|341| DRITTER ABSCHNITT.
Die Reproduktion und Cirkulation des gesellschaftlichen Gesammtkapitals.
ACHTZEHNTES KAPITEL.34)Einleitung. I. Gegenstand der Untersuchung.
Der unmittelbare Produktionsproceß des Kapitals ist sein Arbeits- und Verwerthungsproceß, der Proceß, dessen Resultat das Waarenprodukt, und dessen bestimmendes Motiv die Produktion von Mehrwerth.
Der Reproduktionsproceß des Kapitals umfaßt ebensowohl diesen unmittelbarenProduktionsproceß, wie die beiden Phasen des eigentlichen Cirkulationsprocesses, d. h. den gesammtenKreislauf, der als periodischer Proceß– Proceß, der sich in bestimmten Perioden stets von neuem wiederholt – den Umschlag des Kapitals bildet.
Ob wir nun den Kreislauf in der Form G … G′ oder in der Form P … P betrachten, der unmittelbare Produktionsproceß P bildet stets selbst nur ein Glied dieses Kreislaufs. Inder einen Form erscheint er als Vermittlung des Cirkulationsprocesses, in der andren Form erscheint der Cirkulationsproceß als seine Vermittlung. Seine beständige Erneuerung, die beständige Wieder-Darstellung des Kapitals als produktives Kapital ist beidemal bedingt durch seine Verwandlungen im Cirkulationsproceß. Andrerseits ist der beständig erneuerte Produktionsproceß die Bedingung der Verwandlungen, die das Kapital in der Cirkulationssphäre stets von neuem durchmacht, seiner abwechselnden Darstellung als Geldkapital und Waarenkapital. |
|342| Jedes einzelne Kapital bildet jedoch nur ein verselbständigtes, so zu sagen mit individuellem Leben begabtes Bruchstück des gesellschaftlichen Gesammtkapitals, wie jeder einzelne Kapitalist nur ein individuelles Element der Kapitalistenklasse. Die Bewegung des gesellschaftlichen Kapitals besteht aus der Totalität der Bewegungen seiner verselbständigten Bruchstücke, der Umschläge der individuellen Kapitale. Wie die Metamorphose der einzelnen Waare ein Glied der Metamorphosenreihe der Waarenwelt – der Waarencirkulation – ist, so die Metamorphose des individuellen Kapitals, sein Umschlag, ein Glied im Kreislauf des gesellschaftlichen Kapitals.
Dieser Gesammtproceß umschließt ebensowohl die produktive Konsumtion (den unmittelbaren Produktionsproceß) nebst den Formverwandlungen (stofflich betrachtet Austauschen), die ihn vermitteln, wie die individuelle Konsumtion mit den sie vermittelnden Formverwandlungenoder Austauschen. Sie umschließt einerseits den Umsatz von variablem Kapital in Arbeitskraft, und daher die Einverleibung der Arbeitskraftin den kapitalistischen Produktionsproceß. Hier tritt der Arbeiter als Verkäufer seiner Waare, der Arbeitskraft, auf und der Kapitalist als Käufer derselben . Andrerseits aber ist im Verkauf der Waaren eingeschlossen der Kauf derselben durch die Arbeiterklasse, also deren individuelle Konsumtion. Hier tritt die Arbeiterklasse als Käufer auf und die Kapitalisten als Waarenverkäufer an die Arbeiter .
Die Cirkulation des Waarenkapitals schließt die Cirkulation des Mehrwerths ein, also auch die Käufe und Verkäufe, wodurch die Kapitalisten ihre individuelle Konsumtion, die Konsumtion des Mehrwerths vermitteln .
