MEGA/II/15/MEGA2-II-15-0144.html

|120| ZWEITER ABSCHNITT.
Verwandlung des Profits in Durchschnittsprofit.

ACHTES KAPITEL.
Verschiedne Zusammensetzung der Kapitale in verschiednen Produktionszweigen, und daher folgende Verschiedenheit der Profitraten.

Im vorigen Abschnitt wurde unter anderm nachgewiesen, wie bei gleichbleibender Rate des Mehrwerths die Profitrate variiren, steigen oder fallen kann. In diesem Kapitel wird nun vorausgesetzt, daß der Exploitationsgrad der Arbeit, und daher die Rate des Mehrwerths und die Länge des Arbeitstags in allen Produktionssphären, worin sich die gesellschaftliche Arbeit in einem gegebnen Lande spaltet, von gleicher Größe, gleich hoch ist. Von vielen Verschiedenheiten in der Exploitation der Arbeit in verschiednen Produktionssphären hat schon A. Smith ausführlich nachgewiesen, daß sie sich durch allerlei wirkliche oder vom Vorurtheil acceptirte Kompensationsgründe ausgleichen, und daher, als nur scheinbare und verschwindende Verschiedenheiten, für die Untersuchung der allgemeinen Verhältnisse nicht in Rechnung kommen. Andre Unterschiede, z. B. in der Höhe des Arbeitslohns, beruhen großentheils auf dem schon im Eingang zu Buch I, S. 19 erwähnten Unterschied zwischen einfacher und komplicirter Arbeit und berühren, obgleich sie das Loos der Arbeiter in verschiednen Produktionssphären sehr verungleichen, keineswegs den Exploitationsgrad der Arbeit in diesen verschiednen Sphären. Wird z. B. die Arbeit eines Goldschmieds theurer bezahlt, als die eines Taglöhners, so stellt die Mehrarbeit des Goldschmieds in demselben Verhältniß auch größern Mehrwerth her als die des Taglöhners. Und wenn die Ausgleichung der Arbeitslöhne und Arbeitstage, und daher der Rate des Mehrwerths, zwischen verschiednen Produktionssphären, ja selbst zwischen verschiednen Kapitalanlagen in derselben Produktionssphäre durch vielerlei lokale Hindernisse aufgehalten wird, so vollzieht sie sich doch mehr und mehr mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktion und der Unterordnung aller ökonomischen Verhältnisse unter diese Produktionsweise. So wichtig das Studium ||121| solcher Friktionen für jede Specialarbeit über den Arbeitslohn, so sind sie doch für die allgemeine Untersuchung der kapitalistischen Produktion als zufällig und unwesentlich zu vernachlässigen. In solcher allgemeinen Untersuchung wird überhaupt immer vorausgesetzt, daß die wirklichen Verhältnisse ihrem Begriff entsprechen, oder was dasselbe, werden die wirklichen Verhältnisse nur dargestellt, soweit sie ihren eignen allgemeinen Typus ausdrücken.

Der Unterschied der Raten des Mehrwerths in verschiednen Ländern, und daher der nationalen Exploitationsgrade der Arbeit ist für die vorliegende Untersuchung durchaus gleichgültig. Wir wollen ja eben in diesem Abschnitt darstellen, in welcher Weise eine allgemeine Profitrate innerhalb eines Landes hergestellt wird. Es ist jedoch klar, daß man bei Vergleichung der verschiednen nationalen Profitraten nur das früher Entwickelte mit dem hier zu Entwickelnden zusammenzustellen hat. Erst betrachte man die Verschiedenheit in den nationalen Raten des Mehrwerths, und dann vergleiche man, auf Grundlage dieser gegebnen Raten des Mehrwerths, die Verschiedenheit der nationalen Profitraten. Soweit ihre Verschiedenheit nicht aus der Verschiedenheit der nationalen Raten des Mehrwerths resultirt, muß sie Umständen geschuldet sein, worin, wie in der Untersuchung in diesem Kapitel, der Mehrwerth als überall gleich, als konstant vorausgesetzt wird.

