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DREIUNDDREISSIGSTES KAPITEL.
Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem.

„Der große Regulator der Geschwindigkeit der Cirkulation ist der Kredit. Daher erklärt sich, warum eine scharfe Klemme im Geldmarkt gewöhnlich zusammenfällt mit einer gefüllten Cirkulation.“ (The Currency Question Reviewed. p. 65.) Dies ist doppelt zu verstehn. Einerseits sind alle Methoden, die Cirkulationsmittel ersparen, begründet auf den Kredit. Zweitens aber: nimm z. B. eine 500 £ Note. A gibt sie heute in Zahlung eines Wechsels an B; B deponirt sie denselben Tag bei seinem Bankier; dieser diskontirt noch selben Tags einen Wechsel damit für C; C zahlt sie an seine Bank, die Bank gibt sie dem billbroker auf Vorschuß etc. Die Geschwindigkeit, mit der die Note hier cirkulirt, zu Käufen oder Zahlungen dient, ist vermittelt durch die Geschwindigkeit, womit sie immer wieder in der Form des Depositums zu jemandem zurückkehrt, und in der Form des Anlehens wieder zu jemand anders übergeht. Das bloße Oekonomisiren des Cirkulationsmittels erscheint am höchsten entwickelt im Clearing House, dem bloßen Austausch von fälligen Wechseln, und der vorwiegenden Funktion des Geldes als Zahlungsmittel zum Ausgleich bloßer Ueberschüsse. Aber das Dasein dieser Wechsel beruht selbst wieder auf dem Kredit, den sich die Industriellen und Kaufleute unter einander geben. Nimmt dieser Kredit ab, so nimmt die Zahl der Wechsel ab, namentlich der langsichtigen, ||59| also auch die Wirksamkeit dieser Methode der Ausgleichungen. Und diese Oekonomie, die in der Beseitigung des Geldes aus den Umsätzen besteht, und die ganz auf der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel beruht, welche wieder auf dem Kredit beruht, kann (abgesehn von der mehr oder minder entwickelten Technik in der Koncentration dieser Zahlungen) nur zweierlei Art sein: Wechselseitige Schuldforderungen, repräsentirt durch Wechsel oder Cheques, gleichen sich aus entweder bei demselben Bankier, der nur die Forderung vom Konto des einen auf das des andern überschreibt; oder die verschiednen Bankiers gleichen unter einander aus.11) Die Koncentration von 8-10 Millionen Wechseln in der Hand eines billbrokers, wie z. B. der Firma Overend, Gurney & Co., war eins der Hauptmittel, die Stufenleiter dieser Ausgleichung lokal zu erweitern. Durch diese Oekonomisirung wird die Wirksamkeit des Umlaufsmittels erhöht, soweit ein geringres Quantum davon erfordert wird zur bloßen Saldirung der Bilanz. Andrerseits hängt die Geschwindigkeit des als Cirkulationsmittel umlaufenden Geldes (wodurch es auch ökonomisirt wird) ganz ab von dem Fluß der Käufe und Verkäufe, oder auch von der Verkettung der Zahlungen, soweit sie nacheinander in Geld erfolgen. Aber der Kredit vermittelt, und erhöht dadurch die Geschwindigkeit der Cirkulation. Das einzelne Geldstück kann z. B. nur fünf Umläufe bewirken und bleibt länger in jeder einzelnen Hand ruhen – als bloßes Cirkulationsmittel ohne Dazwischenkunft des Kredits – wenn A, sein ursprünglicher Besitzer, von B, B von C, C von D, D von E, E von F kauft, also sein Uebergang von einer Hand in die andre nur durch wirkliche Käufe und Verkäufe vermittelt ist. Wenn aber B das von A in Zahlung erhaltne Geld bei seinem Bankier deponirt und dieser es ausgibt in Wechseldiskont an C, dieser von D kauft, D es bei seinem Bankier deponirt und dieser es an E leiht, der von F kauft, so ist selbst seine Geschwindigkeit ||60| als bloßes Cirkulationsmittel (Kaufmittel) vermittelt durch mehrere Kreditoperationen: das Deponiren des B bei seinem Bankier und dessen Diskontiren für C, das Deponiren des D bei seinem Bankier und dessen Diskontiren für E; also durch vier Kreditoperationen. Ohne diese Kreditoperationen hätte dasselbe Geldstück nicht fünf Käufe nach einander im gegebnen Zeitraum verrichtet. Daß es ohne Vermittlung von wirklichem Kauf und Verkauf – als Depositum und im Diskonto – die Hände wechselte, hat hier seinen Händewechsel in der Reihe wirklicher Absätze beschleunigt.

Es hat sich vorhin gezeigt, wie eine und dieselbe Banknote Depositen bei verschiednen Bankiers bilden kann. Ebenso kann sie verschiedne Depositen bei demselben Bankier bilden. Er diskontirt mit der Note, die A deponirt hat, den Wechsel von B, B zahlt an C, C deponirt dieselbe Note bei demselben Bankier der sie verausgabt.

Es ist bereits bei Betrachtung der einfachen Geldcirkulation (Buch I, Kap. III, 2) nachgewiesen worden, daß die Masse des wirklich cirkulirenden Geldes, Geschwindigkeit der Cirkulation und Oekonomie der Zahlungen als gegeben vorausgesetzt, bestimmt ist durch die Preise der Waaren und die Masse der Transaktionen. Dasselbe Gesetz herrscht bei der Notencirkulation.

In der folgenden Tabelle sind für jedes Jahr die Jahresdurchschnitte der Noten der Bank von England, soweit sich solche in der Hand des Publikums befanden, verzeichnet, und zwar die Beträge der 5 und 10 Pfundnoten, die der Noten von 20-100 £ und die der höheren Noten von £ 200-1000; sowie der Procentsatz der Gesammtcirkulation, den jede dieser Rubriken liefert. Die Beträge sind in Tausenden, unter Streichung der drei letzten Stellen.

Jahr.NotenPro-Noten £Pro-Noten £Pro-Insge-
voncente.20-100.cente.200-1000.cente.sammt £.
£ 5-10.
1844£   9 26345,7 %£ 573528,3 %£ 525326,0 %£ 20 241
1845£   9 69846,9 %£ 608229,3 %£ 494228,6 %£ 20 723
1846£   9 91848,9 %£ 577128,5 %£ 459022,6 %£ 20 286
1847£   9 59150,1 %£ 549828,7 %£ 406621,2 %£ 19 155
1848£   8 73248,3 %£ 504627,9 %£ 430723,8 %£ 18 085
1849£   8 69247,2 %£ 523428,5 %£ 477724,3 %£ 18 403
1850£   9 16447,2 %£ 558728,8 %£ 464624,0 %£ 19 398
1851£   9 36248,8 %£ 555428,5 %£ 455723,4 %£ 19 473 |
|61|
1852£   9 83945,0 %£ 616128,2 %£ 585626,8 %£ 21 856
1853£ 10 69947,3 %£ 639328,2 %£ 554124,5 %£ 22 653
1854£ 10 56551,0 %£ 591028,5 %£ 423420,5 %£ 20 709
1855£ 10 62853,6 %£ 570628,9 %£ 345917,5 %£ 19 793
1856£ 10 68054,4 %£ 564528,7 %£ 332416,9 %£ 19 648
1857£ 10 65954,7 %£ 556728,6 %£ 324116,7 %£ 19 467

(B. A. 1858, p. I. II.) Die Gesammtsumme der cirkulirenden Banknoten hat also von 1844 bis 1857 positiv abgenommen, obgleich der durch Ausfuhr und Einfuhr nachgewiesene Geschäftsverkehr sich mehr als verdoppelt hatte. Die kleinern Banknoten von 5 £ und 10 £ nahmen zu, wie die Liste zeigt, von £ 9 263 000 in 1844 auf £ 10 659 000 in 1857. Und dies gleichzeitig mit der gerade damals so starken Vermehrung der Goldcirkulation. Dagegen Abnahme der Noten von höhern Beträgen (von 200-1000 £) von £ 5 856 000 in 1852, auf £ 3 241 000 in 1857. Also Abnahme von mehr als 2 1 2 Mill. £. Dies wird erklärt wie folgt: „Am 8. Juni 1854 ließen die Privatbankiers von London die Aktienbanken an der Einrichtung des Clearing House theilnehmen, und bald darauf wurde das schließliche clearing in der Bank von England eingerichtet. Die täglichen Saldirungen werden erledigt durch Ueberschreibung auf den Kontos, die die verschiednen Banken in der Bank von England halten. Durch Einführung dieses Systems sind die Noten von hohem Betrag, deren sich die Banken früher zur Ausgleichung ihrer gegenseitigen Rechnungen bedienten, überflüssig geworden.“ (B. A. 1858, p. V.)

Wie sehr der Gebrauch des Geldes im Großhandel auf ein geringes Minimum reducirt ist, darüber vgl. die Tabelle, die Buch I, Kap. III, Note 103 abgedruckt, und die dem Bankausschuß geliefert wurde von Morrison Dillon & Co., einem der größten derjenigen Londoner Häuser, wo ein Kleinhändler seinen ganzen Vorrath von Waaren aller Art einkaufen kann.

