ACHTZEHNTES KAPITEL.
Der Umschlag des Kaufmannskapitals. Die Preise.
Der Umschlag des industriellen Kapitals ist die Einheit seiner Produktions- und Cirkulationszeit und umfaßt daher den ganzen Produktionsproceß. Der Umschlag des Kaufmannskapitals dagegen, da er in der That nur die verselbständigte Bewegung des Waarenkapitals ist, stellt nur die erste Phase der Metamorphose der Waare, W–G, als in sich zurückfließende Bewegung eines besondren Kapitals dar; G–W, W–G im kaufmännischen Sinn, als Umschlag des Kaufmannskapitals. Der Kaufmann kauft, verwandelt sein Geld in Waare, verkauft dann, verwandelt dieselbe Waare wieder in Geld; und so fort in beständiger Wiederholung. Innerhalb der Cirkulation stellt sich die Metamorphose des industriellen Kapitals immer dar als W1–G–W2; das aus dem Verkauf von W1, der producirten Waare, gelöste Geld wird benutzt um W2, neue Produktionsmittel, zu kaufen; es ist dies der wirkliche Austausch von W1 und W2 und dasselbe Geld wechselt so zweimal die Hände. Seine Bewegung vermittelt den Austausch zweier verschiedenartiger Waaren, W1 und W2. Aber beim Kauf ||287|mann, in G–W–G′ wechselt umgekehrt dieselbe Waare zweimal die Hände; sie vermittelt nur den Rückfluß des Geldes zu ihm.
Wenn z. B. das Kaufmannskapital 100 £, und der Kaufmann kauft für diese 100 £ Waare, verkauft dann diese Waare zu 110 £, so hat dies sein Kapital von 100 einen Umschlag gemacht, und die Anzahl der Umschläge im Jahr hängt davon ab, wie oft diese Bewegung G–W–G′ im Jahr wiederholt wird.
Wir sehn hier ganz ab von den Kosten, die in der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis stecken mögen, da diese Kosten an der Form, die wir hier zunächst zu betrachten haben, gar nichts ändern.
Die Anzahl der Umschläge eines gegebnen Kaufmannskapitals hat hier also durchaus Analogie mit der Wiederholung der Umläufe des Geldes als bloßes Cirkulationsmittel. Wie derselbe Thaler, der zehnmal umläuft, zehnmal seinen Werth in Waaren kauft, so kauft dasselbe Geldkapital des Kaufmanns von 100 z. B., wenn es zehnmal umschlägt, zehnmal seinen Werth in Waaren oder realisirt ein gesammtes Waarenkapital von zehnfachem Werth = 1000. Der Unterschied ist aber der. Beim Umlauf des Geldes als Cirkulationsmittel ist es dasselbe Geldstück, das durch verschiedne Hände läuft, also wiederholt dieselbe Funktion vollzieht und daher durch die Geschwindigkeit des Umlaufs die Masse der umlaufenden Geldstücke ersetzt. Aber bei dem Kaufmann ist es dasselbe Geldkapital, gleichgültig aus welchen Geldstücken zusammengesetzt, derselbe Geldwerth, der wiederholt zum Betrag seines Werths Waarenkapital kauft und verkauft, und daher in dieselbe Hand wiederholt als G + ΔG, zu seinem Ausgangspunkt als Werth plus Mehrwerth zurückfließt. Dies charakterisirt seinen Umschlag als Kapitalumschlag. Es entzieht der Cirkulation beständig mehr Geld als es hineinwirft. Es versteht sich übrigens von selbst, daß mit beschleunigtem Umschlag des kaufmännischen Kapitals (wo auch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel bei entwikkeltem Kreditwesen überwiegt) auch dieselbe Geldmasse rascher umläuft.
Der wiederholte Umschlag des Waarenhandlungskapitals drückt aber nie etwas andres aus als Wiederholung von Kaufen und Verkaufen; während der wiederholte Umschlag des industriellen Kapitals die Periodicität und die Erneuerung des gesammten Reproduktionsprocesses (worin der Konsumtionsproceß eingeschlossen) ausdrückt. Dies erscheint dagegen für das Kaufmannskapital nur als äußere Bedingung. Das industrielle Kapital muß beständig Waaren auf den Markt werfen und sie ihm wieder entziehn, damit ||288| der rasche Umschlag des Kaufmannskapitals möglich bleibe. Ist der Reproduktionsproceß überhaupt langsam, so der Umschlag des Kaufmannskapitals. Nun vermittelt zwar das Kaufmannskapital den Umschlag des produktiven Kapitals; aber nur soweit es dessen Umlaufszeit verkürzt. Es wirkt nicht direkt auf die Produktionszeit, die ebenfalls eine Schranke für die Umschlagszeit des industriellen Kapitals bildet. Dies ist die erste Grenze für den Umschlag des Kaufmannskapitals. Zweitens aber, abgesehn von der durch die reproduktive Konsumtion gebildeten Schranke, ist dieser Umschlag schließlich beschränkt durch die Geschwindigkeit und den Umfang der gesammten individuellen Konsumtion, da der ganze in den Konsumtionsfonds eingehende Theil des Waarenkapitals davon abhängt.