Es wurde im vorigen Kapitel gezeigt, daß, die Rate des Mehrwerths als konstant vorausgesetzt, die Profitrate, die ein bestimmtes Kapital abwirft, steigen oder fallen kann in Folge von Umständen, die den Werth eines oder des andern Theils des konstanten Kapitals erhöhen oder erniedrigen, und dadurch überhaupt das Verhältniß zwischen den konstanten und variablen Bestandtheilen des Kapitals afficiren. Es wurde ferner bemerkt, daß Umstände, welche die Umschlagszeit eines Kapitals verlängern oder verkürzen, in ähnlicher Weise die Profitrate afficiren können. Da die Masse des Profits identisch ist mit der Masse des Mehrwerths, mit dem Mehrwerth selbst, so zeigte sich auch, daß die Masse des Profits – im Unterschied von der Profitrate – nicht von den eben erwähnten Werthschwankungen betroffen wird. Sie modificirten nur die Rate, worin sich ein gegebner Mehrwerth und daher auch ein Profit von gegebner Größe ausdrückt, d. h. seine verhältnißmäßige Größe, seine Größe verglichen mit der Größe des vorgeschoßnen Kapitals. Insofern in Folge jener Werthschwankungen Bindung oder Freisetzung von Kapital stattfand, konnte auf diesem indirekten Weg nicht nur die Profitrate, sondern der Profit selbst afficirt werden. ||122| Indeß galt dies dann immer nur von bereits engagirtem Kapital, nicht von neuer Kapitalanlage; und außerdem hing die Vergrößerung oder Verringerung des Profits selbst immer davon ab, in wie fern in Folge jener Werthschwankungen mit demselben Kapital mehr oder weniger Arbeit in Bewegung gesetzt werden konnte, also mit demselben Kapital – bei gleichbleibender Rate des Mehrwerths eine größre oder geringre Masse von Mehrwerth producirt werden konnte. Weit entfernt dem allgemeinen Gesetz zu widersprechen oder eine Ausnahme davon zu bilden, war diese scheinbare Ausnahme in der That nur ein besondrer Fall der Anwendung des allgemeinen Gesetzes.

Wenn sich im vorigen Abschnitt zeigte, daß bei konstantem Exploitationsgrad der Arbeit, mit Werthwechsel der Bestandtheile des konstanten Kapitals und ebenso mit Wechsel in der Umschlagszeit des Kapitals, die Profitrate sich änderte, so folgt daraus von selbst, daß die Profitraten verschiedner gleichzeitig nebeneinander existirenden Produktionssphären verschieden sein werden, wenn bei sonst gleichbleibenden Umständen die Umschlagszeit der angewandten Kapitale eine verschiedne, oder wenn das Werthverhältniß zwischen den organischen Bestandtheilen dieser Kapitale in den verschiednen Produktionszweigen verschieden ist. Was wir früher betrachteten als Aenderungen, die zeitlich nach einander mit demselben Kapital vorgingen, betrachten wir jetzt als gleichzeitig vorhandne Unterschiede zwischen nebeneinander bestehenden Kapitalanlagen in verschiednen Produktionssphären.

Wir werden hierbei zu untersuchen haben: 1) die Verschiedenheit in der organischen Zusammensetzung der Kapitale, 2) die Verschiedenheit ihrer Umschlagszeit.

Die Voraussetzung bei dieser ganzen Untersuchung ist selbstverständlich die, daß wenn wir von Zusammensetzung oder Umschlag des Kapitals in einem bestimmten Produktionszweig sprechen, immer das durchschnittliche Normalverhältniß des in diesem Produktionszweig angelegten Kapitals gemeint, überhaupt von dem Durchschnitt des in der bestimmten Sphäre angelegten Gesammtkapitals, nicht von den zufälligen Unterschieden der in dieser Sphäre angelegten Einzelkapitale die Rede ist.

Da ferner unterstellt ist, daß Rate des Mehrwerths und Arbeitstag konstant, und da diese Unterstellung ebenfalls Konstanz des Arbeitslohns einschließt, so drückt ein gewisses Quantum variables Kapital ein gewisses Quantum in Bewegung gesetzter Arbeitskraft und daher ein bestimmtes Quantum sich vergegenständlichender ||123| Arbeit aus. Wenn also 100 £ den Wochenlohn von 100 Arbeitern ausdrückt, also in der That 100 Arbeiterkraft anzeigt, so n × 100 £ die von n × 100 Arbeitern und 100 £ n die von 100 n Arbeitern. Das variable Kapital dient hier also (wie bei gegebnem Arbeitslohn stets der Fall) als Index der Masse der, von einem bestimmten Gesammtkapital in Bewegung gesetzten, Arbeit; Verschiedenheiten in der Größe des angewandten variablen Kapitals dienen daher als Indices der Verschiedenheit in der Masse der angewandten Arbeitskraft. Wenn 100 £ 100 Arbeiter wöchentlich darstellen, und daher bei 60 Stunden wöchentlicher Arbeit 6000 Arbeitsstunden repräsentiren, so 200 £ 12 000 und 50 £ nur 3000 Arbeitsstunden.