Der Kreislauf der individuellen Kapitale in ihrer Zusammenfassung zum gesellschaftlichen Kapital, also in seiner Totalität betrachtet, umfaßt also nicht nur die Cirkulation des Kapitals, sondern auch die allgemeine Waarencirkulation. Die letztre kann primitiv nur aus zwei Bestandtheilen bestehn: 1) dem eignen Kreislauf des Kapitals, und 2) dem Kreislauf der Waaren, die in die individuelle Konsumtion eingehn, also der Waaren, worin der Arbeiter seinen Lohn und der Kapitalist seinen Mehrwerth (oder Theil seines Mehrwerths) verausgabt. Allerdings umfaßt der Kreislauf des Kapitals auch die Cirkulation des Mehrwerths, soweit dieser Theil des Waarenkapitals bildet, und ebenso die Verwandlung von | |343| variablem Kapital in Arbeitskraft, die Zahlung des Arbeitslohns. Aber die Verausgabung dieses Mehrwerths und Arbeitslohns in Waaren bildet kein Glied der Kapitalcirkulation, obwohl wenigstens die Verausgabung des Arbeitslohns diese Cirkulation bedingt .
Im I. Buch wurde der kapitalistische Produktionsproceß, sowohl als vereinzelter Vorgang wie als Reproduktionsproceß analysirt: die Produktion des Mehrwerths und die Produktion des Kapitals selbst. Der Formund Stoffwechsel, den das Kapital innerhalb der Cirkulationssphäre durchmacht, wurde unterstellt, ohne weiter dabei zu verweilen. Eswurde also unterstellt, daß der Kapitalist einerseits das Produkt zu seinem Werth verkauft, andrerseits innerhalb der Cirkulationssphäre die sachlichen Produktionsmittel vorfindet, um den Proceß von neuem zu beginnen oder kontinuirlich fortzuführen. Der einzige Akt innerhalb der Cirkulationssphäre, wobei wir uns dort aufzuhalten hatten, war der Kauf und Verkauf der Arbeitskraft als Grundbedingung der kapitalistischen Produktion.
Im ersten Abschnitt dieses II. Buchs wurden die verschiednen Formen betrachtet, die das Kapital in seinem Kreislauf annimmt, und die verschiednen Formen dieses Kreislaufs selbst. Zuder im I. Buch betrachteten Arbeitszeit kommt jetzt die Cirkulationszeit hinzu.
Imzweiten Abschnitt wurde der Kreislauf als periodischer, d. h. als Umschlag betrachtet.Es wurde einerseits gezeigt, wie die verschiednen Bestandtheile des Kapitals (fixes und cirkulirendes) den Kreislauf der Formen in verschiednen Zeiträumen vollbringen und in verschiedner Weise; es wurden andrerseits die Umstände untersucht, wodurch verschiedne Länge der Arbeitsperiode und Cirkulationsperiode bedingt wird. Es zeigte sich der Einfluß der Kreislaufsperiode und des verschiednen Verhältnisses ihrer Bestandtheile auf den Umfang des Produktionsprocesses selbst wie auf die Jahresrate des Mehrwerths. In der That, wenn im ersten Abschnitt hauptsächlich betrachtet wurden die successiven Formen, die das Kapital in seinem Kreislauf beständig annimmt und abstreift, so im zweiten Abschnitt, wie innerhalb dieses Flusses und Succession von Formen ein Kapital von gegebner Größe sich gleichzeitig, wenn auch in wechselndem Umfang, in die verschiednen Formen von produktivem Kapital, Geldkapital und Waarenkapital theilt, sodaß sie nicht nur mit einander abwechseln, sondern verschiedne Theile des gesammten Kapitalwerths beständig in diesen verschiednen Zuständen sich nebeneinander befinden ||344| und fungiren. Das Geldkapital namentlich stellte sich dar in einer Eigenthümlichkeit, die sich nicht in Buch I zeigte. Es wurden bestimmte Gesetze gefunden, nach denen verschieden große Bestandtheile eines gegebnen Kapitals, je nach den Bedingungen des Umschlags, beständig in der Form von Geldkapital vorgeschossen und erneuert werden müssen, um ein produktives Kapital von gegebnem Umfang beständig in Funktion zu halten.