Nun aber (ganz abgesehn von den Umschlägen innerhalb der Kaufmannswelt, wo ein Kaufmann dieselbe Waare immer an den andern verkauft und diese Art Cirkulation in spekulativen Zeiten sehr blühend aussehn mag) verkürzt das Kaufmannskapital erstens die Phase W–G für das produktive Kapital. Zweitens, bei dem modernen Kreditsystem, verfügt es über einen großen Theil des Gesammtgeldkapitals der Gesellschaft, sodaß es seine Einkäufe wiederholen kann, bevor es das schon Gekaufte definitiv verkauft hat; wobei es gleichgültig ist, ob unser Kaufmann direkt an den letzten Konsumenten verkauft, oder zwischen diesen beiden 12 andre Kaufleute liegen. Bei der ungeheuren Elasticität des Reproduktionsprocesses, der beständig über jede gegebne Schranke hinausgetrieben werden kann, findet er keine Schranke an der Produktion selbst, oder nur eine sehr elastische. Außer der Trennung von W–G und G–W, die aus der Natur der Waare folgt, wird hier also eine fiktive Nachfrage geschaffen. Trotz ihrer Verselbständigung ist die Bewegung des Kaufmannskapitals nie etwas andres als die Bewegung des industriellen Kapitals innerhalb der Cirkulationssphäre. Aber kraft seiner Verselbständigung bewegt es sich innerhalb gewisser Grenzen unabhängig von den Schranken des Reproduktionsprocesses, und treibt ihn daher selbst über seine Schranken hinaus. Die innere Abhängigkeit, die äußere Selbständigkeit treiben es bis zu einem Punkt, wo der innere Zusammenhang gewaltsam, durch eine Krise, wieder hergestellt wird.
Daher das Phänomen in den Krisen, daß sie nicht zuerst sich zeigen und ausbrechen beim Detailverkauf, der es mit der unmittelbaren Konsumtion zu thun hat, sondern in den Sphären des Großhandels und der Banken, die diesem das Geldkapital der Gesellschaft zur Verfügung stellen. |
|289| Der Fabrikant mag wirklich verkaufen an den Exporteur, und dieser wieder an seinen fremden Kunden, der Importeur mag seine Rohstoffe absetzen an den Fabrikanten, dieser seine Produkte an den Großhändler u. s. w. Aber an irgend einem einzelnen unsichtbaren Punkt liegt die Waare unverkauft; oder ein andresmal werden die Vorräthe aller Producenten und Zwischenhändler allmälig überfüllt. Die Konsumtion steht gerade dann gewöhnlich in der höchsten Blüte, theils weil ein industrieller Kapitalist eine Reihenfolge andrer in Bewegung setzt, theils weil die von ihnen beschäftigten Arbeiter, vollauf beschäftigt, mehr als gewöhnlich auszugeben haben. Mit dem Einkommen der Kapitalisten nimmt ebenfalls ihre Ausgabe zu. Außerdem findet, wie wir gesehn haben (Buch II, Abschn. III), eine beständige Cirkulation statt zwischen konstantem Kapital und konstantem Kapital (auch abgesehn von der beschleunigten Akkumulation), die insofern zunächst unabhängig ist von der individuellen Konsumtion, als sie nie in dieselbe eingeht, die aber doch durch sie definitiv begrenzt ist, indem die Produktion von konstantem Kapital nie seiner selbst wegen stattfindet, sondern nur weil mehr davon gebraucht wird in den Produktionssphären, deren Produkte in die individuelle Konsumtion eingehn. Dies kann jedoch eine zeitlang ruhig seinen Weg gehn, durch die prospektive Nachfrage gereizt, und in diesen Zweigen geht das Geschäft bei Kaufleuten und Industriellen daher sehr flott voran. Die Krise tritt ein, sobald die Rückflüsse der Kaufleute, die fernab verkaufen (oder deren Vorräthe auch im Inlande sich gehäuft haben), so langsam und spärlich werden, daß die Banken auf Zahlung dringen oder die Wechsel gegen die gekauften Waaren verfallen ehe Wiederverkauf stattgefunden. Dann beginnen Zwangsverkäufe, Verkäufe um zu zahlen. Und damit ist der Krach da, der der scheinbaren Prosperität auf einmal ein Ende macht.
