalsin seiner Funktionsform als P, produktives Kapital. Damit aber ist ihre Herkunft ausgelöscht; sie existiren nur noch als Existenzformen des industriellen Kapitals, sind ihm einverleibt. Doch bleibt es dabei, daß zu ihrem Ersatz ihreReproduktion nöthig, und insofern ist die kapitalistische Produktionsweise bedingt durch außerhalb ihrer Entwicklungsstufe liegende Produktionsweisen. IhreTendenz aber ist, alle Produktion möglichst in Waarenproduktion umzuwandeln; ihr Hauptmittel hierzu ist gerade dies Hereinziehn derselben in ihren Cirkulationsproceß; und die entwickelte Waarenproduktion selbst ist kapitalistische Waarenproduktion. Das Eingreifen des industriellen Kapitals befördert überall diese Umwandlung, mit ihr aber auch die Verwandlung aller unmittelbaren Producenten in Lohnarbeiter.
Zweitens. Die in den Cirkulationsproceß des industriellen Kapitals eingehenden Waaren (wozuauch die nothwendigen Lebensmittel gehören, in die sich das variable Kapital nach seiner Auszahlung an die Arbeiter, behufs Reproduktion der Arbeitskraft umsetzt), welches immer ihre Herkunft, die gesellschaftliche Formdes Produktionsprocesses, dem sie entstammen – treten dem industriellen Kapital selbst schon in der Form von Waarenkapital gegenüber, in der Form von Waarenhandlungs- oder Kaufmannskapital; dies aber umfaßt seiner Natur nach Waaren aller Produktionsweisen.
Wiedie kapitalistische Produktionsweise große Stufenleiter der Produktion voraussetzt, so auch nothwendig große Stufenleiter des Verkaufs; also Verkauf an den Kaufmann, nicht an den einzelnen Konsumenten. ||88| Soweit dieser Konsument selbst produktiver Konsument, also industrieller Kapitalist, also soweit das industrielle Kapital eines Produktionszweigs dem andren Zweige Produktionsmittel liefert, findet (in Form von Bestellung etc.) auch direkter Verkauf eines industriellen Kapitalisten an viele andre statt. Jederindustrielle Kapitalist ist sofern direkter Verkäufer, selbst sein Kaufmann, was er übrigens auch im Verkauf an den Kaufmann ist .
Der Waarenhandel als Funktion des Kaufmannskapitals ist vorausgesetzt und entwickelt sich immer mehr mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion. Wir unterstellen ihn also gelegentlich zur Illustration einzelner Seiten des kapitalistischen Cirkulationsprocesses; nehmen aber bei dessen allgemeiner Analyse direkten Verkauf ohne Zwischenkunft des Kaufmanns an, weil letztre verschiedne Momente der Bewegung verdeckt.
Man sehe Sismondi, der die Sache etwas naiv darstellt:
«Le commerce emploie un capital considérable qui paraît, au premier coup d'œil, ne point faire partie de celui dont nous avons détaillé la marche. La valeur des draps accumulés dans les magasins du marchanddrapier semble d'abord tout-à-fait étrangère à cette partie de la production annuelle que le riche donne au pauvre comme salaire pour le faire travailler. Ce capital n'a fait cependant que remplacer celui dont nous avons parlé. Pour saisir avec clarté le progrès de la richesse, nous l'avons prise à sa création, et nous l'avons suivie jusqu'à sa consommation. Alors le capital employé dans la manufacture des draps, par exemple, nous a paru toujours le même; échangé contre le revenu du consommateur, il ne s'est partagé qu'en deux parties: l'un a servi de revenu au fabricant comme produit, l'autre a servi de revenu aux ouvriers comme salaire, tandis qu'ils fabriquent du nouveau drap.