Nach der Aussage von W. Newmarch vor dem B. A. 1857 No. 1741 trugen auch noch andre Umstände zur Ersparung von Cirkulationsmitteln bei: das Penny-Briefporto, die Eisenbahnen, die Telegraphen, kurz die verbesserten Verkehrsmittel; sodaß England jetzt bei ungefähr derselben Banknotencirkulation ein fünf bis sechsmal so großes Geschäft machen kann. Dies sei aber auch wesentlich der Ausschaltung der Noten von mehr als £ 10 ||62| aus der Cirkulation geschuldet. Dies scheint ihm eine natürliche Erklärung dafür, daß in Schottland und Irland, wo auch 1 £ Noten cirkuliren, die Notencirkulation um ungefähr 31 % gestiegen ist. (1747.) Die Gesammtcirkulation von Banknoten im Vereinigten Königreich, mit Einschluß der 1 £ Noten, sei 39 Mill. £. (1749.) Die Goldcirkulation = 70 Mill. £. (1750.) In Schottland war die Notencirkulation 1834 – 3 120 000 £; 1844 – 3 020 000 £; 1854 – 4 050 000 £. (1752.)

Schon hieraus geht hervor, daß es keineswegs in der Hand der Noten ausgebenden Banken steht, die Zahl der cirkulirenden Noten zu vermehren, so lange diese Noten jederzeit gegen Geld austauschbar sind. ❲Von inkonvertiblem Papiergeld ist hier überhaupt nicht die Rede; inkonvertible Banknoten können nur da allgemeines Cirkulationsmittel werden, wo sie thatsächlich durch Staatskredit gestützt werden, wie z. B. gegenwärtig in Rußland. Sie fallen damit unter die Gesetze des inkonvertiblen Staatspapiergelds, die schon entwickelt sind (Buch I, Kap. III, 2, c: die Münze, das Werthzeichen.) – F. E.❳

Die Menge der cirkulirenden Noten richtet sich nach den Bedürfnissen des Verkehrs, und jede überflüssige Note wandert sofort zurück zu ihrem Ausgeber. Da in England nur die Noten der Bank von England als gesetzliches Zahlungsmittel allgemein umlaufen, können wir die unbedeutende und nur lokale Notencirkulation der Provinzialbanken hier vernachlässigen.

Vor dem B. A. 1858 sagt Herr Neave, Gouverneur der Bank von England aus: „No. 947. (Frage:) Welche Maßregeln auch immer Sie ergreifen, der Notenbetrag in den Händen des Publikums, sagen Sie, bleibt derselbe; d. h. ungefähr 20 Mill. £? – In gewöhnlichen Zeiten scheint der Gebrauch des Publikums ungefähr 20 Mill. zu erfordern. Zu gewissen periodisch wiederkehrenden Zeiten im Jahr steigen sie um 1 oder 1 1 2 Mill. Wenn das Publikum mehr braucht, so kann es sie, wie ich sagte, stets bei der Bank von England bekommen. – 948. Sie sagten, daß während der Panik das Publikum Ihnen nicht erlauben wollte den Notenbetrag zu vermindern; wollen Sie das begründen? – In Zeiten der Panik hat das Publikum, wie mir scheint, volle Macht sich Noten zu verschaffen; und natürlich, so lange die Bank eine Verpflichtung hat, kann das Publikum auf diese Verpflichtung hin die Noten von der Bank entnehmen. – 949. Es scheinen also jederzeit ungefähr 20 Mill. Noten der B. v. E. erforderlich zu sein? – 20 Mill. Noten in der Hand des Publikums; es wechselt. ||63| Es sind 18 1 2 , 19, 20 Mill. u. s. w.; aber im Durchschnitt können Sie sagen 19-20 Millionen.“

Aussage von Thomas Tooke vor dem Ausschuß der Lords über Commercial Distress (C. D. 1848/57); No. 3094: „Die Bank hat keine Macht, nach eignem Willen den Betrag der Noten in der Hand des Publikums zu erweitern; sie hat die Macht, den Notenbetrag in der Hand des Publikums zu vermindern, aber nur vermittelst einer sehr gewaltsamen Operation.“

J. C. Wright, seit 30 Jahren Bankier in Nottingham, nachdem er ausführlich die Unmöglichkeit auseinander gesetzt, daß die Provinzialbanken jemals mehr Noten in Umlauf erhalten könnten als das Publikum braucht und will, sagt von den Noten der Bank von England (C. D. 1848/57) No. 2844: „Ich weiß von keiner Schranke“ (der Notenausgabe) „für die B. von E., aber jeder Ueberschuß der Cirkulation wird in die Depositen übergehn und so eine andre Form annehmen.“

Dasselbe gilt für Schottland, wo fast nur Papier cirkulirt, weil dort wie in Irland auch Einpfundnoten gestattet sind und „the scotch hate gold“. Kennedy, Dirigent einer schottischen Bank, erklärt, die Banken könnten ihre Notencirkulation nicht einmal vermindern, und ist „der Ansicht, daß, so lange inländische Geschäftsabschlüsse Noten oder Gold erfordern, um zu stande zu kommen, die Bankiers soviel Umlaufsmittel liefern müssen, wie diese Geschäfte erfordern – sei es auf Verlangen ihrer Depositoren oder sonstwie. … Die schottischen Banken können ihre Geschäfte einschränken, aber sie können keine Kontrole ausüben über ihre Notenausgabe.“ (ib. No. 3446-48.) Desgleichen Anderson, Dirigent der Union Bank of Scotland, ib. No. 3578: „Verhindert das System des gegenseitigen Notenaustausches“ ❲zwischen den schottischen Banken❳ „eine Ueberausgabe von Noten von Seiten einer einzelnen Bank? – Jawohl; wir haben aber ein wirksameres Mittel als den Notenaustausch“ ❲der in der That gar nichts damit zu thun hat, wohl aber die Umlaufsfähigkeit der Noten jeder Bank über ganz Schottland sichert❳ „und dies ist der allgemeine Gebrauch in Schottland ein Bankkonto zu halten; jedermann der irgendwie Geld hat, hat auch ein Konto bei einer Bank und zahlt tagtäglich alles Geld ein, das er nicht unmittelbar selbst nöthig hat, sodaß am Schluß eines jeden Geschäftstags alles Geld in den Banken ist, ausgenommen was jeder in der Tasche hat.“

Ebenso für Irland, s. die Aussagen des Gouverneurs der Bank ||64| von Irland MacDonnell und des Dirigenten der Provincial Bank of Ireland, Murray, vor demselben Ausschuß.

Ebenso unabhängig wie vom Willen der Bank von England, ist die Notencirkulation vom Stand des Goldschatzes in den Kellern der Bank, der die Konvertibilität dieser Noten sichert. „Am 18. September 1846 war die Notencirkulation der Bank von England 20 900 000 £ und ihr Metallschatz 16 273 000 £; am 5. April 1847 die Cirkulation 20 815 000 £ und der Metallschatz 10 246 000 £. Also fand trotz des Exports der 6 Millionen £ Edelmetall keine Einschrumpfung der Cirkulation statt.“ (J. G. Kinnear, The Crisis and the Currency, Ld. 1847, p. 5.) Es versteht sich jedoch, daß dies nur gilt unter den in England heute herrschenden Verhältnissen, und auch da nur, soweit nicht die Gesetzgebung über das Verhältniß von Notenausgabe und Metallschatz ein anderes befiehlt.

Es sind also nur die Bedürfnisse des Geschäfts selbst, die einen Einfluß auf die Quantität des cirkulirenden Geldes – Noten und Gold – ausüben. Hier kommen zunächst die periodischen Schwankungen in Betracht, die sich jedes Jahr wiederholen, was auch die allgemeine Geschäftslage sein mag, sodaß seit 20 Jahren „in einem bestimmten Monat die Cirkulation hoch, in einem andern niedrig ist, und in einem dritten bestimmten Monat ein mittlerer Punkt vorkommt“. (Newmarch, B. A. 1857, No. 1650.)

So gehn im August jedes Jahres einige Millionen, meist in Gold, aus der B. von E. in die inländische Cirkulation, um die Kosten der Ernte zu zahlen; da es sich in der Hauptsache um Zahlung von Arbeitslöhnen handelt, sind Banknoten hier für England weniger zu gebrauchen. Bis Jahresschluß ist dies Geld der Bank dann wieder zurückgeströmt. In Schottland gibt es statt Sovereigns fast nur Pfundnoten; hier dehnt sich daher im entsprechenden Fall die Notencirkulation aus, und zwar zweimal im Jahr, im Mai und November, von 3 auf 4 Millionen; nach 14 Tagen stellt sich bereits der Rückfluß ein, in einem Monat ist er fast vollendet. (Anderson, l. c. No. 3595-3600.)

Die Notencirkulation der Bank von England erfährt auch vierteljährlich eine momentane Schwankung infolge der vierteljährlichen Zahlung der „Dividenden“, d. h. der Zinsen der Staatsschuld, wodurch zuerst Banknoten der Cirkulation entzogen und dann wieder unter das Publikum geworfen werden; sie fließen aber sehr bald wieder zurück. Weguelin (B. A. 1857 No. 38) gibt den Betrag der hierdurch verursachten Schwankung der Notencirkulation auf 2 1 2 Millionen an. Dagegen berechnet Herr Chapman von der ||65| notorischen Firma Overend Gurney & Co. den Betrag der hierdurch auf dem Geldmarkt hervorgerufenen Störung weit höher. „Wenn Sie aus der Cirkulation 6 oder 7 Millionen für Steuern herausnehmen, um damit die Dividenden zu zahlen, so muß irgend jemand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit zur Verfügung stellt.“ (B. A. 1857, No. 5196.)