Die Aeußerlichkeit und Begriffslosigkeit des Umschlags des Kaufmannskapitals ist aber noch größer, weil der Umschlag desselben Kaufmannskapitals die Umschläge sehr verschiedner produktiver Kapitale gleichzeitig oder der Reihe nach vermitteln kann.
Der Umschlag des Kaufmannskapitals kann aber nicht nur Umschläge verschiedner industrieller Kapitale vermitteln, sondern auch die entgegengesetzte Phase der Metamorphose des Waarenkapitals. Der Kaufmann kauft z. B. die Leinwand vom Fabrikanten und verkauft sie an den Bleicher. Hier stellt also der Umschlag desselben Kaufmannskapitals, - in der That dasselbe W–G, die ||290| Realisirung der Leinwand, – zwei entgegengesetzte Phasen für zwei verschiedne industrielle Kapitale vor. Soweit der Kaufmann überhaupt für die produktive Konsumtion verkauft, stellt sein W–G stets das G–W eines industriellen Kapitals, und sein G–W stets das W–G eines andern industriellen Kapitals vor.
Wenn wir, wie es in diesem Kapitel geschieht, K, die Cirkulationskosten, weglassen, den Theil des Kapitals, den der Kaufmann außer der im Ankauf der Waaren ausgelegten Summe vorschießt, so fällt natürlich auch ΔK fort, der zusätzliche Profit, den er auf dies zusätzliche Kapital macht. Es ist dies also die strikt logische und mathematisch richtige Betrachtungsweise, wenn es gilt zu sehn, wie Profit und Umschlag des Kaufmannskapitals auf die Preise wirken.
Wenn der Produktionspreis von 1 lb Zucker 1 £, so könnte der Kaufmann mit 100 £ 100 lb Zucker kaufen. Kauft und verkauft er im Laufe des Jahres dies Quantum und ist die jährliche Durchschnittsprofitrate 15 %, so würde er zuschlagen auf 100 £ 15 £, und auf 1 £, den Produktionspreis von 1 lb, 3 sh. Er würde also das Pfund Zucker zu 1 £ 3 sh. verkaufen. Fiele dagegen der Produktionspreis von 1 lb Zucker auf 1 sh., so würde der Kaufmann mit 100 £ 2000 lb einkaufen, und das Pfund verkaufen zu 1 sh. 1 d. Nach wie vor wäre der Jahresprofit auf das im Zuckergeschäft ausgelegte Kapital von 100 £ = 15 £. Nur muß er in dem einen Fall 100, im andern 2000 lb verkaufen. Die Höhe oder Niedrigkeit des Produktionspreises hätte nichts zu thun mit der Profitrate; aber sie hätte sehr viel, entscheidend damit zu thun, wie groß der aliquote Theil des Verkaufspreises jedes Pfundes Zucker ist, der sich in merkantilen Profit auflöst; d. h. der Preiszuschlag, den der Kaufmann auf ein bestimmtes Quantum Waare (Produkt) macht. Ist der Produktionspreis einer Waare gering, so die Summe, die der Kaufmann in ihrem Kaufpreis, d. h. für eine bestimmte Masse derselben, vorschießt, und daher bei gegebner Profitrate der Betrag des Profits, den er auf dieses gegebne Quantum wohlfeiler Waare macht; oder, was auf dasselbe herauskommt, er kann dann mit einem gegebnen Kapital, z. B. von 100, eine große Masse dieser wohlfeilen Waare kaufen, und der Gesammtprofit von 15, den er auf die 100 macht, vertheilt sich in kleinen Brüchen über jedes einzelne Theilstück dieser Waarenmasse. Wenn umgekehrt, umgekehrt. Es hängt dies ganz und gar ab von der größren oder geringren Produktivität des industriellen Kapitals, mit dessen Waaren er Handel treibt. Nehmen wir Fälle aus, wo ||291| der Kaufmann Monopolist ist und zugleich die Produktion monopolisirt, wie etwa ihrer Zeit die holländisch-ostindische Kompagnie, so kann nichts alberner sein als die gangbare Vorstellung, daß es vom Kaufmann abhängt, ob er viel Waare zu wenig Profit oder wenig Waare zu viel Profit auf die einzelne Waare verkaufen will. Die beiden Grenzen für seinen Verkaufspreis sind: einerseits der Produktionspreis der Waare, über den er nicht verfügt; andrerseits die Durchschnittsprofitrate, über die er ebensowenig verfügt. Das einzige, worüber er zu entscheiden hat, wobei aber die Größe seines verfügbaren Kapitals und andre Umstände mitsprechen, ist, ob er in theuren oder wohlfeilen Waaren handeln will. Es hängt daher ganz und gar vom Entwicklungsgrad der kapitalistischen Produktionsweise ab, und nicht vom Belieben des Kaufmanns, wie er es damit hält. Eine bloß kaufmännische Kompagnie, wie die alte holländisch-ostindische, die das Monopol der Produktion hatte, konnte sich einbilden, eine höchstens den Anfängen der kapitalistischen Produktion entsprechende Methode unter ganz veränderten Verhältnissen fortzusetzen.40)
Was jenes populäre Vorurtheil, welches übrigens, wie alle falschen Vorstellungen über Profit etc. aus der Anschauung des bloßen Handels und aus dem kaufmännischen Vorurtheil entspringt, aufrecht hält, sind unter anderm folgende Umstände.