Mais on trouva bientôt que, pour l'avantage de tous, il valait mieux que les diverses parties de ce capital se remplaçassent l'une l'autre, et que, si cent mille écus suffisaient à faire toute la circulation entre le fabricant et le consommateur, ces cent mille écus se partageassent également entre le fabricant, le marchand en gros, et le marchand en détail. Le premier, avec le tiers seulement, fit le même ouvrage qu'il avait fait avec la totalité, parce qu'au moment où sa fabrication était achevée, il trouvait le marchand acheter beaucoup plus tôt qu'il n'aurait trouvé le consommateur. Le capital du marchand en gros se trouvait de son côté beaucoup plus tôt remplacé par celui du marchand en détail. … La differénce entre les | |89| sommes des salaires avancés et le prix d'achat du dernier consommateur devait faire le profit des capitaux. Elle se répartit entre le fabricant, le marchand et le détaillant, depuis qu'ils eurent divisé entre eux leurs fonctions, et l'ouvrage accompli fut le même, quoiqu'il eût employé trois personnes et trois fractions de capitaux, au lieu d'un.» (Nouveaux Principes, I, p. 159, 160.) – «Tous» (die Kaufleute) «concouraient indirectement à la production; car celle-ci, ayant pour objet la consommation, ne peut être considérée comme accomplie que quand elle a mis la chose produite à la portée du consommateur.» (Ib., p. 157.)
Wir nehmen bei der Betrachtung der allgemeinen Formen des Kreislaufs und überhaupt in diesem ganzen zweiten Buch, Geld als metallisches Geld, mit Ausschluß von symbolischem Geld, bloßen Werthzeichen, die nur Specialität gewisser Staaten bilden, und von Kreditgeld, das noch nicht entwickelt ist. Erstensist das der historische Gang; Kreditgeld spielt keine oder nur unbedeutende Rolle in der ersten Epoche der kapitalistischen Produktion. Zweitens ist die Nothwendigkeit dieses Gangs auch theoretisch dadurch bewiesen, daß alles was bisher Kritisches über die Cirkulation des Kreditgelds von Tooke und Andren entwickelt worden ist, sie zwang, immer wieder zu der Betrachtung zurückzukehren, wie sich die Sache auf Grundlage bloß metallischer Cirkulation darstellen würde. Man darf aber nicht vergessen, daß das Metallgeld ebensowohl als Kaufmittel wie als Zahlungsmittel fungiren kann. Der Vereinfachung wegen gilt es uns im Allgemeinen in diesem Buch II nur in der ersten Funktionsform.
Der Cirkulationsproceß des industriellen Kapitals, der nur einen Theil seines individuellen Kreislaufsprocesses bildet, ist bestimmt soweit er nur eine Vorgangsreihe innerhalb der allgemeinen Waarencirkulation darstellt, durch die früher (Buch I, Kap. III) entwickelten allgemeinen Gesetze . Dieselbe Geldmasse z. B. von 500 £ setzt nach einander um so mehr industrielle Kapitale (oder auch individuelle Kapitale in ihrer Form als Waarenkapitale) in Cirkulation, je größer die Umlaufsgeschwindigkeitdes Geldes, je rascher also jedes einzelne Kapital die Reihe seiner Waaren- oder Geldmetamorphosen durchläuft. Dieselbe Werthmasse von Kapital erheischt demnach um so weniger Geld zu ihrer Cirkulation, je mehr das Geld als Zahlungsmittel fungirt, je mehr also z. B. bei Ersatz eines Waarenkapitals durch seine Produktionsmittel bloße Bilanzen zu zahlen ||90| sind, und je kürzer die Zahlungstermine, z. B. bei Zahlung des Arbeitslohns. Andrerseits, die Geschwindigkeit der Cirkulation und alle andren Umstände als gleichbleibend vorausgesetzt, ist die Masse des Geldes, das als Geldkapital cirkuliren muß, bestimmt durch die Preissumme der Waaren (Preis multiplicirt mit der Waarenmasse), oder, Masse und Werthe der Waaren gegeben, durch den Werth des Geldes selbst.
