|542|ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL.
Verwandlung von Mehrwerth in Kapital.
Umschlag der Eigenthumsgesetze der Waarenproduktion in Gesetze der kapitalistischen Aneignung.
Früher hatten wir zu betrachten, wie der Mehrwerth aus dem Kapital, jetzt wie das Kapital aus dem Mehrwerth entspringt. Anwendung von Mehrwerth als Kapital oder Rückverwandlung von Mehrwerth in Kapital heißt Akkumulation des Kapitals21).
Betrachten wir diesen Vorgang zunächst vom Standpunkt des einzelnen Kapitalisten. Ein Spinner z. B. habe ein Kapital von 10000 Pfd. St. vorgeschossen, wovon vier Fünftel in Baumwolle, Maschinen etc., das letzte Fünftel in Arbeitslohn. Er producire jährlich 240000 Pfd. Garn zum Wert von 12000 Pfd. St. Bei einer Rate des Mehrwerths von 100 % steckt der Mehrwerth im Mehrprodukt oder Nettoprodukt von 40000 Pfd. Garn, einem Sechstel des Bruttoprodukts, zum Werth von 2000 Pfd. Sterling, den der Verkauf realisiren wird. Eine Werthsumme von 2000 Pfd. St. ist eine Werthsumme von 2000 Pfd. St. Man riecht und sieht diesem Gelde nicht an, daß es Mehrwerth ist. Der Charakter eines Werths als Mehrwerth zeigt, wie er zu seinem Eigner kam, ändert aber nichts an der Natur des Werths oder des Geldes.
Um die neu hinzugekommne Summe von 2000 Pfd. St. in Kapital zu verwandeln, wird also der Spinner, alle andern Umstände gleichbleibend, vier Fünftel davon vorschießen im Ankauf von Baumwolle u. s. w. und ein Fünftel im Ankauf neuer Spinnarbeiter, die auf dem Markte die Lebensmittel finden werden, deren Werth er ihnen vorgeschossen hat. Dann fungirt das neue Kapital von ||543| 2000 Pfd. St. in der Spinnerei und bringt seinerseits einen Mehrwerth von 400 Pfd. ein.
Der Kapitalwerth war ursprünglich vorgeschossen in Geldform; der Mehrwerth dagegen existirt von vornherein als Werth eines bestimmten Theils des Bruttoprodukts. Wird dieses verkauft, in Geld verwandelt, so gewinnt der Kapitalwerth seine ursprüngliche Form wieder, aber der Mehrwerth verwandelt seine ursprüngliche Daseinsweise. Von diesem Augenblick an sind jedoch Kapitalwerth und Mehrwerth beides Geldsummen, und ihre Wiederverwandlung in Kapital vollzieht sich auf ganz dieselbe Weise. Die eine wie die andre legt der Kapitalist an im Ankauf der Waaren, die ihn in Stand setzen, die Verfertigung seines Artikels von Neuem zu beginnen und zwar dießmal auf erweiterter Stufenleiter. Um aber diese Waaren zu kaufen, muß er sie auf dem Markte vorfinden.
Seine eignen Garne cirkuliren nur, weil er sein Jahresprodukt auf den Markt bringt, wie das alle andern Kapitalisten mit ihren Waaren ebenfalls thun. Aber ehe sie auf den Markt kamen, hatten sie sich schon befunden im jährlichen Produktionsfonds, d. h. der Gesammtmasse der Gegenstände aller Art, worin die Gesammtsumme der Einzelkapitale oder das gesellschaftliche Gesammtkapital im Laufe des Jahres sich verwandelt, und wovon jeder Einzelkapitalist nur einen aliquoten Theil in Händen hat. Die Vorgänge auf dem Markt bewerkstelligen nur den Umsatz der einzelnen Bestandtheile der Jahresproduktion, schicken sie von einer Hand in die andre, aber sie können weder die Gesammt-Jahresproduktion vergrößern noch die Natur der producirten Gegenstände ändern. Welcher Gebrauch also von dem jährlichen Gesammtprodukt gemacht werden kann, das hängt ab von seiner eignen Zusammensetzung, keineswegs aber von der Cirkulation.
Zunächst muß die Jahresproduktion alle die Gegenstände (Gebrauchswerthe) liefern, aus denen die im Lauf des Jahres verbrauchten sachlichen Bestandtheile des Kapitals zu ersetzen sind. Nach Abzug dieser bleibt das Netto- oder Mehrprodukt, worin der Mehrwerth steckt. Und woraus besteht dieß Mehrprodukt? Vielleicht in Dingen, bestimmt zur Befriedigung der Bedürfnisse und Gelüste der Kapitalistenklasse, die also in ihren Konsumtionsfonds eingehn? Wäre das Alles, so würde der Mehrwerth verjubelt bis auf die Hefen, und es fände bloß einfache Reproduktion statt.
Um zu akkumuliren, muß man einen Theil des Mehrprodukts in Kapital verwandeln. Aber, ohne Wunder zu thun, kann man nur solche Dinge in Kapital verwandeln, die im Arbeitsproceß ||544| verwendbar sind, d. h. Produktionsmittel, und des Ferneren Dinge, von denen der Arbeiter sich erhalten kann, d. h. Lebensmittel. Folglich muß ein Theil der jährlichen Mehrarbeit verwandt worden sein zur Herstellung zusätzlicher Produktions- und Lebensmittel, im Ueberschuß über das Quantum, das zum Ersatz des vorgeschossenen Kapitals erforderlich war. Mit einem Wort: der Mehrwerth ist nur deshalb in Kapital verwandelbar, weil das Mehrprodukt, dessen Werth er ist, bereits die sachlichen Bestandtheile eines neuen Kapitals enthält.21a)
Um nun diese Bestandtheile thatsächlich als Kapital fungiren zu lassen, bedarf die Kapitalistenklasse eines Zuschusses von Arbeit. Soll nicht die Ausbeutung der schon beschäftigten Arbeiter extensiv oder intensiv wachsen, so müssen zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. Dafür hat der Mechanismus der kapitalistischen Produktion ebenfalls schon gesorgt, indem er die Arbeiterklasse reproducirt als vom Arbeitslohn abhängige Klasse, deren gewöhnlicher Lohn hinreicht, nicht nur ihre Erhaltung zu sichern, sondern auch ihre Vermehrung. Diese, ihm durch die Arbeiterklasse auf verschiednen Altersstufen jährlich gelieferten, zuschüssigen Arbeitskräfte braucht das Kapital nur noch den in der Jahresproduktion schon enthaltnen zuschüssigen Produktionsmitteln einzuverleiben, und die Verwandlung des Mehrwerths in Kapital ist fertig. Konkret betrachtet, löst sich die Akkumulation auf in Reproduktion des Kapitals auf progressiver Stufenleiter. Der Kreislauf der einfachen Reproduktion verändert sich und verwandelt sich, nach Sismondi’s Ausdruck, in eine Spirale21b).
Kehren wir jetzt zu unserm Beispiel zurück. Es ist die alte Geschichte: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob u. s. w. Das ursprüngliche Kapital von 10000 Pfd. St. bringt einen Mehrwerth von 2000 Pfd. St. der kapitalisirt wird. Das neue Kapital von 2000 Pfd. St. bringt einen Mehrwerth von 400 Pfd. St.; dieser, wiederum kapitalisirt, also in ein zweites zusätzliches Kapital verwandelt, bringt einen neuen Mehrwerth von 80 Pfd. St., u. s. w. | |545| Wir sehen hier ab von dem vom Kapitalisten verzehrten Theil des Mehrwerths. Ebensowenig interessirt es uns für den Augenblick, ob die Zusatzkapitale zum ursprünglichen Kapital geschlagen, oder von ihm zu selbständiger Verwerthung getrennt werden; ob derselbe Kapitalist sie ausnutzt, der sie akkumulirt hat, oder ob er sie Andern überträgt. Nur dürfen wir nicht vergessen, daß neben den neugebildeten Kapitalen das ursprüngliche Kapital fortfährt sich zu reproduciren und Mehrwerth zu produciren, und daß dasselbe gilt von jedem akkumulirten Kapital in Beziehung auf das von ihm erzeugte Zusatzkapital.
Das ursprüngliche Kapital bildete sich durch den Vorschuß von 10000 Pfd. St. Woher hat sie ihr Besitzer? Durch seine eigne Arbeit und die seiner Vorfahren! antworten uns einstimmig die Wortführer der politischen Oekonomie21c) und ihre Annahme scheint in der That die einzige, die zu den Gesetzen der Waarenproduktion stimmt.
Ganz anders verhält es sich mit dem Zusatzkapital von 2000 Pfd. St. Seinen Entstehungsproceß kennen wir ganz genau. Es ist kapitalisirter Mehrwerth. Von Ursprung an enthält er nicht ein einziges Werthatom, das nicht aus unbezahlter fremder Arbeit herstammt. Die Produktionsmittel, denen die zuschüssige Arbeitskraft einverleibt wird, wie die Lebensmittel, von denen diese sich erhält, sind nichts als integrirende Bestandtheile des Mehrprodukts, des der Arbeiterklasse jährlich durch die Kapitalistenklasse entrissenen Tributs. Wenn diese mit einem Theil des Tributs von jener zusätzliche Arbeitskraft kauft, selbst zum vollen Preise, sodaß Aequivalent sich austauscht gegen Aequivalent – es bleibt immer das alte Verfahren des Eroberers, der den Besiegten Waaren abkauft mit ihrem eignen, geraubten Geld.