Erstens: Erscheinungen der Konkurrenz, die aber bloß die Vertheilung des merkantilen Profits unter die einzelnen Kaufleute, die Antheilbesitzer am Gesammt-Kaufmannskapital betreffen; wenn einer z. B. wohlfeiler verkauft, um seine Gegner aus dem Felde zu schlagen.
Zweitens: ein Oekonom vom Kaliber des Professor Roscher kann sich in Leipzig immer noch einbilden, daß es „Klugheits- und Humanitäts“-Gründe waren, die den Wechsel in den Verkaufspreisen producirt haben, und daß dieser nicht ein Resultat umgewälzter Produktionsweise selbst war. |
|292|Drittens: sinken die Produktionspreise in Folge gesteigerter Produktivkraft der Arbeit, und sinken daher auch die Verkaufspreise, so steigt oft die Nachfrage noch schneller als die Zufuhr, und mit ihr die Marktpreise, sodaß die Verkaufspreise mehr als den Durchschnittsprofit abwerfen.
Viertens: ein Kaufmann mag den Verkaufspreis herabsetzen (was immer nichts ist als Herabsetzen des üblichen Profits, den er auf den Preis schlägt) um größres Kapital rascher in seinem Geschäft umzuschlagen. Alles das sind Dinge, die nur die Konkurrenz unter den Kaufleuten selbst angehn.
Es ist bereits in Buch I gezeigt worden, daß die Höhe oder Niedrigkeit der Waarenpreise weder die Masse des Mehrwerths bestimmt, die ein gegebnes Kapital producirt, noch die Rate des Mehrwerths; obgleich je nach dem relativen Quantum Waare, das ein gegebnes Quantum Arbeit producirt, der Preis der einzelnen Waare und damit auch der Mehrwerthstheil dieses Preises größer oder kleiner ist. Die Preise jedes Waarenquantums sind bestimmt, soweit sie den Werthen entsprechen, durch das Gesammtquantum der in diesen Waaren vergegenständlichten Arbeit. Vergegenständlicht sich wenig Arbeit in viel Waare, so ist der Preis der einzelnen Waare niedrig und der in ihr steckende Mehrwerth gering. Wie sich die in einer Waare verkörperte Arbeit in bezahlte und unbezahlte Arbeit theilt, welches Quantum dieses Preises daher Mehrwerth vorstellt, hat mit diesem Totalquantum Arbeit, also mit dem Preis der Waare nichts zu thun. Die Rate des Mehrwerths aber hängt ab nicht von der absoluten Größe des Mehrwerths, der im Preis der einzelnen Waare enthalten ist, sondern von seiner relativen Größe, von seinem Verhältniß zum Arbeitslohn, der in derselben Waare steckt. Die Rate kann daher groß sein, obgleich die absolute Größe des Mehrwerths für jede einzelne Waare klein ist. Diese absolute Größe des Mehrwerths in jeder einzelnen Waare hängt ab in erster Linie von der Produktivität der Arbeit, und nur in zweiter Linie von ihrer Theilung in bezahlte und unbezahlte.
Bei dem kommerziellen Verkaufspreis nun gar ist der Produktionspreis eine gegebne äußre Voraussetzung.