Aber die Gesetze der allgemeinen Waarencirkulation gelten nur, soweit der Cirkulationsproceß des Kapitals eine Reihe einfacher Cirkulationsvorgänge, nicht aber, soweit letztre funktionell bestimmte Abschnitte des Kreislaufs individueller industrieller Kapitalebilden .
Um dies klar zu machen, ist es am besten, den Cirkulationsproceß in seinem ununterbrochnen Zusammenhang zu betrachten, wie er erscheint in den beiden Formen:
Als Reihe von Cirkulationsvorgängen überhaupt stellt der Cirkulationsproceß (ob als W–G–W oder als G–W–G) nur die beiden entgegengesetzten Reihen von Waarenmetamorphosen dar, von denen jede einzelne Metamorphose wieder die entgegengesetzte Metamorphose auf Seite der fremden Waare oder des fremden Geldes einschließt, das sich ihr gegenüber befindet.
W–G von Seiten des Waarenbesitzers ist G–W von Seiten des Käufers; die erste Metamorphose der Waare W–G ist die zweite Metamorphose der als G auftretenden Waare; umgekehrt in G–W. Was also über die Verschlingung der Waarenmetamorphose in dem einen Stadium mit der einer andren Waare im andren Stadium gezeigt worden, gilt für die Kapitalcirkulation, soweit der Kapitalist als Käufer und Verkäufer von Waare, sein Kapital daher als Geld fremder Waare, oder als ||91| Waare fremdem Geld gegenüber fungirt. Aber diese Verschlingung ist nicht zugleich Ausdruck für die Metamorphosenverschlingung der Kapitale.
Erstens kann G–W (Pm), wie wir gesehn, eine Verschlingung der Metamorphosen verschiedner individuellen Kapitale darstellen. Z. B. das Waarenkapital des Baumwollspinners, Garn, wird zum Theil ersetzt durch Kohle. Ein Theil seines Kapitals befindet sich in Geldform, und wird daraus in Waarenform umgesetzt, während das Kapital des kapitalistischen Kohlenproducenten sich in Waarenform befindet und daher in Geldform umgesetzt wird; derselbe Cirkulationsakt stellt hier entgegengesetzte Metamorphosen zweier (verschiednen Produktionszweigen angehörigen) industriellen Kapitale dar, also Verschlingung der Metamorphosenreihe dieser Kapitale. Wie wir jedoch gesehn, braucht das Pm, worin G sich umsetzt, nicht Waarenkapital im kategorischen Sinn, d. h. keine Funktionsform von industriellem Kapital, nicht von einem Kapitalisten producirt zu sein. Es ist immer G–W auf der einen, W–G auf der andren Seite, nicht aber immer Verschlingung von Kapitalmetamorphosen. Ferner ist G–A, der Ankauf der Arbeitskraft, nie Verschlingung von Kapitalmetamorphosen, da die Arbeitskraft zwar Waare des Arbeiters ist, aber erst Kapital wird, sobald sie an den Kapitalisten verkauft ist. Andrerseits im Proceß W′–G′ braucht das G′ nicht formelles Waarenkapital zu sein; es kann Versilbrung sein der Waare Arbeitskraft (Arbeitslohn), oder eines vom selbständigen Arbeiter, Sklaven, Leibeignen, Gemeinwesen, producirten Produkts.
Zweitens aber gilt für die funktionell bestimmte Rolle, welche jede innerhalb des Cirkulationsprocesses eines individuellen Kapitals vorkommende Metamorphose spielt, keineswegs, daß sie im Kreislauf des andren Kapitals die entsprechende entgegengesetzte Metamorphose darstellt, wenn wir nämlich die gesammte Produktion des Weltmarkts als kapitalistisch betrieben voraussetzen. Z. B. im Kreislauf P … P kann das G′, welches W′ versilbert, auf Seiten des Käufers nur Versilbrung seines Mehrwerths sein (wenn die Waare Konsumtionsartikel ist); oder in G′–W′ A Pm (wo also das Kapital akkumulirt eingeht) kannes für den Verkäufer von Pm nur als Ersatz seines Kapitalvorschusses eingehn, oder gar nicht wieder eingehn in seine Kapitalcirkulation, wenn es nämlich in die Revenueausgabe abzweigt.