Wenn das Zusatzkapital seinen eignen Producenten beschäftigt, so muß dieser erstens fortfahren, das ursprüngliche Kapital zu verwerthen und zudem den Ertrag seiner früheren Arbeit zurückkaufen mit mehr Arbeit, als er gekostet hat. Als Transaktion zwischen der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse betrachtet, ändert es nichts an der Sache, wenn mit der unbezahlten Arbeit der bisher beschäftigten Arbeiter zuschüssige Arbeiter beschäftigt werden. Der Kapitalist verwandelt vielleicht auch das Zusatzkapital in eine Maschine, die den Producenten des Zusatzkapitals ||546| aufs Pflaster wirft und durch ein paar Kinder ersetzt. In allen Fällen hat die Arbeiterklasse durch ihre dießjährige Mehrarbeit das Kapital geschaffen, das im nächsten Jahr zuschüssige Arbeit beschäftigen wird22) Das ist es, was man nennt: Kapital durch Kapital erzeugen.
Die Voraussetzung der Akkumulation des ersten Zusatzkapitals von 2000 Pfd. St. war eine vom Kapitalisten vorgeschoßne, ihm Kraft seiner „ursprünglichen Arbeit“ gehörige Werthsumme von 10000 Pfd. St. Die Voraussetzung des zweiten Zusatzkapitals von 400 Pfd. St. dagegen ist nichts andres als die vorhergegangne Akkumulation des ersten, der 2000 Pfd. St., dessen kapitalisirter Mehrwerth es ist. Eigenthum an vergangner unbezahlter Arbeit erscheint jetzt als die einzige Bedingung für gegenwärtige Aneignung lebendiger unbezahlter Arbeit in stets wachsendem Umfang. Jemehr der Kapitalist akkumulirt hat, destomehr kann er akkumuliren.
Insofern der Mehrwerth, woraus Zusatzkapital Nr. I besteht, das Resultat des Ankaufs der Arbeitskraft durch einen Theil des Originalkapitals war, ein Kauf, der den Gesetzen des Waarenaustausches entsprach, und, juristisch betrachtet, nichts voraussetzt als freie Verfügung auf Seiten des Arbeiters über seine eignen Fähigkeiten, auf Seiten des Geld- oder Waarenbesitzers über ihm gehörige Werthe; sofern Zusatzkapital Nr. II u. s. w. bloß Resultat von Zusatzkapital Nr. I, also Konsequenz jenes ersten Verhältnisses; sofern jede einzelne Transaktion fortwährend dem Gesetz des Waarenaustausches entspricht, der Kapitalist stets die Arbeitskraft kauft, der Arbeiter sie stets verkauft, und wir wollen annehmen selbst zu ihrem wirklichen Werth, schlägt offenbar das auf Waarenproduktion und Waarencirkulation beruhende Gesetz der Aneignung oder Gesetz des Privateigenthums durch seine eigne, innere, unvermeidliche Dialektik in sein direktes Gegentheil um. Der Austausch von Aequivalenten, der als die ursprüngliche Operation erschien, hat sich so gedreht, daß nur zum Schein ausgetauscht wird, indem erstens der gegen Arbeitskraft ausgetauschte Kapitaltheil selbst nur ein Theil des ohne Aequivalent angeeigneten fremden Arbeitsproduktes ist, und zweitens von seinem Producenten, dem Arbeiter, nicht nur ersetzt, sondern mit neuem Surplus ersetzt werden muß. Das Verhältniß des Austausches zwischen Kapitalist ||547| und Arbeiter wird also nur ein dem Cirkulationsproceß angehöriger Schein, bloße Form, die dem Inhalt selbst fremd ist und ihn nur mystificirt. Der beständige Kauf und Verkauf der Arbeitskraft ist die Form. Der Inhalt ist, daß der Kapitalist einen Theil der bereits vergegenständlichten fremden Arbeit, die er sich unaufhörlich ohne Aequivalent aneignet, stets wieder gegen größeres Quantum lebendiger fremder Arbeit umsetzt. Ursprünglich erschien uns das Eigenthumsrecht gegründet auf eigne Arbeit. Wenigstens mußte diese Annahme gelten, da sich nur gleichberechtigte Waarenbesitzer gegenüberstehn, das Mittel zur Aneignung fremder Waare aber nur die Veräußerung der eignen Waare, und letztere nur durch Arbeit herstellbar ist. Eigenthum erscheint jetzt, auf Seite des Kapitalisten, als das Recht, fremde unbezahlte Arbeit oder ihr Produkt, auf Seite des Arbeiters, als Unmöglichkeit, sich sein eignes Produkt anzueignen. Die Scheidung zwischen Eigenthum und Arbeit wird zur nothwendigen Konsequenz eines Gesetzes, das scheinbar von ihrer Identität ausging23).
So sehr die kapitalistische Aneignungsweise also den ursprünglichen Gesetzen der Waarenproduktion ins Gesicht zu schlagen scheint, so entspringt sie doch keineswegs aus der Verletzung, sondern im Gegentheil aus der Anwendung dieser Gesetze. Ein kurzer Rückblick auf die Reihenfolge der Bewegungsphasen, deren Schlußpunkt die kapitalistische Akkumulation ist, stelle dieß nochmals klar.
Zuerst haben wir gesehn, daß die ursprüngliche Verwandlung einer Werthsumme in Kapital sich durchaus gemäß den Gesetzen des Austausches vollzog. Der eine Kontrahent verkauft seine Arbeitskraft, der andre kauft sie. Der erstre empfängt den Werth seiner Waare, deren Gebrauchswerth – die Arbeit – damit an den zweiten veräußert ist. Dieser verwandelt nunmehr, ihm bereits gehörende, Produktionsmittel mit Hülfe von ihm ebenfalls gehörender Arbeit in ein neues Produkt, das ihm ebenfalls von Rechtswegen gehört.
Der Werth dieses Produkts schließt ein: erstens den Werth der verbrauchten Produktionsmittel. Die nützliche Arbeit kann diese Produktionsmittel nicht verbrauchen ohne ihren Werth auf das ||548| neue Produkt zu übertragen; um aber verkäuflich zu sein, muß die Arbeitskraft im Stande sein, in dem Industriezweig, wo sie verwandt werden soll, nützliche Arbeit zu liefern.
Der Werth des neuen Produkts schließt ferner ein: das Aequivalent des Werths der Arbeitskraft und einen Mehrwerth. Und zwar deßhalb, weil die für einen bestimmten Zeitraum, Tag, Woche etc., verkaufte Arbeitskraft weniger Werth besitzt als ihr Gebrauch während dieser Zeit schafft. Der Arbeiter aber hat den Tauschwerth seiner Arbeitskraft bezahlt erhalten und hat damit ihren Gebrauchswerth veräußert – wie das bei jedem Kauf und Verkauf der Fall.
Daß diese besondre Waare Arbeitskraft den eigenthümlichen Gebrauchswerth hat, Arbeit zu liefern, also Werth zu schaffen, das kann das allgemeine Gesetz der Waarenproduktion nicht berühren. Wenn also die in Arbeitslohn vorgeschoßne Werthsumme sich in Produkt nicht bloß einfach wieder vorfindet, sondern um einen Mehrwerth vermehrt vorfindet, so rührt dieß nicht her aus einer Uebervortheilung des Verkäufers, der ja den Werth seiner Waare erhalten, sondern nur aus dem Verbrauch dieser Waare durch den Käufer.
Das Gesetz des Austausches bedingt Gleichheit nur für die Tauschwerthe der gegen einander weggegebenen Waaren. Es bedingt sogar von vornherein Verschiedenheit ihrer Gebrauchswerthe, und hat absolut nichts zu schaffen mit ihrem Verbrauch, der erst nach geschloßnem und vollzognem Handel beginnt.
Die ursprüngliche Verwandlung des Geldes in Kapital vollzieht sich also im genauesten Einklang mit den ökonomischen Gesetzen der Waarenproduktion und mit dem daraus sich ableitenden Eigenthumsrecht. Trotzdem aber hat sie zum Ergebniß:
1) daß das Produkt dem Kapitalisten gehört und nicht dem Arbeiter;
2) daß der Werth dieses Produkts, außer dem Werth des vorgeschoßnen Kapitals, einen Mehrwerth einschließt, der dem Arbeiter Arbeit, dem Kapitalisten aber nichts gekostet hat, und der dennoch das rechtmäßige Eigenthum des Kapitalisten wird;
3) daß der Arbeiter seine Arbeitskraft forterhalten hat und sie aufs neue verkaufen kann, wenn er einen Käufer findet.
Die einfache Reproduktion ist nur die periodische Wiederholung dieser ersten Operation; jedesmal wird, stets von neuem, Geld in Kapital verwandelt. Das Gesetz wird also nicht gebrochen, im Gegentheil es erhält nur Gelegenheit sich dauernd zu bethätigen. ||549| «Plusieurs échanges successifs n’ont fait du dernier que le représentant du premier.» (Sismondi, l. c. p. 70.)
Und dennoch haben wir gesehn, daß die einfache Reproduktion hinreicht, um dieser ersten Operation – soweit sie als isolirter Vorgang gefaßt war – einen total veränderten Charakter aufzuprägen. «Parmi ceux qui se partagent le revenue national, les uns ❲die Arbeiter❳ y acquièrent chaque année un nouveau droit par un nouveau travail, les autres ❲die Kapitalisten❳ y ont acquis antérieurement un droit permanent par un travail primitif.» (Sismondi, l. c. p. 111.) Das Gebiet der Arbeit ist bekanntlich nicht das einzige, wo die Erstgeburt Wunder thut.
Es verschlägt auch nichts, wenn die einfache Reproduktion ersetzt wird durch die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter, durch die Akkumulation. Bei jener vermöbelt der Kapitalist den gesammten Mehrwerth, bei dieser beweist er seine Bürgertugend durch Verzehrung nur eines Theils, und Verwandlung des Restes in Geld.