Die Höhe der kommerziellen Waarenpreise in früherer Zeit war geschuldet 1) der Höhe der Produktionspreise, d. h. der Unproduktivität der Arbeit; 2) dem Mangel einer allgemeinen Profitrate, indem das Kaufmannskapital ein viel höheres Quotum des Mehrwerths an sich zog, als ihm bei allgemeiner Beweglichkeit der ||293| Kapitale zugekommen wäre. Das Aufhören dieses Zustands ist also, nach beiden Seiten betrachtet, Resultat der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise.
Die Umschläge des Kaufmannskapitals sind länger oder kürzer, ihre Anzahl im Jahr also größer oder kleiner in verschiednen Handelszweigen. Innerhalb desselben Handelszweigs ist der Umschlag rascher oder langsamer in verschiednen Phasen des ökonomischen Cyklus. Indeß findet eine durchschnittliche Anzahl von Umschlägen statt, welche durch die Erfahrung gefunden werden.
Man hat bereits gesehn, daß der Umschlag des Kaufmannskapitals verschieden ist von dem des industriellen Kapitals. Dies folgt aus der Natur der Sache; eine einzelne Phase im Umschlag des industriellen Kapitals erscheint als vollständiger Umschlag eines eignen Kaufmannskapitals oder doch eines Theils davon. Er steht auch in andrem Verhältniß zu Profit- und Preisbestimmung.
Bei dem industriellen Kapital drückt der Umschlag einerseits die Periodicität der Reproduktion aus und es hängt daher davon ab die Masse der Waaren, die in einer bestimmten Zeit auf den Markt geworfen werden. Andrerseits bildet die Umlaufszeit eine Grenze, und zwar eine dehnbare, welche mehr oder weniger beschränkend auf die Bildung von Werth und Mehrwerth, weil auf den Umfang des Produktionsprocesses wirkt. Der Umschlag geht daher bestimmend ein, nicht als positives, sondern als beschränkendes Element, in die Masse des jährlich producirten Mehrwerths, und daher in die Bildung der allgemeinen Profitrate. Dagegen ist die Durchschnittsprofitrate eine gegebne Größe für das Kaufmannskapital. Es wirkt nicht direkt mit in der Schöpfung des Profits oder Mehrwerths und geht in die Bildung der allgemeinen Profitrate nur soweit bestimmend ein, als es nach dem Theil, den es vom Gesammtkapital bildet, seine Dividende aus der Masse des vom industriellen Kapital producirten Profits zieht.
Je größer die Umschlagsanzahl eines industriellen Kapitals unter den Buch II, Abschn. II, entwickelten Bedingungen, desto größer ist die Masse des Profits, den es bildet. Durch die Herstellung der allgemeinen Profitrate wird nun zwar der Gesammtprofit vertheilt unter die verschiednen Kapitale, nicht nach dem Verhältniß, worin sie unmittelbar an seiner Produktion theilnehmen, sondern nach den aliquoten Theilen, die sie vom Gesammtkapital bilden, d. h. im Verhältniß ihrer Größe. Dies ändert jedoch nichts am Wesen der Sache. Je größer die Anzahl der Umschläge des industriellen Gesammtkapitals, desto größer die Profitmasse, die ||294| Masse des jährlich producirten Mehrwerths, und daher bei sonst gleichen Umständen die Profitrate. Anders mit dem Kaufmannskapital. Für es ist die Profitrate eine gegebne Größe, bestimmt einerseits durch die Masse des vom industriellen Kapital producirten Profits, andrerseits durch die relative Größe des Gesammthandelskapitals, durch sein quantitatives Verhältniß zur Summe des im Produktionsproceß und Cirkulationsproceß vorgeschoßnen Kapitals. Die Anzahl seiner Umschläge wirkt allerdings bestimmend ein auf sein Verhältniß zum Gesammtkapital, oder auf die relative Größe des zur Cirkulation nothwendigen Kaufmannskapitals, indem es klar ist, daß absolute Größe des nothwendigen Kaufmannskapitals und Umschlagsgeschwindigkeit desselben im umgekehrten Verhältniß stehn; seine relative Größe, oder der Antheil, den es vom Gesammtkapital bildet, ist aber