Wiealso die verschiednen Bestandtheile des gesellschaftlichen Gesammtkapitals, wovon die Einzelkapitale nur selbständig fungirende Be||92|standtheile sind, sich im Cirkulationsproceß wechselseitig ersetzen – mit Bezug auf das Kapital sowohl als den Mehrwerth – ergibt sich nicht aus den einfachen Metamorphosenverschlingungen der Waarencirkulation, welche die Vorgänge der Kapitalcirkulation mit aller andren Waarencirkulation gemein haben, sondern erfordert andre Untersuchungsweise. Man hat sich dabei bisher mit Phrasen begnügt, die, näher analysirt, nichts enthalten als unbestimmte Vorstellungen, wie sie lediglich den aller Waarencirkulation angehörigen Verschlingungen von Metamorphosen entlehnt sind.
Eine der handgreiflichsten Eigenthümlichkeiten des Kreislaufsprocesses des industriellen Kapitals, also auch der kapitalistischen Produktion, ist der Umstand, daß einerseits die Bildungselemente des produktiven Kapitals aus dem Waarenmarkt herstammen und beständig aus demselben erneuert, als Waaren gekauft werden müssen; andrerseits das Produkt des Arbeitsprocesses als Waare aus ihm hervorgeht, und beständig von neuem als Waare verkauft werden muß. Manvergleiche z. B. einen modernen Pächter von Nieder-Schottlandmit einem altmodischen kontinentalen Kleinbauer. Der erste verkauft sein ganzes Produkt und hat daher auch alle Elemente desselben, selbst die Aussaat, auf dem Markt zu ersetzen;der andre verzehrt den größten Theil seines Produkts direkt, kauft und verkauft möglichst wenig, verfertigt Werkzeuge, Kleidung etc. soweit möglich selbst.
Man hat daraufhin Naturalwirthschaft, Geldwirthschaft und Kreditwirthschaft als die drei charakteristischen ökonomischen Bewegungsformen der gesellschaftlichen Produktion einander gegenübergestellt.
Erstens stellen diese drei Formen keine gleichwerthigen Entwicklungsphasendar. Die sogenannte Kreditwirthschaft ist selbst nur eine Form der Geldwirthschaft, soweit beide Bezeichnungen Verkehrsfunktionen oder Verkehrsweisen zwischen den Producenten selbst ausdrücken. In der entwickelten kapitalistischen Produktion erscheint die Geldwirthschaft nur noch als Grundlage der Kreditwirthschaft. Geldwirthschaft und Kreditwirthschaft entsprechen so nur verschiednen Entwicklungsstufen der kapitalistischen Produktion, sind aber keineswegs verschiedne selbständige Verkehrsformen gegenüber der Naturalwirthschaft. Mit demselben Recht könnte man die sehr verschiednen Formen der Naturalwirthschaft als gleichwerthig jenen beiden gegenüberstellen. |
|93| Zweitens: Da man in den Kategorien: Geldwirthschaft, Kreditwirthschaft, nicht die wirthschaft, d. h. den Produktionsproceß selbst betont und als unterscheidendes Merkmal hervorhebt, sondern die der Wirthschaft entsprechende Verkehrsweise zwischen den verschiednen Produktionsagenten oder Producenten, so müßte dasselbe bei der ersten Kategorie geschehn. Statt Naturalwirthschaft also Tauschwirthschaft. Vollständig abgeschloßne Naturalwirthschaft, z. B. der peruanische Inkastaat, fiele unter keine dieser Kategorien.
Drittens: Geldwirthschaft ist aller Waarenproduktion gemein, und das Produkt erscheint als Waare in den verschiedensten gesellschaftlichen Produktionsorganismen. Es wäre also nur der Umfang, worin das Produkt als Handelsartikel, als Waare producirt wird, also auch seine eignen Bildungselemente wieder als Handelsartikel, als Waaren in die Wirthschaft, aus der es herkommt, eingehn müssen, welche die kapitalistische Produktion charakterisirte.