Es handelte sich aber im ersten wie im zweiten Abschnitt immer nur um ein individuelles Kapital, um die Bewegung eines verselbständigten Theils des gesellschaftlichen Kapitals.
Die Kreisläufe der individuellen Kapitale verschlingen sich aber in einander, setzen sich voraus und bedingen einander, und bilden gerade in dieser Verschlingung die Bewegung des gesellschaftlichen Gesammtkapitals. Wie bei der einfachen Waarencirkulation die Gesammtmetamorphose einer Waare als Glied der Metamorphosenreihe der Waarenwelt erschien, so jetzt die Metamorphose des individuellen Kapitals als Glied der Metamorphosenreihe des gesellschaftlichen Kapitals. Wenn aber die einfache Waarencirkulation keineswegs nothwendig die Cirkulation des Kapitals einschloß – da sie auf Grundlage nichtkapitalistischer Produktionvorgehn kann – so schließt, wie bereits bemerkt, der Kreislauf des gesellschaftlichen Gesammtkapitals auch die nicht in den Kreislauf des einzelnen Kapitals fallende Waarencirkulation ein, d. h. die Cirkulation der Waaren, die nicht Kapital bilden.
Es ist nun der Cirkulationsproceß (der in seiner Gesammtheit Form des Reproduktionsprocesses) der individuellen Kapitale, als Bestandtheile des gesellschaftlichen Gesammtkapitals, also der Cirkulationsproceß dieses gesellschaftlichen Gesammtkapitals zu betrachten.
II. Die Rolle des Geldkapitals.
❲Obgleich das Folgende erst in den spätern Theil dieses Abschnitts gehört, so wollen wir es gleich untersuchen, nämlich: das Geldkapital als Bestandtheil des gesellschaftlichen Gesammtkapitalsbetrachtet.❳
Bei Betrachtung des Umschlags des individuellen Kapitals hat sich das Geldkapital von zwei Seiten gezeigt. |
|345| Erstens: Es bildet die Form, worin jedes individuelle Kapital auf die Bühne tritt, seinen Proceß als Kapital eröffnet. Es erscheint daher als primus motor, anstoßgebend dem ganzen Proceß.
Zweitens: Je nach der verschiednen Länge der Umschlagsperiode und dem verschiednen Verhältniß ihrer beiden Bestandtheile – Arbeitsperiode und Cirkulationsperiode – ist der Bestandtheil des vorgeschossnen Kapitalwerths, der beständig in Geldform vorgeschossen und erneuert werden muß, verschieden im Verhältniß zu dem produktiven Kapital, das er in Bewegung setzt, d. h. im Verhältniß zur kontinuirlichen Produktionsleiter. Welches aber immer dies Verhältniß sei, unter allen Umständen ist der Theil des processirenden Kapitalwerths, der beständig als produktives Kapital fungiren kann, beschränkt durch den Theil des vorgeschoßnen Kapitalwerths, der beständig neben dem produktiven Kapital in Geldform existiren muß. Es handelt sich hier nur um den normalen Umschlag, einen abstrakten Durchschnitt. Es ist dabei abgesehn von zuschüssigem Geldkapital zur Ausgleichung von Cirkulationsstockungen .