gegeben durch seine absolute Größe, alle andern Umstände gleichgesetzt. Ist das Gesammtkapital 10 000, so, wenn das Kaufmannskapital desselben, ist es = 1000; ist das Gesammtkapital 1000, so desselben = 100. Sofern ist seine absolute Größe verschieden, obgleich seine relative Größe dieselbe bleibt, verschieden nach der Größe des Gesammtkapitals. Aber hier nehmen wir seine relative Größe, sage des Gesammtkapitals, als gegeben an. Diese seine relative Größe selbst wird aber wiederum durch den Umschlag bestimmt. Bei raschem Umschlag ist seine absolute Größe z. B. = 1000 £ im ersten Fall, = 100 im zweiten, und daher seine relative Größe = . Bei langsamerm Umschlag ist seine absolute Größe, sage = 2000 im ersten Fall, = 200 im zweiten. Daher ist seine relative Größe gewachsen von auf des Gesammtkapitals. Umstände, welche den Durchschnittsumschlag des Kaufmannskapitals verkürzen, z. B. Entwicklung der Transportmittel, vermindern pro tanto die absolute Größe des Kaufmannskapitals, erhöhen daher die allgemeine Profitrate. Umgekehrt, umgekehrt. Entwikkelte kapitalistische Produktionsweise, verglichen mit frühern Zuständen, wirkt doppelt auf das Kaufmannskapital: dasselbe Quantum Waaren wird mit einer geringern Masse wirklich fungirenden Kaufmannskapitals umgeschlagen; wegen des raschern Umschlags des Kaufmannskapitals, und der größern Geschwindigkeit des Reproduktionsprocesses, worauf dies beruht, vermindert sich das Verhältniß des Kaufmannskapitals zum industriellen Kapital. Andrerseits: Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise wird alle Produktion Waarenproduktion, und fällt daher alles Produkt in die Hände der Cirkulationsagenten, wobei hinzukommt, daß bei früherer Produktions ||295|weise, die im Kleinen producirte, abgesehn von der Masse Produkte, die unmittelbar in natura vom Producenten selbst konsumirt und der Masse Leistungen, die in natura erledigt wurden, ein sehr großer Theil der Producenten seine Waare unmittelbar an den Konsumenten verkaufte, oder auf dessen persönliche Bestellung arbeitete. Obgleich daher in frühern Produktionsweisen das kommerzielle Kapital größer ist im Verhältniß zum Waarenkapital, das es umschlägt, ist es
1) absolut kleiner, weil ein unverhältnißmäßig kleiner Theil des Gesammtprodukts als Waare producirt wird, als Waarenkapital in die Cirkulation eingehn muß und in die Hände der Kaufleute fällt; es ist kleiner, weil das Waarenkapital kleiner ist. Es ist aber zugleich verhältnißmäßig größer, nicht nur wegen der größern Langsamkeit seines Umschlags, und im Verhältniß zur Masse der Waaren, die es umschlägt. Es ist größer, weil der Preis dieser Waarenmasse, also auch das darauf vorzuschießende Kaufmannskapital, in Folge der geringern Produktivität der Arbeit größer ist als in der kapitalistischen Produktion, daher derselbe Werth sich in kleinerer Masse Waaren darstellt.
2) Es wird nicht nur eine größre Waarenmasse auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise producirt (wobei in Abrechnung zu bringen der verminderte Werth dieser Waarenmasse); sondern dieselbe Masse Produkt, z. B. von Korn, bildet größre Waarenmasse, d. h. es kommt immer mehr davon in den Handel. In Folge hiervon wächst übrigens nicht nur die Masse des Kaufmannskapitals, sondern überhaupt alles Kapital, das in der Cirkulation angelegt ist, z. B. in Schiffahrt, Eisenbahnen, Telegraphie etc.
3) aber, und dies ist ein Gesichtspunkt, dessen Ausführung in die „Konkurrenz der Kapitale“ gehört: das nicht oder halb fungirende Kaufmannskapital wächst mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktionsweise, mit der Leichtigkeit der Einschiebung in den Kleinhandel, mit der Spekulation und dem Ueberfluß an freigesetztem Kapital.