Viel bedeutender und nachhaltiger sind die Schwankungen im Betrag des umlaufenden Mittels, die den verschiednen Phasen des industriellen Cyklus entsprechen. Hören wir hierüber einen andern Associé jener Firma, den würdigen Quäker Samuel Gurney (C. D. 1848/57, No. 2645): „Ende Oktober (1847) waren 20 800 000 £ Noten in den Händen des Publikums. Zu jener Zeit herrschte eine große Schwierigkeit, Banknoten im Geldmarkt zu bekommen. Dies entstand aus der allgemeinen Befürchtung, man werde in Folge der Beschränkung des Bankakts von 1844 nicht im Stande sein sie sich zu verschaffen. Gegenwärtig ❲März 1848❳ ist der Betrag der Banknoten in Händen des Publikums … 17 700 000 £, aber da jetzt keinerlei kommercieller Alarm herrscht, ist dies viel mehr als was gebraucht wird. Es gibt keinen Bankier oder keinen Geldhändler in London, der nicht mehr Banknoten hat als er gebrauchen kann. – 2650. Der Belauf der Banknoten … außerhalb des Gewahrsams der Bank von England bildet einen total ungenügenden Exponenten des aktiven Standes der Cirkulation, wenn man nicht ebenfalls gleichzeitig in Erwägung zieht … den Stand der Handelswelt und des Kredits. – 2651. Das Gefühl, daß wir bei dem gegenwärtigen Belauf der Cirkulation in den Händen des Publikums einen Ueberschuß haben, entspringt in hohem Grad aus unsrer gegenwärtigen Lage großer Stagnation. Bei hohen Preisen und aufgeregtem Geschäft würden uns 17 700 000 £ ein Gefühl der Knappheit verursachen.“

❲So lange die Geschäftslage derart ist, daß die Rückflüsse für die gemachten Vorschüsse regelmäßig eingehn und also der Kredit unerschüttert bleibt, richtet sich die Ausdehnung und Zusammenziehung der Cirkulation einfach nach den Bedürfnissen der Industriellen und Kaufleute. Da wenigstens in England Gold für den Großhandel nicht in Betracht kommt und die Goldcirkulation, abgesehn von den jahreszeitlichen Schwankungen, als eine für längere Zeit ziemlich konstante Größe angesehn werden kann, so bildet die Notencirkulation der B. von E. den hinreichend genauen Gradmesser dieser Veränderungen. In der stillen Zeit nach der Krise läuft am wenigsten um, mit der Wiederbelebung der Nachfrage ||66| tritt auch größerer Bedarf an Umlaufsmitteln ein, der sich steigert mit der steigenden Prosperität; den Höhepunkt erreicht die Menge des Umlaufsmittels in der Periode der Ueberspannung und Ueberspekulation – da bricht die Krise herein und über Nacht sind die gestern noch so reichlichen Banknoten vom Markt verschwunden, und mit ihnen die Diskontirer von Wechseln, die Vorschußleister auf Werthpapiere, die Käufer von Waaren. Die Bank von England soll helfen – aber auch ihre Kräfte sind bald erschöpft, der Bankakt von 1844 zwingt sie ihre Notencirkulation einzuschränken grade im Moment, wo alle Welt nach Banknoten schreit, wo die Waarenbesitzer nicht verkaufen können und doch zahlen sollen und jedes Opfer zu bringen bereit sind, wenn sie nur Banknoten erhalten. „Während des Alarms“, sagt der obenerwähnte Bankier Wright l. c. No. 2930, „gebraucht das Land zweimal soviel Cirkulation wie in gewöhnlichen Zeiten, weil das Umlaufsmittel von Bankiers und andern aufgespeichert wird.“

Sowie die Krise hereinbricht, handelt es sich nur noch um Zahlungsmittel. Da aber jeder vom andern abhängig ist für den Eingang dieser Zahlungsmittel und keiner weiß, ob der andre imstand sein wird, am Verfalltag zu zahlen, tritt ein vollständiges Kirchthurmrennen ein um die im Markt befindlichen Zahlungsmittel, d. h. für Banknoten. Jeder schatzt davon auf, so viele er erhalten kann, und so verschwinden die Noten aus der Cirkulation am selben Tag, wo man sie am nöthigsten braucht. Samuel Gurney (C. D. 1848/57, No. 1116) gibt die Zahl der so in einem Moment des Schreckens unter Schloß und Riegel gebrachten Banknoten für Oktober 1847 auf 4-5 Millionen £ an. – F. E.❳

In dieser Beziehung ist besonders interessant das Verhör des Associés von Gurney, des bereits erwähnten Chapman, vor dem B. A. von 1857. Ich gebe hier den Hauptinhalt desselben im Zusammenhang, obwohl auch einige Punkte darin behandelt werden, die wir erst später untersuchen.

Herr Chapman läßt sich vernehmen wie folgt.

„4963. Ich nehme auch keinen Anstand zu sagen, daß ich es nicht für in der Ordnung halte, daß der Geldmarkt unter der Macht eines beliebigen individuellen Kapitalisten stehn sollte, (wie es in London deren gibt), der einen ungeheuren Geldmangel und eine Klemme erzeugen kann, wenn die Cirkulation grade sehr niedrig steht … Das ist möglich … es gibt mehr als einen Kapitalisten, der aus dem Cirkulationsmittel 1 oder 2 Mill. £ Noten herausnehmen kann, wenn er einen Zweck dadurch erreicht.“ 4995. ||67| Ein großer Spekulant kann für 1 oder 2 Mill. Konsols verkaufen und so das Geld aus dem Markt nehmen. Etwas Aehnliches ist vor ganz kurzem geschehn, „es erzeugt eine äußerst heftige Klemme“. –

4967. Die Noten sind dann allerdings unproduktiv. „Aber das ist nichts, wenn es einen großen Zweck bewirkt; sein großer Zweck ist die Fondspreise zu werfen, eine Geldklemme zu schaffen, und das zu thun, hat er vollständig in seiner Gewalt.“ Ein Beispiel: Eines Morgens war große Geldnachfrage auf der Fondsbörse; niemand kannte die Ursache; jemand bot Chapman an, dieser solle ihm 50 000 £ zu 7 % leihen. Chapman war erstaunt, sein Zinsfuß stand viel niedriger; er griff zu. Gleich darauf kam der Mann wieder, nahm weitre 50 000 £ zu 7 1 2  %, dann 100 000 £ zu 8 %, und wollte noch mehr haben zu 8 1 2  %. Da bekam aber selbst Chapman Angst. Es stellte sich nachher heraus, daß plötzlich eine bedeutende Summe Geldes dem Markt entzogen worden war. Aber, sagt Chapman, „ich habe doch eine bedeutende Summe zu 8 % ausgeliehen; weiter zu gehn hatte ich Angst; ich wußte nicht, was kommen würde.“

Man muß nie vergessen, daß obgleich ziemlich beständig 19 bis 20 Mill. Noten angeblich in der Hand des Publikums sind, doch einerseits der Theil dieser Noten, der wirklich cirkulirt, und andrerseits der, der unbeschäftigt als Reserve bei den Banken liegt, gegeneinander beständig und bedeutend variirt. Ist diese Reserve groß, also die wirkliche Cirkulation niedrig, so heißt das vom Standpunkt des Geldmarkts, daß die Cirkulation voll (the circulation is full, money is plentiful) ist; ist die Reserve klein, also die wirkliche Cirkulation voll, so nennt der Geldmarkt sie niedrig (the circulation is low, money is scarce); nämlich der Theil hat einen niedrigen Betrag, der unbeschäftigtes Leihkapital vorstellt. Wirkliche, von den Phasen des industriellen Cyklus unabhängige Expansion oder Kontraktion der Cirkulation – sodaß aber der Betrag, den das Publikum braucht, derselbe bleibt – findet nur aus technischen Gründen statt, z. B. an den Zahlungsterminen der Steuern oder der Zinsen der Staatsschuld. Bei Steuerzahlung fließen Noten und Gold in die Bank von England über das gewöhnliche Maß, und kontrahiren faktisch die Cirkulation, ohne Rücksicht auf das Bedürfniß für letztre. Umgekehrt wenn die Dividenden der Staatsschuld ausgezahlt werden. Im ersten Fall werden Anleihen bei der Bank gemacht um Cirkulationsmittel zu erhalten. Im letztren Fall sinkt der Zinsfuß bei den Privatbanken wegen des momentanen Wachsens ihrer Reserven. Es hat dies ||68| mit der absoluten Masse der Umlaufsmittel nichts zu thun, sondern nur mit der Bankfirma, die diese Umlaufsmittel in Cirkulation setzt, und für die sich dieser Proceß als Veräußerung von Leihkapital darstellt, und die daher den Profit davon in die Tasche steckt.

In dem einen Fall findet bloß temporäres Deplacement des cirkulirenden Mediums statt, das die B. v. E. dadurch ausgleicht, daß sie kurz vor Verfall der vierteljährlichen Steuern und der ebenfalls vierteljährlichen Dividenden kurze Vorschüsse zu niedrigen Zinsen macht; diese so ausgegebnen überzähligen Noten füllen nun zuerst die Lücke aus, die das Zahlen der Steuern verursacht während ihre Rückzahlung an die Bank gleich darauf den Notenüberfluß zurückbringt, den das Auszahlen der Dividenden ins Publikum geworfen.

In dem andern Fall ist niedrige oder volle Cirkulation immer nur andre Vertheilung derselben Masse Umlaufsmittel in aktive Circulation und Depositen, d. h. Instrument von Anleihen.

Andrerseits, wenn z. B. durch Goldzufluß zur Bank von England die Zahl der dagegen ausgegebnen Noten vermehrt wird, so helfen diese zum Diskontiren außerhalb der Bank, und fließen zurück in Abzahlung von Anleihen, sodaß die absolute Masse der cirkulirenden Noten nur momentan vermehrt wird.