Unter Zusammensetzung des Kapitals verstehn wir, wie schon in Buch I gesagt, das Verhältniß seines aktiven und seines passiven Bestandtheils, des variabeln und des konstanten Kapitals. Es kommen hierbei zwei Verhältnisse in Betracht, die nicht von gleicher Wichtigkeit sind, obgleich sie unter gewissen Umständen gleiche Wirkung hervorbringen können.

Das erste Verhältniß beruht auf technischer Grundlage und ist auf einer bestimmten Entwicklungsstufe der Produktivkraft als gegeben zu betrachten. Eine bestimmte Masse Arbeitskraft, dargestellt durch eine bestimmte Anzahl Arbeiter, ist erheischt um eine bestimmte Masse Produkt, z. B. in einem Tag, zu produciren, und daher – was darin eingeschlossen – eine bestimmte Masse Produktionsmittel, Maschinerie, Rohstoffe etc. in Bewegung zu setzen, produktiv zu konsumiren. Es kommt eine bestimmte Anzahl Arbeiter auf ein bestimmtes Quantum Produktionsmittel, und daher ein bestimmtes Quantum lebendiger Arbeit auf ein bestimmtes Quantum von, in den Produktionsmitteln bereits vergegenständlichter Arbeit. Dies Verhältniß ist sehr verschieden in verschiednen Produktionssphären, oft zwischen den verschiednen Zweigen einer und derselben Industrie, obgleich es zufällig wieder in sehr weit auseinanderliegenden Industriezweigen ganz oder annähernd dasselbe sein kann.

Dies Verhältniß bildet die technische Zusammensetzung des Kapitals und ist die eigentliche Grundlage seiner organischen Zusammensetzung.

Es ist aber auch möglich, daß jenes Verhältniß in verschiednen Industriezweigen dasselbe sei, soweit das variable Kapital bloßer Index von Arbeitskraft und das konstante Kapital bloßer Index der von der Arbeitskraft in Bewegung gesetzten Masse von Pro ||124| duktionsmitteln ist. Z. B. gewisse Arbeiten in Kupfer und Eisen mögen gleiches Verhältniß zwischen Arbeitskraft und Masse von Produktionsmitteln voraussetzen. Da aber Kupfer theurer als Eisen, wird das Werthverhältniß zwischen variablem und konstantem Kapital in beiden Fällen verschieden sein, und damit auch die Werthzusammensetzung der beiden Gesammtkapitale. Der Unterschied zwischen der technischen Zusammensetzung und der Werthzusammensetzung zeigt sich in jedem Industriezweig darin, daß bei konstanter technischer Zusammensetzung das Werthverhältniß der beiden Kapitaltheile wechseln und bei veränderter technischer Zusammensetzung das Werthverhältniß dasselbe bleiben kann; letztres natürlich nur, wenn der Wechsel in dem Verhältniß der angewandten Massen von Produktionsmitteln und Arbeitskraft durch entgegengesetzten Wechsel in ihren Werthen ausgeglichen wird.

Die Werthzusammensetzung des Kapitals, insofern sie durch seine technische Zusammensetzung bestimmt wird und diese wiederspiegelt, nennen wir die organische Zusammensetzung des Kapitals.20)

Bei dem variablen Kapital setzen wir also voraus, daß es Index einer bestimmten Menge Arbeitskraft, bestimmter Anzahl Arbeiter oder bestimmter Massen in Bewegung gesetzter lebendiger Arbeit ist. Man hat im vorigen Abschnitt gesehn, daß Wechsel in der Werthgröße des variablen Kapitals möglicher Weise nichts darstellt als größern oder geringern Preis derselben Arbeitsmasse; aber hier, wo Mehrwerthsrate und Arbeitstag als konstant, der Arbeitslohn für bestimmte Arbeitszeit als gegeben betrachtet wird, fällt dies fort. Dagegen kann ein Unterschied in der Größe des konstanten Kapitals zwar auch Index sein eines Wechsels in der Masse der von einem bestimmten Quantum Arbeitskraft in Bewegung gesetzten Produktionsmittel; aber er kann auch herrühren von dem Unterschied im Werth, den die in Bewegung gesetzten Produktionsmittel in einer Produktionssphäre, als unterschieden von der andren haben. Beide Gesichtspunkte kommen daher hier in Erwägung.