Aber, die relative Größe des Kaufmannskapitals im Verhältniß zum Geammtkapital als gegeben vorausgesetzt, wirkt die Verschiedenheit der Umschläge in verschiednen Handelszweigen nicht auf die Größe des Gesammtprofits, der dem kaufmännischen Kapital zukommt, noch auf die allgemeine Profitrate. Der Profit des Kaufmanns ist bestimmt, nicht durch die Masse des Waarenkapitals, das er umschlägt, sondern durch die Größe des Geldkapitals, das er zur Vermittlung dieses Umschlags vorschießt. Ist die allge ||296|meine Jahresprofitrate 15 % und schießt der Kaufmann 100 £ vor, so, wenn sein Kapital einmal im Jahr umschlägt, wird er seine Waare zu 115 verkaufen. Schlägt sein Kapital fünfmal im Jahr um, so wird er ein Waarenkapital zum Einkaufspreis von 100 fünfmal im Jahr zu 103 verkaufen, also im ganzen Jahr ein Waarenkapital von 500 zu 515. Dies macht aber auf sein vorgeschoßnes Kapital von 100 nach wie vor einen Jahresprofit von 15. Wäre dies nicht der Fall, so würfe das Kaufmannskapital, im Verhältniß zur Zahl seiner Umschläge, viel höhern Profit ab als das industrielle Kapital, was dem Gesetz der allgemeinen Profitrate widerspricht.
Die Anzahl der Umschläge des Kaufmannskapitals in verschiednen Handelszweigen afficirt also die merkantilen Preise der Waaren direkt. Die Höhe des merkantilen Preiszuschlags, des aliquoten Theils des merkantilen Profits eines gegebnen Kapitals, der auf den Produktionspreis der einzelnen Waare fällt, steht im umgekehrten Verhältniß zur Anzahl der Umschläge oder zur Umschlagsgeschwindigkeit der Kaufmannskapitale in verschiednen Geschäftszweigen. Schlägt ein Kaufmannskapital fünfmal im Jahre um, so setzt es dem gleichwerthigen Waarenkapital nur des Aufschlags zu, den ein andres Kaufmannskapital, das nur einmal im Jahr umschlagen kann, einem Waarenkapital von gleichem Werth zusetzt.
Die Affektion der Verkaufspreise durch die durchschnittliche Umschlagszeit der Kapitale in verschiednen Handelszweigen reducirt sich darauf, daß im Verhältniß zu dieser Umschlagsgeschwindigkeit dieselbe Profitmasse, die bei gegebner Größe des Kaufmannskapitals durch die allgemeine Jahresprofitrate bestimmt ist, also bestimmt ist unabhängig vom speciellen Charakter der kaufmännischen Operation dieses Kapitals, sich verschieden vertheilt auf Waarenmassen von demselben Werth, bei fünfmaligem Umschlag im Jahr z. B. = 3 %, bei einmaligem Umschlag im Jahr dagegen 15 % dem Waarenpreis zusetzt.
Derselbe Procentsatz des kommerziellen Profits in verschiednen Handelszweigen erhöht also, je nach dem Verhältniß ihrer Umschlagszeiten, die Verkaufspreise der Waaren um ganz verschiedne Procente, auf den Werth dieser Waaren berechnet.
Bei dem industriellen Kapital dagegen wirkt die Umschlagszeit in keiner Weise auf die Werthgröße der producirten einzelnen Waaren, obgleich sie die Masse der von einem gegebnen Kapital in einer gegebnen Zeit producirten Werthe und Mehrwerthe afficirt, weil die Masse der exploitirten Arbeit. Dies versteckt sich allerdings und scheint anders zu sein, sobald man die Produktionspreise ||297| ins Auge faßt, aber nur weil die Produktionspreise der verschiednen Waaren nach früher entwickelten Gesetzen von ihren Werthen abweichen. Betrachtet man den gesammten Produktionsproceß, die vom gesammten industriellen Kapital producirte Waarenmasse, so findet man sofort das allgemeine Gesetz bestätigt.
Während also eine genauere Betrachtung des Einflusses der Umschlagszeit auf die Werthbildung beim industriellen Kapital zurückführt zum allgemeinen Gesetz und zur Basis der politischen Oekonomie, daß die Werthe der Waaren bestimmt sind durch die in ihnen enthaltne Arbeitszeit, zeigt der Einfluß der Umschläge des Kaufmannskapitals auf die merkantilen Preise Phänomene, die ohne sehr weitläufige Analyse der Mittelglieder eine rein willkürliche Bestimmung der Preise vorauszusetzen scheinen; nämlich eine Bestimmung bloß dadurch, daß das Kapital nun einmal entschlossen ist ein bestimmtes Quantum Profit im Jahr zu machen. Es scheint namentlich, durch diesen Einfluß der Umschläge, als ob der Cirkulationsproceß als solcher die Preise der Waaren bestimme, unabhängig, innerhalb gewisser Grenzen, vom Produktionsproceß. Alle oberflächlichen und verkehrten Anschauungen des Gesammtprocesses der Reproduktion sind der Betrachtung des Kaufmannskapitals entnommen, und den Vorstellungen, die seine eigenthümlichen Bewegungen in den Köpfen der Cirkulationsagenten hervorrufen.