Zum ersten Punkt. Die Waarenproduktion unterstellt die Waarencirkulation, und die Waarencirkulation unterstellt die Darstellung der Waare als Geld, die Geldcirkulation; die Verdopplung der Waare in Waare und Geldist ein Gesetz der Darstellung des Produkts als Waare. Ebenso unterstellt die kapitalistische Waarenproduktion – gesellschaftlich sowohl wie individuell betrachtet – das Kapital in Geldform oder das Geldkapital als primus motor für jedes neu beginnende Geschäft, und als kontinuirlichen Motor. Das cirkulirende Kapital speciell unterstellt das in kürzern Zeiträumen beständig wiederholte Auftreten des Geldkapitals als Motor. Der ganze vorgeschoßne Kapitalwerth, d. h. alle Bestandtheile des Kapitals, die aus Waaren bestehn, Arbeitskraft, Arbeitsmittel und Produktionsstoffe müssen beständig mit Geld gekauft und wieder gekauft werden. Was hier für das individuelle Kapital, gilt für das gesellschaftliche Kapital, das nur in der Form vieler individuellen Kapitale fungirt. Aber wie schon im Buch I gezeigt, folgt daraus keineswegs, daß das Funktionsfeld des Kapitals, die Stufenleiter der Produktion, selbst auf kapitalistischer Grundlage, ihren absoluten Schranken nach abhängt von dem Umfang des fungirenden Geldkapitals.
Dem Kapital sind Produktionselemente einverleibt, deren Dehnung, innerhalb gewisser Grenzen, von der Größe des vorgeschoßnen Geldkapitals||346| unabhängig ist. Bei gleicher Zahlung der Arbeitskraft kann sie extensiv oder intensiv stärker ausgebeutet werden. Wird das Geldkapital mit dieser stärkern Ausbeutung vermehrt (d. h. der Arbeitslohn erhöht), so nicht verhältnißmäßig, also pro tanto gar nicht.
Der produktiv ausgebeutete Naturstoff – der kein Werthelement des Kapitals bildet – Erde, Meer, Erze, Waldungen u. s. w., wird mit größrer Spannung derselben Anzahl von Arbeitskräften intensiv oder extensiv stärker ausgebeutet, ohne vermehrten Vorschuß von Geldkapital. Die realen Elemente des produktiven Kapitals werden so vermehrt, ohne Nothwendigkeit eines Zuschusses von Geldkapital. Soweit dieser nöthig wird für zuschüssige Hülfsstoffe, wird das Geldkapital, worin der Kapitalwerth vorgeschossen wird, nicht verhältnißmäßig zur Erweitrung der Wirksamkeit des produktiven Kapitals vermehrt, also pro tanto gar nicht.
DieselbenArbeitsmittel, also dasselbe fixe Kapital kann sowohl in der Verlängrung seiner täglichen Gebrauchszeit, wie in der Intensität seiner Anwendung wirksamer vernutzt werden ohne zuschüssige Geldauslage für fixes Kapital. Es findet dann nur raschrer Umschlag des fixen Kapitals statt, aber auch die Elemente seiner Reproduktion werden rascher geliefert.
Von dem Naturstoff abgesehn, können Naturkräfte, die nichts kosten, als Agenten dem Produktionsproceß mit stärkrer oder schwächrer Wirksamkeit einverleibt werden. Der Grad ihrer Wirksamkeit hängt von Methoden und wissenschaftlichen Fortschrittenab, die dem Kapitalisten nichts kosten.
Dasselbe gilt von der gesellschaftlichen Kombination der Arbeitskraft im Produktionsproceß und von der gehäuften Geschicklichkeitder individuellen Arbeiter. Carey rechnet heraus, daß der Grundeigenthümer nie genug erhält, weil ihm nicht alles Kapital, resp. Arbeit gezahlt wird, die seit Menschengedenken in den Boden gesteckt worden, um ihm seine jetzige Produktionsfähigkeit zu geben. (Von der Produktionsfähigkeit, die ihm genommen wird, ist natürlich nicht die Rede.) Danach müßte der einzelne Arbeiter gezahlt werden nach der Arbeit, die es das ganze Menschengeschlecht gekostet hat, um aus einem Wilden einen modernen Mechanikerherauszuarbeiten. Man sollte umgekehrt meinen: Berechnet man alle unbezahlte, aber durch Grundeigenthümer und Kapitalisten versilberte Arbeit, die im Boden steckt, so ist das sämmtliche in ||347| den Boden gesteckte Kapital aber und abermals mit Wucherzinsen zurückgezahlt, also das Grundeigenthum längst von der Gesellschaft aber und abermals zurückgekauft worden.