Endlich ist folgendes Wesentliche zu bemerken:

Gesetzt 100 £ sei der Wochenlohn von 100 Arbeitern. Gesetzt die wöchentliche Arbeitszeit sei = 60 Stunden. Gesetzt ferner die Rate des Mehrwerths sei = 100 %. In diesem Falle arbeiten die Arbeiter von den 60 Stunden 30 für sich selbst und 30 umsonst ||125| für den Kapitalisten. In den 100 £ Arbeitslohn sind in der That nur 30 Arbeitsstunden der 100 Arbeiter oder zusammen 3000 Arbeitsstunden verkörpert, während die andren 3000 Stunden, die sie arbeiten, verkörpert sind in den 100 £ Mehrwerth, resp. Profit, den der Kapitalist einsteckt. Obgleich der Arbeitslohn von 100 £ daher nicht den Werth ausdrückt, worin sich die Wochenarbeit der 100 Arbeiter vergegenständlicht, so zeigt er doch an (da Länge des Arbeitstags und Rate des Mehrwerths gegeben) daß von diesem Kapital 100 Arbeiter während zusammen 6000 Arbeitsstunden in Bewegung gesetzt worden sind. Das Kapital von 100 £ zeigt dies an, weil es erstens die Anzahl der in Bewegung gesetzten Arbeiter anzeigt, indem 1 £ = 1 Arbeiter per Woche, also 100 £ = 100 Arbeiter; und zweitens, weil jeder in Bewegung gesetzte Arbeiter, bei der gegebnen Mehrwerthsrate von 100 %, noch einmal so viel Arbeit verrichtet als in seinem Lohn enthalten ist, also 1 £, sein Lohn, der der Ausdruck einer halben Woche Arbeit, eine ganze Woche Arbeit in Bewegung setzt, und ebenso 100 £, obgleich sie nur 50 Wochen Arbeit enthalten, 100 Arbeitswochen. Es ist da also ein sehr wesentlicher Unterschied zu machen zwischen dem variablen, in Arbeitslohn ausgelegten Kapital, soweit sein Werth, die Summe der Arbeitslöhne, ein bestimmtes Quantum vergegenständlichter Arbeit darstellt, und soweit sein Werth bloßer Index ist der Masse lebendiger Arbeit, die es in Bewegung setzt. Diese letztre ist immer größer als die in ihm enthaltne Arbeit, und stellt sich daher auch in einem höhern Werth dar, als dem des variablen Kapitals; in einem Werth, der bestimmt ist einerseits durch die Anzahl der vom variablen Kapital in Bewegung gesetzten Arbeiter, und andrerseits durch das Quantum Mehrarbeit, das sie verrichten.

Es folgt aus dieser Betrachtungsweise des variablen Kapitals:

Wenn eine Kapitalanlage in der Produktionssphäre A auf je 700 des Gesammtkapitals nur 100 in variablem Kapital verausgabt und 600 in konstantem, während in der Produktionssphäre B 600 in variablem und nur 100 in konstantem verausgabt werden, so wird jenes Gesammtkapital A von 700 nur eine Arbeitskraft von 100 in Bewegung setzen, also unter der frühern Annahme nur 100 Arbeitswochen oder 6000 Stunden lebendiger Arbeit, während das gleich große Gesammtkapital B 600 Arbeitswochen und daher 36 000 Stunden lebendiger Arbeit in Bewegung setzt. Das Kapital in A würde daher nur 50 Arbeitswochen oder 3000 Stunden Mehrarbeit aneignen, während das gleich große Kapital in B 300 Arbeits ||126|wochen oder 18 000 Stunden. Das variable Kapital ist der Index nicht nur der in ihm selbst enthaltnen Arbeit, sondern, bei gegebner Mehrwerthsrate, zugleich der von ihm über dies Maß hinaus in Bewegung gesetzten überschüssigen oder Mehrarbeit. Bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit wäre der Profit im ersten Fall 100 700  =  1 7 = 14 2 7  % und im zweiten =  600 700  = 85 5 7  %, die sechsfache Profitrate. Aber in der That wäre in diesem Fall der Profit selbst sechsmal größer, 600 für B gegen 100 für A, weil sechsmal soviel lebendige Arbeit mit demselben Kapital in Bewegung gesetzt, also bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit auch sechsmal soviel Mehrwerth, daher sechsmal soviel Profit gemacht wird.