Wenn, wie der Leser zu seinem Leidwesen erkannt hat, die Analyse der wirklichen, innern Zusammenhänge des kapitalistischen Produktionsprocesses ein sehr verwickeltes Ding und eine sehr ausführliche Arbeit ist; wenn es ein Werk der Wissenschaft ist, die sichtbare, bloß erscheinende Bewegung auf die innere wirkliche Bewegung zu reduciren, so versteht es sich ganz von selbst, daß in den Köpfen der kapitalistischen Produktionsund Cirkulationsagenten sich Vorstellungen über die Produktionsgesetze bilden müssen, die von diesen Gesetzen ganz abweichen, und nur der bewußte Ausdruck der scheinbaren Bewegung sind. Die Vorstellungen eines Kaufmanns, Börsenspekulanten, Bankiers, sind nothwendig ganz verkehrt. Die der Fabrikanten sind verfälscht durch die Cirkulationsakte, denen ihr Kapital unterworfen ist und durch die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate.41) Die Konkurrenz spielt in ||298| diesen Köpfen nothwendig auch eine ganz verkehrte Rolle. Sind die Grenzen des Werths und des Mehrwerths gegeben, so ist leicht einzusehn, wie die Konkurrenz der Kapitale die Werthe in Produktionspreise und noch weiter in merkantile Preise, den Mehrwerth in Durchschnittsprofit verwandelt. Aber ohne diese Grenzen ist absolut nicht einzusehn, warum die Konkurrenz die allgemeine Profitrate auf diese statt auf jene Grenze reducirt, auf 15 % statt auf 1500 %. Sie kann sie doch höchstens auf ein Niveau reduciren. Aber es ist absolut kein Element in ihr, um dies Niveau selbst zu bestimmen.
Vom Standpunkt des Kaufmannskapitals erscheint also der Umschlag selbst als preisbestimmend. Andrerseits, während die Umschlagsgeschwindigkeit des industriellen Kapitals, soweit sie ein gegebnes Kapital zur Exploitation von mehr oder weniger Arbeit befähigt, bestimmend und begrenzend auf die Profitmasse und daher auf die allgemeine Rate des Profits wirkt, ist dem merkantilen Kapital die Profitrate äußerlich gegeben, und der innere Zusammenhang derselben mit der Bildung von Mehrwerth gänzlich verlöscht. Wenn dasselbe industrielle Kapital, bei sonst gleichbleibenden Umständen und namentlich bei gleicher organischer Zusammensetzung, viermal im Jahr statt zweimal umschlägt, producirt es doppelt so viel Mehrwerth und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und so lange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet. Die verschiedne Umschlagszeit in verschiednen Handelszweigen erscheint umgekehrt darin, daß der Profit, der auf den Umschlag eines bestimmten Waarenkapitals gemacht wird, im umgekehrten Verhältniß steht zur Anzahl der Umschläge des Geldkapitals, das diese Waarenkapitale umschlägt. Small profits and quick returns erscheint namentlich dem shopkeeper als ein Princip, das er aus Princip befolgt.
Es versteht sich übrigens von selbst, daß dies Gesetz der Umschläge des Kaufmannskapitals in jedem Handelszweig, und abgesehn von der Abwechslung einander kompensirender, rascherer und langsamerer Umschläge, nur für den Durchschnitt der Umschläge gilt, die das ganze in diesem Zweig angelegte Kaufmannskapital macht. Das Kapital von A, der in demselben Zweige macht wie B, mag mehr oder weniger als die Durchschnittszahl der Umschläge machen. In diesem Fall machen die andern weniger oder mehr. Es ändert dies nichts am Umschlag der in diesem Zweig angelegten Totalmasse von Kaufmannskapital. Aber es ist entscheidend wichtig ||299| für den einzelnen Kaufmann oder Kleinhändler. Er macht in diesem Fall einen Mehrprofit, ganz wie industrielle Kapitalisten Mehrprofite machen, wenn sie unter günstigern als den Durchschnittsbedingungen produciren. Zwingt die Konkurrenz dazu, so kann er wohlfeiler verkaufen als seine Kumpane ohne seinen Profit unter den Durchschnitt zu senken. Sind die Bedingungen, die ihn zu rascherm Umschlag befähigen, selbst käufliche Bedingungen, z. B. Lage der Verkaufsstätte, so kann er extra Rente dafür zahlen, d. h. ein Theil seines Surplusprofits verwandelt sich in Grundrente.