Der Mehrwerth ist sein Eigenthum, er hat nie einem Andern gehört. Schießt er ihn zur Produktion vor, so macht er, ganz wie am Tag, wo er zuerst den Markt beschritt, Vorschüsse aus seinem eignen Fonds. Daß dieser Fonds dießmal aus der unbezahlten Arbeit seiner Arbeiter stammt, thut absolut nichts zur Sache. Wird Arbeiter B beschäftigt mit dem Mehrwerth, den Arbeiter A producirt hat, so hat erstens A diesen Mehrwerth geliefert, ohne daß man ihm den gerechten Preis seiner Waare um einen Heller verkürzt hat, und zweitens geht dieß Geschäft dem B überhaupt nichts an. Was B verlangt und das Recht hat zu verlangen, ist, daß der Kapitalist ihm den Werth seiner Arbeitskraft zahle. «Tous deux gagnaient encore; l’ouvrier parce qu’on lui avançait les fruits de son travail ❲soll heißen: du travail gratuit d’autres ouvriers❳ avant qu’il fût fait ❲soll heißen: avant que le sien ait porté de fruit❳; le maître, parceque le travail de cet ouvrier valait plus que le salaire» ❲soll heißen: produisait plus de valeur que celle de son salaire❳. (Sismondi, l. c. p. 135.)
Allerdings sieht die Sache ganz anders aus, wenn wir die kapitalistische Produktion im ununterbrochnen Fluß ihrer Erneuerung betrachten, und statt des einzelnen Kapitalisten und des einzelnen Arbeiters, die Gesammtheit, die Kapitalistenklasse und ihr gegenüber die Arbeiterklasse ins Auge fassen. Damit aber würden wir einen Maßstab anlegen, der der Waarenproduktion total fremd ist.
In der Waarenproduktion stehn sich nur, von einander unab||550|hängig, Verkäufer und Käufer gegenüber. Ihre gegenseitigen Beziehungen sind zu Ende mit dem Verfalltag des zwischen ihnen abgeschloßnen Vertrags. Wiederholt sich das Geschäft, denn in Folge eines neuen Vertrags, der mit dem vorhergehenden nichts zu thun hat, und bei dem nur ein Zufall denselben Käufer mit demselben Verkäufer wieder zusammenbringt.
Soll also die Waarenproduktion oder ein ihr angehöriger Vorgang nach ihren eignen ökonomischen Gesetzen beurtheilt werden, so müssen wir jeden Austauschakt für sich betrachten, außerhalb alles Zusammenhangs mit dem Austauschakt, der ihm vorherging, wie mit dem der ihm nachfolgt. Und da Käufe und Verkäufe nur zwischen einzelnen Individuen abgeschlossen werden, so ist es unzulässig, Beziehungen zwischen ganzen Gesellschaftsklassen darin zu suchen.
Wie lang auch die Reihenfolge der periodischen Reproduktionen und vorhergegangnen Akkumulationen, die das heute funktionirende Kapital durchgemacht hat, es bewahrt immer seine ursprüngliche Jungfräulichkeit. So lange bei jedem Austauschakt – einzeln genommen – die Gesetze des Austausches eingehalten werden, kann die Aneignungsweise eine totale Umwälzung erfahren ohne das, der Waarenproduktion gemäße, Eigenthumsrecht irgendwie zu berühren. Dieses selbe Recht steht in Kraft, wie am Anfang, wo das Produkt dem Producenten gehört, und wo dieser, Aequivalent gegen Aequivalent austauschend, sich nur durch eigne Arbeit bereichern kann, so auch in der kapitalistischen Periode, wo der gesellschaftliche Reichthum in stets steigendem Maß das Eigenthum derer wird, die in der Lage sind, sich stets aufs Neue die unbezahlte Arbeit Andrer anzueignen.
Dieß Resultat wird unvermeidlich, sobald die Arbeitskraft durch den Arbeiter selbst als Waare frei verkauft wird. Aber auch erst von da an verallgemeinert sich die Waarenproduktion und wird sie typische Produktionsform; erst von da an wird jedes Produkt von vornherein für den Verkauf producirt, und geht aller producirte Reichthum durch die Cirkulation hindurch. Erst da, wo die Lohnarbeit ihre Basis, zwingt die Waarenproduktion sich der gesammten Gesellschaft auf; aber auch erst da entfaltet sie alle ihre verborgnen Potenzen. Sagen, daß die Dazwischenkunft der Lohnarbeit die Waarenproduktion fälscht, heißt sagen, daß die Waarenproduktion, will sie unverfälscht bleiben, sich nicht entwickeln darf. Im selben Maß, wie sie nach ihren eignen immanenten Gesetzen sich zur kapitalistischen Produktion fortbildet, in demselben ||551| Maß schlagen die Eigenthumsgesetze der Waarenproduktion um in Gesetze der kapitalistischen Aneignung24).
Man sah, daß selbst bei einfacher Reproduktion alles vorgeschoßne Kapital, wie immer ursprünglich erworben, sich in akkumulirtes Kapital oder kapitalisirten Mehrwerth verwandelt. Aber im Strom der Produktion wird überhaupt alles ursprünglich vorgeschoßne Kapital eine verschwindende Größe (magnitudo evanescens im mathematischen Sinn) verglichen mit dem direkt akkumulirten Kapital, d. h. dem in Kapital rückverwandelten Mehrwerth oder Mehrprodukt, ob nun funktionirend in der Hand, die akkumulirt hat, oder in fremder Hand. Die politische Oekonomie stellt das Kapital daher überhaupt dar als „akkumulirten Reichthum“ (verwandelten Mehrwerth oder Revenue) „der von neuem zur Produktion von Mehrwerth verwandt wird“25), oder auch den Kapitalisten als „Besitzer des Mehrprodukts“26). Dieselbe Anschauungsweise besitzt nur andre Form in dem Ausdruck, daß alles vorhandne Kapital akkumulirter oder kapitalisirter Zins sei, denn der Zins ist ein bloßes Bruchstück des Mehrwerths27).
auf erweiterter Stufenleiter seitens der politischen Oekonomie.
Bevor wir nun auf einige nähere Bestimmungen der Akkumulation oder der Rückverwandlung von Mehrwerth in Kapital eingehn, ist eine von der klassischen Oekonomie ausgeheckte Zweideutigkeit zu beseitigen.
So wenig die Waaren, die der Kapitalist mit einem Theil des Mehrwerths für seine eigne Konsumtion kauft, ihm als Produktions- und Verwerthungsmittel dienen, so wenig ist die Arbeit, die er zur Befriedigung seiner natürlichen und socialen Bedürfnisse kauft, produktive Arbeit. Statt durch den Kauf jener Waaren und Arbeit ||552| den Mehrwerth in Kapital zu verwandeln, verzehrt oder verausgabt er ihn umgekehrt als Revenue. Gegenüber der altadlichen Gesinnung, die, wie Hegel richtig sagt, „im Verzehren des Vorhandenen besteht“ und namentlich auch im Luxus persönlicher Dienste sich breit macht, war es für die bürgerliche Oekonomie entscheidend wichtig, die Akkumulation des Kapitals als erste Bürgerpflicht zu verkünden und unermüdlich zu predigen: man kann nicht akkumuliren, wenn man seine ganze Revenue aufißt, statt einen guten Theil davon zu verausgaben in Werbung zuschüssiger produktiver Arbeiter, die mehr einbringen, als sie kosten. Andrerseits hatte sie gegen das Volksvorurtheil zu polemisiren, welches die kapitalistische Produktion mit der Schatzbildung verwechselt28) und daher wähnt, akkumulirter Reichthum sei Reichthum, welcher der Zerstörung in seiner vorhandnen Naturalform, also dem Verbrauch entzogen oder auch vor der Cirkulation gerettet werde. Verschluß des Geldes gegen die Cirkulation wäre grade das Gegentheil seiner Verwerthung als Kapital, und Waarenakkumulation im schatzbildnerischen Sinn reine Narrheit28a). Akkumulation von Waaren in großen Massen ist Resultat einer Cirkulationsstockung oder der Ueberproduktion29). Allerdings läuft in der Volksvorstellung einerseits das Bild der im Konsumtionsfonds der Reichen gehäuften, langsam sich verzehrenden Güter unter, andrerseits die Vorrathbildung, ein Phänomen, das allen Produktionsweisen angehört und wobei wir einen Augenblick in der Analyse des Cirkulationsprocesses verweilen werden.