Würden in A nicht 700 sondern 7000 £, in B dagegen nur 700 £ Kapital angewandt, so würde das Kapital A, bei gleichbleibender organischer Zusammensetzung, 1000 £ von den 7000 £ als variables Kapital anwenden, also 1000 Arbeiter wöchentlich = 60 000 Stunden lebendiger Arbeit, wovon 30 000 Stunden Mehrarbeit. Aber nach wie vor würde A mit je 700 £ nur 1 6 soviel lebendige Arbeit, und daher auch nur 1 6 soviel Mehrarbeit in Bewegung setzen wie B, also damit auch nur 1 6 soviel Profit produciren. Wird die Profitrate betrachtet, so ist 1000 7000  =  100 700  = 14 2 7  % gegen 600 700 oder 85 5 7  % des Kapitals B. Gleich große Kapitalbeträge genommen, ist hier die Profitrate verschieden, weil bei gleicher Mehrwerthsrate, in Folge der verschiednen Massen in Bewegung gesetzter lebendiger Arbeit, die Massen der producirten Mehrwerthe und daher die Profite verschieden sind.

Dasselbe Resultat folgt thatsächlich, wenn die technischen Verhältnisse in der einen Produktionssphäre dieselben sind wie in der andern, aber der Werth der angewandten konstanten Kapitalelemente größer oder kleiner ist. Nehmen wir an, beide wenden 100 £ als variables Kapital an und brauchen also 100 Arbeiter wöchentlich, um dasselbe Quantum Maschinerie und Rohstoff in Bewegung zu setzen, aber letztre seien theurer in B als in A. In diesem Falle kämen auf 100 £ variables Kapital in A z. B. 200 £ konstantes und in B 400. Dann ist bei einer Mehrwerthsrate von 100 % der producirte Mehrwerth beidemal gleich 100 £; also auch der Profit beidemal gleich 100 £. Aber in A 100 200 c + 100 v  = 1 3 = 33 1 3 %; dagegen in B 100 400 c + 100 v  =  1 5  = 20 %. In der ||127| That, nehmen wir in beiden Fällen einen bestimmten aliquoten Theil des Gesammtkapitals, so bildet in B von je 100 £ nur 20 £ oder 1 5 variables Kapital, während in A von je 100 £ 33 1 3  £ oder 1 3 variables Kapital ist. B producirt auf je 100 £ weniger Profit, weil es weniger lebendige Arbeit in Bewegung setzt als A. Die Verschiedenheit der Profitraten löst sich hier also wieder auf in Verschiedenheit der auf je 100 der Kapitalanlagen erzeugten Profitmassen, weil Massen des Mehrwerths.

Der Unterschied dieses zweiten Beispiels vom vorhergehenden ist nur der: Die Ausgleichung zwischen A und B würde im zweiten Fall nur einen Werthwechsel des konstanten Kapitals, sei es von A oder B, bei gleichbleibender technischer Grundlage erfordern; im ersten Fall dagegen ist die technische Zusammensetzung selbst in den beiden Produktionssphären verschieden und müßte zur Ausgleichung umgewälzt werden.

Die verschiedne organische Zusammensetzung der Kapitale ist also unabhängig von ihrer absoluten Größe. Es fragt sich stets nur, wieviel von je 100 variables und wieviel konstantes Kapital ist.