Ist die Cirkulation voll, wegen Ausdehnung des Geschäfts (was auch bei relativ niedrigen Preisen möglich), so kann der Zinsfuß relativ hoch sein wegen Nachfrage nach Leihkapital in Folge steigender Profite und vermehrter Neuanlagen. Ist sie niedrig, wegen Kontraktion des Geschäfts oder auch wegen großer Flüssigkeit des Kredits, so kann der Zinsfuß niedrig sein auch bei hohen Preisen. (Siehe Hubbard.)

Die absolute Quantität der Cirkulation wirkt bestimmend auf den Zinsfuß nur in Zeiten der Klemme. Entweder drückt hier die Nachfrage nach voller Cirkulation nur Nachfrage für Mittel der Schatzbildung aus (abgesehn von der verminderten Geschwindigkeit, womit das Geld cirkulirt, und womit dieselben identischen Geldstücke sich beständig in Leihkapital umsetzen) wegen der Kreditlosigkeit, wie 1847, wo die Suspension des Bankakts keine Expansion der Cirkulation veranlaßte, aber hinreichte die aufgeschatzten Noten wieder ans Licht zu ziehen und in die Cirkulation zu werfen. Oder es kann wirklich unter den Umständen mehr Cirkulationsmittel erheischt sein, wie 1857 die Cirkulation nach der Suspension des Bankakts für einige Zeit wirklich wuchs.

Sonst wirkt die absolute Masse der Cirkulation nicht auf den ||69|Zinsfuß, da sie – Oekonomie und Geschwindigkeit des Umlaufs als konstant vorausgesetzt – erstens bestimmt ist durch die Preise der Waaren und die Masse der Transaktionen (wobei meist ein Moment die Wirkung des andern paralysirt), und endlich durch den Stand des Kredits, während sie keineswegs umgekehrt den letztren bestimmt; und da zweitens Waarenpreise und Zins in keinem nothwendigen Zusammenhang stehn.

Während des Bank-Restriction Act (1797-1820) fand ein Ueberfluß an currency statt, der Zinsfuß war stets viel höher als seit Wiederaufnahme der Baarzahlungen. Er fiel später rasch mit Einschränkung der Notenausgabe und steigenden Wechselkursen. 1822, 1823, 1832 war die allgemeine Cirkulation niedrig, der Zinsfuß ebenfalls niedrig. 1824, 1825, 1836 war die Cirkulation hoch, der Zinsfuß stieg. Sommer 1830 war die Cirkulation hoch, der Zinsfuß niedrig. Seit den Goldentdeckungen hat sich der Geldumlauf in ganz Europa expandirt, der Zinsfuß stieg. Der Zinsfuß hängt also nicht ab von der Menge des umlaufenden Geldes.

Der Unterschied zwischen Ausgabe von Umlaufsmittel und Ausleihen von Kapital zeigt sich am besten beim wirklichen Reproduktionsproceß. Wir haben dort (Buch II, Abschnitt III) gesehn, wie sich die verschiednen Bestandtheile der Produktion austauschen. Z. B. das variable Kapital besteht sachlich in den Lebensmitteln der Arbeiter, einem Theil ihres eignen Produkts. Es ist ihnen aber stückweise ausgezahlt worden in Geld. Dies muß der Kapitalist vorschießen, und es hängt sehr ab von der Organisation des Kreditwesens, ob er die nächste Woche das neue variable Kapital wieder auszahlen kann mit dem alten Geld, das er vorige Woche auszahlte. Ebenso in den Austauschakten zwischen den verschiednen Bestandtheilen eines gesellschaftlichen Gesammtkapitals, z. B. zwischen Konsumtionsmitteln und den Produktionsmitteln von Konsumtionsmitteln. Das Geld zu ihrer Cirkulation muß, wie wir gesehn haben, von einem oder beiden der Austauschenden vorgeschossen werden. Es bleibt dann in Cirkulation, kehrt aber nach vollendetem Austausch immer wieder zu dem zurück, der es vorschoß, da es von ihm über sein wirklich beschäftigtes industrielles Kapital hinaus vorgeschossen worden war (s. Buch II, 20. Kapitel). Bei entwickeltem Kreditwesen, wo sich das Geld in den Händen der Banken koncentrirt, sind sie es, wenigstens nominell, die es vorschießen. Dieser Vorschuß bezieht sich nur auf das in Cirkulation befindliche Geld. Es ist Vorschuß von Cirkulation, nicht Vorschuß der Kapitale, die es cirkulirt. |

|70| Chapman: „5062. Es können Zeiten vorkommen, wo die Banknoten in der Hand des Publikums einen sehr großen Betrag ausmachen, und dennoch keine zu haben sind.“ Geld ist auch während der Panik da; aber jeder hütet sich wohl, es in leihbares Kapital, in leihbares Geld zu verwandeln; jeder hält es fest für wirkliches Zahlungsbedürfniß.

„5099. Die Banken in den ländlichen Bezirken schicken ihre unbeschäftigten Ueberschüsse an Sie und andre Londoner Häuser? – Jawohl. 5100. Auf der andren Seite lassen die Fabrikdistrikte von Lancashire und Yorkshire Wechsel bei Ihnen diskontiren für ihre Geschäftszwecke? – Jawohl. – 5101. Sodaß auf diesem Wege das überschüssige Geld eines Landestheils nutzbar gemacht wird für die Anforderungen eines andern Landestheils? – Ganz richtig.“

Chapman sagt, die Sitte der Banken, ihr überschüssiges Geldkapital für kürzere Zeit im Ankauf von Konsols und Schatzscheinen anzulegen, habe in der letzten Zeit sehr abgenommen, seitdem es Gebrauch geworden sei, dies Geld at call (von Tag zu Tag, jederzeit rückforderbar) auszuleihn. Er selbst hält den Ankauf solcher Papiere für sein Geschäft für höchst unzweckmäßig. Er legt es deßhalb in guten Wechseln an, von denen täglich ein Theil verfällt, sodaß er stets weiß auf wieviel flüssiges Geld er jeden Tag zu rechnen hat. ❲5001-5005.❳ –

Selbst das Wachsen der Ausfuhr stellt sich mehr oder weniger für jedes Land, zumeist aber für das Land, das Kredit gibt, als wachsende Anforderung auf den inländischen Geldmarkt dar, die aber erst in Zeiten der Klemme als solche gefühlt wird. In Zeiten wo die Ausfuhr zunimmt, werden gegen Konsignationen brittischer Fabrikate in der Regel langsichtige Wechsel von Fabrikanten auf den Exportkaufmann gezogen. (5126.) „5127. Ist es nicht häufig der Fall, daß ein Uebereinkommen existirt, daß diese Wechsel von Zeit zu Zeit erneuert werden? ❲Chapman.❳ Dies ist eine Sache, die sie uns geheimhalten; wir würden keinen Wechsel derart zulassen. … Es mag sicherlich geschehn, aber ich kann über etwas derartiges nichts sagen.“ ❲Der unschuldige Chapman.❳ „5123. Wenn eine große Zunahme der Ausfuhr stattfindet, wie allein im letzten Jahr von 20 Mill. £, führt das nicht von selbst zu einer großen Nachfrage nach Kapital für den Diskonto von Wechseln, die diese Ausfuhren vorstellen? – Unzweifelhaft. – 5130. Da England in der Regel dem Ausland für alle seine Ausfuhren Kredit gibt, würde das nicht die Absorption eines ent ||71|sprechenden Zusatzkapitals bedingen, für die Zeit wo dies dauert? – England gibt einen ungeheuren Kredit; aber dagegen nimmt es Kredit für seine Rohstoffe. Man zieht auf uns von Amerika immer auf 60 Tage, und von andern Gegenden auf 90 Tage. Auf der andern Seite geben wir Kredit; wenn wir Waaren nach Deutschland schikken, geben wir 2 oder 3 Monate.“

Wilson fragt Chapman (5131), ob gegen diese importirten Rohstoffe und Kolonialwaaren nicht gleichzeitig mit deren Verladung bereits Wechsel auf England gezogen werden, und ob sie nicht schon selbst gleichzeitig mit den Ladescheinen ankommen? Chapman glaubt so, weiß nichts von diesen „kaufmännischen“ Geschäften, man solle kundigere Leute fragen. - Im Export nach Amerika, sagt Chapman, würden „die Waaren im Transit symbolisirt“; dies Kauderwelsch soll heißen, daß der englische Exportkaufmann gegen die Waaren auf eins der großen amerikanischen Bankhäuser in London Viermonatswechsel zieht, und das Bankhaus von Amerika Deckung erhält.