Soweit also ist die klassische Oekonomie im Recht, wenn sie den Verzehr von Mehrprodukt durch produktive Arbeiter statt durch unproduktive als charakteristisches Moment des Akkumulationsprocesses betont. Aber hier beginnt auch ihr Irrthum. A. Smith hat es zur Mode gemacht, die Akkumulation bloß als Konsumtion des Mehrprodukts durch produktive Arbeiter oder die Kapitalisirung des Mehrwerths als dessen bloßen Umsatz in Arbeits||553|kraft darzustellen. Hören wir z. B. Ricardo: „Man muß verstehn, daß alle Produkte eines Landes konsumirt werden; aber es macht den größten Unterschied, den man denken kann, ob sie konsumirt werden durch solche, die einen andren Werth reproduciren, oder durch solche, die ihn nicht reproduciren. Wenn wir sagen, daß Revenue erspart und zum Kapital geschlagen wird, so meinen wir, daß der Theil der Revenue, von dem es heißt, er sei zum Kapital geschlagen, durch produktive statt durch unproduktive Arbeiter verzehrt wird. Es gibt keinen größern Irrthum als zu unterstellen, daß Kapital durch Nicht-Konsum vermehrt wird“30). Es gibt keinen größern Irrthum als der dem A. Smith von Ricardo und allen späteren nachgeplauderte, daß „der Theil der Revenue, von dem es heißt, er sei zum Kapital geschlagen, von produktiven Arbeitern verzehrt wird“. Nach dieser Vorstellung würde aller Mehrwerth, der in Kapital verwandelt wird, zu variablem Kapital. Er theilt sich vielmehr, wie der ursprünglich vorgeschoßne Werth, in konstantes Kapital und variables Kapital, in Produktionsmittel und Arbeitskraft. Arbeitskraft ist die Form, worin das variable Kapital innerhalb des Produktionsprocesses existirt. In diesem Proceß wird sie selbst vom Kapitalisten verzehrt. Sie verzehrt durch ihre Funktion – die Arbeit – Produktionsmittel. Zugleich verwandelt sich das im Ankauf der Arbeitskraft gezahlte Geld in Lebensmittel, die nicht von der „produktiven Arbeit“, sondern vom „produktiven Arbeiter“ verzehrt werden. A. Smith gelangt durch eine grundverkehrte Analyse zu dem abgeschmackten Resultat, daß wenn auch jedes individuelle Kapital sich in konstanten und variablen Bestandtheil theilt, das gesellschaftliche Kapital sich in nur variables Kapital auflöst oder nur in Zahlung von Arbeitslohn verausgabt wird. Z. B. ein Tuchfabrikant verwandle 2000 Pfd. St. in Kapital. Er legt einen Theil des Geldes im Ankauf von Webern aus, den andern Theil in Wollengarn, Wollenmaschinerie u. s. w. Aber die Leute, von denen er das Garn und die Maschinerie kauft, zahlen wieder mit einem Theil davon Arbeit u. s. w., bis die ganzen 2000 Pfd. St. in Zahlung von Arbeitslohn verausgabt sind, oder das ganze durch die 2000 Pfd. St. repräsentirte Produkt durch produktive Arbeiter verzehrt ist. Man sieht: die ganze Wucht dieses Arguments liegt in dem Wort „u. s. w.“, das uns von Pontius zu Pilatus schickt. In der That, A. Smith bricht die Untersuchung grade da ab, wo ihre Schwierigkeit beginnt31). |
|554| Solange man nur den Fonds der Gesammt-Jahresproduktion ins Auge faßt, ist der jährliche Reproduktionsproceß leicht verständlich. Aber alle Bestandtheile der Jahresproduktion müssen auf den Waarenmarkt gebracht werden, und da beginnt die Schwierigkeit. Die Bewegungen der Einzelkapitale und persönlichen Revenuen kreuzen, vermengen, verlieren sich in einem allgemeinen Stellenwechsel, – der Cirkulation des gesellschaftlichen Reichthums – der den Blick verwirrt und der Untersuchung sehr verwickelte Aufgaben zu lösen gibt. Im dritten Abschnitt des zweiten Buches werde ich die Analyse des wirklichen Zusammenhanges geben. – Es ist das große Verdienst der Physiokraten, in ihrem Tableau économique zum ersten Mal den Versuch gemacht zu haben, ein Bild der Jahresproduktion zu geben in der Gestalt, in welcher sie aus der Cirkulation hervorgeht32).
Es versteht sich übrigens von selbst, daß die politische Oekonomie nicht verfehlt hat, im Interesse der Kapitalistenklasse A. Smith’s Satz auszubeuten: daß der ganze in Kapital verwandelte Theil des Nettoprodukts von der Arbeiterklasse verzehrt wird.
Die Abstinenztheorie.
Im vorigen Kapitel betrachteten wir den Mehrwerth, resp. das Mehrprodukt, nur als individuellen Konsumtionsfonds des Kapitalisten, in diesem Kapitel bisher nur als einen Akkumulationsfonds. Er ist aber weder nur das eine, noch das andre, sondern ||555| beides zugleich. Ein Theil des Mehrwerths wird vom Kapitalisten als Revenue verzehrt33), ein andrer Theil als Kapital angewandt oder akkumulirt.
Bei gegebner Masse des Mehrwerths wird der eine dieser Theile um so größer sein, je kleiner der andre ist. Alle andern Umstände als gleichbleibend genommen, bestimmt das Verhältniß, worin diese Theilung sich vollzieht, die Größe der Akkumulation. Wer aber diese Theilung vornimmt, das ist der Eigenthümer des Mehrwerths, der Kapitalist. Sie ist also sein Willensakt. Von dem Theil des von ihm erhobnen Tributs, den er akkumulirt, sagt man, er spare ihn, weil er ihn nicht aufißt, d. h. weil er seine Funktion als Kapitalist ausübt, nämlich die Funktion, sich zu bereichern.
Nur soweit der Kapitalist personificirtes Kapital ist, hat er einen historischen Werth und jenes historische Existenzrecht, das, wie der geistreiche Lichnowski sagt, keinen Datum nicht hat. Nur soweit steckt seine eigne transitorische Nothwendigkeit in der transitorischen Nothwendigkeit der kapitalistischen Produktionsweise. Aber soweit sind auch nicht Gebrauchswerth und Genuß, sondern Tauschwerth und dessen Vermehrung sein treibendes Motiv. Als Fanatiker der Verwerthung des Werths zwingt er rücksichtslos die Menschheit zur Produktion um der Produktion willen, daher zu einer Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und zur Schöpfung von materiellen Produktionsbedingungen, welche allein die reale Basis einer höheren Gesellschaftsform bilden können, deren Grundprincip die volle und freie Entwicklung jedes Individuums ist. Nur als Personifikation des Kapitals ist der Kapitalist respektabel. Als solche theilt er mit dem Schatzbildner den absoluten Bereicherungstrieb. Was aber bei diesem als individuelle Manie erscheint, ist beim Kapitalisten Wirkung des gesellschaftlichen Mechanismus, worin er nur ein Triebrad ist. Außerdem macht die Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine fortwährende Steigerung des in einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Nothwendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als äußere Zwangsgesetze auf. Sie ||556| zwingt ihn, sein Kapital fortwährend auszudehnen, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur vermittelst progressiver Akkumulation.
Soweit daher sein Thun und Lassen nur Funktion des in ihm mit Willen und Bewußtsein begabten Kapitals, gilt ihm sein eigner Privatkonsum als ein Raub an der Akkumulation seines Kapitals, wie in der italienischen Buchhaltung Privatausgaben auf der Debetseite des Kapitalisten gegen das Kapital figuriren. Die Akkumulation ist Eroberung der Welt des gesellschaftlichen Reichthums. Sie dehnt mit der Masse des exploitirten Menschenmaterials zugleich die direkte und indirekte Herrschaft des Kapitalisten aus34).
Aber die Erbsünde wirkt überall. Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise, der Akkumulation, und des Reich||557|thums, hört der Kapitalist auf, bloße Inkarnation des Kapitals zu sein. Er fühlt ein „menschliches Rühren“ für seinen eignen Adam und wird so gebildet, die Schwärmerei für Ascese als Vorurtheil des altmodischen Schatzbildners zu belächeln. Während der klassische Kapitalist den individuellen Konsum als Sünde gegen seine Funktion und „Enthaltung“ von der Akkumulation brandmarkt, ist der modernisirte Kapitalist im Stande, die Akkumulation als „Entsagung“ seines Genußtriebs aufzufassen. „Zwei Seelen wohnen, ach! in seiner Brust, die eine will sich von der andren trennen!“
In den historischen Anfängen der kapitalistischen Produktionsweise – und jeder kapitalistische Parvenü macht dieß historische Stadium individuell durch – herrschen Bereicherungstrieb und Geiz als absolute Leidenschaften vor. Aber der Fortschritt der kapitalistischen Produktion schafft nicht nur eine Welt von Genüssen. Er öffnet mit der Spekulation und dem Kreditwesen tausend Quellen plötzlicher Bereicherung. Auf einer gewissen Entwickelungshöhe wird ein konventioneller Grad von Verschwendung, die zugleich Schaustellung des Reichthums und daher Kreditmittel ist, sogar zu einer Geschäftsnothwendigkeit des „unglücklichen“ Kapitalisten. Der Luxus geht in die Repräsentationskosten des Kapitals ein. Ohnehin bereichert sich der Kapitalist nicht, gleich dem Schatzbildner, im Verhältniß seiner persönlichen Arbeit und seines persönlichen Nichtkonsums, sondern im Maß, worin er fremde Arbeitskraft aussaugt und dem Arbeiter Entsagung aller Lebensgenüsse aufzwingt. Obgleich daher die Verschwendung des Kapitalisten nie den bona fide Charakter der Verschwendung des flotten Feudalherrn besitzt, in ihrem Hintergrund vielmehr stets schmutzigster Geiz und ängstlichste Berechnung lauern, wächst dennoch seine Verschwendung mit seiner Akkumulation, ohne daß die eine die andre zu beabbruchen braucht. Damit entwickelt sich gleichzeitig in der Hochbrust des Kapitalindividuums ein faustischer Konflikt zwischen Akkumulationsund Genußtrieb.