Kapitale von verschiedner Größe procentig berechnet, oder was hier auf dasselbe herauskommt, Kapitale von gleicher Größe erzeugen also bei gleichem Arbeitstag und gleichem Exploitationsgrad der Arbeit sehr verschiedne Mengen von Profit, weil von Mehrwerth, und zwar weil, nach der verschiednen organischen Kapital-Zusammensetzung in verschiednen Produktionssphären ihr variabler Theil verschieden ist, also die Quanta der von ihnen in Bewegung gesetzten lebendigen Arbeit verschieden, also auch die Quanta der von ihnen angeeigneten Mehrarbeit, der Substanz des Mehrwerths und daher des Profits. Gleich große Stücke des Gesammtkapitals in den verschiednen Produktionssphären schließen ungleich große Quellen des Mehrwerths ein, und die einzige Quelle des Mehrwerths ist die lebendige Arbeit. Bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit hängt die Masse der von einem Kapital = 100 in Bewegung gesetzten Arbeit, und daher auch der von ihm angeeigneten Mehrarbeit, von der Größe seines variablen Bestandtheils ab. Wenn ein Kapital, das procentig aus 90c + 10v besteht, bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit ebensoviel Mehrwerth oder Profit erzeugte wie ein Kapital, das aus 10c + 90v besteht, dann wäre es sonnenklar, daß der Mehrwerth und daher der Werth überhaupt eine ganz andre Quelle haben müßte als die Arbeit, und daß damit jede rationelle Grundlage der politischen Oekonomie wegfiele. Setzen wir fortwährend 1 £ gleich dem ||128| Wochenlohn eines Arbeiters für 60 Arbeitsstunden, und die Mehrwerthsrate = 100 %, so ist klar, daß das Gesammt-Werthprodukt, das ein Arbeiter in einer Woche liefern kann = 2 £; 10 Arbeiter könnten also nicht mehr liefern als 20 £; und da von diesen 20 £ 10 £ den Arbeitslohn ersetzen, so könnten die 10 keinen größern Mehrwerth schaffen als 10 £; während die 90, deren Gesammtprodukt = 180 £, und deren Arbeitslohn = 90 £, einen Mehrwerth von 90 £ schüfen. Die Profitrate wäre also im einen Fall 10 %, im andern 90 %. Sollte es anders sein, so müßten Werth und Mehrwerth etwas andres sein als vergegenständlichte Arbeit. Da also Kapitale in verschiednen Produktionssphären, procentig betrachtet – oder gleich große Kapitale – sich ungleich eintheilen in konstantes und variables Element, ungleich viel lebendige Arbeit in Bewegung setzen und daher ungleich viel Mehrwerth, also Profit erzeugen, so ist die Rate des Profits, die eben in der procentigen Berechnung des Mehrwerths auf das Gesammtkapital besteht, in ihnen verschieden.

Wenn aber die Kapitale verschiedner Produktionssphären, procentig berechnet, also gleich große Kapitale in verschiednen Produktionssphären ungleiche Profite erzeugen, in Folge ihrer verschiednen organischen Zusammensetzung, so folgt, daß die Profite ungleicher Kapitale in verschiednen Produktionssphären nicht im Verhältniß zu ihren respektiven Größen stehn können, daß also die Profite in verschiednen Produktionssphären nicht den Größen der respektive in ihnen angewandten Kapitale proportional sind. Denn solches Wachsen des Profits pro rata der Größe des angewandten Kapitals würde unterstellen, daß procentig betrachtet die Profite gleich sind, daß also gleich große Kapitale in verschiednen Produktionssphären gleiche Profitraten haben, trotz ihrer verschiednen organischen Zusammensetzung. Nur innerhalb derselben Produktionssphäre, wo also die organische Zusammensetzung des Kapitals gegeben ist, oder zwischen verschiednen Produktionssphären von gleicher organischer Zusammensetzung des Kapitals, stehn die Massen der Profite in geradem Verhältniß zur Masse der angewandten Kapitale. Daß die Profite ungleich großer Kapitale im Verhältniß ihrer Größen sind, heißt überhaupt nichts als daß gleich große Kapitale gleich große Profite abwerfen, oder daß die Profitrate für alle Kapitale gleich ist, welches immer ihre Größe und ihre organische Zusammensetzung.

Es findet das Entwickelte statt unter der Voraussetzung, daß die Waaren zu ihren Werthen verkauft werden. Der Werth einer ||129| Waare ist gleich dem Werth des in ihr enthaltnen konstanten Kapitals, plus dem Werth des in ihr reproducirten variablen Kapitals, plus dem Inkrement dieses variablen Kapitals, dem producirten Mehrwerth. Bei gleicher Rate des Mehrwerths hängt seine Masse offenbar ab von der Masse des variablen Kapitals. Der Werth des Produkts des Kapitals von 100 ist in dem einen Fall 90c + 10v + 10m = 110; im andern Fall 10c + 90v + 90m = 190. Werden die Waaren zu ihren Werthen verkauft, so das erste Produkt zu 110, wovon 10 Mehrwerth oder unbezahlte Arbeit darstellt; das zweite Produkt dagegen zu 190, wovon 90 Mehrwerth oder unbezahlte Arbeit.

Es ist dies namentlich wichtig, wenn internationale Profitraten mit einander verglichen werden. In einem europäischen Land sei die Rate des Mehrwerths 100 %, d. h. der Arbeiter arbeite den halben Tag für sich und den halben Tag für seinen Beschäftiger; in einem asiatischen Land sei sie = 25 %, d. h. der Arbeiter arbeite 4 5 des Tages für sich und 1 5 für seinen Beschäftiger. In dem europäischen Land aber sei die Zusammensetzung des nationalen Kapitals 84c + 16v, und im asiatischen Land, wo wenig Maschinerie etc. angewandt, und in einer gegebnen Zeit von einer gegebnen Menge Arbeitskraft relativ wenig Rohmaterial produktiv konsumirt wird, sei die Zusammensetzung 16c + 84v. Wir haben dann folgende Rechnung:

Im europäischen Land Produktwerth = 84c + 16v + 16m = 116 Profitrate =  16 100  = 16 %.