Die Erhöhung der Produktivkräfte der Arbeit, soweit sie keine zuschüssige Auslage von Kapitalwerthen voraussetzt, erhöht zwar in erster Instanz nur die Masse des Produkts, nicht seinen Werth; außer soweit sie befähigt mehr konstantes Kapital mit derselben Arbeit zu reproduciren, also seinen Werth zu erhalten. Aber sie bildet zugleich neuen Kapitalstoff, also die Basis vermehrter Akkumulation des Kapitals.
Soweit die Organisation der gesellschaftlichen Arbeitselbst, daher die Erhöhung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit, verlangt, daß auf großer Stufenleiter producirt und daher Geldkapital vom Einzelkapitalisten in großen Massen vorgeschossen wird, ist bereits in Buch I gezeigt, daß dies zum Theil durch Centralisation der Kapitale in wenigen Händen geschieht, ohne daß der Umfang der fungirenden Kapitalwerthe, und daher auch der Umfang des Geldkapitals, worin sie vorgeschossen werden, absolut zu wachsen braucht. Die Größe der Einzelkapitale kann durch Centralisation in wenigen Händen wachsen, ohne daß ihre gesellschaftliche Summe wächst. Es ist nur veränderte Theilung der Einzelkapitale .
Es ist endlich im vorigen Abschnitt gezeigt worden, daß Verkürzung der Umschlagsperiode erlaubt, entweder mit weniger Geldkapital dasselbe produktive Kapital, oder mit demselben Geldkapital mehr produktives Kapital in Bewegung zu setzen.
Dies alles hat offenbar jedoch mit der eigentlichen Frage des Geldkapitals nichts zu thun. Es zeigt nur, daß das vorgeschoßne Kapital – eine gegebne Werthsumme, die in ihrer freien Form, in ihrer Werthform, aus einer gewissen Geldsumme besteht – nach seiner Verwandlung in produktives Kapital produktive Potenzen einschließt, deren Schranken nicht durch seine Werthschranken gegeben sind, sondern die innerhalb eines gewissen Spielraums extensiv oder intensiv verschieden wirken können. Die Preise der Produktionselemente – der Produktionsmittel und der Arbeitskraft – gegeben, ist die Größe des Geldkapitals bestimmt, die nöthig ist, um ein bestimmtes Quantum dieser als Waaren vorhandnen Produktionselemente zu kaufen. Oder die Werthgröße des vorzuschießenden||348| Kapitals ist bestimmt. Aber der Umfang, worin dies Kapital als Werth- und Produktbildner wirkt, ist elastisch und variabel.
Zum zweiten Punkt. Daßder Theil der gesellschaftlichen Arbeit und Produktionsmittel, der jährlich zur Produktion oder zum Ankauf von Geld verausgabt werden muß, um verschlißne Münze zu ersetzen, pro tanto ein Abbruch am Umfang der gesellschaftlichen Produktion ist, ist selbstverständlich. Was aber den Geldwerth angeht, der theils als Umlaufsmittel, theils als Schatz fungirt, so ist er einmal da, erworben, er ist da neben der Arbeitskraft, den producirten Produktionsmitteln und den natürlichen Quellen des Reichthums. Er kann nicht als Schranke derselben betrachtet werden. Durch seine Verwandlung in Produktionselemente, durch Austausch mit andren Völkern, könnte die Produktionsleiter erweitert werden. Dies unterstellt jedoch, daß das Geld nach wie vor seine Rolle als Weltgeld spielt.
Je nach der Größe der Umschlagsperiode ist größre oder geringre Masse von Geldkapital nöthig, um das produktive Kapital in Bewegung zu setzen. Ebensohaben wir gesehn, daß die Theilung der Umschlagsperiode in Arbeitszeit und Cirkulationszeit eine Vermehrung des in Geldform latenten oder suspendirten Kapitals bedingt.