„Die Industrie von Manchester“, heißt es in einer Schrift, die Dr. Aikin 1795 veröffentlichte, „kann in vier Perioden getheilt werden. In der ersten waren die Fabrikanten gezwungen, hart für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten.“ Sie bereicherten sich besonders durch Bestehlung der Eltern, die ihnen Jungen als apprentices (Lehrlinge) zuwiesen und dafür schwer blechen mußten, während die Lehrlinge ausgehungert wurden. Andrerseits waren die Durchschnittsprofite niedrig und die Akkumulation verlangte große Sparsamkeit. Sie lebten wie Schatzbildner und verzehrten bei weitem ||558| nicht einmal die Zinsen ihres Kapitals. „In der zweiten Periode hatten sie begonnen, kleine Vermögen zu erwerben, arbeiteten aber ebenso hart als zuvor“, denn die unmittelbare Exploitation der Arbeit kostet Arbeit, wie jeder Sklaventreiber weiß, „und lebten nach wie vor in demselben frugalen Styl .... In der dritten Periode begann der Luxus, und das Geschäft wurde ausgedehnt durch Aussendung von Reitern (berittenen Commis Voyageurs) für Ordres in jeder Marktstadt des Königreichs. Es ist wahrscheinlich, daß wenige oder keine Kapitale von 3000 bis 4000 Pfd. St., in der Industrie erworben, vor 1690 existirten. Um diese Zeit jedoch oder etwas später hatten die Industriellen schon Geld akkumulirt und begannen steinerne Häuser statt der von Holz und Mörtel aufzuführen .... Noch in den ersten Decennien des 18. Jahrhunderts setzte sich ein Manchester Fabrikant, der eine Pint fremden Weins seinen Gästen vorsetzte, den Glossen und dem Kopfschütteln aller seiner Nachbarn aus.“ Vor dem Aufkommen der Maschinerie betrug der abendliche Konsum der Fabrikanten in den Kneipen, wo sie zusammenkamen, nie mehr als 6 d. für ein Glas Punsch und 1 d. für eine Rolle Tabak. Erst 1758, und dieß macht Epoche, sah man „eine im Geschäft wirklich engagirte Person mit eigner Equipage“! „Die vierte Periode“, das letzte Drittheil des 18. Jahrhunderts, „ist die von großem Luxus und Verschwendung, unterstützt durch die Ausdehnung des Geschäfts“35). Was würde der gute Dr. Aikin sagen, wenn er heutzutag in Manchester auferstände!
Akkumulirt, Akkumulirt! Das ist Moses und die Propheten! „Die Industrie liefert das Material, welches die Sparsamkeit akkumulirt“36). Also spart, spart, d. h. rückverwandelt möglichst großen Theil des Mehrwerths oder Mehrprodukts in Kapital! Akkumulation um der Akkumulation, Produktion um der Produktion willen, in dieser Formel sprach die klassische Oekonomie den historischen Beruf der Bourgeoisperiode aus. Sie täuschte sich keinen Augenblick über die Geburtswehn des Reichthums37), aber was nützt der Jammer über historische Nothwendigkeit? Wenn der klassischen ||559| Oekonomie der Proletarier nur als Maschine zur Produktion von Mehrwerth, gilt ihr aber auch der Kapitalist nur als Maschine zur Verwandlung dieses Mehrwerths in Mehrkapital. Sie nimmt seine historische Funktion in bitterm Ernst. Um seinen Busen vor dem unheilvollen Konflikt zwischen Genußtrieb und Bereicherungstrieb zu feien, vertheidigte Malthus, im Anfang der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts, eine Theilung der Arbeit, welche dem wirklich in der Produktion begriffenen Kapitalisten das Geschäft der Akkumulation, den andren Theilnehmern am Mehrwerth, der Landaristokratie, Staats-, Kirchenpfründnern u. s. w. das Geschäft der Verschwendung zuweist. Es ist von der höchsten Wichtigkeit, sagt er, „die Leidenschaft für Ausgabe und die Leidenschaft für Akkumulation („the passion for expenditure and the passion for accumulation“) getrennt zu halten“38). Die Herrn Kapitalisten, seit lange in Lebe- und Weltmänner verwandelt, schrieen auf. Was, rief einer ihrer Wortführer, ein Ricardianer, Herr Malthus predigt hohe Grundrenten, hohe Steuern u. s. w., um dem Industriellen einen fortwährenden Stachel durch unproduktive Konsumenten aufzudrücken! Allerdings Produktion, Produktion auf stets erweiterter Stufenleiter, lautet das Schiboleth, aber „Produktion wird durch einen solchen Proceß weit mehr gehemmt als gefördert. Auch ist es nicht ganz billig (nor is it quite fair), eine Anzahl Personen so im Müßiggang zu erhalten, nur um andre zu kneipen, aus deren Charakter man schließen darf („who are likely, from their characters“), daß, wenn ihr sie zu funktioniren zwingen könnt, sie mit Erfolg funktioniren“39). So unbillig er es findet, den industriellen Kapitalisten zur Akkumulation zu stacheln, indem man ihm das Fett von der Suppe wegschöpft, so nothwendig dünkt ihm, den Arbeiter möglichst auf den Minimallohn zu beschränken, „um ihn arbeitsam zu erhalten“. Auch verheimlicht er keinen Augenblick, daß Aneignung unbezahlter Arbeit das Geheimniß der Plusmacherei ist. „Vermehrte Nachfrage von Seite der Arbeiter meint durchaus nichts als ihre Geneigtheit, weniger von ihrem eignen Produkt für sich selbst zu nehmen und einen größren Theil davon ihren Anwendern zu überlassen; und wenn man sagt, daß dieß, durch Verminderung der Konsumtion (auf Seiten der Arbeiter) glut (Marktüberfüllung, ||560| Ueberproduktion) erzeugt, so kann ich nur antworten, daß glut synonym mit hohem Profit ist“40).
Der gelehrte Zank, wie die dem Arbeiter ausgepumpte Beute förderlichst für die Akkumulation zu vertheilen sei zwischen industriellem Kapitalist und müßigem Grundeigenthümer u. s. w., verstummte vor der Julirevolution. Kurz nachher läutete das städtische Proletariat die Sturmglocke zu Lyon und ließ das Landproletariat den rothen Hahn in England fliegen. Dießseits des Kanals grassirte der Owenismus, jenseits St. Simonismus und Fourierismus. Die Stunde der Vulgärökonomie hatte geschlagen. Grade ein Jahr, bevor Nassau W. Senior zu Manchester ausfand, daß der Profit (incl. Zins) des Kapitals das Produkt der unbezahlten „letzten zwölften Arbeitsstunde“ ist, hatte er der Welt eine andre Entdeckung angekündigt. „Ich“, sagte er feierlich, „ich ersetze das Wort Kapital, als Produktionsinstrument betrachtet, durch das Wort Abstinenz (Enthaltung)“41). Ein unübertroffenes Muster dieß von den „Entdeckungen“ der Vulgärökonomie! Sie ersetzt eine ökonomische Kategorie durch eine sykophantische Phrase. Voilà tout. „Wenn der Wilde“, docirt Senior, „Bogen fabricirt, so übt er eine Industrie aus, aber er prakticirt nicht die Abstinenz.“ Dieß erklärt uns, wie und warum in früheren Gesellschaftszuständen „ohne die Abstinenz“ des Kapitalisten Arbeitsmittel fabricirt wurden. „Je mehr die Gesellschaft fortschreitet, um so mehr Abstinenz erfordert sie“42), nämlich von denen, welche die Industrie ausüben, sich die fremde Industrie und ihr Produkt anzueignen. Alle Bedingungen des Arbeitsprocesses verwandeln sich von nun in ebenso viele Abstinenzpraktiken des Kapitalisten. Daß ||561| Korn nicht nur gegessen, sondern auch gesät wird, Abstinenz des Kapitalisten! Daß der Wein die Zeit erhält, auszugähren, Abstinenz des Kapitalisten!43) Der Kapitalist beraubt seinen eignen Adam, wenn er die „Produktionsinstrumente dem Arbeiter leiht“ (!), alias sie durch Einverleibung der Arbeitskraft als Kapital verwerthet, statt Dampfmaschinen, Baumwolle, Eisenbahnen, Dünger, Zugpferde u. s. f. aufzuessen oder, wie der Vulgärökonom sich das kindlich vorstellt, „ihren Werth“ in Luxus und andren Konsumtionsmitteln zu verprassen44). Wie die Kapitalistenklasse das anstellen soll, ist ein von der Vulgärökonomie bisher hartnäckig bewahrtes Geheimniß. Genug, die Welt lebt nur noch von der Selbstkasteiung dieses modernen Büßers des Wischnu, des Kapitalisten. Nicht nur die Akkumulation, die einfache „Erhaltung eines Kapitals erheischt beständige Kraftanstrengung, um der Versuchung zu widerstehn, es aufzuessen“45). Die einfache Humanität gebeut also offenbar, den Kapitalisten von Martyrthum und Versuchung zu erlösen, in derselben Weise, wie der georgische Sklavenhalter jüngst durch Abschaffung der Sklaverei von dem schmerzlichen Dilemma erlöst ward, ob das dem Negersklaven ausgepeitschte Mehrprodukt ganz in Champagner zu verjubeln oder auch theilweis in mehr Neger und mehr Land rückzuverwandeln.
In den verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformationen findet nicht nur einfache Reproduktion statt, sondern, obgleich auf verschiednem Maßstab, Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter. Es wird progressiv mehr producirt und mehr konsumirt, also auch mehr Produkt in Produktionsmittel verwandelt. Dieser Proceß erscheint aber nicht als Akkumulation von Kapital und daher auch nicht als Funktion des Kapitalisten, so lange dem Arbeiter seine Produktionsmittel, daher auch sein Produkt und seine Lebensmittel, ||562| noch nicht in der Form von Kapital gegenüberstehn46). Der vor einigen Jahren verstorbene Richard Jones, Nachfolger von Malthus auf dem Lehrstuhl der politischen Oekonomie am ostindischen College zu Haileybury, erörtert dieß gut an zwei großen Thatsachen. Da der zahlreichste Theil des indischen Volks selbstwirthschaftende Bauern, existirt ihr Produkt, ihre Arbeits- und Lebensmittel, auch nie „in der Form („in the shape“) eines Fonds, der aus fremder Revenue erspart wird („saved from Revenue“) und daher einen vorläufigen Proceß der Akkumulation („a previous process of accumulation“) durchlaufen hat“47). Andrerseits werden die nicht-agrikolen Arbeiter in den Provinzen, wo die englische Herrschaft das alte System am wenigsten aufgelöst hat, direkt von den Großen beschäftigt, denen eine Portion des ländlichen Mehrprodukts als Tribut oder Grundrente zufließt. Ein Theil dieses Produkts wird in Naturalform von den Großen verzehrt, ein andrer Theil für sie von den Arbeitern in Luxus- und sonstige Konsumtionsmittel verwandelt, während der Rest den Lohn der Arbeiter bildet, die Eigenthümer ihrer Arbeitsinstrumente sind. Produktion und Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter gehn hier ihren Gang ohne alle Dazwischenkunft jenes wunderlichen Heiligen, jenes Ritters von der traurigen Gestalt, des „entsagenden“ Kapitalisten.
des Mehrwerths in Kapital und Revenue den Umfang der Akkumulation bestimmen: Exploitationsgrad der Arbeitskraft. – Produktivkraft der Arbeit. – Wachsende Differenz zwischen angewandtem und konsumirtem Kapital. – Größe des vorgeschoßnen Kapitals.