Im asiatischen Land Produktwerth = 16c + 84v + 21m = 121; Profitrate =  21 100  = 21 %.

Die Profitrate ist also im asiatischen Land um mehr als 25 % größer als im europäischen, obgleich die Mehrwerthsrate in jenem viermal kleiner ist als in diesem. Die Careys, Bastiats und tutti quanti werden gerade auf das Umgekehrte schließen.

Dies beiläufig; verschiedne nationale Profitraten werden meist auf verschiednen nationalen Mehrwerthsraten beruhen; wir vergleichen aber in diesem Kapitel ungleiche Profitraten, die aus einer und derselben Mehrwerthsrate entspringen.

Außer der verschiednen organischen Zusammensetzung der Kapitale, also außer den verschiednen Massen von Arbeit und damit auch, bei sonst gleichen Umständen, von Mehrarbeit, die Kapitale von gleicher Größe in verschiednen Produktionssphären in Bewegung setzen, besteht noch eine andre Quelle der Ungleichheit der Profitraten: die Verschiedenheit in der Länge des Umschlags ||130| des Kapitals in den verschiednen Produktionssphären. Wir haben im IV. Kapitel gesehn, daß bei gleicher Zusammensetzung der Kapitale und bei sonst gleichen Umständen die Profitraten sich umgekehrt verhalten wie die Umschlagszeiten, und ebenso daß dasselbe variable Kapital, wenn es in verschiednen Zeiträumen umschlägt, ungleiche Massen von jährlichem Mehrwerth zu Wege bringt. Die Verschiedenheit der Umschlagszeiten ist also ein andrer Grund, warum gleich große Kapitale in verschiednen Produktionssphären nicht gleich große Profite in gleichen Zeiträumen produciren, und warum daher die Profitraten in diesen verschiednen Sphären verschieden sind.

Was dagegen das Verhältniß der Zusammensetzung der Kapitale aus fixem und cirkulirendem Kapital betrifft, so afficirt es, an und für sich betrachtet, die Profitrate durchaus nicht. Es kann sie nur afficiren, wenn entweder diese verschiedne Zusammensetzung zusammenfällt mit verschiednem Verhältniß zwischen dem variablen und konstanten Theil, wo also diesem Unterschied, und nicht dem von cirkulirendem und fixem, die Verschiedenheit der Profitrate geschuldet ist; oder wenn das verschiedne Verhältniß zwischen fixen und cirkulirenden Bestandtheilen eine Verschiedenheit bedingt in der Umschlagszeit, während welcher ein bestimmter Profit realisiert wird. Wenn Kapitale in verschiedner Proportion in fixes und cirkulirendes zerfallen, wird dies zwar stets Einfluß auf ihre Umschlagszeit haben und eine Verschiedenheit derselben hervorrufen; es folgt daraus aber nicht, daß die Umschlagszeit, worin dieselben Kapitale Profit realisiren, verschieden ist. Ob A z. B. beständig einen größern Theil des Produkts in Rohstoff etc. umsetzen muß, während B für längre Zeit dieselben Maschinen etc. bei weniger Rohstoff braucht, beide haben, soweit sie produciren, stets einen Theil ihres Kapitals engagirt; der eine in Rohstoff, also cirkulirendem Kapital, der andre in Maschinen etc. also in fixem Kapital. A verwandelt beständig einen Theil seines Kapitals aus Waarenform in Geldform und aus dieser zurück in die Form des Rohstoffs; während B einen Theil seines Kapitals ohne solche Veränderung für längren Zeitraum als Arbeitsinstrument benutzt. Wenn beide gleich viel Arbeit anwenden, so werden sie im Laufe des Jahrs zwar Produktenmassen von ungleichem Werth verkaufen, aber beide Produktenmassen werden gleich viel Mehrwerth enthalten, und ihre Profitraten, die auf das gesammte vorgeschoßne Kapital berechnet werden, sind dieselben, obgleich ihre Zusammensetzung aus fixem und cirkulirendem Kapital und ebenso ihre Umschlagszeit verschieden ||131| ist. Beide Kapitale realisiren in gleichen Zeiten gleiche Profite, obgleich sie in verschiednen Zeiten umschlagen.21) Die Verschiedenheit der Umschlagszeit hat an und für sich nur Bedeutung, soweit sie die Masse der Mehrarbeit afficirt, die von demselben Kapital in einer gegebnen Zeit angeeignet und realisirt werden kann. Wenn also eine ungleiche Zusammensetzung aus cirkulirendem und fixem Kapital nicht nothwendig eine Ungleichheit der Umschlagszeit einschließt, die ihrerseits Ungleichheit der Profitrate bedingt, so ist klar, daß soweit letztre stattfindet, dies nicht aus der ungleichen Zusammensetzung von cirkulirendem und fixem Kapital an sich herrührt, sondern vielmehr daraus, daß diese letztre hier nur eine die Profitrate afficirende Ungleichheit der Umschlagszeiten anzeigt.

