B. Dreizehn Briefe von Frau Jenny Marx
und Marx’ Töchtern Jenny und Eleanor
sowie ein Brief Wilhelm Liebknechts
1
Jenny Marx an Engels
in Manchester
[London, 10. August 1870]
Lieber Herr Engels,
Der Mohr und Jenny sind gestern morgen nach Ramsgate abgesegelt, um zu sehn, ob es möglich ist, dort unsre Zelte aufzuschlagen. Ich fürchte sehr, daß die Hausmiete enorm sein wird. Ich war schon mehre Male bei Mr. Smith, dem Hausagenten, um ihn zur Tätigkeit anzuspornen. Er behauptet, alle nötigen Schritte getan und an den Eigentümer in Manchester geschrieben zu haben. Von diesem vornehmen Herrn, dem die Sache keine Eile zu haben scheint, ist keine Antwort zu haben. Smith meint indessen, daß die Sache keine Gefahr für Sie habe und daß vollständige Zeit da sei, alles für Sie in Ordnung zu bringen. Er versprach, mir wieder zu schreiben; da ich aber bis heute noch keine Nachricht habe, so werde ich morgen wieder hingehn und resolut auftreten.
Soeben schickt Lafargue mehrere französische Zeitungen, von denen ich Ihnen eine, „Le Soir“, hier beilege. Vielleicht könnte Ihnen einiges darin für Ihre Militärartikel von Nutzen sein. Sie glauben nicht, welch ein Aufsehen dieselben hier machen! Sie sind aber auch ganz wunderbar klar und anschaulich geschrieben, und ich kann nicht umhin, Sie den jeune1 Moltke zu nennen.
Von den ekelhaften Schimpfereien im „Figaro“ etc. können Sie sich keinen Begriff machen. Sie wollen die Vandalen mit Haut und Haar verzehren, weil sie die Unverschämtheit hatten, sich zu konzentrieren und es wagen, den Fuß in sol sacré de la patrie2 zu setzen. Wie verdienen sie alle die preußischen Prügel; denn alle Franzosen, selbst das winzige Häufchen der Bessern, haben doch alle im fernsten Winkel des Herzens den Chauvinismus stecken. Der wird einmal herausgeklopft. Auch hier im Hause, wo man auch ein bißchen chauvinistisch gesinnt war, ist man empört über die Herrn mit ihrer civilis-a-a-ation und ihren Ideen, die sie so gütig waren, nach Deutschland, das kein sol sacré3 ist, bringen zu wollen.
Auf dem Stempel der Zeitungen, die Laura schickte, seh’ ich zu meinem Schrecken, daß sie noch in Levallois-Perret sind, also dicht an den Fortifikationen. Wir haben sie längst gewarnt, Paris zu verlassen und mit dem
kleinen Schnäpschen nach Bordeaux zu gehn. Sie wollen aber nicht hören, hoffentlich werden sie nicht zu fühlen haben. Ich schließe jetzt, um diese Zeilen noch zur Post zu bringen und zugleich nach der „Pall Mall“ zu stürzen, um zu sehn, ob keine „Notes on the war“ „Z.“ darin sind. Vorgestern brachte sie Ihren Artikel4 als first leader5, um noch mehr politisches Kapital daraus zu machen.
Die Peace league hat gestern der Internationalen 20 £ gegeben, um die Adresse in Deutschland und Frankreich zu verbreiten. Ich weiß nicht, ob dem Mohr Wilhelmchens6 Übersetzung recht sein wird. Die französische Übersetzung der braves Belges7 ist ganz miserabel; sie wird nur noch an fadaise8 übertroffen von der eben ankommenden Übertragung der braves suisses9.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau10 aufs herzlichste von mir.
In alter Freundschaft
Ihre
Jenny Marx