Das Verhältniß, wonach der Mehrwerth sich in Kapital und Revenue spaltet, als gegeben vorausgesetzt, richtet sich die Größe des akkumulirten Kapitals offenbar nach der absoluten Größe des ||563| Mehrwerths. Angenommen, 80 % würden kapitalisirt und 20 % aufgegessen, so wird das akkumulirte Kapital 2400 Pfd. St. oder 1200 Pfd. St. betragen, je nachdem der Gesammt-Mehrwerth sich auf 3000 oder auf 1500 Pfd. St. belaufen hat. Demnach wirken bei Bestimmung der Größe der Akkumulation alle die Umstände mit, die die Masse des Mehrwerths bestimmen. Wir fassen sie hier nochmals zusammen, aber nur insofern sie mit Bezug auf die Akkumulation neue Gesichtspunkte bieten.
Man erinnert sich, daß die Rate des Mehrwerths in erster Instanz abhängt vom Exploitationsgrad der Arbeitskraft. Die politische Oekonomie würdigt diese Rolle so sehr, daß sie gelegentlich die Beschleunigung der Akkumulation durch erhöhte Produktionskraft der Arbeit identificirt mit ihrer Beschleunigung durch erhöhte Exploitation des Arbeiters48). In den Abschnitten über die Produktion des Mehrwerths ward beständig unterstellt, daß der Arbeitslohn wenigstens gleich dem Werth der Arbeitskraft ist. Die gewaltsame Herabsetzung des Arbeitslohns unter diesen Werth spielt jedoch in der praktischen Bewegung eine zu wichtige Rolle, um uns nicht einen Augenblick dabei aufzuhalten. Sie verwandelt faktisch, innerhalb gewisser Grenzen, den nothwendigen Konsumtionsfonds des Arbeiters in einen Akkumulationsfonds von Kapital.
„Arbeitslöhne“, sagt J. St. Mill, „haben keine Produktivkraft; sie sind der Preis einer Produktivkraft; Arbeitslöhne tragen nicht, neben der Arbeit selbst, zur Waarenproduktion bei, sowenig als der Preis der Maschinerie selbst. Könnte Arbeit ohne Kauf gehabt werden, so wären Arbeitslöhne überflüssig“49). Wenn aber die Arbeiter von der Luft leben könnten, so wären sie auch um keinen Preis zu kaufen. Ihr Nichtkosten ist also eine Grenze im mathematischen Sinn, stets unerreichbar, obgleich stets annäherbar. Es ist die beständige Tendenz des Kapitals, sie auf diesen nihilistischen Standpunkt herabzudrücken. Ein oft von mir citirter ||564| Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, der Verfasser des „Essay on Trade and Commerce“, verräth nur das innerste Seelengeheimniß des englischen Kapitals, wenn er es für die historische Lebensaufgabe Englands erklärt, den englischen Arbeitslohn auf das französische und holländische Niveau herabzudrücken50). Er sagt u. a. naiv: „Wenn aber unsre Armen (Kunstausdruck für Arbeiter) luxuriös leben wollen ... muß ihre Arbeit natürlich theuer sein. ... Man betrachte nur die haarsträubende Masse von Ueberflüssigkeiten („heap of superfluities“), die unsre Manufakturarbeiter verzehren, als da sind Branntwein, Gin, Thee, Zucker, fremde Früchte, starkes Bier, gedruckte Leinwand, Schnupf- und Rauchtabak etc.“51). Er citirt die Schrift eines Fabrikanten von Northamtonshire, der mit himmelwärts schielendem Blick jammert: „Arbeit ist ein ganzes Drittheil wohlfeiler in Frankreich als in England: denn die französischen Armen arbeiten hart und fahren hart an Nahrung und Kleidung und ihr Hauptkonsum sind Brod, Früchte, Kräuter, Wurzeln und getrockneter Fisch; denn sie essen sehr selten Fleisch, und wenn der Weizen theuer ist, sehr wenig Brod“52). „Wozu“, fährt der Essayist fort, „wozu noch kömmt, daß ihr Getränk aus Wasser besteht oder ähnlichen schwachen Likören, so daß sie in der That erstaunlich wenig Geld ausgeben .... Ein derartiger Zustand der Dinge ist sicherlich schwer herbeizuführen, aber er ist nicht unerreichbar, wie seine Existenz sowohl in Frankreich als Holland schlagend beweist“53). Zwei Jahrzehnte ||565| später verfolgte ein amerikanischer Humbug, der baronisirte Yankee Benjamin Thompson (alias Graf Rumford), dieselbe Philanthropielinie mit großem Wohlgefallen vor Gott und den Menschen. Seine „Essays“ sind ein Kochbuch mit Recepten aller Art, um Surrogate an die Stelle der theuren Normalspeisen des Arbeiters zu setzen. Ein besonders gelungnes Recept dieses wunderlichen „Philosophen“ ist folgendes: „Fünf Pfund Gerste, fünf Pfund Mais, für 3 d. Häringe, 1 d. Salz, 1 d. Essig, 2 d. Pfeffer und Kräuter – Summa von 20¾ d. gibt eine Suppe für 64 Menschen, ja mit den Durchschnittspreisen von Korn kann die Kost auf ¼ d. per Kopf (noch nicht 3 Pfennige) herabgedrückt werden“54). Mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktion hat die Waarenfälschung Thompson’s Ideale überflüssig gemacht55).
Ende des 18. und während der ersten Decennien des 19. Jahrhunderts erzwangen die englischen Pächter und Landlords das absolute Minimalsalair, indem sie den Ackerbautaglöhnern weniger als das Minimum in der Form des Arbeitslohns, den Rest aber in der Form von Pfarreiunterstützung auszahlten. Ein Beispiel der Possenreißerei, womit die englischen Dogberries in ihrer „legalen“ Festsetzung des Lohntarifs verfuhren: „Als die Squires die Arbeitslöhne für Speenhamland 1795 festsetzten, hatten sie zu Mittag gespeist, dachten aber offenbar, daß die Arbeiter nicht desgleichen nöthig hätten .... Sie entschieden, der Wochenlohn solle 3 sh. per Mann sein, wenn der Laib Brod von 8 Pfund 11 Unzen auf ||566| 1 sh. stünde, und er solle regelmäßig wachsen, bis der Laib 1 sh. 5 d. koste. Sobald er über diesen Preis stiege, sollte der Lohn proportionell abnehmen, bis der Preis des Laibes 2 sh. erreicht hätte; und dann sollte die Nahrung des Mannes ⅕ weniger als vorher sein“56). Vor dem Untersuchungscomité des House of Lords, 1814, wird ein gewisser A. Bennett, großer Pächter, Magistrat, Armenhausverwalter und Lohnregulator, gefragt: „Wird irgend eine Proportion zwischen dem Werth der Tagesarbeit und der Pfarreiunterstützung der Arbeiter beobachtet?“ Antwort: „Ja. Das wöchentliche Einkommen jeder Familie wird über ihren Nominallohn hinaus voll gemacht bis zum Gallonlaib Brod (8 Pf. 11 Unzen) und 3 d. per Kopf .... Wir unterstellen den Gallonlaib hinreichend für die Erhaltung jeder Person in der Familie während der Woche; und die 3 d. sind für Kleider; und wenn es der Pfarrei beliebt, die Kleider selbst zu stellen, werden die 3 d. abgezogen. Diese Praxis herrscht nicht nur im ganzen Westen von Wiltshire, sondern, wie ich glaube, im ganzen Land“57). „So“, ruft ein Bourgeoisschriftsteller jener Zeit, „haben die Pächter Jahre lang eine respektable Klasse ihrer Landsleute degradirt, indem sie dieselben zwangen, zum Workhouse ihre Zuflucht zu nehmen ... Der Pächter hat seine eignen Gewinne vermehrt, indem er selbst die Akkumulation des unentbehrlichsten Konsumfonds auf Seite der Arbeiter verhinderte“58). Welche Rolle heutzutag der direkte Raub am nothwendigen Konsumtionsfonds des Arbeiters in der Bildung des Mehrwerths und daher des Akkumulationsfonds des Kapitals spielt, hat beispielsweis die sog. Hausarbeit (S. Kap. XV, 8, c.) gezeigt. Weitere Thatsachen im Verlauf dieses Abschnitts.
Obschon in allen Industriezweigen der aus Arbeitsmitteln bestehende Theil des konstanten Kapitals genügen muß für eine gewisse, durch die Größe der Anlage bestimmte Anzahl Arbeiter, so braucht er doch keineswegs immer in demselben Verhältniß zu wachsen, wie die beschäftigte Arbeitsmenge. In einer Fabrikanlage mögen hundert Arbeiter bei achtstündiger Arbeit 800 Arbeitsstunden liefern. Will der Kapitalist diese Summe um die Hälfte ||567| steigern, so kann er 50 neue Arbeiter anstellen; dann muß er aber auch ein neues Kapital vorschießen, nicht nur für Löhne, sondern auch für Arbeitsmittel. Er kann aber auch die alten 100 Arbeiter 12 Stunden arbeiten lassen statt 8, und dann genügen die schon vorhandnen Arbeitsmittel, die sich dann bloß rascher verschleißen. So kann durch höhere Anspannung der Arbeitskraft erzeugte, zusätzliche Arbeit das Mehrprodukt und den Mehrwerth, die Substanz der Akkumulation, steigern ohne verhältnißmäßige Steigerung des konstanten Kapitaltheils.