Die verschiedne Zusammensetzung des konstanten Kapitals aus cirkulirendem und fixem in verschiednen Industriezweigen hat an sich also keine Bedeutung für die Profitrate, da das Verhältniß des variablen Kapitals zum konstanten entscheidet, und der Werth des konstanten Kapitals, also auch seine relative Größe im Verhältniß zum variablen, durchaus unabhängig ist von dem fixen oder cirkulirenden Charakter seiner Bestandtheile. Wohl aber wird sich finden – und dies leitet mit zu falschen Schlüssen – daß da wo das fixe Kapital bedeutend entwickelt, dies nur Ausdruck davon ist, daß die Produktion auf großer Stufenleiter betrieben wird, und daher das konstante Kapital sehr überwiegt über das variable, oder daß die angewandte lebendige Arbeitskraft gering ist im Verhältniß zur Masse der von ihr in Bewegung gesetzten Produktionsmittel.

Wir haben also gezeigt: daß in verschiednen Industriezweigen, entsprechend der verschiednen organischen Zusammensetzung der Kapitale, und innerhalb der angegebnen Grenzen auch entsprechend ihren verschiednen Umschlagszeiten, ungleiche Profitraten herrschen, ||132| und daß daher auch bei gleicher Mehrwerthsrate nur für Kapitale von gleicher organischer Zusammensetzung – gleiche Umschlagszeiten vorausgesetzt – das Gesetz (der allgemeinen Tendenz nach) gilt, daß die Profite sich verhalten wie die Größen der Kapitale, und daher gleich große Kapitale in gleichen Zeiträumen gleich große Profite abwerfen. Das Entwickelte gilt auf der Basis, welche überhaupt bisher die Basis unsrer Entwicklung war: daß die Waaren zu ihren Werthen verkauft werden. Anderseits unterliegt es keinem Zweifel, daß in der Wirklichkeit, von unwesentlichen, zufälligen und sich ausgleichenden Unterschieden abgesehn, die Verschiedenheit der durchschnittlichen Profitraten für die verschiednen Industriezweige nicht existirt und nicht existiren könnte, ohne das ganze System der kapitalistischen Produktion aufzuheben. Es scheint also, daß die Werththeorie hier unvereinbar ist mit der wirklichen Bewegung, unvereinbar mit den thatsächlichen Erscheinungen der Produktion, und daß daher überhaupt darauf verzichtet werden muß die letztren zu begreifen.

Aus dem ersten Abschnitt dieses Buchs ergibt sich, daß die Kostpreise dieselben sind für Produkte verschiedner Produktionssphären, in deren Produktion gleichgroße Kapitaltheile vorgeschossen sind, wie verschieden immer die organische Zusammensetzung dieser Kapitale sein möge. Im Kostpreis fällt der Unterschied von variablem und konstantem Kapital für den Kapitalisten fort. Ihm kostet eine Waare, zu deren Produktion er 100 £ auslegen muß, gleich viel, lege er nun 90c + 10v oder 10c + 90v aus. Sie kostet ihm stets 100 £, weder mehr noch weniger. Die Kostpreise sind dieselben für gleich große Kapitalauslagen in verschiednen Sphären, so sehr auch die producirten Werthe und Mehrwerthe verschieden sein mögen. Diese Gleichheit der Kostpreise bildet die Basis der Konkurrenz der Kapitalanlagen, wodurch der Durchschnittsprofit hergestellt wird.

Quelle: MEGA II/15: Das Kapital Kritik der politischen Ökonomie, Dritter Band, Seite 144-155