In der That ist die kapitalistische Produktion die Waarenproduktion als allgemeine Formder Produktion, aber sie ist es nur, und wird es stets mehr in ihrer Entwicklung, weil die Arbeit hier selbst als Waare erscheint, weil der Arbeiter die Arbeit, d. h. die Funktion seiner Arbeitskraft, verkauft, und zwar, wie wir annehmen, zu ihrem durch ihre Reproduktionskosten bestimmten Werth. Im Umfang, wie die Arbeit Lohnarbeit wird, wird der Producent industrieller Kapitalist; daher die kapitalistische Produktion (also auch die Waarenproduktion) erst in ihrem ganzen Umfang erscheint, wenn auch der unmittelbare ländliche Producent Lohnarbeiter ist. In dem Verhältniß zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter wird das Geldverhältniß, das Verhältniß von Käufer und Verkäufer, ein der Produktion selbst immanentes Verhältniß. Dies Verhältniß aber beruht der Grundlage nach auf dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion, nicht der Verkehrsweise; dieser entspringt umgekehrt aus jenem. Es entspricht übrigens dem bürgerlichem Horizont, wo das Geschäftchenmachen den ganzen Kopf einnimmt, nicht im Charakter der Produktionsweise die Grundlage der ihr entsprechenden Verkehrsweise zu sehn, sondern umgekehrt.7)
|94| Der Kapitalist wirft weniger Werth in der Form von Geld in die Cirkulation hinein, als er aus ihr herauszieht, weil er mehr Werth in der Form von Waare hineinwirft, als er ihr in Form von Waare entzogen hat. Soweit er bloß als Personifikation des Kapitals fungirt, als industrieller Kapitalist, ist seine Zufuhr von Waarenwerth stets größer als seine Nachfrage nach Waarenwerth. Deckung seiner Zufuhr und seiner Nachfrage in dieser Beziehung wäre gleich Nichtverwerthung seines Kapitals; es hätte nicht als produktives Kapital fungirt; das produktive Kapital hätte sich in Waarenkapital verwandelt, das nicht mit Mehrwerth geschwängert; es hätte während des Produktionsprocesses keinen Mehrwerth in Waarenform aus der Arbeitskraft gezogen, also überhaupt nicht als Kapital fungirt; er muß in der That „theurer verkaufen als er gekauft hat“, aber dies gelingt ihm eben nur, weil er vermittelst des kapitalistischen Produktionsprocesses die wohlfeilere, weil minderwerthige Waare, die er gekauft hat, in eine mehrwerthige, also theurere, verwandelt hat. Er verkauft theurer, nicht weil über den Werth seiner Waare, sondern weil Waare von einem Werth über der Werthsumme ihrer Produktionsingredienzien.
Die Rate, worin der Kapitalist sein Kapital verwerthet, ist um so größer, je größer die Differenz zwischen seiner Zufuhr und seiner Nachfrage, d. h. je größer der Ueberschuß des Waarenwerths, den er zugeführt, über den Waarenwerth, den er nachfragt. Statt des Deckens beider ist das möglichste Nichtdecken, das Ueberdecken seiner Nachfrage durch seine Zufuhr, sein Ziel.
Was von dem einzelnen Kapitalisten, gilt von der Kapitalistenklasse.
Soweitder Kapitalist bloß das industrielle Kapital personificirt, besteht seine eigne Nachfrage nur in der Nachfrage nach Produktionsmitteln und Arbeitskraft. Seine Nachfrage nach Pm, ihrer Werthigkeit nach betrachtet, ist kleiner als sein vorgeschoßnes Kapital; er kauft Produktionsmittel zu geringrem Werth als dem Werth seines Kapitals, und daher von noch viel geringrem Werth, als dem des Waarenkapitals, das er zuführt.