„5136. Werden nicht in der Regel die Geschäfte nach weit entlegnen Ländern durch den Kaufmann geführt, der auf sein Kapital wartet, bis die Waaren verkauft sind? – Es mag Häuser von großem Privatreichthum geben, die im Stande sind ihr eignes Kapital auszulegen, ohne Vorschüsse auf die Waaren zu nehmen; aber diese Waaren werden meistens in Vorschüsse verwandelt durch die Accepte wohlbekannter Firmen. – 5137. Diese Häuser sind etablirt … in London, Liverpool und anderswo. 5138. Es macht also keinen Unterschied, ob der Fabrikant sein eignes Geld hergeben muß, oder ob er einen Kaufmann in London oder Liverpool bekommt, der es vorschießt; es bleibt immer ein in England gemachter Vorschuß? – Ganz richtig. Der Fabrikant hat nur in wenigen Fällen etwas damit zu thun“ ❲dagegen 1847 in fast allen Fällen❳. „Ein Händler in Fabrikaten, z. B. in Manchester, kauft Waaren und verschifft sie durch ein respektables Haus in London; sobald das Londoner Haus sich überzeugt hat, daß alles nach Uebereinkunft verpackt ist, zieht er Sechsmonatswechsel auf das Londoner Haus gegen diese nach Indien, China, oder sonst wohin gehenden Waaren; dann kommt die Bankwelt herein und diskontirt ihm diese Wechsel; sodaß um die Zeit, wo er für diese Waaren zu zahlen hat, er das Geld bereit liegen hat vermöge der Diskontirung jener Wechsel. – 5139. Aber wenn jener auch das Geld hat, so hat der Bankier es doch vorschießen müssen? – Der Bankier hat den Wechsel; der Bankier ||72|hat den Wechsel gekauft; er verwendet sein Bankkapital in dieser Form, nämlich im Diskontiren von Handelswechseln.“ ❲Also auch Chapman sieht das Diskontiren von Wechseln nicht als Vorschuß an, sondern als Waarenkauf. – F. E.❳ – „5140. Aber das bildet doch immer einen Theil der Anforderungen an den Geldmarkt in London? – Unzweifelhaft; es ist das die wesentliche Beschäftigung des Geldmarkts und der Bank von England. Die Bank von England ist ebenso froh diese Wechsel zu bekommen wie wir, sie weiß, daß sie eine gute Anlage sind. – 5141. Auf die Weise, wie das Exportgeschäft wächst, wächst auch die Nachfrage im Geldmarkt? – Im Maß wie die Prosperität des Landes wächst, nehmen wir“ ❲die Chapman's❳ „mit Theil daran. 5142. Wenn also diese verschiednen Felder der Kapitalanlage sich plötzlich ausdehnen, so ist die natürliche Folge ein Steigen des Zinsfußes? Kein Zweifel daran.“

5143 kann Chapman „nicht ganz begreifen, daß bei unsern großen Ausfuhren wir so viel Verwendung für Gold hatten“.

5144 fragt der würdige Wilson: „Kann es nicht sein, daß wir größre Kredite auf unsre Ausfuhr geben als wir auf unsre Einfuhr nehmen? – Ich selbst möchte diesen Punkt bezweifeln. Wenn jemand gegen seine nach Indien gesandten Manchester-Waaren acceptiren läßt, so können Sie nicht für weniger als 10 Monate acceptiren. Wir haben, und das ist ganz sicher, Amerika für seine Baumwolle bezahlen müssen, einige Zeit ehe Indien uns bezahlt; aber wie das wirkt, das zu untersuchen, ist ein ziemlich feiner Punkt. – 5145. Wenn wir, wie im vorigen Jahr, eine Zunahme der Ausfuhr von Manufakturwaaren von 20 Mill. £ hatten, so müssen wir doch vorher schon eine sehr bedeutende Zunahme der Einfuhr von Rohstoffen gehabt haben“ ❲und schon in dieser Weise ist Ueberexport identisch mit Ueberimport, und Ueberproduktion mit Ueberhandel❳ „um diese vermehrte Quantität von Waaren zu produciren? – Unzweifelhaft; wir müssen eine sehr beträchtliche Bilanz zu zahlen gehabt haben; d. h. die Bilanz muß während der Zeit gegen uns gewesen sein, aber auf die Dauer ist der Wechselkurs mit Amerika für uns, und wir haben seit längrer Zeit bedeutende Zufuhren von Edelmetall von Amerika erhalten.“

5148 fragt Wilson den Erzwucherer Chapman, ob er seine hohen Zinsen nicht als Zeichen großer Prosperität und hoher Profite betrachte. Chapman, offenbar erstaunt über die Naivität dieses Sykophanten, bejaht dies natürlich, ist jedoch aufrichtig genug, ||73| folgende Klausel zu machen: „Es gibt einige, die sich nicht anders helfen können; sie haben Verpflichtungen zu erfüllen, und sie müssen sie erfüllen, ob es profitlich ist oder nicht; aber wenn er dauert“ ❲der hohe Zinsfuß❳ „würde er Prosperität anzeigen.“ Beide vergessen, daß er auch anzeigen kann, wie 1857 der Fall war, daß die fahrenden Ritter des Kredits das Land unsicher machen, die hohen Zins zahlen können, weil sie ihn aus fremder Tasche zahlen (dabei aber den Zinsfuß für alle bestimmen helfen) und inzwischen flott auf anticipirte Profite leben. Gleichzeitig kann grade dies übrigens für Fabrikanten u. s. w. ein wirklich sehr profitables Geschäft abwerfen. Die Rückflüsse werden durch das Vorschußsystem vollständig trügerisch. Dies erklärt auch folgendes, was mit Bezug auf die Bank v. E. keiner Erklärung bedarf, weil sie bei hohem Zinsfuß niedriger diskontirt als die andern.

„5156. Ich kann wohl sagen, sagt Chapman, daß unsre Diskontobeträge im gegenwärtigen Augenblick, wo wir für so lange Zeit einen hohen Zinsfuß hatten, auf ihrem Maximum sind.“ ❲Dies sagte Chapman am 21. Juli 1857, ein paar Monate vor dem Krach.❳ „5157. 1852“ ❲wo der Zins niedrig❳ „waren sie bei weitem nicht so groß.“ Weil in der That damals das Geschäft noch viel gesunder war.

„5159. Wenn eine große Geldüberflutung auf dem Markt wäre … und der Bankdiskonto niedrig, würden wir eine Abnahme von Wechseln haben … 1852 waren wir in einer ganz andern Phase. Die Ausfuhren und Einfuhren des Landes waren damals gar nichts verglichen mit heute. – 5161. Unter dieser hohen Diskontorate sind unsre Diskontirungen ebenso groß wie 1854.“ ❲Wo der Zins 5-5 1 2  %.❳

Höchst amüsant ist im Zeugenverhör des Chapman, wie diese Leute in der That das Geld des Publikums als ihr Eigenthum betrachten, und ein Recht zu haben glauben auf stete Konvertibilität der von ihnen diskontirten Wechsel. Die Naivität in den Fragen und Antworten ist groß. Es wird Pflicht der Gesetzgebung, die von großen Häusern acceptirten Wechsel immer konvertibel zu machen; dafür zu sorgen, daß die Bank von England sie unter allen Umständen den billbrokers wieder weiter diskontirt. Und dabei fallirten 1857 drei solche billbrokers mit ungefähr 8 Millionen, und einem gegen diese Schulden verschwindenden eignen Kapital. – „5177. Wollen Sie damit sagen, daß nach Ihrer Meinung sie ❲Accepte von Barings oder Loyds❳ zwangsmäßig diskontirbar sein sollten, in der Art wie eine Note der Bank von ||74| England jetzt zwangsmäßig gegen Gold einwechselbar ist? – Ich bin der Ansicht, daß es eine sehr beklagenswerthe Sache sein würde, wenn sie nicht diskontirbar wären; eine höchst außerordentliche Lage, daß ein Mann die Zahlungen einstellen müßte, weil er Accepte von Smith, Payne & Co. oder Jones, Loyd & Co. besitzt und sie nicht diskontiren kann. – 5178. Ist nicht das Accept von Baring's eine Verpflichtung, eine gewisse Summe Geldes zu zahlen, wenn der Wechsel verfällt? – Das ist ganz richtig; aber die Herren Baring, wenn sie eine solche Verpflichtung übernehmen, wie jeder Kaufmann, wenn er eine solche Verpflichtung übernimmt, denken nicht im Traum daran, daß sie das werden in Sovereigns bezahlen müssen; sie rechnen darauf, daß sie es im Clearing House bezahlen werden. – 5180. Meinen Sie dann, es müsse eine Art Maschinerie erdacht werden, vermittelst deren das Publikum ein Recht hätte, Geld zu empfangen vor Verfall des Wechsels dadurch daß jemand anders ihn diskontiren müßte? – Nein, nicht vom Acceptanten; aber wenn Sie damit meinen, daß wir nicht die Möglichkeit haben sollen, kommercielle Wechsel diskontirt zu bekommen, dann müssen wir die ganze Verfassung der Dinge ändern. – 5182. Sie glauben also er ❲ein Handelswechsel❳ müßte in Geld konvertibel sein, genau so wie eine Note der Bank von England in Gold konvertibel sein muß? – Ganz entschieden, unter gewissen Umständen. – 5184. Sie glauben also, daß die Einrichtungen der currency so gestaltet werden müßten, daß ein Handelswechsel von unbezweifelter Solidität zu allen Zeiten ebenso leicht gegen Geld umwechselbar wäre wie eine Banknote? – Das glaube ich. – 5185. Sie gehn nicht soweit zu sagen, daß, sei es die Bank von England, sei es irgend jemand anders, gesetzlich gezwungen werden sollte ihn einzuwechseln? – Ich gehe allerdings soweit zu sagen, daß wenn wir ein Gesetz zur Regelung der currency machen, wir Vorkehrungen treffen sollten die Möglichkeit zu verhindern, daß eine Inkonvertibilität der inländischen Handelswechsel eintritt, soweit diese Wechsel unbezweifelt solid und legitim sind.“ – Dies ist die Konvertibilität des Handelswechsels gegen die Konvertibilität der Banknote.

„5189. Die Geldhändler des Landes repräsentiren thatsächlich nur das Publikum“ – wie Herr Chapman später vor den Assisen im Fall Davison. Siehe die Great City Frauds.