Soweit die Umschlagsperiode durch die Länge der Arbeitsperiode bestimmt wird, wird sie bestimmt, unter sonst gleichbleibenden Bedingungen, durch die materielle Natur des Produktionsprocesses, also nicht durch den specifischen gesellschaftlichen Charakter dieses Produktionsprocesses. Auf Basis der kapitalistischen Produktion jedoch bedingen ausgedehntre Operationen von längrer Dauer, größre Vorschüsse von Geldkapital für längre Zeit. Die Produktion in solchen Sphären ist also abhängig von den Grenzen, innerhalb deren der einzelne Kapitalist über Geldkapital verfügt. Diese Schranke wird durchbrochen durch Kreditwesen und damit zusammenhängende Association, z. B. Aktiengesellschaften . Störungen im Geldmarkt setzen daher solche Geschäfte still, während diese selben Geschäfte ihrerseits Störungen im Geldmarkt hervorrufen .
Auf Basis gesellschaftlicher Produktion ist zu bestimmen der Maßstab, worin diese Operationen, die während längrer Zeit Arbeitskraft und Produktionsmittelentziehn, ohne während dieser Zeit ein Produkt als Nutzeffektzu liefern, ausgeführt werden können ohne die Produktionszweige zu schädigen, die kontinuirlich oder mehrmals während des Jahrs | |349| nicht nur Arbeitskraft und Produktionsmittel entziehn, sondern auch Lebensmittel und Produktionsmittel liefern. Bei gesellschaftlicher ebenso wie bei kapitalistischer Produktion werden nach wie vor die Arbeiter in Geschäftszweigen von kürzren Arbeitsperioden nur für kürzre Zeit Produkteentziehn, ohne Produkt wieder zu geben; während die Geschäftszweige mit langen Arbeitsperioden für längre Zeit fortwährend entziehn, bevor sie zurückgeben. Dieser Umstand entspringt also aus den sachlichen Bedingungen des betreffenden Arbeitsprocesses, nicht aus seiner gesellschaftlichen Form.Das Geldkapital fällt bei gesellschaftlicher Produktion fort. Die Gesellschaft vertheilt Arbeitskraft und Produktionsmittel in die verschiednen Geschäftszweige. Die Producenten mögen meinetwegen papierne Anweisungen erhalten, wofür sie den gesellschaftlichen Konsumtionsvorräthen ein ihrer Arbeitszeit entsprechendes Quantum entziehn. Diese Anweisungen sind kein Geld. Sie cirkuliren nicht.
Man sieht, daß soweit das Bedürfniß für Geldkapital aus der Länge der Arbeitsperiode entspringt, dies durch zwei Umstände bedingt wird: Erstens, daß überhaupt Geld die Form ist, worin jedes individuelle Kapital(vom Kredit abgesehn) auftreten muß, um sich in produktives Kapital zu verwandeln; dies geht hervor aus dem Wesen der kapitalistischen Produktion, überhaupt der Waarenproduktion. – Zweitens, die Größe des nöthigen Geldvorschusses entspringt aus dem Umstand, daß während längrer Zeit beständig Arbeitskraft und Produktionsmittel der Gesellschaft entzogen werden ohne daß ihr während dieser Zeit ein in Geld rückverwandelbares Produkt zurückgegeben wird . Der erste Umstand, daß das vorzuschießende Kapital in Geldform vorgeschossen werden muß, wird nicht aufgehoben durch die Form dieses Geldes selbst, ob es Metallgeld, Kreditgeld, Werthzeichen etc. Der zweite Umstand wird in keiner Weise dadurch afficirt, durch welches Geldmedium oder durch welche Form der Produktion Arbeit, Lebensmittel und Produktionsmittel entzogen werden, ohne ein Aequivalent in die Cirkulation zurück zu werfen. |