Was seine Nachfrage nach Arbeitskraft anbetrifft, so ist sie ihrer Werthigkeit nach bestimmt durch das Verhältniß seines variablen Kapitals zu 7) Heft von 1877 oder 1878 unter Bücher-Auszügen sich befindende Note. Heft von 1877 oder 1878 unter Bücher-Auszügen sich befindende Note. seinem Gesammtkapital, also = v : C, und ist daher in der kapitalistischen Produktion, der Proportion nach betrachtet, wachsend kleiner als seine Nachfrage nach Produktionsmitteln. Er ist in beständig zunehmendem Maß größrer Käufer für Pm als für A. |
|95| Sofern der Arbeiter seinen Lohn allzumeist in Lebensmittel umsetzt, und zum allergrößten Theil in nothwendige Lebensmittel, ist die Nachfrage des Kapitalisten nach Arbeitskraft indirekt zugleich Nachfrage nach den in den Konsum der Arbeiterklasse eingehenden Konsumtionsmitteln. Aber diese Nachfrage ist = v und nicht ein Atom größer (wenn der Arbeiter von seinem Lohn spart – wir lassen alle Kreditverhältnisse hier nothwendig außer Augen – so heißt dies, daß er einen Theil seines Lohns in Schatz verwandelt und pro tanto nicht als Nachfragender, als Käufer auftritt). Die Maximalgrenze der Nachfrage des Kapitalisten ist = C = c + v, aber seine Zufuhr ist = c + v + m; ist also die Konstitution seines Waarenkapitals 80c + 20v + 20m, so ist seine Nachfrage; = 80c + 20v, also der Werthigkeit nach betrachtet kleiner als seine Zufuhr. Je größer der Procentsatz der von ihm producirten Masse m (die Profitrate), um so kleiner wird seine Nachfrage im Verhältniß zu seiner Zufuhr. Obgleich die Nachfrage des Kapitalisten nach Arbeitskraft, und daher indirekt nach nothwendigen Lebensmitteln, mit dem Fortschrittder Produktion fortschreitend kleiner wird als seine Nachfrage nach Produktionsmitteln, so ist andrerseits nicht zu vergessen, daß seine Nachfrage nach Pm stets kleiner ist als sein Kapital, tagaus tagein gerechnet. Seine Nachfrage nach Produktionsmitteln muß also immer minderwerthig sein, als das Waarenprodukt des mit gleichem Kapital und unter sonst gleichen Umständen arbeitenden Kapitalisten, der ihm diese Produktionsmittel liefert. Daß das viele Kapitalisten sind und nicht einer, ändert nichts an der Sache. Gesetzt, sein Kapital sei 1000 £, der konstante Theil desselben = 800 £; so ist seine Nachfrage an ihre Gesammtheit ;= 800 £; zusammen liefern sie per 1000 £ (wie viel davon auf jeden Einzelnen unter ihnen falle und welchen Theil auch das auf Jeden fallende Quantum von seinem Gesammtkapital bilde), bei gleicher Profitrate, Produktionsmittel zum Werthe von 1200 £; also seine Nachfrage deckt nur ihrer Zufuhr, während seine eigne Gesammtnachfrage nur = seiner eignen Zufuhr ist, der Werthgröße nach betrachtet.
Wir müssen jetzt noch beiläufig die Betrachtung des Umschlags vorausnehmen. Gesetzt, sein Gesammtkapital sei 5000 £, wovon 4000 £ fix und 1000 £ cirkulirend; diese 1000 = 800c + 200v nach obiger Annahme. Sein cirkulirendes Kapital muß fünfmal im Jahre umschlagen, damit sein Gesammtkapital einmal im Jahre umschlage; sein Waaren||96|produkt ist dann = 6000 £, also um 1000 £ größer als sein vorgeschoßnes Kapital, was wieder dasselbe Verhältniß von Mehrwerth ergibt wie oben:
5000 C : 1000m = 100(c+v) : 20m. Dieser Umschlag ändert also nichts am Verhältniß seiner Gesammtnachfrage zu seiner Gesammtzufuhr, die erstre bleibt kleiner als die letztre.