In der extraktiven Industrie, den Bergwerken z. B., bilden die Rohstoffe keinen Bestandtheil des Kapitalvorschusses. Der Arbeitsgegenstand ist hier nicht Produkt vorhergegangner Arbeit, sondern von der Natur gratis geschenkt. So Metallerz, Minerale, Steinkohlen, Steine etc. Hier besteht das konstante Kapital fast ausschließlich in Arbeitsmitteln, die ein vermehrtes Arbeitsquantum sehr gut vertragen können (Tag- und Nacht-Schicht von Arbeitern z. B.). Alle andern Umstände gleichgesetzt, wird aber Masse und Werth des Produkts steigen in direktem Verhältniß der angewandten Arbeit. Wie am ersten Tag der Produktion, gehn hier die ursprünglichen Produktbildner, daher auch die Bildner der stofflichen Elemente des Kapitals, Mensch und Natur, zusammen. Dank der Elasticität der Arbeitskraft, hat sich das Gebiet der Akkumulation erweitert ohne vorherige Vergrößerung des konstanten Kapitals.
In der Agrikultur kann man das bebaute Land nicht ausdehnen ohne Vorschuß von zusätzlichem Samen und Dünger. Aber dieser Vorschuß einmal gemacht, übt selbst die rein mechanische Bearbeitung des Bodens eine wunderthätige Wirkung auf die Massenhaftigkeit des Produkts. Eine größere Arbeitsmenge, geleistet von der bisherigen Anzahl Arbeiter, steigert so die Fruchtbarkeit, ohne neuen Vorschuß an Arbeitsmitteln zu erfordern. Es ist wieder direkte Wirkung des Menschen auf die Natur, welche zur unmittelbaren Quelle gesteigerter Akkumulation wird, ohne Dazwischenkunft eines neuen Kapitals.
Endlich in der eigentlichen Industrie setzt jede zusätzliche Ausgabe an Arbeit eine entsprechende Zusatzausgabe an Rohstoffen voraus, aber nicht nothwendig auch an Arbeitsmitteln. Und da die extraktive Industrie und Agrikultur der fabricirenden Industrie ihre eignen Rohstoffe und die ihrer Arbeitsmittel liefern, kommt dieser auch der Produktenzuschuß zugute, den jene ohne zusätzlichen Kapitalzuschuß erzeugt haben. |
|568| Allgemeines Resultat: Indem das Kapital sich die beiden Urbildner des Reichthums, Arbeitskraft und Erde, einverleibt, erwirbt es eine Expansionskraft, die ihm erlaubt, die Elemente seiner Akkumulation auszudehnen jenseits der scheinbar durch seine eigne Größe gesteckten Grenzen, gesteckt durch den Werth und die Masse der bereits producirten Produktionsmittel, in denen es sein Dasein hat.
Ein andrer wichtiger Faktor in der Akkumulation des Kapitals ist der Produktivitätsgrad der gesellschaftlichen Arbeit.
Mit der Produktivkraft der Arbeit wächst die Produktenmasse, worin sich ein bestimmter Werth, also auch Mehrwerth von gegebner Größe darstellt. Bei gleichbleibender und selbst bei fallender Rate des Mehrwerths, sofern sie nur langsamer fällt, als die Produktivkraft der Arbeit steigt, wächst die Masse des Mehrprodukts. Bei gleichbleibender Theilung desselben in Revenue und Zusatzkapital kann daher die Konsumtion des Kapitalisten wachsen ohne Abnahme des Akkumulationsfonds. Die proportionelle Größe des Akkumulationsfonds kann selbst auf Kosten des Konsumtionsfonds wachsen, während die Verwohlfeilerung der Waaren dem Kapitalisten eben so viele oder mehr Genußmittel als vorher zur Verfügung stellt. Aber mit der wachsenden Produktivität der Arbeit geht, wie man gesehn, die Verwohlfeilerung des Arbeiters, also wachsende Rate des Mehrwerths, Hand in Hand, selbst wenn der reelle Arbeitslohn steigt. Er steigt nie verhältnißmäßig mit der Produktivität der Arbeit. Derselbe variable Kapitalwerth setzt also mehr Arbeitskraft und daher mehr Arbeit in Bewegung. Derselbe konstante Kapitalwerth stellt sich in mehr Produktionsmitteln, d. h. mehr Arbeitsmitteln, Arbeitsmaterial und Hülfsstoffen dar, liefert also sowohl mehr Produktbildner als Werthbildner, oder Arbeitseinsauger. Bei gleichbleibendem und selbst abnehmendem Werth des Zusatzkapitals findet daher beschleunigte Akkumulation statt. Nicht nur erweitert sich die Stufenleiter der Reproduktion stofflich, sondern die Produktion des Mehrwerths wächst schneller als der Werth des Zusatzkapitals.
Die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit reagirt auch auf das Originalkapital oder das bereits im Produktionsproceß befindliche Kapital. Ein Theil des funktionirenden konstanten Kapitals besteht aus Arbeitsmitteln, wie Maschinerie u. s. w., die nur in längeren Perioden konsumirt und daher reproducirt oder durch neue Exemplare derselben Art ersetzt werden. Aber jedes Jahr stirbt ein Theil dieser Arbeitsmittel ab, oder erreicht das Endziel ||569| seiner produktiven Funktion. Er befindet sich daher jedes Jahr im Stadium seiner periodischen Reproduktion oder seines Ersatzes durch neue Exemplare derselben Art. Hat die Produktivkraft der Arbeit sich in der Geburtsstätte dieser Arbeitsmittel erweitert, und sie entwickelt sich fortwährend mit dem ununterbrochenen Fluß der Wissenschaft und der Technik, so tritt wirkungsvollere und, ihren Leistungsumfang betrachtet, wohlfeilere Maschine, Werkzeug, Apparat u. s. w. an die Stelle der alten. Das alte Kapital wird in einer produktiveren Form reproducirt, abgesehn von der fortwährenden Detailveränderung an den vorhandnen Arbeitsmitteln. Der andre Theil des konstanten Kapitals, Rohmaterial und Hülfsstoffe, wird fortwährend innerhalb des Jahrs, der der Agrikultur entstammende meist jährlich reproducirt. Jede Einführung beßrer Methoden u. s. w. wirkt hier also fast gleichzeitig auf Zuschußkapital und bereits in Funktion begriffnes Kapital. Jeder Fortschritt der Chemie vermannigfacht nicht nur die Zahl der nützlichen Stoffe und die Nutzanwendungen der schon bekannten, und dehnt daher mit dem Wachsthum des Kapitals seine Anlagesphären aus. Er lehrt zugleich die Exkremente des Produktions- und Konsumtionsprocesses in den Kreislauf des Reproduktionsprocesses zurückschleudern, schafft also ohne vorherige Kapitalauslage neuen Kapitalstoff. Gleich vermehrter Ausbeutung des Naturreichthums durch bloß höhere Spannung der Arbeitskraft, bilden Wissenschaft und Technik eine von der gegebnen Größe des funktionirenden Kapitals unabhängige Potenz seiner Expansion. Sie reagirt zugleich auf den in sein Erneuerungsstadium eingetretenen Theil des Originalkapitals. In seine neue Form einverleibt es gratis den hinter dem Rücken seiner alten Form vollzogenen gesellschaftlichen Fortschritt. Allerdings ist diese Entwicklung der Produktivkraft zugleich begleitet von theilweiser Depreciation funktionirender Kapitale. Soweit diese Depreciation sich durch die Konkurrenz akut fühlbar macht, fällt die Hauptwucht auf den Arbeiter, in dessen gesteigerter Exploitation der Kapitalist Schadenersatz sucht.
Die Arbeit überträgt auf das Produkt den Werth der von ihr konsumirten Produktionsmittel. Andrerseits wächst Werth und Masse der durch gegebne Arbeitsmenge in Bewegung gesetzten Produktionsmittel im Verhältniß wie die Arbeit produktiver wird. Setzt also auch dieselbe Arbeitsmenge ihren Produkten immer nur dieselbe Summe Neuwerth zu, so wächst doch der alte Kapitalwerth, den sie ihnen gleichzeitig überträgt, mit steigender Produktivität der Arbeit. |
|570| Ein englischer und ein chinesischer Spinner z. B. mögen dieselbe Stundenzahl mit derselben Intensität arbeiten, so werden beide in einer Woche gleiche Werthe erzeugen. Trotz dieser Gleichheit besteht ein ungeheurer Unterschied zwischen dem Werth des Wochenprodukts des Engländers, der mit einem gewaltigen Automaten arbeitet, und des Chinesen, der nur ein Spinnrad hat. In derselben Zeit, wo der Chinese ein Pfund Baumwolle, verspinnt der Engländer mehrere Hundert Pfund. Eine um mehrere Hundert Mal größere Summe alter Werthe schwellt den Werth seines Produkts an, in welchem sie in neuer nutzbarer Form erhalten werden und so von Neuem als Kapital funktioniren können. „1782“, belehrt uns F. Engels, „lag die ganze Wollernte der vorhergehenden drei Jahre (in England) aus Mangel an Arbeitern noch unverarbeitet da und hätte liegen bleiben müssen, wenn nicht die neu erfundne Maschinerie zu Hülfe gekommen wäre und sie versponnen hätte“59). Die in der Form von Maschinerie vergegenständlichte Arbeit stampfte natürlich unmittelbar keinen Menschen aus dem Boden, aber sie erlaubte einer geringen Arbeiteranzahl durch Zusatz von relativ wenig lebendiger Arbeit nicht nur die Wolle produktiv zu konsumiren und ihr Neuwerth zuzusetzen, sondern in der Form von Garn u. s. w. ihren alten Werth zu erhalten. Sie lieferte damit zugleich Mittel und Sporn zur erweiterten Reproduktion von Wolle. Es ist die Naturgabe der lebendigen Arbeit, alten Werth zu erhalten, während sie Neuwerth schafft. Mit dem Wachsthum von Wirksamkeit, Umfang und Werth ihrer Produktionsmittel, also mit der die Entwicklung ihrer Produktivkraft begleitenden Akkumulation erhält und verewigt die Arbeit daher in stets neuer Form einen stets schwellenden Kapitalwerth60). ||571| Diese Naturkraft der Arbeit erscheint als Selbsterhaltungskraft des Kapitals, dem sie einverleibt ist, ganz wie ihre gesellschaftlichen Produktivkräfte als seine Eigenschaften, und wie die beständige Aneignung der Mehrarbeit durch den Kapitalisten als beständige Selbstverwerthung des Kapitals. Alle Kräfte der Arbeit projektiren sich als Kräfte des Kapitals, wie alle Werthformen der Waare als Formen des Geldes.