„5196. Während der Quartalzeiten“ ❲wenn die Dividenden gezahlt werden❳ „ist es … absolut nöthig, daß wir uns an die Bank von England wenden. Wenn Sie aus der Cirkulation 6 oder ||75| 7 Millionen Staatseinkommen in Anticipation der Dividenden herausnehmen, so muß irgend jemand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit zur Verfügung stellt.“ – ❲In diesem Fall handelt es sich also um Zufuhr von Geld, nicht von Kapital oder Leihkapital.❳

„5169. Jeder der unsre Handelswelt kennt, muß wissen, daß wenn wir in einer solchen Lage sind, daß Schatzscheine unverkäuflich werden, daß Obligationen der ostindischen Kompagnie vollkommen nutzlos sind, daß man die besten Handelswechsel nicht diskontiren kann, eine große Besorgniß herrschen muß bei denen, deren Geschäft sie in den Fall bringt, auf einfaches Verlangen augenblicklich Zahlungen im landesüblichen Cirkulationsmittel zu machen, und dies ist der Fall mit allen Bankiers. Die Wirkung davon ist dann, daß jedermann seine Reserve verdoppelt. Nun sehn Sie mal, was die Wirkung davon im ganzen Lande ist, wenn jeder Landbankier, deren es ungefähr 500 gibt, seinen Londoner Korrespondenten zu beauftragen hat, ihm 5000 £ in Banknoten zu remittiren. Selbst wenn wir eine so kleine Summe als Durchschnitt nehmen, was schon ganz absurd ist, kommen wir auf 2 1 2 Mill. £, die der Cirkulation entzogen werden. Wie sollen die ersetzt werden?“

Andrerseits wollen die Privatkapitalisten etc., die Geld haben, es zu keinem Zins hergeben, denn sie sagen nach Chapman: „5194. Wir wollen lieber gar keine Zinsen haben, als im Zweifel sein, ob wir das Geld bekommen können, falls wir es brauchen.“

„5173. Unser System ist dies: Wir haben 300 Mill. £ Verpflichtungen, deren Bezahlung in laufender Landesmünze in einem einzigen gegebnen Moment verlangt werden kann; und diese Landesmünze, wenn wir sie alle darauf verwenden, beträgt 23 Mill. £, oder wie viel es sein mag; ist das nicht ein Zustand, der uns jeden Augenblick in Konvulsionen werfen kann?“ Daher in den Krisen der plötzliche Umschlag des Kreditsystems in das Monetarsystem.

Abgesehn von der inländischen Panik in den Krisen, kann von Quantität des Geldes nur die Rede sein, soweit es Metall betrifft, das Weltgeld. Und grade dies schließt Chapman aus, er spricht nur von 23 Mill. Bank- noten.

Derselbe Chapman: „5218. Die ursprüngliche Ursache der Störung im Geldmarkt“ ❲April und später Oktober 1847❳ „war unbezweifelt in der Menge des Geldes, das erforderlich war um die Wechselkurse zu reguliren, in Folge der außerordentlichen Einfuhren des Jahres.“

Erstens war dieser Schatz des Weltmarktsgeldes damals auf sein ||76|Minimum reducirt. Zweitens diente er zugleich als Sicherheit für die Konvertibilität des Kreditgeldes, der Banknoten. Er vereinigte so zwei ganz verschiedne Funktionen, die aber beide aus der Natur des Geldes hervorgehn, da das wirkliche Geld stets Weltmarktsgeld ist, und das Kreditgeld stets auf dem Weltmarktsgeld beruht.

1847, ohne Suspension des Bankakts von 1844, „hätten die Clearing Houses ihre Geschäfte nicht erledigen können“. (5221.)

Daß Chapman doch eine Ahnung der bevorstehenden Krise hatte: „5236. Es gibt gewisse Lagen des Geldmarktes (und die gegenwärtige ist nicht sehr entfernt davon), wo Geld sehr schwierig ist, und man zur Bank seine Zuflucht nehmen muß.“

„5239. Was die Summen angeht, die wir von der Bank entnahmen am Freitag, Samstag und Montag, den 19., 20. und 22. Oktober 1847, so wären wir nur zu dankbar gewesen am folgenden Mittwoch, hätten wir die Wechsel zurückbekommen können; das Geld floß augenblicklich zu uns zurück, sobald die Panik vorüber war.“ – Am Dienstag 23. Oktober wurde nämlich der Bankakt suspendirt und die Krise war damit gebrochen.

Chapman glaubt 5274, daß die gleichzeitig auf London schwebenden Wechsel 100-120 Mill. £ betragen. Dies begreift nicht die Lokalwechsel auf Provinzialplätze.

„5287. Während im Oktober 1856 der Notenbetrag in den Händen des Publikums auf 21 155 000 £ stieg, war doch eine ganz außerordentliche Schwierigkeit Geld zu bekommen; trotzdem daß das Publikum so viel in der Hand hatte, konnten wir es nicht in die Finger bekommen.“ Nämlich in Folge der Besorgnisse, erzeugt durch die Klemme, in der sich die Eastern Bank eine Zeit lang (März 1856) befunden hatte.

5190-92. Sobald die Panik einmal vorüber, „fangen alle Bankiers, die ihren Profit aus dem Zins machen, sofort an ihr Geld zu beschäftigen“.

5302. Chapman erklärt die Beunruhigung bei Abnahme der Bankreserve nicht aus Furcht wegen der Depositen, sondern weil alle diejenigen, die große Geldsummen plötzlich zu zahlen in den Fall kommen können, sehr wohl wissen, daß sie zur Bank als letzter Hülfsquelle bei Klemme im Geldmarkt getrieben werden können; und „wenn die Bank eine sehr kleine Reserve hat, ist sie nicht erfreut, uns zu empfangen, im Gegentheil“.

Es ist übrigens schön, wie die Reserve als faktische Größe verschwindet. Die Bankiers halten ein Minimum für ihr laufendes Geschäft theils bei sich, theils bei der Bank von England. Die ||77| billbrokers halten das „lose Bankgeld des Landes“ ohne Reserve. Und die Bank v. E. hat gegen ihre Depositenschulden nur die Reserve der Bankiers und anderer, nebst public deposits etc., die sie auf den niedrigsten Punkt kommen läßt, z. B. bis auf 2 Mill. Außer diesen 2 Mill. Papier hat daher dieser ganze Schwindel, in Zeiten der Klemme (und diese vermindert die Reserve, weil die Noten, die gegen abfließendes Metall eingehn, annullirt werden müssen) absolut keine andre Reserve als den Metallschatz, und daher steigert jede Verminderung desselben durch Goldabfluß die Krise.

„5306. Wenn kein Geld vorhanden wäre, um die Ausgleichungen im Clearing House zu erledigen, so sehe ich nicht, daß uns etwas andres übrig bliebe als zusammen zu kommen, und unsre Zahlungen in Primawechseln zu machen, Wechseln auf das Schatzamt, Smith, Payne & Co. etc. – 5307. Also, falls die Regierung ermangelte, Sie mit Cirkulationsmittel zu versehn, würden Sie eins für sich selbst schaffen? – Was können wir thun? Das Publikum kommt herein und nimmt uns das Cirkulationsmittel aus der Hand; es existirt nicht. – 5308. Sie würden also bloß das in London thun, was man in Manchester jeden Tag thut? – Jawohl.“

Sehr gut ist die Antwort Chapman's auf die Frage, die Cayley (Birmingham-man der Attwoodschen Schule) mit Bezug auf Overstone's Vorstellung von Kapital stellt: „5315. Es ist vor dem Komité ausgesagt worden, daß in einer Klemme wie die von 1847, man sich nicht nach Geld umsieht, sondern nach Kapital; was ist Ihre Meinung darüber? – Ich verstehe Sie nicht; wir handeln nur in Geld; ich verstehe nicht, was Sie damit meinen. – 5316. Wenn Sie darunter“ ❲kommercielles Kapital❳ „die Menge des ihm selbst gehörigen Geldes verstehn, das ein Mann in seinem Geschäft hat, wenn Sie das Kapital nennen, so bildet das meistens einen sehr geringen Theil des Geldes, womit er in seinen Geschäften wirthschaftet, vermittelst des Kredits, den ihm das Publikum gibt“ – durch die Vermittlung der Chapmans.

„5339. Ist es Mangel an Reichthum, daß wir unsre Baarzahlungen suspendiren? – Keineswegs; … wir haben keinen Mangel an Reichthum, sondern wir bewegen uns unter einem höchst künstlichen System, und wenn wir eine ungeheure drohende (superincumbent) Nachfrage nach unserm Cirkulationsmittel haben, so mögen Umstände eintreten, die uns verhindern, dieses Cirkulationsmittels habhaft zu werden. Soll deswegen die ganze kommercielle Industrie des Landes lahmgelegt werden? Sollen wir alle Zugänge der Beschäftigung zuschließen? – 5338. Sollten wir vor die ||78| Frage gestellt werden, was wir aufrecht erhalten wollen, die Baarzahlungen oder die Industrie des Landes, so weiß ich, welches von beiden ich fallen ließe.“

Ueber Aufschatzung von Banknoten „mit der Absicht die Klemme zu verschärfen, und von den Folgen Nutzen zu ziehn“ ❲5358❳ sagt er, daß dies sehr leicht geschehen kann. Drei große Banken würden dazu hinreichen. „5383. Muß es Ihnen nicht bekannt sein, als einem mit den großen Geschäften unsrer Hauptstadt vertrauten Mann, daß Kapitalisten diese Krise benutzen, um enorme Profite zu machen aus dem Ruin derjenigen, die zum Opfer fallen? – Daran kann kein Zweifel sein.“ Und Herrn Chapman dürfen wir dies glauben, obwohl er schließlich über dem Versuch „aus dem Ruin der Opfer enorme Profite zu machen“, kommerciell den Hals gebrochen hat. Denn wenn sein Associé Gurney sagt: jede Aenderung im Geschäft ist vortheilhaft für den, der Bescheid weiß, so sagt Chapman: „Der eine Theil der Gesellschaft weiß nichts vom andern; da ist z. B. der Fabrikant, der nach dem Kontinent exportirt, oder seinen Rohstoff importirt, er weiß nichts von dem andern, der in Goldbarren macht.“ (5046.) Und so geschah es, daß eines Tags Gurney und Chapman selbst nicht „Bescheid wußten“ und einen berüchtigten Bankerott machten.