Sein fixes Kapital sei zu erneuern in 10 Jahren. Er amortisirt also jährlich = 400 £. Dadurch hat er nur noch Werth von 3600 £ in fixem Kapital + 400 £ in Geld. SoweitReparaturen nöthig, und diese nicht über das Durchschnittsmaß gehn, sind sie nichts als Kapitalanlage, die er erst nachträglich macht. Wir können die Sache so betrachten, als habe er die Reparaturkosten gleich eingerechnet bei der Werthschätzung seines Anlagekapitals, soweit dies ins jährliche Waarenprodukt eingeht, sodaß sie einbegriffen sind in dem Amortisirung. (Ist in der That sein Reparaturbedürfniß unter dem Durchschnitt, so ist das ein Schnitt für ihn, ganz wie sein Schaden, wenn über. Dies gleicht sich aber aus für die ganze Klasse der in demselben Industriezweig beschäftigten Kapitalisten. ) Jedenfalls, obgleich bei einmaligem Umschlag seines Gesammtkapitals im Jahr, seine jährliche Nachfrage = 5000 £ bleibt, gleich seinem ursprünglich vorgeschoßnen Kapitalwerth, so nimmt sie zu mit Bezug auf den cirkulirenden Theil des Kapitals, während sie mit Bezug auf den fixen Theil desselben beständig abnimmt.
Kommen wir nun zur Reproduktion. Gesetzt, der Kapitalist verzehre den ganzen Mehrwerth g und setze nur die ursprüngliche Kapitalgröße C wieder in produktives Kapital um. Jetzt ist die Nachfrage des Kapitalisten gleichwerthig mit seiner Zufuhr. Aber nicht mit Bezug auf die Bewegung seines Kapitals; sondern als Kapitalist übt er nur Nachfrage aus nach seiner Zufuhr (der Werthgröße nach); verzehrt er als Nichtkapitalist, nicht in seiner Funktion als Kapitalist, sondern für sein Privatbedürfniß oder Vergnügen.
Seine Rechnung ist dann procentig gerechnet:
als Kapitalist Nachfrage = 100, Zufuhr = 120 als Lebemann Nachfrage = 20, Zufuhr = — Summa Nachfrage = 120, Zufuhr = 120.
Diese Voraussetzung ist gleich Voraussetzung der Nichtexistenz der kapitalistischen Produktion, und daher der Nichtexistenz des industriellen||97| Kapitalisten selbst. Denn der Kapitalismus ist schon in der Grundlage aufgehoben durch die Voraussetzung, daß der Genuß als treibendes Motiv wirkt, nicht die Bereicherung selbst.
Sie ist aber auch technisch unmöglich. Der Kapitalist muß nicht nur ein Reservekapital bilden gegen Preisschwankungen und um die günstigsten Konjunkturen für Kauf und Verkauf abwarten zu können; er muß Kapital akkumuliren, um damit die Produktion auszudehnen und die technischen Fortschritte seinem produktiven Organismus einzuverleiben.
Um Kapital zu akkumuliren, muß er zunächst einen Theil des Mehrwerths in Geldform, der ihm aus der Cirkulation zufloß, der Cirkulation entziehn, als Schatz anwachsen lassen, bis dieser die zur Ausdehnung des alten Geschäfts, oder Eröffnung eines Nebengeschäfts erforderlichen Dimensionen angenommen hat. So lange die Schatzbildung dauert, vermehrt sie die Nachfrage des Kapitalisten nicht; das Geld ist immobilisirt; es entzieht dem Waarenmarkt kein Aequivalent in Waare für das Geldäquivalent, das es ihm für zugeführte Waare entzogen hat.
Vom Kredit wird hier abgesehn; und zumKredit gehört, wenn der Kapitalist z. B. das Geld, im Maß wie es sich aufhäuft, bei einer Bank auf laufende Rechnung gegen Zinsen deponirt.