Mit dem Wachsthum des Kapitals wächst die Differenz zwischen angewandtem und konsumirtem Kapital. In andren Worten: Es ||572| wächst die Werth- und Stoffmasse der Arbeitsmittel, wie Baulichkeiten, Maschinerie, Drainierungsröhren, Arbeitsvieh, Apparate jeder Art, die während längerer oder kürzerer Perioden, in beständig wiederholten Produktionsprocessen, ihrem ganzen Umfang nach funktioniren oder zur Erzielung bestimmter Nutzeffekte dienen, während sie nur allmählig verschleißen, daher ihren Werth nur stückweis verlieren, also auch nur stückweis auf das Produkt übertragen. Im Verhältniß, worin diese Arbeitsmittel als Produktbildner dienen, ohne dem Produkt Werth zuzusetzen, also ganz angewandt, aber nur theilweis konsumirt werden, leisten sie, wie früher erwähnt, denselben Gratisdienst wie Naturkräfte, Wasser, Dampf, Luft, Elektricität u. s. w. Dieser Gratisdienst der vergangnen Arbeit, wenn ergriffen und beseelt von der lebendigen Arbeit, akkumulirt mit der wachsenden Stufenleiter der Akkumulation.
Da die vergangne Arbeit sich stets in Kapital verkleidet, d. h. das Passivum der Arbeit von A, B, C u. s. w. in das Aktivum des Nichtarbeiters X, sind Bürger und politische Oekonomen voll des Lobes für die Verdienste der vergangnen Arbeit, welche nach dem schottischen Genie MacCulloch sogar einen eignen Sold (Zins, Profit u. s. w.) beziehn muß61). Das stets wachsende Gewicht der im lebendigen Arbeitsproceß unter der Form von Produktionsmitteln mitwirkenden vergangnen Arbeit wird also ihrer dem Arbeiter selbst, dessen vergangne und unbezahlte Arbeit sie ist, entfremdeten Gestalt zugeschrieben, ihrer Kapitalgestalt. Die praktischen Agenten der kapitalistischen Produktion und ihre ideologischen Zungendrescher sind ebenso unfähig, das Produktionsmittel von der antagonistischen gesellschaftlichen Charaktermaske, die ihm heutzutag anklebt, getrennt zu denken, als ein Sklavenhalter den Arbeiter selbst von seinem Charakter als Sklave.
Bei gegebnem Exploitationsgrad der Arbeitskraft ist die Masse des
Mehrwerths bestimmt durch die Anzahl der gleichzeitig ausgebeuteten Arbeiter, und diese entspricht, obgleich in wechselndem Verhältniß, der Größe des Kapitals. Jemehr also das Kapital vermittelst successiver Akkumulationen wächst, desto mehr wächst auch die Werthsumme, die sich in Konsumtionsfonds und Akkumulationsfonds spaltet. Der Kapitalist kann daher flotter leben und zugleich mehr „entsagen“. Und schließlich spielen alle Springfedern der Produktion um so energischer, je mehr ihre | |573| Stufenleiter sich erweitert mit der Masse des vorgeschossenen Kapitals.
5. Der sogenannte Arbeitsfonds.
Es ergab sich im Verlauf dieser Untersuchung, daß das Kapital keine fixe Größe ist, sondern ein elastischer und mit der Theilung des Mehrwerths in Revenue und Zusatzkapital beständig fluktuirender Theil des gesellschaftlichen Reichthums. Man sah ferner, daß selbst bei gegebner Größe des funktionirenden Kapitals, die ihm einverleibte Arbeitskraft, Wissenschaft und Erde (worunter ökonomisch alle ohne Zuthat des Menschen von Natur vorhandnen Arbeitsgegenstände zu verstehn sind) elastische Potenzen desselben bilden, die ihm innerhalb gewisser Grenzen einen von seiner eignen Größe unabhängigen Spielraum gestatten. Es wurde dabei von allen Verhältnissen des Cirkulationsprocesses abgesehn, die sehr verschiedne Wirkungsgrade derselben Kapitalmasse verursachen. Es wurde, da wir die Schranken der kapitalistischen Produktion voraussetzen, also eine rein naturwüchsige Gestalt des gesellschaftlichen Produktionsprocesses, abgesehn von jeder mit den vorhandnen Produktionsmitteln und Arbeitskräften unmittelbar und planmäßig bewirkbaren rationelleren Kombination. Die klassische Oekonomie liebte es von jeher, das gesellschaftliche Kapital als eine fixe Größe von fixem Wirkungsgrad aufzufassen. Aber das Vorurtheil ward erst zum Dogma befestigt durch den Urphilister Jeremias Bentham, dieß nüchtern pedantische, schwatzlederne Orakel des gemeinen Bürgerverstandes des 19. Jahrhunderts62). Bentham ist unter den Philosophen, was Martin Tupper unter den Dichtern. Beide waren nur in England fabricirbar63). Mit seinem Dogma werden die gewöhnlichsten Erschei||574|nungen des Produktionsprocesses, wie z. B. dessen plötzliche Expansionen und Kontraktionen, ja sogar die Akkumulation, völlig unbegreifbar64). Das Dogma wurde sowohl von Bentham selbst als von Malthus, James Mill, MacCulloch u. s. w. zu apologetischen Zwecken vernutzt, namentlich um einen Theil des Kapitals, das variable oder in Arbeitskraft umsetzbare Kapital als eine fixe Größe darzustellen. Die stoffliche Existenz des variablen Kapitals, d. h. die Masse der Lebensmittel, die es für den Arbeiter repräsentirt, oder der sog. Arbeitsfonds, wurde in einen durch Naturketten abgeringten und unüberschreitbaren Sondertheil des gesellschaftlichen Reichthums verfabelt. Um den Theil des gesellschaftlichen Reichthums, der als konstantes Kapital oder, stofflich ausgedrückt, als Produktionsmittel funktioniren soll, in Bewegung zu setzen, ist eine bestimmte Masse lebendiger Arbeit erheischt. Diese ist technologisch gegeben. Aber weder ist die Anzahl der Arbeiter gegeben, erheischt um diese Arbeitsmasse flüssig zu machen, denn das wechselt mit dem Exploitationsgrad der individuellen Arbeitskraft, noch der Preis dieser Arbeitskraft, sondern nur seine zudem sehr elastische Minimalschranke. Die Thatsachen, die dem Dogma zu Grund liegen, sind die. Einerseits hat der Arbeiter nicht mitzusprechen bei der Theilung des gesellschaftlichen Reichthums in Genußmittel der Nichtarbeiter und in Produktionsmittel. Andrerseits kann er nur in günstigen | |575| Ausnahmsfällen den sog. „Arbeitsfonds“ auf Kosten der „Revenue“ des Reichen erweitern65).
Zu welch abgeschmackter Tautologie es führt, die kapitalistische Schranke des Arbeitsfonds in seine gesellschaftliche Naturschranke umzudichten, zeige u. a. Professor Fawcett: „Das cirkulirende Kapital66) eines Landes“, sagt er, „ist sein Arbeitsfonds. Um daher den durchschnittlichen Geldlohn, den jeder Arbeiter erhält, zu berechnen, haben wir nur einfach dieß Kapital durch die Anzahl der Arbeiterbevölkerung zu dividiren“67). D. h. also, erst rechnen wir die wirklich gezahlten individuellen Arbeitslöhne in eine Summe zusammen, dann behaupten wir, daß diese Addition die Werthsumme des von Gott und Natur oktroyirten „Arbeitsfonds“ bildet. Endlich dividiren wir die so erhaltne Summe durch die Kopfzahl der Arbeiter, um hinwiederum zu entdecken, wie viel jedem Arbeiter individuell im Durchschnitt zufallen kann. Eine ungemein pfiffige Procedur dieß. Sie verhindert Herrn Fawcett nicht, im selben Athemzug zu sagen: „Der in England jährlich akkumulirte Gesammtreichthum wird in zwei Theile getheilt. Ein Theil wird in England zur Erhaltung unsrer eignen Industrie verwandt. Ein andrer Theil wird in andre Länder exportirt ... Der in unsrer Industrie angewandte Theil bildet keine bedeutende Portion des jährlich in diesem Land akkumulirten Reichthums“68). Der größere Theil des jährlich zuwachsenden Mehrprodukts, dem englischen Arbeiter ohne Aequivalent entwandt, wird also nicht in England, sondern in fremden Ländern verkapitalisirt. Aber mit ||576| dem so exportirten Zusatzkapital wird ja auch ein Theil des von Gott und Bentham erfundnen „Arbeitsfonds“ exportirt69).