Wir sahen schon oben, daß Ausgabe von Noten nicht in allen Fällen Vorschuß von Kapital bedeutet. Die jetzt folgende Aussage von Tooke vor dem C. D. Ausschuß der Lords 1848 beweist nur, daß Kapitalvorschuß, selbst wenn von der Bank durch Ausgabe neuer Noten bewerkstelligt, nicht ohne weiteres eine Vermehrung der Menge der umlaufenden Noten bedeutet:

„3099. Glauben Sie, daß die B. v. E. z. B. ihre Vorschüsse bedeutend erweitern könne, ohne daß dies zu vermehrter Notenausgabe führte? – Es liegen Thatsachen im Ueberfluß vor, die dies beweisen. Eins der schlagendsten Beispiele war 1835, wo die Bank von den westindischen Depositen und von der Anleihe bei der ostindischen Kompagnie Gebrauch machte zu vermehrten Vorschüssen ans Publikum; da nahm zur selben Zeit der Notenbetrag in den Händen des Publikums thatsächlich etwas ab. … Etwas ähnliches ist bemerkbar 1846 zur Zeit der Einzahlungen der Eisenbahndepositen in die Bank; die Werthpapiere ❲in Diskonto und Depôtot❳ stiegen auf ungefähr 30 Mill., während keine merkliche Wirkung eintrat auf den Notenbetrag in der Hand des Publikums.“

Neben den Banknoten aber hat der Großhandel ein zweites und für ihn weit wichtigeres Cirkulationsmittel: die Wechsel. Herr ||79| Chapman hat uns gezeigt, wie wesentlich es ist für einen regelmäßigen Geschäftsgang, daß gute Wechsel überall und unter allen Umständen in Zahlung genommen werden: gilt nicht mehr der Tausves Jontof, was soll gelten, Zeter, Zeter! Wie verhalten sich nun diese beiden Umlaufsmittel zu einander?

Gilbart sagt hierüber: „Die Beschränkung des Betrags der Notencirkulation vermehrt regelmäßig den Betrag der Wechselcirkulation. Die Wechsel sind zweierlei Art – Handelswechsel und Bankierwechsel – … wird das Geld selten, so sagen die Geldverleiher: ‚Ziehen Sie auf uns und wir werden acceptiren‛, und wenn ein Provinzialbankier einem Kunden einen Wechsel diskontirt, so gibt er ihm nicht baares Geld, sondern seine eigne Tratte für 21 Tage auf seinen Londoner Agenten. Diese Wechsel dienen als ein Cirkulationsmittel.“ (G. W. Gilbart, An Inquiry into the Causes of the Pressure etc. p. 31.)

Dies wird, in etwas modificirter Form, bestätigt durch Newmarch, B. A. 1857, No. 1426:

„Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Schwankungen im Betrag der cirkulirenden Wechsel und denen in den cirkulirenden Banknoten … das einzige ziemlich gleichmäßige Resultat ist … daß sobald die geringste Klemme im Geldmarkt eintritt, wie eine Steigerung der Diskontrate sie anzeigt, der Umfang der Wechselcirkulation bedeutend vermehrt wird und umgekehrt.“

Die in solchen Zeiten gezognen Wechsel sind aber keineswegs nur die kurzen Bankwechsel, die Gilbart erwähnt. Im Gegentheil; es sind zum großen Theil Akkommodationswechsel, die gar kein wirkliches Geschäft repräsentiren oder nur Geschäfte, die bloß eingeleitet wurden um darauf hin Wechsel ziehen zu können; von beidem haben wir Beispiele genug gegeben. Daher sagt der Economist (Wilson), die Sicherheit solcher Wechsel vergleichend mit der der Banknoten: „Bei Vorzeigung zahlbare Banknoten können nie im Uebermaß draußen bleiben, weil das Uebermaß immer zur Bank zur Auswechslung zurückfließen würde, während Zweimonats-Wechsel in großem Uebermaß ausgegeben werden können, da es kein Mittel gibt, die Ausgabe zu kontroliren, bis sie verfallen, wo sie dann vielleicht schon wieder durch andre ersetzt sind. Daß eine Nation die Sicherheit der Cirkulation von Wechseln, zahlbar an einem künftigen Termin, zugeben, dagegen aber Bedenken erheben sollte gegen eine Cirkulation von Papiergeld, zahlbar bei Vorzeigung, ist für uns vollständig unbegreiflich.“ (Economist, 1847. p. 572.) |

|80| Die Menge der cirkulirenden Wechsel ist also, wie die der Banknoten, lediglich bestimmt durch die Bedürfnisse des Verkehrs; in gewöhnlichen Zeiten cirkulirten in den fünfziger Jahren im Vereinigten Königreich neben 39 Mill. Banknoten ungefähr 300 Mill. Wechsel, davon 100-120 Mill. auf London allein. Der Umfang, worin die Wechsel cirkuliren, hat keinen Einfluß auf den Umfang der Notencirkulation, und wird von diesem letzteren beeinflußt nur in Zeiten der Geldknappheit, wo die Quantität der Wechsel zunimmt und ihre Qualität sich verschlechtert. Endlich, im Moment der Krise, versagt die Wechselcirkulation gänzlich; kein Mensch kann Zahlungsversprechen brauchen, da jeder nur Baarzahlung nehmen will; nur die Banknote bewahrt, wenigstens bis jetzt in England, die Umlaufsfähigkeit, da die Nation mit ihrem Gesammtreichthum hinter der Bank von England steht. Wir haben gesehn, wie selbst Herr Chapman, der doch 1857 selbst ein Magnat auf dem Geldmarkt war, sich bitter darüber beklagt, daß es in London mehrere große Geldkapitalisten gebe, stark genug um in einem gegebnen Moment den ganzen Geldmarkt in Unordnung zu bringen und dadurch die kleineren Geldhändler schmählichst zu schröpfen. So gebe es mehrere solche große Haifische, die eine Klemme bedeutend verschärfen könnten, indem sie 1-2 Millionen Konsols verkauften und dadurch einen gleichen Betrag von Banknoten (und gleichzeitig von disponiblem Leihkapital) aus dem Markt nähmen. Durch ein gleiches Manöver eine Klemme in eine Panik zu verwandeln, dazu würde das Zusammenwirken dreier großer Banken hinreichen.

Die größte Kapitalmacht in London ist natürlich die Bank von England, die aber durch ihre Stellung als halbes Staatsinstitut in die Unmöglichkeit versetzt ist, ihre Herrschaft in so brutaler Weise kund zu thun. Trotzdem weiß auch sie Mittel und Wege genug – namentlich seit dem Bankakt von 1844 – wie sie ihr Schäfchen ins Trockne bringt.

Die Bank von England hat ein Kapital von 14 553 000 £, und verfügt außerdem über circa 3 Millionen £ „Rest“, d. h. unvertheilte Profite, sowie über alle bei der Regierung für Steuern etc. eingehenden Gelder, die bei ihr deponirt werden müssen, bis sie gebraucht werden. Rechnet man hierzu noch die Summe der sonstigen Depositengelder (in gewöhnlichen Zeiten etwa 30 Mill. £) und der ungedeckt ausgegebnen Banknoten, so wird man Newmarch's Schätzung noch ziemlich mäßig finden, wenn dieser (B. A. 1857 ||81| No. 1889) sagt: „ich habe mich überzeugt, daß die Gesammtsumme der fortwährend im ❲Londoner❳ Geldmarkt beschäftigten Fonds auf ungefähr 120 Mill. £ angeschlagen werden kann; und von diesen 120 Millionen verfügt die Bank v. E. über einen sehr bedeutenden Theil, gegen 15-20 %.“

Soweit die Bank Noten ausgibt, die nicht durch den Metallschatz in ihren Gewölben gedeckt sind, kreirt sie Werthzeichen, die nicht nur Umlaufsmittel, sondern auch zusätzliches – wenn auch fiktives – Kapital für sie bilden zum Nominalbetrag dieser ungedeckten Noten. Und dies Zusatzkapital wirft ihr einen zusätzlichen Profit ab. – B. A. 1857, fragt Wilson den Newmarch: „1563. Die Cirkulation der eignen Banknoten einer Bank, d. h. der durchschnittlich in den Händen des Publikums verbleibende Betrag, bildet einen Zusatz zum effektiven Kapital jener Bank, nicht wahr? – Ganz gewiß. – 1564. Aller Profit also, den die Bank aus dieser Cirkulation zieht, ist ein Profit; der vom Kredit, und nicht von einem von ihr wirklich besessenen Kapital herstammt? – Ganz gewiß.“

Dasselbe gilt natürlich auch für die Noten ausgebenden Privatbanken. In seinen Antworten No. 1866-68 betrachtet Newmarch zweidrittel aller von diesen ausgegebnen Banknoten (für das letzte Drittel müssen diese Banken Metallreserve halten) als „Schöpfung von so viel Kapital“ weil Hartgeld zu diesem Betrag erspart wird. Der Profit des Bankiers mag deshalb nicht größer sein als der Profit andrer Kapitalisten. Die Thatsache bleibt, daß er den Profit zieht aus dieser nationalen Ersparung von Hartgeld. Daß eine nationale Ersparung als Privatprofit erscheint, choquirt gar nicht den bürgerlichen Oekonomen, da der Profit überhaupt Aneignung nationaler Arbeit ist. Gibt es etwas Verrückteres als z. B. die Bank von England 1797-1817, deren Noten nur durch den Staat Kredit haben, und die sich dann vom Staat, also vom Publikum, in der Form von Zinsen für Staatsanleihen, bezahlen läßt für die Macht, die der Staat ihr gibt, diese selben Noten aus Papier in Geld zu verwandeln und sie dann dem Staat zu leihen?

Die Banken haben übrigens noch andre Mittel Kapital zu kreiren. Nach demselben Newmarch haben die Provinzialbanken, wie schon oben erwähnt, die Gepflogenheit, ihre überflüssigen Fonds (d. h. Noten der B. v. E.) an Londoner billbrokers zu schicken, die ihnen dagegen diskontirte Wechsel zurückschicken. Mit diesen Wechseln bedient die Bank ihre Kunden, da es Regel für sie ist, die von ||82| ihren Lokalkunden empfangnen Wechsel nicht wieder auszugeben, damit nicht die Geschäftsoperationen dieser Kunden in ihrer eignen Nachbarschaft bekannt werden. Diese von London erhaltnen Wechsel dienen nicht nur dazu, an Kunden ausgegeben zu werden, die direkt Zahlungen in London zu machen haben, falls diese nicht vorziehn sich von der Bank eine eigne Anweisung auf London ausstellen zu lassen; sie dienen auch zur Erledigung von Zahlungen in der Provinz, denn das Endossement des Bankiers sichert ihnen den lokalen Kredit. Sie haben so, z. B. in Lancashire, alle eignen Noten von Lokalbanken und einen großen Theil der Bank v. E. Noten aus der Cirkulation verdrängt. (ibidem, 1568-74.)

Wir sehn hier also, wie die Banken Kredit und Kapital kreiren: 1) durch Ausgabe eigner Banknoten; 2) durch Ausstellung von Anweisungen auf London mit bis zu 21 Tagen Laufzeit, die ihnen aber bei Ausstellung gleich baar bezahlt werden; 3) durch Wegzahlung diskontirter Wechsel, deren Kreditfähigkeit zunächst und wesentlich, wenigstens für den betreffenden Lokalbezirk, durch das Endossement der Bank hergestellt wurde.

Die Macht der Bank von England zeigt sich in ihrer Regulirung der Marktrate des Zinsfußes. In Zeiten normalen Geschäftsverlaufs kann es vorkommen, daß die Bank v. E. einem mäßigen Goldabfluß aus ihrem Metallschatz nicht durch Erhöhung der Diskontorate12) einen Riegel vorschieben kann, weil der Bedarf an Zahlungsmitteln durch die Privat- und Aktienbanken und billbrokers, die in den letzten dreißig Jahren bedeutend an Kapitalmacht gewonnen, befriedigt wird. Aber für kritische Momente gilt noch immer, was der Bankier Glyn (von Glyn, Mills, Currie & Co.) vor dem C. D. 1848/57 aussagte: „1709. In Zeiten großer Klemme im Lande kommandirt die Bank v. E. den Zinsfuß. – 1710. In Zeiten außerordentlicher Klemme … wenn die Diskontirungen der Privatbankiers oder Brokers verhältnißmäßig eingeschränkt werden, fallen sie auf | |83| die Bank v. E., und dann hat sie die Macht, die Marktrate des Zinsfußes festzustellen.“

Allerdings darf sie, als öffentliches Institut unter Staatsschutz und mit Staatsprivilegien, diese ihre Macht nicht schonungslos ausnutzen, wie die Privatgeschäfte sich dies erlauben dürfen. Deßhalb sagt auch Hubbard vor dem Bankkomité B. A. 1857: „2844. ❲Frage❳ Ist es nicht der Fall, daß wenn die Diskontorate am höchsten, dann die Bank von England am wohlfeilsten bedient, und wenn am niedrigsten, dann die Brokers am wohlfeilsten? – ❲Hubbard:❳ Das wird immer der Fall sein, denn die Bank v. E. geht nie so sehr herunter wie ihre Konkurrenten, und wenn die Rate am höchsten, geht sie nie ganz so hoch hinauf.“

Trotzdem aber ist es ein ernsthaftes Ereigniß im Geschäftsleben, wenn die Bank in Zeiten der Klemme, nach dem landläufigen Ausdruck, die Schraube anzieht, d. h. den schon über dem Durchschnitt stehenden Zinsfuß noch höher setzt. „Sobald die Bank v. E. die Schraube anzieht, hören alle Einkäufe für Ausfuhr ins Ausland auf … die Exporteure warten, bis die Depression der Preise den niedrigsten Punkt erreicht hat, und erst dann und nicht früher kaufen sie ein. Aber wenn dieser Punkt erreicht ist, sind die Kurse schon wieder geregelt – Gold hört auf exportirt zu werden, ehe dieser niedrigste Punkt der Depression erreicht ist. Waarenkäufe für Export können möglicherweise einen Theil des auswärts gesandten Goldes zurückbringen, aber sie kommen zu spät, den Abfluß zu verhindern.“ (G. W. Gilbart, An Inquiry into the Causes of the Pressure on the Money Market. London 1840. p. 37.) „Eine andre Wirkung der Regulirung des Cirkulationsmittels vermittelst der auswärtigen Wechselkurse ist, daß sie in Zeiten der Klemme einen enormen Zinsfuß herbeiführt.“ (l. c., p. 40.) „Die Kosten, die aus der Wiederherstellung der Wechselkurse entstehn, fallen auf die produktive Industrie des Landes, während im Verlauf dieses Processes der Profit der Bank v. E. positiv dadurch gesteigert wird, daß sie ihr Geschäft mit einem geringern Betrag von Edelmetall fortführt.“ (l. c., p. 52.)

Aber, sagt Freund Samuel Gurney, „diese großen Schwankungen des Zinsfußes sind den Bankiers und Geldhändlern vortheilhaft – alle Schwankungen im Geschäft sind vortheilhaft für den, der Bescheid weiß.“ Und wenn auch die Gurneys den Rahm der rücksichtslosen Ausbeutung der Geschäftsnothlage abschöpfen, während die Bank v. E. sich dies nicht mit derselben Freiheit erlauben darf, so fallen auch für sie ganz hübsche Profite ab – ||84| von den Privatprofiten nicht zu sprechen, die den Herren Direktoren, in Folge ihrer ausnahmsweisen Gelegenheit zur Kenntnißnahme der allgemeinen Geschäftslage, von selbst in den Schooß fallen. Nach Angabe vor dem Lord's Committee 1817 bei Wiederaufnahme der Baarzahlungen, betrugen diese Profite der Bank von England für die gesammte Zeit von 1797-1817:

Bonuses and increased dividends7 451 136
New stock divided among proprietors7 276 500
Increased value of capital14 553 000
Summa29 280 636

auf ein Kapital von 11 642 100 £ in 19 Jahren. (D. Hardcastle, Banks and Bankers. 2nd ed. London 1843, p. 120.) Schätzen wir den Totalgewinn der Bank von Irland, die auch 1797 die Baarzahlungen suspendirte, nach demselben Princip, so erhalten wir folgendes Resultat:

Dividends as by returns due 18214 736 085
Declared bonus1 225 000
Increased assets1 214 800
Increased value of capital4 185 000
Summa11 360 885

auf ein Kapital von 3 Mill. £ (ibidem, p. 163).

Man spreche noch von Centralisation! Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Centralisation, und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu decimiren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen – und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu thun. Die Akte von 1844 und 45 sind Beweise der wachsenden Macht dieser Banditen, an die sich die Financiers und stockjobbers anschließen.

Wenn aber noch jemand zweifelt, daß diese ehrbaren Banditen die nationale und internationale Produktion ausbeuten nur im Interesse der Produktion und der Ausgebeuteten selbst, der wird sicher eines Bessern belehrt durch folgenden Exkurs über die hohe sittliche Würde des Bankiers: „Die Banketablissements sind religiöse und moralische Institutionen. Wie oft hat die Furcht, durch das wachsame und mißbilligende Auge seines Bankiers gesehn zu werden, den jungen Handelsmann abgeschreckt von der Gesellschaft lärmender und ausschweifender Freunde? Welche Angst ||85| hat er, gut in der Achtung des Bankiers zu stehn, immer respektabel zu erscheinen! Das Stirnrunzeln des Bankiers hat mehr Einfluß auf ihn, als die Moralpredigten seiner Freunde; zittert er nicht im Verdacht zu stehn, sich einer Täuschung oder der kleinsten unrichtigen Aussage schuldig gemacht zu haben, aus Furcht, dies könne Verdacht erregen, und in Folge dessen könne seine Bankakkomodation beschränkt oder gekündigt werden! Der Rath des Bankiers ist ihm wichtiger als der des Geistlichen.“ (G. M. Bell, schottischer Bankdirigent, The Philosophy of Joint Stock Banking. London 1840, p. 46, 47.)

Quelle: MEGA II/15: Das Kapital Kritik der politischen Ökonomie, Dritter Band, Seite 514-539